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Kometensonde Rosetta sendet einzigartige Bilder vom Asteroiden Lutetia
DLR-Wissenschaftler sind maßgeblich an der wegweisenden Mission beteiligt
Die Europäische Raumsonde Rosetta hat einen weiteren Meilenstein auf ihrer Reise zum Kometen Churyumov-Gerasimenko erreicht: Am 10. Juli 2010 um 17.45 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) flog der Orbiter bei seiner zweiten und letzten Passage des Asteroidengürtels mit einer relativen Geschwindigkeit von 15 Kilometern pro Sekunde - das sind 54.000 Kilometer pro Stunde - in nur 3162 Kilometern Entfernung am Asteroiden Lutetia vorbei. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist maßgeblich an der wegweisenden Mission beteiligt.
Das hochpräzise Raumflugmanöver wurde ab 18.10 Uhr im Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA (European Space Operations Center, ESOC) in Darmstadt live übertragen. Gegen 23 Uhr lagen die ersten Bilder dieses besonderen Rendezvous vor.
Der Vorbeiflug der Kometensonde am Kleinplaneten "21 Lutetia" bot die einmalige wissenschaftliche Gelegenheit, Größe, Oberflächenstruktur und Rotationseigenschaften dieses relativ großen, aber bislang noch nicht aus der Nähe erforschten Asteroiden zu untersuchen: "Die hochauflösenden Bilder und Spektrometermessungen aus verschiedenen Aufnahmewinkeln werden Anhaltspunkte für Alter, Mineralogie, Geochemie und die geologische Geschichte von Lutetia geben", erklärt Dr. Ekkehard Kührt vom DLR-Institut für Planetenforschung, der die wissenschaftlichen DLR-Beteiligungen an Rosetta koordiniert. "Der Vorbeiflug war eine erstklassige Möglichkeit, zum letzten Mal vor Erreichen des Kometen im Jahre 2014 sämtliche Orbiter-Instrumente und einige der Lander-Experimente zu testen", fügt Kührt hinzu.
Denn ab Juli 2011 beginnt für die Kometensonde eine knapp zweieinhalbjährige Ruhephase: Erst im Januar 2014 erwacht Rosetta aus diesem Tiefschlaf und bereitet sich auf die Ankunft bei Churyumov-Gerasimenko im Mai 2014 vor. Im September 2008 hatte die Sonde mit dem Šteins-Rendezvous erstmals einen Asteroiden passiert. Generell liefert die Untersuchung der sogenannten Kleinen Körper, zu denen die Asteroiden Lutetia und Šteins gehören - wichtige Hinweise auf die frühesten Zeiten des Sonnensystems. Mit einem Durchmesser von zirka 100 Kilometern ist "21 Lutetia" wesentlich größer als der nur rund fünf Kilometer große Asteroid "2867 Šteins". Lutetia ist damit der größte Asteroid, den eine Weltraummission besucht hat.
DLR-Wissenschaftler sind an mehreren Experimenten auf Rosetta beteiligt. Dazu gehören insbesondere die Tele- und Weitwinkelkamera OSIRIS, die Lutetia mit einer Auflösung von bis zu 50 Meter pro Bildpunkt (Pixel) beobachtet, das Spektrometer VIRTIS, das Zusammensetzung und Temperatur der Oberfläche des Asteroiden misst und das Instrumentenpaket RPC, das die Plasma-Umgebung und ein mögliches Magnetfeld des Asteroiden erforscht.
"Bereits aus einer größeren Entfernung von 500.000 Kilometern war zu erahnen, dass Lutetia mit seiner sehr unregelmäßigen Form ein außergewöhnlicher Asteroid ist. Aber als das Kamerasystem OSIRIS dann aus gut 3000 Kilometern seine besten Bilder aufgenommen hat, haben wir die Schönheit dieses Objektes erst wirklich erkannt", freut sich DLR-Planetenforscher Dr. Stefano Mottola vom OSIRIS-Team nach der erfolgreichen Übertragung der ersten Daten, die er in der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 2010 gemeinsam mit Kollegen im Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau analysierte. "Lutetias Oberfläche ist mit riesigen Kratern, Graten und Erdrutschen übersät, das lässt auf eine Geschichte voller gewaltiger Ereignisse schließen. Auf der Oberfläche sind Felsen zu sehen, die hunderte von Metern groß sind. Die enorme Qualität der Daten wird uns Wissenschaftlern erlauben, die Prozesse die diese Phänomene verursacht haben, besser zu verstehen", sagte Mottola in einer ersten Einschätzung.
Die von der DLR-Raumfahrt-Agentur geförderte und unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern entwickelte OSIRIS-Kamera hat zwei Stunden vor der größtmöglichen Annäherung zwischen Sonde und Asteroid sowie währenddessen und danach Aufnahmen erstellt. Lutetia befand sich zum Zeitpunkt des Vorbeiflugs 407 Millionen Kilometer von der Sonne und 455 Millionen Kilometer von den Empfangsstationen auf der Erde entfernt. Die Funksignale von Rosetta brauchten nach dem Vorbeiflug gut 25 Minuten, um diese Distanz zu überbrücken.
Auch die Messungen mit dem Spektrometer-Experiment VIRTIS sind bereits zur Erde übertragen worden. "Unser Team hat mit der Auswertung der Daten sofort begonnen", berichtet DLR-Forscherin Dr. Gabriele Arnold, die die deutschen Arbeiten für das VIRTIS Experiment koordiniert. Im Gegensatz zu den Aufnahmen des Kamerasystems sind die spektralen Daten, die im sichtbaren und im infraroten Licht bis zu einer Wellenlänge von fünf Mikrometer gewonnen werden, schwieriger zu interpretieren, eine detaillierte Auswertung braucht Zeit.
Neben der Federführung bei der ROLIS-Kamera zur Beobachtung der Kometenoberfläche während der Landephase, dem SESAME-Experiment zur seismischen Untersuchung des Kometenkerns und dem Gerät MUPUS, das die Oberflächentemperatur und Festigkeit des Kometen misst, sind die DLR-Planetenforscher wissenschaftlich beim Magnetometer ROMAP sowie dem Experiment COSAC beteiligt. Letzteres analysiert die chemische Zusammensetzung der gefrorenen Oberfläche bis in 20 Zentimeter Tiefe.
Zudem ist das DLR-Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (Microgravity User Support Center, MUSC) in Köln für die Landeeinheit Philae verantwortlich. Während der Landung von Rosetta auf Churyumov-Gerasimenko im November 2014 wird der Lander Philae vom DLR gesteuert. Bereits seit dem Start von Rosetta am 2. März 2004 testen und kalibrieren die MUSC-Wissenschaftler die Nutzlast regelmäßig, um die Einsatzbereitschaft des Moduls sicherzustellen. So haben die Philae-Verantwortlichen das Landesystem im Vorfeld des Lutetia-Vorbeiflugs am 7. Juli für die Aktivitäten am 10. Juli 2010 präpariert. Unter anderem musste der Lander thermisch speziell konfiguriert werden, da Philae direkt von der Sonne angestrahlt wurde. Drei der zehn Experimente auf Philae waren auch beim Lutetia-Vorbeiflug angeschaltet.
Kontakt: Elisabeth Mittelbach, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Kommunikation, Redaktion Verkehr, Weltraum, Tel.: +49 2203 601-3900
Fax: +49 2203 601-3249, elisabeth.mittelbach@dlr.de - Dr. phys. Stefano Mottola, stefano.mottola@dlr.de - Dr. rer. nat. Ekkehard Kührt, ekkehard.kuehrt@dlr.de - Dr. Stephan Ulamec, Astronautentraining
● Sichere, umweltfreundliche und kostengünstige Nuklearenergie
(Ein Bericht aus dem Jahre 2008 und seitdem ist nichts geschehen)
Am 6. Juli 2008 hatte der ehemalige SPD-Verteidigungsminister Peter Struck, nun Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, festgestellt: „Keine neuen Kraftwerke, solange die Endlagerungsprobleme nicht gelöst sind.“ Aus heutiger Sicht ist das eine Absage an neue Kernkraftwerke bis zum Ende der Nutzung der Kernenergie für Kraftwerke. Deutschland untersagt die Bereitstellung von Forschungsmitteln für neue Kernbrennstoffe und neue Kernkraftwerke, die keine Endlagerungsprobleme mehr haben. Und im Ausland wird, soweit bekannt, auf diesem Gebiet keine Forschung betrieben.
Im Gegenteil: Der Ausbau der nuklear gestützten Kapazitäten zur Energieerzeugung ist ungeachtet der bekannten Risiken weltweit und auch in Europa auf dem Vormarsch.
In Verbindung mit dem „Atomausstieg“ der Bundesregierung im Jahre 2001 wurde im Rahmen der Novellierung des Atomgesetzes (Gesetz über die friedliche Nutzung der Nuklearenergie und zum Schutz gegen ihre Gefahren vom 23.12.1959 in der Fassung vom 31.10. 2006) die Verwendung von öffentlichen Geldern für Forschung und Entwicklung auf den Gebieten der Kernbrennstoffe und neuer Reaktoren untersagt (§ 7). Zugelassen, aber natürlich genehmigungspflichtig sind Forschungen und Entwicklungen auf dem Gebiet der Reaktorsicherheit. Der deutsche Verzicht auf Forschung und Entwicklung auf Schlüsselgebieten der Nukleartechnologie wird in anderen Teilen der Welt nicht nachvollzogen und bleibt global betrachtet wirkungslos. Deutschland bezieht heute und wird auch in Zukunft „Atomstrom“ aus dem Ausland beziehen und nimmt es hin, dass deutsche Wissenschaftler und andere Fachkräfte an europäischen Programmen mitwirken. Deutsche Unternehmen sind auch Zulieferer für Kernreaktoren, die in anderen Ländern gebaut werden.
Die internationale Konferenz über den Klima-Wandel in Bali (3.-14. Dezember 2007) zur Vereinbarung eines Mandats für die Verhandlungen über ein internationales Anschluss-Abkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen zeigte, dass die Umsetzung all der Maßnahmen unwahrscheinlich ist, die weltweit notwendig wären, um die Erwärmung der Erdatmosphäre in den kommenden Jahrzehnten auf zwei Grad Celsius zu beschränken. Die Veränderung des Klimas und die damit verbundenen existenziellen und zivilisatorischen Veränderungen für die Menschheit in ihrer Gesamtheit erscheinen unvermeidbar.
Es ist unbestritten, dass Kernkraftwerke keine negativen Auswirkungen auf die bedrohliche Zunahme der Erderwärmung haben. Aber die von den derzeit bestehenden und im Bau befindlichen Kernkraftwerken der dritten Generation ausgehenden Strahlungs-Risiken für Leib und Leben der Bevölkerung und für spätere Generationen können nicht wegdiskutiert werden. Es muss daher das Ziel zukunftsträchtiger Kernforschung sein, mit der Entwicklung neuer Brennstoffe und Kernreaktoren diese Risiken zu beheben. Aus diesem Grunde ist das Atom-Gesetz korrekturbedürftig. Mit dem Verbot der Förderung von Projekten zur Entwicklung neuer Brennstoffe und Reaktoren schießt das Gesetz über das Ziel hinaus und lähmt den menschlichen Geist, seine Fähigkeit, Forschung nach bestimmten Vorgaben zu optimieren. Muss man nicht fragen, ob nicht Brennstoffe entwickelt werden können, die nach anderen Prinzipien arbeiten, als denen, die in bei dem in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelten Brennstoff Anwendung finden? In der Tat ist mit dem Element Thorium in kristallenem Zustand – an Stelle des Urans - experimentiert worden, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.
Nun gibt es seit Jahresfrist auf dem Markt die auch in der Europäischen Union vollzogenen Patentanmeldungen von Professor Lew Maximow, Nowosibirsk, für „amorphem Thorium-Brennstoff“ (Internationale Anmeldenummer PCT/RU2006/000435 vom 17., August 2006). Nach Auffassung des Atomphysikers Lew Maximow erfüllt das von ihm entwickelte „physikalisch-technische“ Konzept der Kernenergieerzeugung die Umwelt- und Sicherheitsanforderungen, die heute an die Nutzung von Kernenergie für die Energieerzeugung gestellt werden müssen. Wie der amorphe Kernbrennstoff so gehören auch die Art und Weise der Steuerung des Reaktors und die Anordnung der Brennelemente im Reaktor selbst zur Kernenergieerzeugung, die auf der Nutzung von Thorium beruht. In den Theorieansätzen der vergangenen Jahrzehnte spielte die Vorstellung, dass man die sich bei der Kernspaltung bildenden Spaltprodukte nicht mit den herkömmlichen chemischen Prozessen, sondern mit rein physikalischen Verfahren aus dem Kernbrennstoff entfernen können sollte, stets eine mitschwingende Bedeutung. Nach dem Verfahren von Professor Maximow geschieht das im Wege des Einsatzes des amorphen Thorium.
Professor Maximow hat sich mit seinen Patenten an kompetente deutsche Forschungs-Institutionen gewandt, da sich Deutschland nicht mehr mit der umwelt- und sicherheitsbezogen notwendigen Perfektionierung der dritten, jetzt im Bau befindlichen Generation von Kernkraftwerken befasst und daher nach seiner Auffassung für eine noch nicht experimentell verifizierte, aber theoretisch erarbeitete Konzeption eines risikolosen oder risikoarmen Verfahrens für die Kernenergieerzeugung offen sein sollte. Nach diesem Konzept gäbe es auch kein problematisches Endlagerungsproblem mehr.
Die Präsentation fand bei den Wissenschaftlern in wissenschaftlicher und technologischer Hinsicht ein positives Echo. Wahrscheinlich liegt in diesem Konzept ein Schlüssel für eine konstruktive Rolle der Kernenergie mit Zukunft.
Noch gibt es keine Plattform in Deutschland, die sich aktiv für das Maximow-Patent interessiert – sei es aus Unkenntnis, sei es Furcht, in die öffentliche Kritik zu geraten, sei es aus Resignation, also dem Gefühl, dass Deutschland den Willen verloren hat, auch auf diesem Gebiet seine wissenschaftliche und technologische Zukunftsfähigkeit zu behaupten und diesen Verlust offenbar auch nicht bedauert.
Oder gibt es mit dem Beschluss D 6 des 21. CDU-Parteitags in Hannover vom 3./4. Dezember 2007 einen Hoffnungsschimmer für eine Kursänderung, in dem es immerhin heißt: „Die CDU tritt für einen ausgewogenen und nachhaltigen Energiemix ein. Jede Form der Energiegewinnung ist separat auf ihre Stärken und Schwächen hin zu analysieren. Alle Energieträger sind auch weiterhin vorurteilsfrei auf ihre Chancen und Risiken zu überprüfen. Keine Energieart darf aus ideologischen Gründen ausgeschlossen werden – auch nicht die Kernenergie.“
In ein Handlungskonzept übertragen, bedeutet dieser Beschluss doch die Bereitschaft zur Wiederaufnahme von staatlich geförderten Forschungen und Entwicklungen auf dem Gebiet der Kernbrennstoffe und Kernreaktoren – jenseits der heute bekannten und immer noch mit Risiken behafteten Generation neuer Kernkraftwerke. Ein zukunftsträchtiges Projekt liegt jedenfalls auf dem Tisch und wartet auf eine Prüfung auf Herz und Nieren.
● Das polnische "H1N1 - Wunder" beeindruckte Europa
Polens Dr. E. Kopacz WHO Zähne gezeigt
Regierungen, Europarat und Europäische Parlament fordern von Pharma-Riesen "Schweine-Grippe-Wahrheit"
Dr.med. Ewa Kopacz, Polens Gesundheitsministerin, ist Medien-Superstar wegen ihres Misstrauens gegen die Pharma-Industrie. Als einziger Staat hat Polen nicht geimpft, weil die Serum-Lieferanten keine Unschädlichkeit ihrer Produkte "im Ringen um die Schweine-grippe" (WHO) garantierten. Kopacz: "Wir hatten weniger Todesfälle als alle Nachbarn und sparten 1 Milliarde €." Frankreich beklagte 3000 Fälle von starken Nebenwirkungen, Kliniken in England machten sogar Experimente mit Patienten. Auf mehrere Regierungen wurde Druck ausgeübt, In bisher acht Fällen sollen Entscheidungsträger bestochen worden sein. Bisher starben lt. WHO angeblich 16.500 Menschen weltweit in einem Zeitabschnitt an Schweinegrippe, der 2008 und früher bis zu 400.000 Opfer jährlich insgesamt bei "Normalgrippen" forderte. Dabei wurde massenhaft verdrängt, dass viele Menschen an schon bestehenden schweren Krankheiten starben. In Deutschland sollen 4 Ärzte, die Bezüge aus der Pharma-Branche haben, die Medien-Kampagne bedient haben, darunter ein Fall im Robert-Koch-Institut. Bis heute haben ARD und ZDF keine Untersuchungen über Mitarbeiter-Beziehungen zu Pharma-Firmen forciert. Im Europäischen Parlament wirken Abgeordnete, die für künftige "Kampagnen" fordern, der WHO schärfer auf die Finger zu sehen. Gerade sie beschäftige Funktionäre mit diskreten Beziehungen zu Pharma-Riesen in den USA.
(Jürgen Wahl)
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Gesundheitspolitik: Schluss mit den Legenden!
Irrtümer, Legenden und Lebenslügen des Gesundheitswesens bilden oft genug die
Grundlagen für Entscheidungen der Gesundheitspolitik in Deutschland. Die Neue
Allgemeine Gesundheitszeitung für Deutschland, veröffentlicht in um
Frühlingsbeginn einen geharnischten Kommentar zur Gesundheitspolitik in
Deutschland. „Unverantwortlich“ ist diese Politik, meint das Blatt. Die
Lebenslügen der Gesundheitspolitik sind langlebig: Also Schluss mit den
Irrtümern und Legenden. Wir halten diesen Kommentar, der vielleicht extrem
kritisch ist, für veröffentlichungswürdig. Die Regierungsstellen sollen darauf
reagieren. Mag sein, dass die Bundesregierung an der falschen Stelle sparen will.
Der Kommentar :
Wir sind mitten in einer Wirtschaftskrise. Die Exportwirtschaft lahmt, die
deutschen Unternehmen erholen sich nur langsam. Die Zeitungen sind voll davon.
Wie schaffen wir neue Arbeitsplätze? Wie verringern wir die Zahl der Hartz-IV-Empfänger?
Wie beseitigen wir die Jugendarbeitslosigkeit? Wie gut, dass es da einen Bereich
gibt, der Arbeitsplätze schafft: das Gesundheitswesen. Eine halbe Million
Arbeitsplätze waren es in den letzten 10 Jahren. Dieser Jobmotor muss
doch kaputtzukriegen sein. Zu viele Krankenhäuser, zu viele Arztpraxen, zu viele
Apotheken. Sagen die Krankenkassen. Unverantwortliches Gerede.
Die „Neue Allgemeine Gesundheitszeitung“ für Deutschland räumt im Leitartikel
der Aprilausgabe ausführlich mit einigen dieser schwer auszurottenden Irrtümer
auf und fordert Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler auf, sie - mit
einer sinnvollen Reformpolitik - jetzt ein für allemal aus dem Weg räumen. In
Rösler setzen die Beteiligten im Gesundheitswesen große Hoffnungen: Nach vielen
Jahren Reformchaos unter Ulla Schmidt kann es schließlich nur besser werden.
Doch Skepsis bleibt.
"Wir sind ja nicht zum Spaß hier". FDP-Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler
gab diesen bedeutungsschweren Satz in einem Gespräch mit der Wochenzeitung "Die
Zeit" zum Besten. Das war im November 2009. Rösler war erst wenige Wochen im Amt.
Man erwartete frischen Wind in der Gesundheitspolitik, neue Ideen zur
Finanzierung des Gesundheitswesens und mehr Verständnis für die Probleme der
Patienten. Denn Rösler ist Arzt. Doch er wusste damals schon: "Wer versucht, bei
seinem Handeln nur auf die öffentliche Meinung zu schielen, wird die traurige
Erfahrung machen, dass der Wähler schneller ist als er selbst".
Rösler hat in den ersten Monaten seiner Amtszeit nun wirklich nicht auf die
öffentliche Meinung geschielt. Und dennoch hat seine Partei die traurige
Erfahrung machen müssen, dass der Wähler auch so schneller war, als der FDP lieb
sein konnte: Er hat ihr blitzartig den Rücken gekehrt. Gründe dafür gab es
einige, und die Gesundheitspolitik war daran nicht unbeteiligt. Dabei hat Rösler
bis heute nicht gehandelt, nur den Beteiligten am und im Gesundheitswesen
zugehört -
leider nicht allen.
Inzwischen haben die ersten großen Krankenkassen den gesetzlich erlaubten
Zusatzbeitrag erhoben. Das mussten sie, weil der Gesundheitsfonds, aus dem die
Kassen ihre Zuwendungen erhalten, dramatisch unterfinanziert ist. Das ist zwar
die Schuld von Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und der ehemaligen
Koalitionsregierung, doch hat man dem neuen Gesundheitsminister wohl zugetraut,
das Abkassieren der Versicherten durch die Kassen zumindest aufzuschieben. Nun
hört man von ersten Plänen, wie Rösler sich seine Reform des Gesundheitswesens
vorstellt.
Ob der Wähler daraufhin zurückkommt, bleibt abzuwarten. Denn bisher ist nicht zu
erkennen, was an den bekanntgewordenen Maßnahmen neu oder besser für den
Patienten wäre. Und dass der - wenn auch zögerliche - Einstieg in die "Kopfpauschale",
die alle Kassen ab 2011 zusätzlich von jedem Versicherten eintreiben sollen und
die niemand außer der FDP ernsthaft will, den Wähler milder stimmt, ist auch
zweifelhaft.
Aber noch sind die Konturen einer neuen Reformpolitik nur in Umrissen sichtbar.
Röslers Pläne werden Patienten, Versicherte und die Leistungsträger im
Gesundheitswesen dann nicht enttäuschen, wenn es ihm gelingt, den Umgang mit den
"üblichen Verdächtigen", die Akzeptanz der gleichen Irrtümer, Legenden und
Lebenslügen in der Gesundheitspolitik, die auch Richtschnur des Handelns seiner
Vorgänger war, zu vermeiden.
Es gibt in Deutschland zu viele Apotheken? Legende! 4 Millionen (!) Menschen
suchen jeden Tag in Deutschland eine Apotheke auf, weil sie ein Medikament
benötigen - entweder für sich selbst oder für einen Angehörigen. Rund um die Uhr
sind die deutschen Apotheken für die Kranken im Lande da. In wie vielen
Apotheken suchen nachts die Eltern kranker Kinder Rat und Hilfe!
Apotheken haben einen eminent wichtigen gesellschaftlichen und
gesundheitspolitischen Auftrag. Sie sind erste Anlaufstelle für alle leichter
Erkrankten und Ort ständiger Beratung und Begleitung für Millionen schwerer
erkrankter Menschen. Die psychosoziale Funktion, Kompetenz und Bedeutung der
Apotheken stehen außer Zweifel. Die Patienten beraten dürfen laut Recht und
Gesetz nur Apotheker und pharmazeutisch ausgebildete Fachkräfte. Die
Erreichbarkeit der
Apotheken in Notlagen, die hohe Qualität der Beratung und die
Arzneimittelsicherheit sind tief im Bewusstsein der Menschen verankert. In
Umfragen nehmen deshalb die Apotheken im Vertrauen der Bevölkerung regelmäßig
einen der Spitzenplätze ein.
Immer wieder versuchen interessierte Kreise, das Märchen von den zu vielen
Apotheken lebendig zu erhalten - zuletzt die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes
Dr. Doris Pfeiffer in einem Gespräch mit der "Rheinischen Post". Sie erliegt -
wie viele Gesundheitspolitiker und "Experten" auch - dem Irrtum, weniger
Apotheken bedeuteten weniger Kosten. Wenn das stimmen würde, müssten die
Verwaltungskosten in den Krankenkassen gewaltig gesunken sein, denn durch von
der Politik gewollte Fusionen sind von mehr als 1200 Kassen (1991) im November
2009 gerade einmal 184 übriggeblieben. Sind deshalb die Verwaltungskosten
gesunken? Im Gegenteil - sie sind so hoch wie nie zuvor.
Die "Vertriebskosten" für Arzneimittel sind zu hoch? Irrtum! Das Märchen von den
"Apothekenpreisen" hält sich hartnäckig. Aber es ist falsch. Apotheke und
Großhandel erhalten vom Arzneimittelpreis nur einen ganz geringen Anteil. Mehr
als 65 % vom Arzneimittelpreis bekommen die Hersteller. Dafür forschen,
produzieren und vermarkten sie das Arzneimittel. Der Staat kassiert den vollen
Mehrwertsteuersatz auf die Arzneimittel. Das sind satte 19 %. Und zu allem
Überfluss kassieren die Krankenkassen für jedes Medikament von den Apotheken
noch einen Zwangsrabatt - genauso wie der Staat ohne irgendeine Gegenleistung.
Zusammen kommen die drei auf knapp 86 %!
Zur Deckung der eigentlichen Vertriebskosten bleiben demnach gerade einmal 14 %
vom Arzneimittelpreis übrig. Dafür müssen 80 Millionen Menschen an 365 Tagen im
Jahr rund um die Uhr mit über 150 000 verschiedenen Medikamenten versorgt werden.
Diese Leistung vollbringen 21 500 Apotheken und 15 vollversorgende
Pharmazeutische Großhandlungen mit über 100 Niederlassungen in ganz Deutschland.
Und sie machen es perfekt - jedenfalls sehen es die Verbraucher so.
Deshalb verbietet sich jede weitere Kürzung der Handelsspannen. Sie ist nicht zu
verantworten, will man die schnelle und umfassende Versorgung der Patienten
nicht gefährden. Doch in den Plänen des Gesundheitsministers sieht es gefährlich
danach aus.
"Pick-up-Stellen" dienen dem Verbraucher? Irrtum! In ihrem Bemühen, das
hervorragend funktionierende Distributionssystem für Arzneimittel in Deutschland
zu zerstören, hat Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt vor der Zulassung des
Versandhandels nicht zurückgeschreckt. Seitdem haben die Probleme mit
Arzneimittelfälschungen bei Bestellungen über das Internet dramatisch zugenommen.
Und im Schlepptau des Versandhandels entstanden "Sumpfblüten", wie die "Pick-up-Stellen"
in Blumenläden, Tankstellen und Drogeriemärkten. Dort können Verbraucher die bei
Versandhändlern im Ausland bestellte Arzneimittel abholen; ohne Kontrolle durch
einen Apotheker oder eine pharmazeutische Fachkraft, ohne Beratung und ohne die
strenge staatliche Aufsicht durch den Amtsapotheker.
Juristisch waren diese "Pick-up-Stellen" nicht zu verhindern. Erreicht wurde
lediglich, dass sie sich nicht zu "Schmalspur-Apotheken", zu "Primitiv-Apotheken
zweiter Klasse" entwickeln durften. "Pick-up-Stellen" sind schlichtweg
überflüssig. Gesundheitsminister Rösler sollte sie per Gesetz verbieten. Die
Arzneimittelsicherheit verlangt es.
Die Mehrwertsteuer kann nicht gesenkt werden? Legende! Knapp 5 Milliarden Euro
an Mehrwertsteuer auf Arzneimittel entzieht der Staat Jahr für Jahr dem
Gesundheitssystem. Das ist einmalig in Europa. Die meisten Staaten haben die
Medikamente von der Mehrwertsteuer befreit oder berechnen einen niedrigen
Steuersatz. Nicht so Deutschland. Deshalb fordern Krankenkassen, Verbände,
Gewerkschaften und Patientenvereinigungen unisono eine Absenkung der
Mehrwertsteuer. Selbst die FDP hat dies immer gefordert. Aber da war sie noch
nicht in der Regierung.
Dass die Steuer auf Arzneimittel innerhalb von Monaten gesenkt oder abgeschafft
werden kann, hat die FDP soeben bewiesen. Um die Hotelbranche von 1 Mrd. Euro
Mehrwertsteuer zu befreien, brauchte sie, zusammen mit der CDU/CSU, nur drei
Monate. Es geht also, wenn man will. Aber man will nicht.
NOWEDA eG - Neue Allgemeine Gesundheitszeitung für Deutschland, Ausgabe April
2010,Heinrich-Strunk-Straße 77, 45143 Essen,Tel.0201/8020
redaktion@neue-allgemeine.de ; http://www.neue-allgemeine.de
● Angst vor Jobverlust beeinflusst das Wohlbefinden viel stärker als bisher angenommen
Die
Angst um den Job kann massive Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden
haben. Arbeitsökonom Ingo Geishecker hat jetzt mit Hilfe des Sozio-ökonomischen
Panels (SOEP) herausgefunden, dass dieser Zusammenhang viel stärker ist als
bisher angenommen. „Der Einfluss der Angst vor Arbeitslosigkeit wurde bisher
dramatisch unterschätzt“, sagt er. ![]()
„Arbeitslosigkeit ist für den Einzelnen nicht nur ein wirtschaftliches Problem“, sagt Ingo Geishecker, Professor an der Universität Göttingen. „Wir wissen, dass die psychologischen, sozialen und gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit viel schwerer wiegen als nur der Verlust an Einkommen.“ Neu sei dagegen, dass diese Folgen schon vor dem eigentlichen Jobverlust eintreten können. Die vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung erhobenen Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) zeigen ganz deutlich: „Wer sich sehr große Sorgen um seinen Job macht, dem geht es oft erstmals sogar besser, wenn die Arbeitslosigkeit tatsächlich eintrifft.“
Die Angst vor dem Jobverlust ist in Deutschland seit 2001 erheblich gestiegen. Nach aktuellsten Daten machten sich 2005 20 Prozent der Deutschen nach eigenen Angaben große Sorgen um ihren Arbeitsplatz, 2001 waren dies nur 12 Prozent. Nur 33 Prozent gaben an, sich gar keine Sorgen zu machen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Zahlen erneut verschärfen, denn die aktuellen Daten beziehen sich noch auf die Zeit vor der Wirtschaftskrise“, so Ingo Geishecker.
Auffällig sei, dass die Angst um den Job oft nur wenig mit der Wahrscheinlichkeit des Jobverlusts zu tun hat. Entscheidend sei eine zweite Komponente der Jobverlustangst, die sich auf die erwartete Nutzeneinbuße nach einem Arbeitsplatzverlust bezieht. Die Wahrscheinlichkeit des Jobverlustes mag als sehr niedrig eingeschätzt werden, aber die Furcht vor den ökonomischen oder sozialen Konsequenzen des Arbeitsplatzverlusts kann trotzdem sehr hoch sein. „Der Verlust an Wohlbefinden durch diese Angst ist enorm“, sagt Ingo Geishecker. „Unserer Untersuchung nach ist er bei Berücksichtigung aller Komponenten der Jobverlustangst fast doppelt so hoch wie bisher angenommen.“
● Bei Herzkrankheiten Ausdauer- und Krafttraining kombinieren / Apotheken-Kampagne "Die Winterspiele sind eröffnet!" geht weiter
Moderater Sport ist auch für Patienten mit Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems empfehlenswert. "Regelmäßige Bewegung ist gesund. Patienten mit Herzkrankheiten sollten aber vor Beginn des Trainings mit ihrem Arzt sprechen", rät Erika Fink, Präsidentin der Bundesapothekerkammer. Nach einer akuten Herzerkrankung sollte sich das Training nach dem individuellen Krankheitsverlauf richten. So sollte zum Beispiel bei einem Patienten mit Koronarer Herzkrankheit(KHK) die Trainingsherzfrequenz deutlich unter der Schwelle liegen, ab der krankheitsbedingte Beschwerden auftreten.
Im Allgemeinen sollten Herzpatienten Ausdauer- und Muskelaufbautraining kombinieren. Durch ein regelmäßiges aerobes Ausdauertraining sinkt der Blutdruck, die Blutfett- undBlutzuckerwerte verbessern sich. Deshalb mindestens an drei Tagen pro Woche jeweils eine halbe Stunde oder länger schwimmen, joggen, walken oder Rad fahren. Durch ein individuell angepasstes Kraftausdauertraining nimmt die Muskelmasse zu, außerdem verbessert sich das Ansprechen auf Insulin. Das Muskelaufbautraining sollte regelmäßig zwei- bis dreimal pro Woche durchgeführt werden. Dabei sollten möglichst viele unterschiedliche Muskelgruppen beansprucht werden. Wichtig sind Pausen, sowohl zwischen den Trainingseinheiten als auch zwischen den Trainingstagen. Einige Sportarten, wie zum Beispiel Gewichtheben, sind für Herzkranke nur bedingt geeignet.
ABDA-Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände,www.abda.de Kontakt:Dr. Ursula Sellerberg, Stellv. Pressesprecherin, Tel.: 030 40004-134, Fax: 030 40004-133, u.sellerberg@abda.aponet.de
Zwanzig Millionen Franzosen, genau 20 762 019 bei der Erhebung vom 11. November 2009, sind übergewichtig, davon 6,5 Millionen Erwachsene, die man als fettleibig bezeichnen kann, 3 Millionen mehr als vor 12 Jahren. Die Vermehrung der übergewichtigen Personen ist bei Frauen stärker. In den letzten zwölf Jahren haben die Franzosen in Durchschnitt um 3,1 Kilo zugenommen. Die Bäuche sind um 4,7 Zentimeter „runder“ geworden und die Körpergröße hat um 0,5 Zentimeter zugenommen. Dennoch beträgt die Lebenserwartung 44 Jahre mehr als zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Unter den Europäern erreichen die Holländer die stattlichsten Masse. Die durchschnittliche Größe eines dort ansässigen Mannes liegt bei Ihnen bei 184 Zentimeter. Sie ist in den letzten 150 Jahren um 19 Zentimeter gestiegen. Deutsche Männer werden im Durchschnitt 1,80 Zentimeter groß. 1971 ging aus den Musterungsunterlagen hervor, dass die Rekruten dieses Jahrgange in der DDR 2,3 Zentimeter klein als die Wehrpflichtigen im Westen Deutschlands. In den Vereinigten Staaten schrumpfen die Menschen wieder. Während sie vor 150 Jahren noch rund sieben Zentimeter grösser als die Europäer waren, sind sie heute sechs bis sieben Zentimeter kleiner. In Japan haben nahm die Größe der Vierzehnjährigen gegenüber der Vorgänger Generation zischen 19590 und 1960 um acht Zentimeter zu. Seitdem hat sich die Entwicklung abgeschwächt. (nach Bettina Gohlke und Joachim Wölfle, Deutsches Ärzteblatt, Bd. 106, S. 377)
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Molekulares Farming oder Pharming:
Erstes internationales Kooperationsprojekt Pharma Planta der EU erfolgreich abgeschlossen
Fünfjähriges Forschungsprogramm versammelte Wissenschaftler aus 39 wissenschaftlichen Instituten und Forschungseinrichtungen der EU und der Republik Südafrika – Ziel war die Herstellung von Antikörpern in Pflanzen
Pharmakologische Wirkstoffe können wirtschaftlich sinnvoll auch in Tabakpflanzen hergestellt werden. Dies ist das wesentliche Ergebnis der Arbeit von Pharma Planta, einem Forschungsverbund aus 39 Forschungsleitern in 12 EU-Ländern und der Republik Südafrika.
Das auf fünf Jahre angelegte Forschungsprojekt wurde am 1.1.2010 abgeschlossen und war von der EU mit 12 Mio. Euro bezuschusst worden. Ihm gehörten u.a. die EU-Länder Belgien, Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich, Spanien,, England, Irland sowie die Schweiz und die Republik Südafrika an. In Deutschland waren die RWTH Aachen, die Ruprecht-Karls Universität Heidelberg, das Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie, Potsdam, das IPK Gatersleben, sowie das Unternehmen Sartorius Stedim Biotech, Göttingen/Melsungen Projektpartner. Auf französischer Seite wirkten Agrarwissenschaftler, Biologen, Pharmakologen und Gentransfert-Spezialisten der französischen INRA (Institut National des Recherches Agronomiques), Paris sowie der Universität Clermont-Ferrand-II mit.
Im Rahmen des im Jahr 2005 initiierten fünfjährigen Forschungsprojekts gelang es dem internationalen Konsortium Pharma Planta aus gentechnisch veränderten Tabakpflanzen pharmakologische Wirkstoffe herzustellen. Bisher wurden in Europa nur Gentransfers in tierischen Organismen, meist Bakterien, zur Produktion von therapeutischen Molekülen wie Humaninsulin durchgeführt. Mit dem neuen, von Pharma Planta entwickelten biotechnologischen Verfahren sollen preiswert und in großen Mengen neue Medikamente gegen AIDS, Tollwut und Tbc für die Drittweltländer möglich werden.
Preiswerte Medikamente für Drittweltländer
Der Wirkstoff 2G12 zählt zu den hoffnungsvollsten Medikamenten-Kandidaten der Wissenschaftler. Er besteht aus Proteinen bzw. einem Antikörper, der an das HI-Virus bindet und es dadurch an der weiteren Expansion hindert. Erste Tests ergaben, dass der durch Gentransfer in Pflanzen erhaltene Antikörper 2G12 nicht weniger stark wirkt als der aus tierischen Zellen. Vorklinische Prüfungen an Kaninchen ergaben keine Hinweise auf Toxizität oder andere schwere, einer praktischen Verwendung entgegenstehende Nebenwirkungen.
Das federführende Fraunhofer-Institut IME (Institut für angewandte Molekularbiologie und Ökologie), Aachen, entwickelte und implementierte das neue Verfahren, um den neuen pharmakologischen Wirkstoff aus gentechnisch veränderten Tabakpflanzen in die klinische Phase zu überführen. Begonnen wurde im Gewächshaus mit der Anpflanzung gentechnisch veränderter Tabakpflanzen, die in ihrem Plasmid die Gene für die Herstellung des neuen HIV-Wirkstoffs trugen. Die erste Ernte betrug 5 kg Tabakpflanzen, in der letzten Projektphase wurden 200 kg Biomasse im Gewächshaus geerntet, die in 800 l Extrakt umgewandelt zuletzt 3 gr. Wirkstoff ergaben. Dieser Wirkstoff, der erste HIV-Antikörper aus Pflanzen, muss in möglichst großen Mengen hergestellt werden, um das Verfahren möglichst rentabel zu gestalten. Hier sehen die Fraunhofer-Wissenschaftler noch Möglichkeiten zur Optimierung. Das Zielprotein wird aus dem Extrakt mit Chromatographie (Stufe II mit Ionenaustauscher), danach Ultrafiltration und Diafiltration gewonnen. Die neuartigen, membran-basierten Filter waren Prototypen, die das Göttinger Biotech-Unternehmen Sartorius Stedim zulieferte. Die Sartorius-Niederlassung Melsungen/Hessen half den IME-Wissenschaftler in Aachen auch bei der Installierung der neuen Herstellungsanlage. Diese eigens erbaute Anlage kann im Prinzip auch andere Pflanzen verarbeiten und andere Wirkstoffe herstellen. Nach der Ernte der Pflanzen im Labor wurden die isolierten, aufgereinigten Wirkstoffe an Pharmaunternehmen weitergereicht, die daraus Medikamente herstellten. Im vorliegenden Fall des HIV-Antikörpers genügten 3 gr. Wirkstoff für das erste Medikament aus Pflanzen. Es wurde eine Vaginal-Creme mit 50 mg HIV-Antikörper produziert, die vor AIDS schützen soll. Gegenwärtig wird das neue Medikament am St..-George’s Hospital in London an Patientinnen in der klinischen Phase-I erprobt.
Verzicht auf Patentrechte sowie Tantiemen
Das neue Herstellungs-Verfahren ist preisgünstig, denn die beteiligten Wissenschaftler und Institute verzichten auf ihre Patent- und Lizenzrechte. Und die Preise für die neuen, aus Pflanzen gewonnenen Medikamente können noch vorteilhafter werden, wenn sich die Wirkstoff-Mengen aus der Biomasse weiter steigern lassen. In USA soll bereits ein Verfahren entwickelt worden sein, das aus der gleichen Biomasse die 1000fache Menge Wirkstoff erbringt. Die neuen Medikamente gegen Tollwut, Tbc, Diabetes oder Impfstoffe sollten damit in Drittweltländern für Patienten erschwinglich werden. Andererseits besitzen die dortigen Gesundheitssysteme nicht die für die Bekämpfung größerer Epidemien wie AIDS notwendigen finanziellen Ausstattungen.
Die EU förderte das Pharma Planta-Konsortium im Rahmen des 6th Framework Program mit 12 Mio. Euro. Projekt-Beginn war 2005. Neben der Optimierung des neuen Extraktionsverfahren soll die Substanzmenge auf 25 mg pro Liter Medium am IME Aachen gesteigert werden, sagte der an der Entwicklung des Verfahrens maßgeblich beteiligte Biologe Dr. Lobedan. In ersten Tierversuchen erwies sich der neue Wirkstoff als nicht-toxisch.
Molekulares Farming oder kurz: Pharming ist also auch in der EU möglich. In USA arbeitet man bereits seit 20 Jahren an ähnlichen Projekten. Doch bisher schaffte es kaum ein Wirkstoff-Kandidat, über die klinische Phase-II hinauszukommen. Nur in Kuba soll ein Pharmakon zur Aufreinigung von Impfstoffen bereits marktfertig sein. Dass molekulares Farming möglich ist, zeigten auch die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Potsdam, die in einer Machbarkeitsstudie aus Tabakpflanzen Impfstoffe herstellten.
Fazit: Landwirtschaft hat Zukunft. Der Bauer könnte mit seiner Ernte nicht nur Energie-Produzent, sondern auch Lieferant von pharmakologischen Wirkstoffen werden. Doch die Stimmen gegen dieses neue Betätigungsfeld der Agrarier werden lauter. Haben doch die Bauern bereits die Produktion von Biogas aus Gülle und Ernteabfällen übernommen. Nun wehrt man sich auf öffentlich gegen die Idee, die Landwirte in Zukunft als Pharmer anzusprechen.
Richard E. Schneider
* Foto: Tabakpflanzen eignen sich zur Herstellung von pharmakologischen Wirkstoffen (Pharming) besonders gut, weil das Kontaminationsrisiko auf den Feldern gegen Null tendiert (Pharma Planta).
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Detlev Ganten, Thilo Spahl, Thomas Deichmann.
Die Steinzeit steckt uns in den
Knochen. Gesundheit als Erbe der Evolution.
Piper Verlag.
München-Zürich. 2009.335 Seiten. 19,95 Euro.
Seinem ein wenig umgangsprachlichen Titel entsprechend ist das Buch des Professors für Pharmakologie und Molekulare Medizin Detlev Ganten populärwissenschaftlich und allgemeinverständlich gestaltet worden. Dennoch handelt es sich um ein durch und durch seriöses naturwissenschaftliches Buch. Die vermittelten Informationen sind auf dem Gebiet der Forschung brisant und aktuell. Mit anderen Worten werden die Resultate modernster medizinischer Forschung als Ratschläge für eine gesunde Lebensführung den Laien zugänglich gemacht.
Der Ansatz ist schon bemerkenswert. Kaum jemand kann sich in der modernen Gesellschaft vorstellen, dass wir das lebende Resultat eines Kompromisses an der Schnittstelle von Einzeller, Fisch, Frosch und Säugetier sind. Der vielseitige Kentaur auf dem Buchumschlag veranschaulicht dennoch solche Reflexionen des Autors. Aber vor allem zählen für uns Menschen die Lebens- und Ernährungsweisen der Primaten, die vor ca. 15 Millionen Jahren, und der Hominiden, die uns vor 2,5 Millionen Jahren vorausgegangen sind. Wir werden krank, weil wir nicht mehr artgerecht leben, was natürlich nicht heisst, dass wir wieder auf Bäume klettern sollten, um fit zu bleiben. Aber ein bisschen in diese Richtung geht schon das Buch des Medizinprofessors, wenn er uns sagt, dass es kein besseres Rezept gibt, um lange gesund zu bleiben und lange zu leben, als körperliche Aktivität.
Das Buch beschränkt sich aber nicht auf die Menschwerdung des Tieres, was sicherlich viel Interessantes bietet, sondern stellt die Symbiose des Menschen mit seinen Bakterien auch im Mittelpunkt der Betrachtungen. Und zwar, meint der Autor, ist die Zusammenarbeit des Menschen mit den Einzellern, die milliardenweise in ihm und auf ihm leben, nicht unbedingt schlecht. Ohne sie wären wir ausgeliefert, verloren und verdammt. Sie helfen uns bei allerlei Tätigkeiten unserer Organe und wir entlohnen sie, indem wir ihnen eine Bleibe und Nahrung bieten. Es lohnt sich also keineswegs für sie, uns zu vernichten, sie "wollen" ihren Gastgeber am Leben halten. Aber jede Medaille hat eine Rückseite und bei unpassender Ernährung, Verhaltensweise, in ungüstiger Umwelt, oder auch einfach, wenn man Pech hat, kann der Vorteil zu einem tödlichen Nacheil werden.
Bei allen beschriebenen Organen und bei den Gefahren, denen sie zu Opfern werden können, geht der Autor, der bei der berühmten Charité in Berlin vielfältige Erfahrungen gesammelt hat, von den Ursprüngen der lebenden Organismen aus und zeigt, wie sie sich durch Genmutationen und selektive Auslese zu unserem Vorteil verwandelt haben. Das nennt er die evolutionäre Medizin. Und so ist es auch geschehen, wenn die Kreationisten es auch anders haben wollen. Aber mit diesem in Jahrmillionen acquirierten Erbe müssen wir sorgsam umgehen. Jeder ist im Grunde genommen seines Glückes Schmied. Am Gefährdesten sind die Raucher. Da hilft nur radikaler Verzicht auf Tabak. Was aber dieses Buch uns gibt, sind keine einfachen Diätratschläge, wie man sie heute in unzähligen Zeitschriften findet, sondern echte medizinische Indikationen für eine günstige Lebensführung, die unsere Chancen erhöht, auf dieser Welt glücklich und schmerzfrei länger zu leben. Und das geschieht oft nicht, wie sich der Laie es vorstellt.
Lange hat sich der Körper des Menschen den wandelnden Umständen allmählich durch Änderungen seiner Struktur und Mutationen seiner Gene angepasst. Heute ersetzen wir das durch den Kulturwandel. Der Mensch passt sich nicht mehr an, er passt seine Umwelt an sich selbst. Aver der Kulturwandel, sprich die Verwandlung der Umgebung des Menschen durch den Menschen, geschieht viel zu schnell, als dass der Körper mithalten könnte. Wir sind eine Elite, das stimmt. Wir bringen nicht so hohe Leistungen in bestimmten Fächern wie viele Tiere, aber wir sind Universalgenies, auch körperlich, und Allesfresser mit einer Vielfalt von Fähigkeiten und einem grossen Hirn. Die Kehrseite davon, ist dass unser Körper sich nicht mehr so recht in unser heutiges Dasein und Sosein einfügen kann. Deswegen werden viele von uns krank. Allergien, Rückenschmerzen, Diabetes und vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Strafe für unser falsches Verhalten in der richtigen Umwelt oder für das richtige Verhalten in der falschen Umwelt. Wir müssen auf unseren Steinzeitkörper hören. Dieses Buch sagt uns, wie wir dessen Signale entziffern können. Ein wirklich epochemachendes Buch. (JPP)
● Im Rückblick: Die Weltseuche, die nicht stattfand
Die Weltseuche H1N1 kam im Sommer und Herbst 2009 wie gerufen, damit eine neue Angst die Angst vor der Finanz- und Wirtschaftskrise ablöst und überdeckt, falls die Angst vor der Klimakatstrophe nicht ausgereicht hätte. Denn, wie Ludwig Erhard, gesagt haben soll, Volkswirtschaft ist Psychologie. Wenn man daran glaubt, wird es schon klappen! Im Frühherbst 2009 – und sogar ziemlich betont in Deutschland im Hinblick auf die Bundestagswahl - kündigten ja alle Regierungen, zuballerst in Amerika, wo es immer noch 10 Prozent Arbeitslosigkeit gibt, wo die Haushaltsschulden unermessliche Höhen erreicht und die Wachstumsrate dahin kriecht, das Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise. Es geschah kein Tag im französischen Fernsehen, dass nicht gezeigt wurde, wie Menschen am laufenden Band geimpft wurden. Es war Tag für Tag über Monate eine Schau von nackten Schultern, in die eine Nadel hereingesteckt wurde (den Blick auf die blanken Hintern hat man uns erspart). Es wirkte auf die Dauer fast wie Pornographie. Tja, die Leute in der Leuchtröhre setzten auf den Nachahmungseffekt. Aber die Staatsbürger waren klüger. Statt der über 90 Prozent geimpften in der Gesamtbevölkerung erreichte die Regierung nur eine 20 Prozent-Impfungsrate. Und das war richtig so, denn die erste televisuale Pandemie der Weltgeschichte fand nur am Bildschirm statt. Sie steckte in den meisten europäischen Staaten und auch anderswo auf dem Globus nur einen geringfügigen Teil der Bevölkerung an und es starben daran tausendmal weniger Menschen als an der „normalen“ jährlichen Grippe. Nun, Meckerer fingen an zu sagen, dass der Ankauf von 90 Millionen Impfstoffe durch die französische Regierung nur eine verkappte Subvention für die Pharmaindustrie sei. Als Holland als erster Staat der EU verkündete, die Seuche sei nun vorbei, musste schon die Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot im Fernsehen eine Antwort geben. Sie sagte, sie hätte 50 Millionen Impfstoffe zurückbeordert und sie hätte welche an Staaten verkauft, die die kostbaren französischen Impfungen gebraucht hätten, aber man solle sich weiter tüchtig impfen lassen, denn man wisse nie, was noch kommt. Es sei eine Sache der Vorsicht. Dennoch kam kaum jemand noch in die großen Impfsaale des Staates und das Fernsehen musste zwei Wochen später, es sei jetzt vorbei mit der Seuche, aber sie könne wieder kommen… Auch die Gesichtsmasken und das Wundermittel Tamiflu, wovon das „British Medical Journal“ behauptet hat, es könne im besten Falle das Erscheinen der Symptome um einen Tag verkürzen, haben viel Geld gekostet. Immerhin hat Tamiflu seinem Hersteller Roche im Jahr 2009 1, 8 Milliarden Euro eingespielt. Also außer Spesen nichts gewesen? Inzwischen soll eine parlamentarische Kommission feststellen, ob der Ankauf von so vielen Impfstoffen gerechtfertigt oder eine versteckte Subvention an die Pharmaindustrie war.
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Der
Mensch „fliegt“ zum Mond
Bauen für ein Leben auf dem Mond
Symposium Lunar Base in Kaiserslautern
Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen über ihre Visionen für eine Mondstation
Beim Symposium Lunar Base diskutierten am 12. und 13. Mai 2009 in Kaiserslautern Wissenschaftler und Ingenieure aus Raumfahrtdisziplinen aber auch Bauingenieure, Verfahrenstechniker und Architekten, wie eine permanente und bewohnbare Station auf dem Mond aussehen könnte. Organisatoren des Symposiums sind die TU Kaiserslautern und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). 40 Jahre nach der ersten und 37 Jahre nach der letzten Landung von Astronauten auf dem Mond, ist der Erdtrabant wieder in den Fokus der Weltraumforschung gerückt. Die großen Raumfahrtnationen planen die bemannte Rückkehr zum Mond und den Aufbau von Mondstationen.
Planeten, Kometen und Asteroiden in unserem Sonnensystem werden derzeit mit verschiedenen unbemannten Missionen erkundet. Diesen Sonden und Robotern könnten Astronauten folgen, zum Beispiel zu unserem Nachbarplaneten Mars. Als Ausgangspunkt für Missionen ins All gilt dabei der Mond. So plant die NASA derzeit die Rückkehr zum Mond mit Astronauten. Professor Dr. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR, sagt über die Bedeutung des Erdtrabanten für die Raumfahrt: "Der Mond ist im wahrsten Sinne des Wortes das nahe liegende Ziel, an dem wir erproben können, wie wir als Menschen unseren Wirkungskreis jenseits der Erde und der Erdumlaufbahn im Weltall erweitern können. Wenn tatsächlich Astronauten zum Mond zurückkehren und über einen längeren Zeitraum bleiben sollen, stellt sich sogleich die Frage, wie eine Station auf dem Mond aussehen könnte und mit welchen Mitteln ihr Aufbau technisch realisierbar wäre."
Ideenaustausch für Innovationen auf der Erde
Fertige Lösungen werden beim Symposium Lunar Base nicht erwartet. Es geht vielmehr um den fachlichen und kreativen Austausch der unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen. Prof. Wörner geht davon aus: "Ähnlich wie beim Apollo-Programm würde eine Mondstation oder ein bemannter Flug zum Mars zu einem enormen Innovationsschub auf der Erde führen. Schon jetzt gibt der Ideenaustausch zum Bauen auf dem Mond Impulse für Innovationen zum Beispiel in der Materialforschung oder bei Falt-Leichtbaukonstruktionen."
Mondexploration: Wissen, wo der günstigste Ort ist
Wenn Astronauten eine Basisstation für den Aufenthalt von Menschen auf dem Mond aufbauen sollen, müssen sie wissen, wo der geeignete Ort dafür ist. Ein Schwerpunkt des Symposiums ist daher die Exploration des Mondes. Voraussetzungen für zukünftige Mondlandungen sind genauere Informationen über die Topographie und Geologie des Mondes. Nur so können die Mondforscher den Ort festlegen, der sowohl ein Maximum an Sicherheit für die Astronauten bietet, als auch vielversprechend für die Erforschung des Mondes ist. Außerdem erkunden die Mondforscher die Oberfläche des Erdtrabanten bezüglich vorhandener Ressourcen und Baustoffe, für einen möglichst effektiven und dauerhaften Bau einer Station.
Missionen zum Mond
Kürzlich haben China, Indien und Japan Erkundungssatelliten zum Mond geschickt. Der amerikanische Lunar Reconaissance Orbiter wird dieses Jahr starten. Unbemannte Landemissionen sind für die nahe Zukunft von den genannten Ländern aber auch von Großbritannien und der ESA geplant. Diese Missionen werden den Mond erkunden, auch im Hinblick auf einen neuerlichen Aufenthalt von Astronauten auf dem Mond. Benötigt wird eine genaue thematische Kartierung des Monds aber auch eine Erforschung seines inneren Aufbaus. Wissenschaftlich interessant ist nach wie vor die große Frage nach der Entstehung des Monds und seiner frühen Entwicklung. Außerdem ist die Mondoberfläche ist ein einzigartiges Archiv der frühen Entwicklung des Sonnensystems. Das ist eine Motivation für die derzeitigen Explorationsmissionen der Raumfahrtnationen Japan, Indien China und den USA.
Lebenserhaltung in lebensfeindlicher Umgebung
Ebenfalls eine Herausforderung beim Bau einer Station auf dem Mond wird die Erschaffung und Erhaltung von Lebensraum für die Astronauten in der lebensfeindlichen Umgebung sein. So müssen die Astronauten von der Weltraumstrahlung, der hochenergetischen Gammastrahlung, abgeschirmt werden, vor der uns auf der Erde das Erdmagnetfeld schützt. Im Visier der Forscher ist auch der extrem feine und pulverige Mondstaub, der auf den Raumanzügen der Apolloastronauten gefunden wurde. Raumfahrtmediziner sehen die Gefahr, dass dieser Mondstaub in die Lungen der Astronauten eindringen und zu Gesundheitsproblemen führen könnte. All diese Bedingungen auf der Mondoberfläche, von denen es viele noch näher zu erforschen gilt, haben Auswirkungen auf die Bauweise einer Mondstation. Ein erster Schritt bei einer so komplexen Aufgabe wie dem Bau einer Mondstation, ist daher das Zusammenbringen von Wissenschaftlern und Ingenieuren verschiedener Disziplinen, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und den weiteren Forschungsbedarf identifizieren.
Mehr Information : Dorothee Bürkle, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR, Kommunikation, Tel.: +49 2203 601-3492,Fax: +49 2203 601-3249, Dorothee.Buerkle@dlr.de ; sowie : Dr. Roswitha Grümann, Europäische Raumfahrtpolitik, Tel.: +49 2203 601-3127, Roswitha.Gruemann@dlr.de
; Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schnell, TU Kaiserslautern, Fachgebiet Massivbau und Baukonstruktion, Tel.: +49 631 205-2157, jschnell@rhrk.uni-kl.de
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Michael J. Neufeld.
Wernher von Braun
Visionär des Weltraums – Ingenieur des Krieges.
Biographie.
Siedler Verlag.
Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag, 688 Seiten, 15,0 x 22,7 cm,
44 s/w Abbildunge. ISBN: 978-3-88680-912-7.€ 49,95 [D] | € 51,40
[A] | CHF 84,90
Krieg und Frieden im Leben des Raketen-Konstrukteurs Wernher von Braun
Die Geschichte des Wettlaufs zum Mond - Politische Verantwortung wollte der Raketenbauer von Braun nicht übernehmen - Die Produktion der V-2 in Dora-Mittelbau - Mangelndes politisches Geschick eines genialen Raketen-Konstrukteurs oder das Unglück seiner Zeit?
Hollywood macht die erschreckendsten Horrorfilme, doch Goethe’s Faust mit seinem Teufelspakt, der Macht und Erfolg noch im Diesseits verspricht, wirkt auf amerikanische Leser immer noch als non plus ultra. Als Beispiel hierfür steht die neue Biographie des deutsch-amerikanischen Raketenforschers Wernher von Braun, dem Autor Michael J. Neufeld die Untertitel „Visionär des Weltraums – Ingenieur des Krieges“ gab.
Die vergangene NS-Zeit holte von Braun in USA immer wieder ein
Einen Teufelspakt nennt der gebürtige Kanadier M.J.Neufeld, gegenwärtiger Direktor des Washingtoner Luft- und Raumfahrt-Museums der gemeinnützigen Smithsonian Institution, die Zusammenarbeit des Raketenforschers Wernher von Braun (23.3.1912-16.6.1977) mit dem NS-Staat. Doch ohne Kooperation mit den NS-Größen hätte es für von Braun keinen Raketenbau gegeben, weil eine staatliche Genehmigung und die finanziellen Mittel ausgeblieben wären. Überdies bewegte sich der begeisterte Raketenkonstrukteur bereits vor 1933 in Reichswehr-Kreisen, die seine Raketen-Bautätigkeit ideell und finanziell unterstützten. Sein Vater Magnus von Braun war 1932 im „Kabinett der Barone“ von Papens Landwirtschaftsminister. Prinzipiell bewegte sich Sohn Wernher 1933 keineswegs im Fahrwasser der NS-Bewegung, wenn er auch dem neuen Regime nicht ablehnend gegenüber stand und tat, was man ihm auftrug.
Faktenreich und sachkundig beschreibt Autor Neufeld einzelne Lebensstationen des Deutsch-Amerikaners Wernher von Braun, des zeitweise berühmtesten „Space Man“ der USA. Keineswegs freiwillig kam von Braun im Jahr 1945 nach USA. Am 2. Mai, fünf Tage vor der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, begann Magnus von Braun die Übergabe-Verhandlungen mit der US-Army in Reutte/Tirol. Mit dem Resultat, dass das komplette Team, nahezu 500 „Peenemünder,“ nach USA verbracht wurden. Die ersten 127 reisten im November 1945 im Rahmen der Aktionen „Overcast“ und „paperclip“ nach Übersee. Mit ihnen baute von Braun nach dem Korea-Krieg um 1951 die „Redstone,“ seine erste amerikanische Rakete auf der Basis der V-2. Es war nicht nur die erste brauchbare Mittelstrecken-Rakete, der 1955 die dreistufige Jupiter-C folgen sollte, sondern der Beginn einer ebenso seltenen wie erfolgreichen Zusammenarbeit. Höhepunkt im Leben nicht nur von Brauns war der 20.7.1969, als vor genau vierzig Jahren zwei Amerikaner vor den Sowjets auf dem Mond landen. Damals reisten über eine Million Menschen nach Cape Kennedy in Florida, um dem Schauspiel des Starts der Mondrakete mit dem Raumschiff Apollo-11 beizuwohnen.
Von Peenemünde und Mittelbau-Dora
Im NS-Staat erfuhr von Braun aufgrund bester Kontakte zur Führung die größtmögliche Unterstützung für seine Raketenpläne. An der 1937 errichteten Raketen-Forschungsstelle HVA Peenemünde (HVA=Heeres-Versuchsanstalt) auf Usedom konstruierte er, weitgehend abgeschottet von der Außenwelt, mit seinem über 500 Köpfe umfassenden Team die erste, A4 (Aggregat 4) genannte Rakete, die einen Sprengkopf von 1 t tragen konnte. Ihr erster geglückter Start erfolgte am 3.10.1942 vom Startplatz VII. Zwar war die A4 technisch noch nicht perfekt, jedoch wurde sie bald in großen Stückzahlen gebaut und auf englische Städte wie London oder auf Antwerpen verschossen. Es gab meist einige Dutzend Tote und Sachschaden, „doch ein alliierter Bombenangriff auf eine deutsche Großstadt verlief weitaus verheerender“, urteilte kürzlich der Deutsch-Amerikaner Konrad Dannenberg in Huntsville, ein ehemaliger „Peenemünder,“ über die Wirkung der V-2.
Nach der alliierten Bombardierung Peenemündes im August 1943 wurde die Unter-Tage-Produktion der A4 von H. Himmler, Reichsführer SS, angeordnet. Die seit 1944 propagandistisch „V-2“ (Vergeltungswaffe) genannte Rakete wurde unter erbärmlichen Arbeitsbedingungen in Mittelbau-Dora bei Nordhausen, Thüringen, gefertigt und montiert. Tausende von Fremd- und Zwangsarbeitern aus den eroberten Gebieten und nur wenige jüdische Glaubensbrüder arbeiteten dort im Schichtbetrieb. Wurden die Fremd-Arbeiter krank oder starben an Entkräftung, wurden sie durch KZ-Häftlinge ersetzt. Die Fabrik- und Montagearbeiten wurden in drückend heißer Luft ohne Frischluftzufuhr in menschenverachtender Weise „ohne Rücksicht auf Verluste“ durchgezogen. Über 100 V-2s monatlich wurden in den letzten Kriegsmonaten in Mittelbau-Dora hergestellt, die Produktion zeitweise von den gefangenen Arbeitern sabotiert. Infolge mangelhafter Ernährung und Hygiene kam es häufig zu Todesfällen unter den französischen, polnischen und mehrheitlich russischen Kriegsgefangenen. Der französische Zwangsarbeiter Jean Michel, in Deutschland inhaftiertes Mitglied der französischen Résistance, beklagte sich noch 20 Jahre später in Briefen und Zeitungsartikeln bitter über die unhaltbaren, menschenunwürdigen Zustände in Mittelbau-Dora. Ein Teil des dortigen Lager- und Wachpersonals wurde kurz nach Kriegsende von amerikanischen Militärgerichten als Kriegsverbrecher verurteilt und hingerichtet.
Die ca. 500 „Peenemünder“ Raketeningenieure wurden im April 1945 nach Oberammergau im Allgäu evakuiert und auf umliegende Dörfer verteilt. Sie durften keinesfalls den Sowjets in die Hände fallen, ebenso wenig ihr kriegswichtiges Material. Auch sämtliche Produktionsmaschinen wurden mit den halbfertigen V-2s auf Eisenbahn-Züge von Nordhausen Richtung Westen verfrachtet. Im Mai 1945 übernahmen die in Thüringen eingerückten US-Soldaten diese Arbeit, bis alle V-2s aus Mittelbau-Dora abtransportiert waren und die sowjetischen Soldaten Mitte 1945 in ihr seit Jalta zugewiesenes Besatzungsgebiet einmarschierten. Die rund 500 Raketen-Ingenieure waren mit ihren Familien inzwischen in Pensionen, Hotels und Privatunterkünften im Allgäu untergekommen. In Reutte/Tirol führte zunächst Magnus von Braun, Wernhers Bruder, danach dieser selbst, die Übergabeverhandlungen mit der amerikanischen Gegenspionage CIC (Counter Intelligence Corps). Mit dem Ergebnis, dass zunächst 127 deutsche Raketen-Spezialisten nach intensiven Verhören und Befragungen im Herbst 45 auf dem umgebauten Passagierschiff „MS Argentina“ nach USA verbracht wurden. Anderen Raketenbauern erging es weniger gut, berichtet Biograph Neufeld, denn von Brauns engem Mitarbeiter Walther Riedel III wurden bei der Gefangennahme in Saalfeld/Th., die Zähne eingeschlagen und er landete im Gefängnis. Auch Walther Riedel III kam später nach USA.
Erste Reise zum Mond
Die deutschen Raketenspezialisten wurden als Zivilangestellte an die US-Army, die US-Navy oder direkt an Privatunternehmen weitergereicht. Auf dem riesigen, ca. 100 km langen Truppenübungsplatz „White Sands“ in New Mexico verschossen sie in Tests über 300 V-2, die US-Soldaten in Europa erbeutet hatten. Ihre Frauen und Kinder blieben in einem US-Camp bei Landshut zurück. Die V-2 people, so ihr Name bei den Amerikanern – lebten in einem umzäunten Teil der Kaserne in Ft. Bliss, Texas. Sie entwickelten nach dem Korea-Krieg 1951 die amerikanische Mittelstrecken-Rakete Redstone, die auch Atomsprengköpfe tragen konnte. Ab Ende der 1940er Jahre durften ihre Familienmitglieder nachkommen, wenn sie die US-Staatsbürgerschaft beantragten. Ein Teil der „Peenemünder“ erhielt 1954 die Einbürgerungs-Urkunde, Wernher von Braun erst 1955.
Anfang der 1950er Jahre siedelten die deutschen Raketenbauer nach Huntsville, Al., auf das Redstone-Arsenal um. Dort arbeiteten sie unter ihrem Chef von Braun für die US Army, bauten sich hübsche Häuser auf den Höhen der Stadt und entwickelten neue Raketen. Aus dem „Aggregat A4“ bzw. der Redstone entstanden die Pershing-Raketen, eine vierstufige Jupiter-C-Version und schließlich die Mondrakete Saturn-V. Auch die erste russische Rakete R-1 von 1947 basierte auf der A4, berichtete der Deutsch-Amerikaner Konrad Dannenberg.
Plötzlich piepte am 4.10.1957 am Nachthimmel über New York der sowjetische „Sputnik“, der erste Satellit, der die Erde umkreiste. Rasch wurden die deutsch-amerikanischen Raketenspezialisten aus der Versenkung der Geschichte geholt, denn es gelang der US-Navy nicht, als Antwort auf die sowjetische Herausforderung ihre Vanguard-Raketen mit einer Raumsonde in den Orbit zu schießen. Dies war die Stunde von Brauns. Er versprach kurz vor Weihnachten 1957 dem amerikanischen Verteidigungsminister Mc Elroy, „binnen sechs Wochen“ einen amerikanischen Satelliten auf einen Orbit zu bringen und den Rückstand gegenüber den Sowjets zu egalisieren. Dies gelang problemlos. Damit war der Wettlauf zum Mond eröffnet, denn die Russen legten immer neue Meisterleistungen der Raumfahrt vor: Juri Gararin war am 12.4.1961 der erste Mensch im Weltall. Daraufhin gab der neue US- Präsident John F. Kennedy vor dem US-Congress die Landung eines Menschen auf dem Mond als wichtiges politisches Ziel der Vereinigten Staaten aus. Zählen konnte er dabei auf von Brauns Team vom MSFC (Marshall Space & Flight Center) in Huntsville. Es verfügte nun über genügend finanzielle Mittel und politischen Rückhalt für das langersehnte Abenteuer Mondlandung. Dem großen „Schlaks“ JFK zollten die „Peenemünder“ stets Respekt. Insgesamt sollen sich die Kosten für das US-Mondprogramm auf ca. 240 Mrd. Dollar beziffern.
Binnen acht Jahren baute von Brauns Team u.a. 15 Saturn-Raketen, von denen keine einen Fehlstart hatte oder gar explodierte. Dennoch verbrannten die ersten drei US-Astronauten in ihrer Raumkapsel auf dem Startplatz Cape Kennedy, weil es einen Brand gab, der nicht rasch gelöscht werden konnte. Mit 110,6m Höhe, 2.934,8 t Startgewicht und einem Schub von 3.424 t wurde die Saturn-V die weltgrößte und stärkste Rakete, zur „Mond-Rakete.“ Sie beförderte am 16.7.69 das Raumschiff Apollo-11 von seinem Startplatz Cape Kennedy, Flo., ins Weltall. Zwei der drei Astronauten an Bord, Edwin Aldrin und Neil Armstrong, landeten am 20. Juli 1969 mit einem LM (Lunar Module) auf dem Mond im „Mare Tranquilitatis,“ sendeten Bilder und Töne zur Erde. Nach ihrer gelungenen Rückkehr wurde von Braun von den überglücklichen Bürgern und dem Magistrat seiner neuen Heimatstadt auf Schultern durch die Straßen getragen. Dennoch gibt es noch heute Menschen, die nicht glauben, das die Amerikaner auf dem Mond waren und im Internet ihre Meinung kundtun. Die Mondlandung war jedenfalls mehr als nur ein spektakulärer Erfolg, wie es Neil Armstrong ausdrückte: „Ein riesiger Schritt für die Menschheit.“
Politische Wertungen einer beeindruckenden Ingenieurleistung
Nicht nur Autor Neufeld machte von Braun den Vorwurf, von den unzumutbaren Zuständen in Mittelbau-Dora gewusst und geschwiegen zu haben. Mit der überlieferten Aussage, er habe bei seinen wenigen Besuchen in Mittelbau-Dora nie Misshandlungen von Arbeitern gesehen, auch keine Toten, verteidigte sich im Jahr 1966 von Braun in einem Brief nach Frankreich an den früheren Zwangsarbeiter Jean Michel. In USA häuften sich nach der Mondlandung Ende Juli 1969 die Attacken gegen von Braun, weil er als maßgeblicher Konstrukteur der V-2 viel Leid, Elend und Tod über die Zivilbevölkerungen der Alliierten gebracht hatte. So wurde er in TV-Sendungen überraschend vom Moderator gefragt, was er empfunden habe, als die V-2s in London einschlugen und dort Dutzende von Menschen ums Leben kamen. In Essen fanden nach 1970 Kriegsverbrecher-Prozesse wegen Dora-Mittelbau statt.
Jüdische Interessengruppen in den USA kritisierten heftig von Brauns bezahlte, rege Vortragstätigkeit. Häufig wartete die amerikanische Presse mit öffentlichen Enthüllungen zur Person von Braun auf, seiner braunen Vergangenheit als SS-Offizier, seiner Verwicklung in den Tod zahlreicher Arbeiter in Dora-Mittelbau. So wurde von Braun nie Chef der NASA, berichtet Autor Neufeld. Er erwähnt aber auch lobend, dass von Braun sich um 1960 in Huntsville nicht dem Lager der Anti-Bürgerrechtler um den erzkonservativen Alabama-Gouverneur George Wallace anschloss, sondern sich aktiv in Reden an seinem neuen Heimatort für die Gleichberechtigung und Bürgerrechte der schwarzen Bevölkerung einsetzte. Was ihm prompt geheime Drohungen durch den Ku-Klux-Klan einbrachte, der kritisierte, dass von Brauns MSFC (Marshall Space & Flight Center) in Huntsville damals die ersten schwarzen Ingenieure und Wissenschaftler einstellte. Um 1960, so Neufeld, wurde die öffentliche Rassentrennung in Alabama noch strikt eingehalten.
Zur politischen Schuldfrage von Brauns: Gewiss machte er einen schmerzlichen, politischen Reifeprozess durch. Das einfache Denken „das Vaterland verlangt’s, ich tue es,“ genügte nicht mehr. Doch hatte sein Raketen-Team in Peenemünde je eine realistische Möglichkeit, auf die Wahl einer bestimmten politischen Persönlichkeit Einfluss zu nehmen? Warum übernahm sein Vater Magnus von Braun, der 1932 bereits Landwirtschafts-Minister war, nicht selbst 1933 die Macht in Deutschland? – Die Antwort kann nur lauten: Weil ihm niemand gefolgt wäre. Es gab damals eine Unausweichlichkeit politischer Verhältnisse in Deutschland, ein heilloses Dilemma oder, wenn man so will, der Beginn einer neuen Tragik der Geschichte. Dies bezeugen am besten diejenigen, die oppositionell zum NS-Regime standen, ohnmächtig bei dessen Machtübernahme am 30.1.1933 zusahen und später selbst vor den neuen Machthabern zittern mussten. Sogar von Braun wurde 1944 kurzzeitig von der SS in Peenemünde verhaftet. Von dieser Unausweichlichkeit der politischen Verhältnisse für den einzelnen Menschen spricht der Wissenschaftshistoriker Neufeld in seinem Werk nicht. Nirgends. Persönliche Zivilcourage ist jedoch nicht mehr ausreichend bei staatlich verordneten NS-Zwangsmassnahmen für alle. Andererseits: So ehrenvoll die späten NS-Prozesse für die Bundesrepublik auch sind, es wurden zu wenige NS-Verbrecher angeklagt und noch weniger verurteilt, sagt Ernst Cramer, früher Mitherausgeber der WELT, der 1939 noch aus dem KZ Buchenwald nach USA flüchten konnte.
Richard E. Schneider
CoRoT-9b ist die jüngste Entdeckung des CoRoT-Satelliten, an der auch Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt sind. Bei dem Neuzugang handelt es sich um einen jupitergroßen Planeten, der seinen Stern in 95 Tagen umkreist. "Dieser Exoplanet besticht durch seine 'Normalität'. Er kommt in seiner Charakteristik den Planeten unseres Sonnensystems schon ziemlich nahe", sagt Prof. Heike Rauer vom DLR-Institut für Planetenforschung, die den deutschen Beitrag zu CoRoT (Convection, Rotation and Planetary Transits) leitet.
Der Planet außerhalb unseres Sonnensystems kreist um einen Stern im Sternbild Schlange, der 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Aus seiner Umlaufzeit ergibt sich ein Abstand zwischen Planet und Stern, der in etwa dem zwischen Merkur und Sonne entspricht. CoRoT-9b ist daher ein recht normaler Planet, das heißt vermutlich ein Gasplanet mit relativ moderaten Temperaturen. Diese könnten zwischen -20 und +160 Grad Celsius liegen und sind davon abhängig, ob stark reflektierende Wolken vorhanden sind. Die Unterschiede zwischen Tag- und Nachtseite sind wahrscheinlich nur gering. CoRoT-9b unterscheidet sich damit deutlich von der Klasse der so genannten heißen Jupiter, die in Umlaufzeiten von nur etwa drei Tagen ihren Zentralstern umkreisen. Ein Planet mit einer kurzen Umlaufzeit ist sehr nahe an seinem Stern und wird entsprechend kräftig beschienen, daraus leiten sich die Klassen der heißen Jupiter und heißen Neptune ab.
Warten auf die Verdunklung
Mit der Entdeckung des Transits eines Planeten mit einer langen Umlaufzeit (langperiodische Planeten) hat CoRoT ein weiteres Missionsziel erreicht. Das erste war die Entdeckung des Gesteinsplaneten CoRoT-7b, der im Februar vergangenen Jahres bekanntgegeben wurde. Insgesamt hat CoRoT jetzt acht Planeten und einen so genannten "braunen Zwergstern" aufgespürt. Bei der Transitmethode beobachtet das Weltraumteleskop mehrere Tausend Sterne über einen Zeitraum von 150 Tagen. Wenn ein Planet auf seiner Umlaufbahn durch die Sichtlinie von Teleskop zu Zentralstern läuft, dunkelt er den Stern für mehrere Stunden ein wenig ab. Der CoRoT-Satellit misst diese Abnahme in der Helligkeit. Zur Orientierung: Ein Planet wie die Erde dunkelt bei einem Transit die Sonne um ein Zehntausendstel ab und zwar einmal im Jahr. Da der Stern selber auch Schwankungen unterworfen ist, ist die Suche nach Transitereignissen ein langer und aufwendiger Prozess.
Die Messungen, die zur Entdeckung des neuen Planeten führten, wurden im Sommer 2008 während einer 145-tägigen Beobachtungsperiode durchgeführt. Eine besondere Schwierigkeit dabei war die weite Umlaufbahn des Planeten. Je größer der Bahnradius eines Planeten, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihn seine Umlaufbahn exakt zwischen Stern und Teleskop lenkt. Die Entdeckung von CoRoT-9b ist somit der Beweis, dass die Transitmethode auch solche Exoplaneten entdecken kann. "Hat man einen Exoplaneten im Transit beobachtet, dann kann man direkt seinen Radius bestimmen. Das ist eine der fundamentalen Größen eines Planeten, die nur für Transitplaneten direkt gemessen werden kann. Außerdem bieten Transitplaneten die Möglichkeit, etwas über die Atmosphäre herauszubekommen. Das ist der Schlüssel bei der Suche nach erdähnlichen Planeten, auf denen vielleicht Leben möglich ist", sagt Professor Rauer. Die Entdeckung von CoRoT-9b wird in einem Artikel in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht.
Extrasolaren Planeten auf der Spur
Mehr als 400 extrasolare Planeten kennt man bis heute. Bei etwa 70 von ihnen kann man Transitereignisse beobachten. Aus der Transitmessung ergeben sich die Periode, die Inklination und der Radius des Planeten. Ergänzt man diese Methode mit anderen Beobachtungsmethoden, kann man die Werte für die Masse und damit die Dichte des Exoplaneten bestimmen, die eine grundlegende Einteilung von Gas- und Gesteinsplaneten erlaubt. Nachfolgemessungen von CoRoT-9b wurden am Teide Observatorium in Teneriffa durchgeführt, die Radialgeschwindigkeitsmessungen mit dem hochauflösenden HARPS Spektrometer am 3,60-Meter-Teleskop der ESO (European Southern Observatory) in Chile.
Die CoRoT-Mission wird von der französischen Raumfahrtagentur CNES geleitet, beteiligt sind Forscher der Europäischen Weltraumorganisation ESA und anderer Forschungsinstitute aus Belgien, Brasilien, Deutschland, Österreich, Spanien. Im Auftrag der Bundesregierung und mit finanzieller Förderung des DLR-Raumfahrtmanagements wurde am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin innerhalb von fünf Jahren die On-Board-Software entwickelt und erprobt. Neben der Steuerung der Instrumente und der präzisen Ausrichtung des Satelliten übernimmt die Software auch einen Teil der Datenverarbeitung und Übertragung.
Der gesamte deutsche Beitrag beträgt rund fünf Millionen Euro. Zum deutschen Team gehören auch die Thüringer Landessternwarte in Tautenburg sowie das Rheinische Institut für Umweltforschung an der Universität zu Köln, die sich mit der Datenanalyse, Simulationsrechnungen und Nachbeobachtungen maßgeblich an der Mission beteiligen.
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Kommunikation, Linder Höhe, 51147 Köln - http://www.dlr.de/ Kontakte: Manuela Braun, DLR, Kommunikation, Tel.: +49 2203 601-3882,mailto:Manuela.Braun@dlr.de
Prof. Dr. Heike Rauer,DLR, Institut für Planetenforschung, Extrasolare Planeten und Atmosphären, Tel.: +49 30 67055-430, mailto:Heike.Rauer@dlr.de
Dr.rer.nat. Ruth Titz-Wieder, DLR,Institut für Planetenforschung,Tel.: +49 30 67055-185, Fax: +49 30 67055-507,
mailto:Ruth.Titz@dlr.de - Artikel mit Bildmaterial: http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-1/9600_read-23114/
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Eine Studie der Deutschen
Luft und Raumfahrt (DLR)
Gletscher auf dem Mars
Nach
einer Studie, die einige Wochen vor der Entdeckung der Marsgletscher (Artikel
hier oben) erschienen war, wurde die Marsoberfläche bis vor wenigen Millionen
Jahren auch in mittleren Breiten und sogar in Äquatornähe von Gletschern
geprägt. Noch heute könnte Wassereis als "fossiles" Überbleibsel dieser
Gletscher anzutreffen sein.
Dies geht aus zwei Artikeln hervor, die von James W. Head von der Brown
University in Providence (Rhode Island, USA) und Ernst Hauber, einem
Planetengeologen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin,
sowie einer Gruppe von Co-Autoren verschiedener Institutionen verfasst wurden.
Die Aussagen stützen sich auf die Auswertung von hochauflösenden Bildern der
Marsoberfläche, die von der vom DLR betriebenen, hochauflösenden Stereokamera
HRSC an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express aufgenommen wurden. Die Autoren sind
Mitglieder des internationalen HRSC-Wissenschaftsteams, das von Gerhard Neukum
(Freie Universität Berlin) geleitet wird. Die Ergebnisse wurden am 17. März 2005
in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht.
Die Oberflächenstrukturen wurden in Aufnahmen der deutschen High Resolution
Stereo Camera (HRSC) identifiziert, die seit mehr als einem Jahr an Bord der
Mars Express-Sonde den Roten Planeten umkreist und unseren Nachbarplaneten in
hoher Auflösung, in Farbe und in "3D" fotografiert. Sie zeigen Fließformen, die
vermutlich von Gletschern oder "Blockgletschern" (einer Mischung aus Eis und
Gesteinsbruchstücken unterschiedlicher Größe) gebildet wurden. Man bezeichnet
Strukturen, die von Gletschern verursacht wurden, in der Geologie als glazial.
Zahlreiche konzentrische Höhenrücken erinnern an so genannte Endmoränen:
Geröllwälle, die ein wachsender Gletscher vor sich herschiebt und dann nach
seinem Abschmelzen zurückbleiben. Außerdem sind parallele Streifen zu sehen, die
von den Autoren als Mittelmoränen interpretiert werden, welche die Fließrichtung
der Gletscher anzeigen. An Stellen, wo die Gletscher über steilere
Geländeabschnitte führten, sind Spalten zu erkennen: In ähnlicher Weise
entstehen in Gletschern auf der Erde Spalten - so genannte "Eisbrüche" -, wo die
Spannungen innerhalb des Eises wegen des größeren Gefälles und des unebenen
Geländes zunehmen.
Weitere glaziale Merkmale sind längliche, mehrere Kilometer lange, parallele
Riefen und langgezogene Hügel, die auf den Oberflächen von Bergrücken in einiger
Entfernung zu den möglicherweise vergletscherten Gebieten beobachtet werden. Die
Hügel ähneln so genannten Drumlins, dem gälischen Wort für Strukturen, die unter
dem Eis durch die Bewegung des Gletschers und das dadurch bedingte
Zusammenschieben und Aufhäufen abgeschürften Materials entstehen. Auf der Erde
treten Drumlins in ehemaligen eiszeitlichen Regionen wie dem bayerischen
Voralpenland auf. "Wir sehen hier eine ganze Reihe glazialer Strukturen in einem
konsistenten räumlichen Zusammenhang. Das festigt unsere Überzeugung, hier
tatsächlich frühere Marsgletscher zu sehen", sagt Hauber.
Besonders interessant ist das Alter der glazial geprägten Oberflächen auf dem
Mars. Diese sehen in weiten Gebieten der von den Autoren entdeckten ehemaligen
Vergletscherung ziemlich "intakt" aus, denn typische Anzeichen für massiven
Eisverlust - wie zum Beispiel Einsturzkrater oder so genannte "Toteislöcher"
(rundliche Hohlformen mit bis zu mehreren hundert Meter Durchmesser), wie sie in
heute eisfreien Gegenden Islands anzutreffen sind - fehlen fast vollständig. Die
statistische Auswertung der Anzahl von Kratern, die dort durch
Meteoriteneinschläge entstanden sind und zur Altersbestimmung der Flächen
herangezogen werden, zeigt, dass die Landschaft in ihrer heutigen glazialen
Ausprägung zum Teil erst vor einigen Millionen Jahren entstanden ist. In der
Planetengeologie gelten solche Alter als extrem jung.
Eis ist an der Marsoberfläche in diesen Breitengraden unter der gegenwärtigen,
extrem dünnen Marsatmosphäre über längere Zeiträume nicht stabil. Es würde bei
dem herrschenden geringen Luftdruck sublimieren, also direkt vom festen in den
gasförmigen Zustand übergehen, und dann aus der Atmosphäre ins All entweichen -
auch wenn es heute am Äquator des Mars in der Theorie kalt genug ist für die
Existenz von Gletschern: Selbst an einem Sommertag steigt die Temperatur maximal
auf etwa 20 Grad Celsius; in den Nächten und vor allem im Winter sinken die
Temperaturen oft auf unter minus 50 Grad Celsius ab.
Die Gletscher müssen sich also bis vor wenigen Millionen Jahren in einer damals
anderen, einer wärmeren und vielleicht auch dichteren Atmosphäre gebildet haben
und wurden dann inaktiv oder bildeten sich mangels Eisnachschubs zurück. Seither
werden sie von einer dünnen Oberflächenschicht aus Staub vor Sublimation
geschützt. Staub ist auf dem Mars fast allgegenwärtig und würde auch erklären,
warum das möglicherweise in nur wenigen Metern Tiefe noch heute vorhandene
"fossile" Eis nicht von anderen Instrumenten wie beispielsweise Spektrometern
entdeckt werden kann. Erst vor kurzem waren HRSC-Aufnahmen über ein zugefrorenes
Marsmeer von der Größe der Nordsee bekannt geworden.
Treffen die Schlussfolgerungen der Forscher zu, weisen die Resultate auf einen
Klimawechsel auf dem Mars innerhalb der letzten Millionen Jahre hin. Derart
dramatische Klimawechsel werden seit vielen Jahren in der Marsforschung
diskutiert und könnten ihre Ursache in einer im Lauf der Jahrmillionen um große
Neigungswinkel schwankenden Polachse des Mars haben, ein seit längerem bekanntes
Phänomen. Die Entschlüsselung der Klimageschichte des Mars ist eine der
Hauptfragen, die mit den aktuellen Marsmissionen wie Mars Express geklärt werden
soll. Die Forscher interessiert vor allem, wann und über welche Zeiträume auf
dem Mars Wasser und Eis vorhanden waren.
Als ein Beispiel für ihre Thesen führen die Autoren den so genannten
"Stundenglaskrater" an. Diese ungewöhnliche Struktur mit Spuren eines früheren
Gletschers befindet sich am Ostrand der Hellas-Tiefebene. Aus einem 3500 Meter
hohen Bergmassiv strömte ein so genannter Blockgletscher, ein Eisstrom mit einem
hohen Anteil an Felsschutt, zunächst in einen neun Kilometer großen
schüsselförmigen Einschlagkrater (links), der dadurch fast bis zum Rand
aufgefüllt wurde. Wie ein zäher, schlieriger Brei schob sich der Blockgletscher,
begünstigst durch das Gefälle, weiter in einen 500 Meter tiefer gelegenen, 17
Kilometer durchmessenden Krater. In Anlehnung an die ungewöhnliche Form und dem
von oben nach unten durch den "Flaschenhals" verlaufenden Strömungsmuster wurde
das bislang namenlose Kraterpaar von den Forschern "Stundenglaskrater" getauft.
Weiteren Aufschluss erhofft sich die wissenschaftliche Gemeinde von der
Inbetriebnahme des MARSIS-Instrumentes in wenigen Monaten, einer Radaranlage an
Bord von Mars Express, die in der Lage ist, unter die sichtbare Oberfläche zu
"schauen".
Das Kameraexperiment HRSC auf der Mission Mars Express der Europäischen
Weltraumorganisation ESA wird vom Principal Investigator Prof. Dr. Gerhard
Neukum (Freie Universität Berlin), der auch die technische Konzeption der
hochauflösenden Stereokamera entworfen hat, geleitet. Das Wissenschaftsteam
besteht aus 45 Co-Investigatoren aus 32 Instituten und zehn Nationen. Die Kamera
wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter der Leitung des
Principal Investigators (PI) Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit
industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und
Jena-Optronik GmbH). Die Kamera wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in
Berlin-Adlershof betrieben. Hier erfolgt auch die systematische
Datenprozessierung. Die hier gezeigten Darstellungen wurden vom Institut für
Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut
für Planetenforschung in Berlin erstellt.
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Eine gute Nachricht für die Zukunft der Menschheit: Riesige Gletscher auf dem Mars entdeckt
In einer Aussendung berichtet die NASA von einer Neuentdeckung auf dem Mars. Riesige Gletscherfelder jenseits der Polkappen wurden unter Geröllschichten von einer Radarsonde gefunden.
Der "Mars Reconnaissance Orbiter" der NASA hat grösser Gletscher
unterhalb einer Geröllschicht auf dem roten Planeten entdeckt. Einer der
Gletscher isst deutlisch grösse als die Stadt Los Angeles und ist fast einen
Kilometer dick.
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520 Tage auf einem simulierten Flug zum Mars
Mars500-Projekt soll Erkenntnisse für Langzeitflüge im All bringen
Die Männer, die jetzt den Test durchstehen müssen, werden nicht diejenigen sein, die in ca. 20 Jahren zum Mars „fliegen“ werden. Es geht nur darum zu wissen, wie menschliche Organismen in vergleichbarer Lage sich verhalten. Ob der Mensch überhaupt für lange interplanetarische Flüge geeignet ist. Denn das ist die Zukunft der Menschheit. Auf mehreren Planeten, vielleicht später in mehreren Sonnensystemen leben wird die Überlebenschancen der Menschheit erhöhen, oder von der Art, die Menschheit heißen wird.
Am 3. Juni 2010 beginnt für sechs "Astronauten" eine virtuelle Reise zum Mars. 520 Tage erleben sie auf engstem Raum in einem fest verschlossenen Container im Moskauer Institut für Biomedizinische Probleme (IBMP) Strapazen und Isolation eines Langzeitfluges. Damit startet der Hauptteil des Mars 500-Experimentes und das längste jemals durchgeführte Weltraum-Simulationsexperiment. Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und anderen deutschen Forschungseinrichtungen wie der Berliner Charité sowie Universitäten aus Erlangen, München, Mainz, Bonn und Köln sind wieder mit an "Bord".
Wenn sich die Luke am 3. Juni schließt, begibt sich die sechsköpfige Crew mit Männern aus Russland, Europa und China auf eine simulierte 520-Tage-Reise zum Roten Planeten. Für den virtuellen Hinflug benötigen sie 250 Tage, 30 Tage sind für den "Aufenthalt" auf dem Mars eingeplant, danach tritt die Crew einen 240-tägigen Rückflug zur Erde an. Das Experiment findet, wie bereits die 105-Tage-Studie im Jahr 2009, in einer speziellen Versuchsanlage des IMBP in Moskau statt. Mit Ausnahme von Schwerelosigkeit und Strahlung werden die Bedingungen im All möglichst real simuliert. Die Crew erlebt Isolation, Verpflegung und Notfälle wie bei einer realen Langzeitmission. Während der 520 Tage sind rund 100 Versuche in den Bereichen Psychologie und Psychophysiologie, klinischer Diagnostik, Physiologie und Mikrobiologie geplant.
Crew braucht hohes Maß an Autonomie
Ob auf dem Weg zum Mars oder zu einem anderen Planeten, während einer Langzeitmission wird von der Crew ein hohes Maß an Autonomie gefordert. Ohne Hilfe von außen müssen die Männer die technischen Systeme warten und instand halten. Von besonderem Interesse für die Wissenschaftler sind die Auswirkungen der Isolation auf die psychische und physiologische Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Crew.
Deutsche Wissenschaftler untersuchen bei dieser Langzeitmission die Gruppendynamik und psychophysiologische Leitungsfähigkeit der Crew. Sie untersuchen auch wie sich Astronauten im Krankheits- oder Notfall versorgen können. Eine weitere Forschergruppe untersucht, wie sich Mikrobiologie und Gesundheit einer Crew in geschlossenen Systemen entwickelt. Weiterhin beobachten deutsche Wissenschaftler den Salz- und
Flüssigkeitshaushalt, die Blutdruckregulation und den Knochenstoffwechsel der Crew. Zur Untersuchung ernährungsphysiologischer Fragen liefern acht deutsche Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen ausgewählte Produkte zur Versorgung der Mannschaft.
Versuche deutscher Wissenschaftler bei Mars500
DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin Hamburg, Dr. Bernd Johannes: Gruppendynamische Prozesse sowie Computerbasiertes Training komplexer Steuerungsaufgaben
DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, Köln, Dr. Petra Rettberg: Mikrobiologie und Gesundheit in geschlossenen Systemen
DLR-Institut für Luft und Raumfahrtmedizin und Universität Bonn, Dr. Natalie Bäcker: Knochenstoffwechsel
DLR-Institut für Luft und Raumfahrtmedizin, Köln, Dr. Luis E.J. Beck: Blutdruckregulation
Uni Erlangen, Prof. Jens Titze: Langzeit-Salz- und Flüssigkeitshaushalt
Zentrum für Weltraummedizin Charité, Berlin, Prof. Hanns-Christian Gunga: Zirkadiane Rhythmen des Menschen bei Langzeitisolation
Zentrum für Weltraummedizin Charité, Berlin, Dr. Ulf Gast: Körperliche Fitness durch Vibrationstraining
Ludwig-Maximilian-Universität München, Prof. Alexander Choukér: Psychophysiologische Leistungsfähigkeit
Deutsche Sporthochschule Köln, Dr. Stefan Schneider: Psychophysiologische Leistungsfähigkeit
Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Wolf Mann: Autonome notfallmedizinische Patientenversorgung
Vollständiger Artikel mit Bildmaterial: http://www.dlr.de/DesktopDefault.aspx/tabid-1/9600_read-24702/
Kontakt: Andreas Schütz, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Kommunikation, Pressesprecher, Tel.: +49 2203 601-2474, Mobil: +49 171 3126466, Fax: +49 2203 601-3249, mailto:andreas.schu
● Reparatur eines Schadensfalls
Der
Medizin-Nobelpreis für Luc Montagnier
Wie deutsche Medizinwissenschaftler sich in die Nobelpreis-Vergabe einmischten – AIDS-Virus von Montagnier und seinem Pasteur-Team entdeckt – US-Medizinforscher Robert C. Gallo aus Baltimore wurde nicht berücksichtigt – Preis-Vergabe an den „falschen Wissenschaftler“ im letzten Augenblick vermieden
Spät, mit 76 Jahren, kam der französische Virologe Luc Montagnier, Entdecker des AIDS-Virus und des ersten AIDS-Tests, zur verdienten Ehre des Nobelpreises der Medizin. Dass sein schärfster Konkurrent Prof. Robert C. Gallo leer ausging, ist ungeachtet der tatkräftigen Unterstützung deutscher Medizinwissenschaftler für den US-Amerikaner eine umso anerkennenswertere Leistung des Stockholmer Nobelpreis-Komitees.
Die Geschichte der Entdeckung des Human Immundeficiency-Virus (HIV) aus dem Jahre 1983 mutet an wie ein Groschen-Roman: Prof. Montagnier entdeckte am Institut Pasteur zu Jahresanfang mit seinem Virologen-Team um Prof. Francoise Barré-Sinoussi und Jean-Claude Chermann in Paris ein neues, bisher unbekanntes Virus, das mit der schweren Lymphdrüsen-Erkrankung eines Patienten assoziiert wurde. Montagnier nannte es kurzerhand LAV-Lymphenadopathie-Virus, d.h. das Virus, das eine schwere Lympherkrankung auslöst. Um seine Entdeckung der Fachwelt mitzuteilen, schickte er ein mehrseitiges wissenschaftliches Manuskript an die Redaktion des US-Wissenschaftsmagazin „science“ in Washington D.C. Zur Untermauerung seines wissenschaftlichen Funds sendete er auch Teile des von ihm entdeckten LA-Virus mit. Es blieb längere Zeit still in Übersee, doch dann antwortete Prof. Robert C. Gallo, vom angesehenen Wissenschaftsmagazin bestellter Sachverständiger, der in Baltimore an humanen Retroviren forschte, dass es sich um ein Retrovirus handelte. Er selbst hatte solche Retroviren namens HTLV (Human T-Lymphotropic Virus) in seinem Labor bei Leukämie-Patienten bereits aufgefunden. Montagnier rückte ab vom Namen LAV, jedoch wurde er hellhörig, als Gallo nur wenige Monate später in USA einen Nachweis-Test für die bald als Humane Immunschwäche HIV allgemein erkannte Krankheit vorstellte. In der Tat war das genetische Material des von Gallo als HTL-Virus-III bezeichneten Virus identisch mit den Virusteilen, die er nach USA als Beweis für seinen Fund geschickt hatte. So berichtete damals das Pasteur-Institut in Paris über den heftigen Streit zwischen dem französischen und dem amerikanischen Virologen, der sich formal in einem Namensstreit um das neue Virus niederschlug. Die Amerikaner nannten es HIV – Human Immundeficiency Virus, die Franzosen nannten es VIH – Virus de l’Immunodéficience Humaine, mit einer Zahlenreihe im römischen Stil HIV-I, HIV-II, HIV-III und HIV-IV oder VIH-1, VIH-2, VIH-3 und VIH-4. Wobei im Jahr 1986 Montagnier vom Institut Pasteur in Afrika noch eine andere Variante des HIV entdeckte, die stark von den beiden bekannten HIV-Stämmen abwich. Affen tragen übrigens ein ähnliches Virus, das SIV, das jedoch im Gegensatz zu HIV nicht tödlich wirkt.
Für das renommierte Pasteur-Institut in Paris kam es noch schlimmer: Die US-Behörden ließen jahrelang den neu entwickelten Nachweis-Test aus Frankreich für die humane Immunschwäche AIDS, von der besonders Homosexuelle und Drogenabhängige betroffen waren, nicht ins Land. Damit wollten sie primär ihre eignen Forschungslabors schützen, die bald mit selbst entwickelten AIDS-Test auf den riesigen US-Markt vorstießen. Doch Eile war damals geboten, denn erst mit dem Nachweis des HI-Virus bei Patienten konnte mit deren Isolierung und Therapie begonnen werden. Als sich Institut Pasteur Productions (IPP) mit den US-Gesundheitsbehörden nach jahrelangem Rechtsstreit vor US-Gerichten um 1994 einigte, war der weltweite riesige Markt der AIDS-Diagnostik weitgehend besetzt von anderen Pharmaunternehmen, wie die Pasteur-Pressestelle in Paris mit großem Bedauern mitteilte.
In Frankfurt wurde der falsche Wissenschaftler hochgelobt
Um Montagnier in Paris wurde es nach seiner aufsehenerregenden Veröffentlichung in „science“ vom 20.5.1983 immer ruhiger. US-Forscher Robert C. Gallo, Baltimore, wurde jedoch nicht müde, seine durchaus interessanten Forschungsergebnisse aus Baltimore an Retroviren und Leukämie-Viren weiter zu verbreiten. Im Jahr 1999 erhielt er deshalb vom Paul-Ehrlich-Institut, Langen, und der Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt/Main den mit 120.000 DM (60.000 Euro) dotierten, angesehenen „Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter-Preis“ für seine Entdeckung des Interleukins-2. Die maßgeblich vom damaligen, nicht unumstrittenen Institutsdirektor Reinhard Kurth, Langen/Hessen, betriebene Auszeichung Gallos sollte selbstredend dem Laureaten den Weg zum Nobelpreis ebnen. Dass der Franzose Montagnier, in jenen Jahren immerhin noch als „Mitentdecker“ des AIDS-Virus genannt, bei der Auszeichnung in der Frankfurter Paulskirche völlig leer ausging, fand das hessische Preiskomitee durchaus als nicht anstößig. Man habe mit Gallo den richtigen Forscher mit dem Paul-Ehrlich-Preis bedacht, hieß es in einer selbstsicheren Verlautbarung, in deren Mittelpunkt Robert C. Gallo und dessen „möglicherweise größter von vielen signifikanten wissenschaftlichen Beiträgen die Entdeckung eines im Immunsystem regulatorisch wirkenden Moleküls war, das wir heute Interleukin-2 nennen.“ Wobei Montagniers Bedeutung als Erstentdecker des doch damals bereits weltweit verbreiteten AIDS-Virus völlig heruntergespielt wurde und nebensächlich war.
Spätestens nach dieser Preisverleihung in Frankfurt war den Wissenschaftlern in Deutschland klar, wem von den beiden amerikanischen und französischen Antagonisten der Nobelpreis für die Entdeckung des AIDS-Virus zuzuerkennen war: Ausschließlich Prof. Robert C. Gallo, Baltimore, Maryland. Von Luc Montagnier sprach niemand mehr. Dass damals vor der Frankfurter Paulskirche der Arbeitskreis aus Gelsenkirchen „Kein Preis für R. Gallo“, gegen den Lauraten demonstrierte, tat der Feier an historischer Stätte keinen Abbruch. Der Arbeitskreis bestand nach eigenen Angaben aus HIV-Infizierten, Ärzten und Beschäftigten des Gesundheitswesens, „die sich gegen die Erforschung und Produktion von Biowaffen wenden.“
Wiedergutmachung für den richtigen Entdecker
Mit der diesjährigen Verleihung des Nobelpreises für Medizin an Prof. Montagnier und sein Team vollzog das schwedische Komitee des Karolinska-Instituts keine Kehrtwendung, sondern eine Reparatur - oder soll man sagen „Operation“? - in extremis. Der späte Ruhm, in die Annalen der ehrwürdigen Schwedischen Akademie in Stockholm einzugehen sowie die Nicht-Berücksichtigung seines Kontrahenten Gallo mag den „richtigen Laureaten“ Prof. Luc Montagnier darüber hinweg trösten, dass er ums Haar das Opfer einer von deutschen Wissenschaftlern aus Langen und Frankfurt angezettelten „Preis-Vergabe an den falschen Forscher“ geworden wäre. Zu gleichen Teilen erhielt seine Mitarbeiterin Francoise Barré-Sinoussi aus dem Pasteur-Institut, Paris, die diesjährige Auszeichnung aus Stockholm. Die ganze andere Hälfte des Medizin-Nobelpreises wurde dem deutschen Prof. em. Harald zur Hausen, DFKZ (Deutsches Krebs-Forschungs-Institut), Heidelberg, verliehen „für seine Entdeckung der Entstehung des Gebärmutterhalskrebses aus einer viralen Infektion sowie der Entwicklung eines sicher schützenden Impfstoffs.“ Dass Montagniers Pasteur-Mitarbeiter Jean-Claude Chermann in Paris nun ebenfalls einen Teil des Nobelpreises für sich reklamiert, soll durchaus erwähnt werden. Doch kann der bedeutendste Preis, den die Menschheit alljährlich vergibt, vom Stockholmer Komitee nur „geteilt,“ nicht „gedrittelt“ werden.
Richard E. Schneider
● Ein Drittel der Schmetterlinge Europas gefährdet - Verlust an Lebensräumen schuld am weiteren Rückgang der Arten
Genf/ Halle/Saale. Der Verlust an Lebensräumen hat ernste Auswirkungen auf Europas Schmetterlinge, Libellen und andere Insekten. Das geht aus der neuesten Ausgabe der Roten Liste hervor, die die Weltnaturschutzunion IUCN am Dienstag im Auftrag der Europäischen Union veröffentlicht hat.
Demnach sind neun Prozent der Schmetterlinge und 14 Prozent der Libellen Europas
vom Aussterben bedroht. Bei rund einem Drittel (31 Prozent) der Europäischen
Schmetterlingsarten gehen die Populationen zurück, reichlich die Hälfte der
Arten (55 Prozent) ist stabil, lediglich vier Prozent haben steigende
Populationen und für zehn Prozent liegen keine aussagekräftigen Daten vor.
Die meisten der bedrohten Schmetterlingsarten sind im Süden Europas zu Hause. Hauptursachen für den Rückgang ist der Verlust oder die mangelnde Vernetzung von Lebensräumen - oft hervorgerufen durch Änderungen in der Landnutzung und eine Intensivierung der Landwirtschaft. Als weitere Ursachen beschreiben die Wissenschaftler in ihrem Report den Klimawandel, häufigere und stärkere Brände sowie den Tourismus. "Wenn über bedrohte Arten gesprochen wird, dann ist meist die Rede von großen, markanten Tieren wie Pandabären oder Tigern. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die „kleinen" Arten mindestens genauso wichtig sind. Auch sie müssen geschützt werden", appelliert Jane Smart, Direktorin der IUCN-Gruppe zum Schutz der Biodiversität. „Schmetterlinge beispielsweise spielen eine wichtige Rolle als Bestäuber in zahlreichen Ökosystemen."
Beobachtungsprogramme existieren nur in wenigen Europäischen Staaten.
Die Europäische Rote Liste, die anhand
derselben Kriterien wie die weltweite Rote Liste der gefährdeten Arten der IUNCTM
erstellt wird, aber auf Europa beschränkt ist, bietet einen Überblick über den
Erhaltungsstatus von etwa 6 000 europäischen Arten (Säugetiere, Reptilien,
Amphibien, Süßwasserfische, Schmetterlinge, Libellen und bestimmte Gruppen von
Käfern, Weichtieren und Gefäßpflanzen). Dabei werden Arten identifiziert, die
auf regionaler Ebene vom Aussterben bedroht sind, um Erhaltungsmaßnahmen
einleiten zu können. Die Europäische Rote Liste wird hauptsächlich durch die
Europäische Kommission finanziert.
Die Arten werden je nach Stärke der Bedrohung in eine von acht Kategorien
eingeteilt. Die Rote Liste der IUCN ist eine Zusammenstellung von Informationen
über die Bedrohungen, denen die Arten ausgesetzt sind.
Die Vereinten Nationen haben 2010 zum Internationalen Jahr der Biologischen
Vielfalt erklärt. Ziel ist es, dass Thema biologische Vielfalt mit seinen vielen
Facetten stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mit seiner Expertise
trägt das UFZ dazu bei, die Folgen und Ursachen des Biodiversitätsverlustes zu
erforschen sowie Handlungsoptionen zu entwickeln. (IUCN/Tilo Arnhold)
Mehr dazu erfahren Sie unter:
http://www.ufz.de/index.php?de=16034 und
www.ufz.de/data/ufz_spezial_april08_20080325_WEB8411.pdf
Die Biodiversitätsforschung in Deutschland ist auf zahlreiche Institutionen wie
Hochschulen, außeruniversitäre Einrichtungen und Ressortforschung bis hin zu
Naturschutzverbänden und Firmen verteilt. Das Netzwerk-Forum zur
Biodiversitätsforschung, ein Projekt im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland.
Publikation: Chris van Swaay, Annabelle Cuttelod, Sue Collins, Dirk Maes, Miguel
López Munguira, Martina Šašić, Josef Settele, Rudi Verovnik, Theo Verstrael,
Martin Warren, Martin Wiemers and Irma Wynhoff (2010): European Red List of
Butterflies
http://cmsdata.iucn.org/downloads/european_red_list_butterflies_new.pdf
Weitere fachliche Informationen: PD
Dr. Josef Settele, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), E-mail: siehe
http://www.ufz.de/index.php?de=817
oder über Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle), Telefon: 0341 235 1635,
presse@ufz.de
Weiterführende Links: Habitat loss
blamed for more species decline (Pressemitteilung der IUCN vom 16.
März 2010):http://www.iucn.org/media/materials/releases/?4896/Habitat-loss-blamed-for-more-species-decline
; International Year of Biodiversity 2010:
http://www.cbd.int/2010/welcome/
Die Weltnaturschutzunion IUCN ist das weltweit größte Umweltnetzwerk mit mehr als 1 000 Mitgliedern (staatliche Organisationen und NGO) sowie fast 11 000 freiwilligen Wissenschaftlern und Sachverständigen in etwa 160 Ländern. Die Arbeit der IUCN wird unterstützt von 1 000 Fachkräften in 60 Einrichtungen und Hunderten von Partnern in öffentlichen und privaten Sektoren und NGO weltweit. Der Hauptsitz der IUCN ist in Gland in der Nähe von Genf (Schweiz). http://www.iucn.org/
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit.
● Wasserflöhe vertreiben Stechmücken - Nahrungskonkurrenten als natürliches Insektizid
Mückenlarven und die mit ihnen konkurrierenden Krebstierchen können nicht gleichzeitig denselben Lebensraum besiedeln. Wassertümpel, in denen Kleinkrebse wie beispielsweise Wasserflöhe vorkommen, enthalten wesentlich weniger Mückenlarven als Tümpel ohne solche Kleinkrebse. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in einer Studie im Biosphärenreservat Mittelelbe bei Dessau. Dazu wurden im Roßlauer Oberluch 15 Wasserstellen eine Saison lang beobachtet. Ziel der Untersuchungen ist es, natürliche Mechanismen zu erforschen, um potenziellen Mückenplagen begegnen zu können. Dabei sollen in Zukunft Krebstierchen als natürliche Nahrungskonkurrenten der Mückenlarven eingesetzt werden, um die Mückenpopulationen zu kontrollieren. Auf diese Weise könnte der Einsatz giftiger Insektizide reduziert werden. Das Verfahren befindet sich in der Patentierung.
Mückenweibchen können schneller neue Lebensräume besiedeln als ihre Nahrungskonkurrenten, die auf Transportunterstützung durch andere Tiere oder den Windangewiesen sind. Mückenweibchen suchen dagegen zielgerichtet nach neuen Brutplätzen, wo sie zahllose Eierablegen. "Mücken profitieren von solchen kurzlebigen Wasseransammlungen, denn sie verlassen bereits nach ein bis zwei Wochen das Wasser als flugfähige Insekten", erläutert Dr. Sabine Duquesne vom UFZ. "Kleinkrebse benötigen hingegen benötigen mehr Zeit, um solche Lebensräume zu besiedeln. Somit bekämpfen die Wissenschaftler, Mückenplagen nachhaltig mit Wasserflöhen. Wenn man die Krebstierchen gezielt in potenzielle Mückenbrutplätze ausbringt, kann man ihren Entwicklungsnachteil ausgleichen." Die Methode wurde inzwischen erfolgreich in Deutschland von der Doktorandin Iris Kröger und auch Afrika von der Doktorandin Alvine Meyabeme eingesetzt. Sie befindet sich derzeit in der Patentierung.
Das Roßlauer Oberluch bietet mit seinen Feuchtgebieten günstige Brutbedingungen für verschiedene Stechmückenarten. Die Larven der Mücken können sich nur im Wasser entwickeln und bevorzugen daher flache Tümpel, in denen keine Fraßfeinde wie Fische leben. Durch die erwartete Klimaveränderung werden sich die Brutbedingungen für Stechmücken weiter verbessern, denn starke Regenfälle, Überschwemmungen und hohe Temperaturen begünstigen ihre Fortpflanzung. Zudem steigt durch höhere Temperaturen die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten wie Blauzungenkrankheit, West-Nil Virus und viele andere. So hat sich die in den Tropen und Subtropen als Dengue-Überträger gefürchtete Tigermücke (Aedes albopictus) bereits in mehreren Ländern Südeuropas bis hin zur Schweiz und auch Deutschland etabliert. Am Oberrhein werden Stechmücken seit vielen Jahren mit den Bakterium Bti (Bacillus thuringiensis israelensis) beispielsweise von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) bekämpft. In den wenig zugänglichen Auenwäldern der Elbe wäre eine solche Bekämpfungsstrategie schwer durchzuführen und würde den Zielen des Biosphärenreservates widersprechen.
Das Roßlauer Oberluch ist am 12. Mai 2009 als ein "Ausgewählter Ort" im Land der Ideen ausgezeichnet worden. Dabei handelt es sich um die erste großflächig umgesetzte Deichrückverlegung an der Mittleren Elbe. Durch diese Verlegung ist seit 2006 eine 140 Hektar große Altaue wieder an das Hochwassergeschehen angebunden. Das Projekt in Roßlau hat Modellcharakter für ganz Deutschland. Entlang der Mittleren Elbe sind derzeit 15 Deichrückverlegungen mit einer Gesamtfläche von etwa 2.600 Hektar geplant. Das Hochwasser im Frühjahr 2009 sorgte zum ersten Mal seit der Deichöffnung dafür, dass die Auenwiesen im Rückdeichungsgebiet der Stadt Dessau-Roßlau überflutet wurden. Dieses Renaturierungsprojekt im UNESCO-Biosphärenreservat Mittelelbe verbessert nicht nur den Hochwasserschutz. Es bietet auch der Forschung eine bisher einmalige Möglichkeit, die Auswirkungen auf Natur und Mensch zu untersuchen. Dazu wurde eine Forschungsplattform innerhalb des TERENO-Observatoriums Mitteldeutschland der Helmholtz-Gemeinschaft eingerichtet. Über 40 Wissenschaftler des Helmholz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und vieler anderer Institute arbeiten hier gemeinsam, um das Wissen über Ökologie, Funktionen und Wirkungen von Renaturierungsmaßnahmen in Auen zu verbessern.
Tilo Arnhold (http://www.ufz.de/index.php?de=18100)