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Ist es die Vorstufe zu einem selbstbewussten Europa? Werden Deutschland und Frankreich diesem Beispiel folgen? Leider kaum... Es wird keine saudi-arabische Moschee in Norwegen geben, solange es keine Religionsfreiheit in Saudi-Arabien gibt!
Die saudi-arabische Regierung und die reichen, privaten Spender in diesem Land, wollten den Bau von Moscheen in Norwegen in Höhe von mehrmals zehn Millionen Euro finanzieren. Die Gesetze erlauben es ihnen. Die norwegischen Gesetze erlauben es Ausländern, Religionsgemeinschaften finanziell zu unterstützen, aber unter Berücksichtigung der Höhe dieser Beträge muss die Regierung die Finanzierung billigen.
Jetzt hat sich das Außenministerium nicht nur geweigert, diese Finanzierung zu zuzulassen, aber es hat außerdem dem islamischen Zentrum Tawfiiq entgegengehalten, der es wäre " widersinnig und nicht normal wäre, die Finanzierung durch ein Land anzunehmen, das die Religionsfreiheit nicht respektiert.“ Der norwegische Außenminister Jonas Gahr Støre hat der Zeitung VG erklärt: " Wir hätten einfach sagen können, „nein, das Ministerium billigt das nicht“, aber wir haben die Gelegenheit ausgenützt um hinzuzufügen, dass die Anerkennung widersinnig wäre, solange es als ein Verbrechen betrachtet wird, eine christliche Gemeinschaft in Saudi-Arabien einzurichten“.
Schon wieder eine Nachricht, die uns über Internet erreicht. Sie wurde zwar von allen Presseagenturen weitergegeben, aber wahrscheinlich auf einer Frequenz, die die deutschen und die französischen Medien nicht empfangen… Ein Kommentar darüber erübrigt sich.
▪ Die Homoehe bleibt in Frankreich verboten
Eine Erklärung der Abgeordneten Brigitte Barèges, Mitglied
der Sarkozy-Partei UMP, hatte vor dem Rechtsausschuss des französischen
Nationalversammlung fast einen Aufruhr ausgelöst. Diese Abgeordnete und
Bürgermeisterin der Stadt Montauban ( Departement Tarn-und-Garonne ) hatte
gesagt: « Und warum denn sollte man nicht die Ehe mit Tieren genehmigen? Oder
die Vielweiberei? ». Der Ausschuss prüfte gerade einen Gesetzentwurf der
Sozialistischen Partei, der empfahl, « gleichgeschlechtlichen Paaren die
Möglichkeit der Eheschließung zu eröffnen». Frau Barèges hat sich später
entschuldigt und gesagt, dass man sie « nicht als „homophobe“ betrachten soll ».
Wahrscheinlich hatte ihr die die starke Lobby der Homosexuellen mit einer Klage
oder gar mit Gefängnis gedroht, wie sie das oft tun. Der erste Teil ihrer
Äußerung war schon diffamierend, das stimmt. Aber der zweite Teil war
möglicherweise gar nicht so falsch. Denn es ist wohl nur eine Frage der Zeit,
bis die Polygamie in Frankreich gesetzlich geschützt wird, wenn man das Tempo
berücksichtigt, womit sich die Sitten und die Gesetze ändern.
Immerhin hat die UMP für dieses Mal standgehalten. Bei der Abstimmung in
Nationalversammlung am 14. Juni wurde der Gesetzentwurf der Sozialisten mit 293
gegen 222 Stimmen abgelehnt. Aber man kann darauf bauen, dass die Mehrheit der
Homoehe in wenigen Jahren, vielleicht nach den Parlamentswahlen im Jahre 2012,
zustimmen wird. Die UMP hatte sich nach einem kurzen Widerstand auch mit dem
„PACS“, dem eheähnlichen Lebensgemeinschaftsvertrag, abgefunden. Offensichtlich
war der PACS für die Linke nur die Vorstufe zum Endziel „gleiche Ehe für alle“.
Für Christophe Girard, stellevertretenden Bürgermeister von Paris, zuständig für
Kulturfragen, ist der Kampf für die Homoehe „mit dem Kampf gegen die Todesstrafe
zurzeit von François Mitterrand vergleichbar“. Der Vergleich hinkt schon ein
wenig, denn die Verweigerung der Ehe für Homos und Lesben ist für sie doch kein
Todesurteil.
Der französische Verfassungsrat hatte sich zum Jahresbeginn für die Beibehaltung
der Artikel 75 es 144 des französischen BGb ausgesprochen, die die Ehe zwischen
Personen des gleichen Geschlechts verbieten. Katholische Gruppierungen sind
sogar dafür, dass man in der Verfassung den Grundsatz aufnimmt, dass die Ehe
ausschließlich zwischen einem Mann und einer Frau stattzufinden hat. Nicolas
Sarkozy muss sich also nicht dem Staatspräsident Obama anschließen, der das von
Bill Clinton 1996 verabschiedete Gesetz, wonach die Ehe nur zwischen „Personen
unterschiedlichen Geschlechts » stattzufinden hat, verfassungswidrig ist. Als
Lady Gaga in Paris sagte, dass Frankreich die Homoehe zulassen sollte, tat sie
es wohl auch nicht im Auftrag von Obama. Das war ihre Privatmeinung. Ob sie für
die Homosexuellen die beste Anwältin war, ist aber mehr als fragwürdig.
▪ Der wahre Grund für mehr Kinder: Die Verlässlichkeit der Ehe
Die Abkehr von der Ehe scheint unaufhaltsam: Die Deutschen heiraten immer weniger und immer später. War die Heirat noch bis in die 1970er Jahre „Pflicht", ist sie heute eine Option unter vielen: Zusammenleben mit oder ohne Trauschein, in einer gemeinsamen Wohnung oder in einer „bilokalen Partnerbeziehung" oder „Single-Dasein" - alle Partnerschaftsformen sind gleichermaßen akzeptiert (1). Zwar heiratet noch immer eine Mehrheit der Erwachsenen, fast 40% der Ehen landen aber früher oder später vor dem Scheidungsrichter. Als Folge des Scheidungsbooms und mehr noch der durch die sinkenden Heiratszahlen dokumentierten Ehemüdigkeit ist die lebenslange Ehe längst nicht mehr der Regelfall.
Diese Realität wahrzunehmen fällt schwer: Scheidungen - so argumentieren manche - bedeuteten das Scheitern einer konkreten Partnerschaft, aber keine generelle Absage an die Ehe als Institution. Dass viele ein zweites (oder auch drittes) Mal heiraten, belege die bleibende Attraktivität der Ehe. Seit den 1970er Jahren ist aber auch der Anteil der wieder heiratenden Geschiedenen stark gesunken (2). Geschiedene bevorzugen heute oft Partnerschaften ohne „formelle Verpflichtung", weil sie „Zweifel an der Stabilität von Partnerbeziehungen hegen". Aus solchen Gründen scheuen auch viele in Scheidungsfamilien aufgewachsene junge Menschen vor der Heirat zurück. Über die Generationen schwindet so sozialer Rückhalt für die Ehe (3). An die Stelle der lebenslangen Ehe tritt mehr und mehr die „serielle Monogamie": Eine Abfolge multipler Beziehungen mit verschiedenen Lebenspartnern, in der „unbefriedigende Verbindungen" gekündigt werden, um „nach besseren Perspektiven zu suchen" (4).
Den multioptionalen Lebensstil verstehen Soziologen als Ausdruck eines neuen Partnerschaftsideals, das stärker auf Autonomie setzt (5). Die Entscheidung für Kinder befördert dieses Autonomiestreben allerdings nicht: Unverheiratete Paare sind im Vergleich zu Eheleuten mindestens drei- bis viermal so häufig kinderlos (6). Die Entscheidung über die Geburt eines Kindes ist, wie Demographen feststellen, immer noch stark an das „traditionelle ehebasierte Familienmodell geknüpft". Sie versuchen diese Situation damit zu erklären, dass in Deutschland immer noch „Eheförderung über monetäre Transfers betrieben wird". Diese Politik benachteilige, „diejenigen, die die Ehe als Lebensform nicht akzeptieren", die eben „dadurch weniger Kinder" hätten" (7).
Tatsächlich spielt die Ehe für den Anspruch auf öffentliche Leistungen in Deutschland gar keine Rolle: Leistungen wie das Kinder-, das Wohn- oder das Elterngeld werden unabhängig vom Familienstand ausbezahlt (8). Welche Diskriminierung soll unverheiratete Frauen von der Entscheidung für Kinder abschrecken? Plausibler ist es, nach Gründen in den Einstellungen der Menschen zu suchen. Aufschlussreich sind in dieser Hinsicht die Antworten 25-40-jähriger Frauen auf die Frage, ob und wie viele Kinder sie planen: Singles wünschen sich durchschnittlich 1,4 Kinder. Nur geringfügig höher ist der Kinderwunsch von Frauen in einer bilokalen Partnerbeziehung (1,5) und selbst Frauen in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft wollen im Schnitt nur 1,6 Kinder. In einer Ehe lebende Frauen wünschen sich dagegen mindestens zwei Kinder (9). Entscheidend für den Kinderwunsch ist weniger das Vorhandensein eines Partners als die Art der Beziehung: Frauen in einer bilokalen Partnerbeziehung wollen genauso oft wie Single-Frauen kinderlos bleiben (27%), dasselbe gilt für rund ein Fünftel der kohabitierenden, aber nur für ein Zwanzigstel der verheirateten Frauen. Verheiratete wünschen sich in mehr als neun von zehn Fällen Kinder - das gilt für Frauen wie für Männer (10). Basis des Kinderwunsches von Ehepaaren ist eine gewisse Verlässlichkeit: Trotz des gestiegenen Scheidungsrisikos sind Ehen noch immer stabiler als Partnerschaften ohne „formelle Verpflichtung", die nicht selten schon nach wenigen Monaten wieder zerbrechen. Diese Flüchtigkeit und Unverbindlichkeit erschwert Unverheirateten die Entscheidung für Kinder (11). Diese Zusammenhänge darzustellen könnte unpopulär sein, einfacher ist es da, weiter die Legende von der „Diskriminierung" „alternativer" Lebensformen zu verkünden. Wissenschaftliche Nüchternheit und Redlichkeit bleiben dabei auf der Strecke.
i-daf – juin 2011 - mail@i-daf.org
(1) Zum Lebensformenwandel und dem Bedeutungsverlust der Ehe seit etwa 1970: Siehe: Stefan Fuchs: Vertreibung aus dem Rest-Paradies? Heirat und Ehe in den Medien 1968 und 2010,
http://www.erziehungstrends.de/Heirat/Ehe/Medien. (2) Vgl.: Jürgen Dorbritz: Die Berechnung zusammengefasster Wiederverheiratungsziffern Geschiedener - Probleme, Berechnungsverfahren und Ergebnisse, S. 253-262, in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft Heft 3/1998, S. 260-261. (3) Siehe hierzu: http://www.i-daf.org/291-0-Wochen-11-12-2010.html. (4) Siehe: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit. Perspektiven für eine lebenslaufbezogene Familienpolitik - Siebter Familienbericht, Bundestagsdrucksache 16/1360, Berlin 2006, S. 126. (5) Beispielhaft für diese Sichtweise: Jahel Mielke: „Allein wohnen heißt nicht allein sein", Interview mit Norbert Schneider, in: DER TAGESSPIEGEL vom 25.4.2010, http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/allein-wohnen-heisst-nicht-allein-zu-sein/1807966.html. (6) Vgl.: Jürgen Dorbritz: Dimensionen der Kinderlosigkeit in Deutschland, S. 2-6; Bevölkerungsforschung Aktuell 03/2011, S. 2. (7) Siehe ebd., S. 3. (8) Siehe hierzu: http://www.i-daf.org/243-0-Woche-45-2009.html. (9) Vgl. Abbildung unten: „Kinderwunsch - abhängig von der Lebensform". (10) Dies ergeben zumindest Auswertungen des „Gender and Generations Survey 2005. Vgl.: Jürgen Dorbritz: Bilokale Paarbeziehungen - die Bedeutung und Vielfalt einer Lebensform, S. 31-56, in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, 34. Jahrgang, 1-2/2009, S. 49. Dorbritz kommt dem Schluss: „Die bilokale Partnerbeziehung ist definitiv nicht die Lebensform, die Basis für die Entstehung von Kinderwünschen und deren Erfüllung ist" (Siehe ebd., S. 50). (11) Siehe hierzu: http://www.i-daf.org/247-0-Woche-46-2009.html sowie Abbildung unten: „Partnerschaftsanzahl und Kinderlosigkeit".
▪ Ethik an Berliner Schulen: Es wird
gemurkst im Hause Zöllner!
Nur zehn Prozent der Ethik-Lehrer haben Ahnung von Ethik. Wie kommt denn das?
von Gunnar Schupelius
Die meisten Ethiklehrer verstehen offenbar nur wenig oder gar nichts von ihrem Fach. Der Berliner Schulsenator Zöllner (SPD) teilte gestern mit, im Schuljahr 2009/2010 hätten nur 161 Lehrer des Faches Ethik, also nur zehn Prozent, über eine Ausbildung in Philosophie oder Ähnlichem verfügt. Wie ist das möglich?
Ethik wurde vor knapp fünf Jahren an Berlins Schulen als Pflichtfach eingeführt. Die SPD wollte ein Schulfach begründen, in dem über Grundfragen des menschlichen Lebens gesprochen wird, ohne dass religiöse Überzeugungen dabei eine Rolle spielen. Auslöser für die Einrichtung des Fachs war 2006 die Ermordung der Berliner Türkin Hatun Sürücü durch ihre eigenen Brüder. „Ethik leistet einen Beitrag zum (…) Zusammenleben in dieser Stadt. Es macht Schüler dialogfähig“, prophezeite damals Parlamentspräsident Momper (SPD), der sich für den neuen Unterricht einsetzte.
Die SPD hat das Fach Ethik von Anfang an sehr wichtig genommen. Wie kann sie dann zulassen, dass 90 Prozent aller Lehrer gar keine Ausbildung in ihrem Fach genossen haben?
Was für eine Schlamperei hat sich Schulsenator Zöllner denn da geleistet? Würde er auch zulassen, dass im Fach Mathematik nur zehn Prozent der Lehrer rechnen können? Wahrscheinlich nicht. Also liegt der Verdacht nahe, dass er das Fach Ethik nicht ernst nimmt. Wie sollen aber die Schüler dieses Fach ernst nehmen, wenn Sie sehen, dass der Lehrer kaum etwas davon versteht?
Ich würde mich ja nicht so ärgern, wenn der Umgang mit Ethik nicht so typisch wäre für unsere Berliner Schulpolitik: Sie erfindet immer was Neues und versagt bei dessen Umsetzung. Das Jahrgangsübergreifende Lernen (JüL) scheitert an viel zu wenigen Lehrern pro Lerngruppe und die neue Sekundarschule wahrscheinlich auch.
Es wird gemurkst im Hause Zöllner, auf Kosten unserer Kinder! (GS)
Der Himmelsgott AN und Schöpfer der Sumerer, des ältesten bekannten Volkes, hatte ein Sternenkreuz zum Symbol. Das Henkelkreuz oder Ankh der Ägypter war zugleich deren Lebenssymbol. Nach dem Experten der Urkulturen Mittelamerikas Jacques Soustelle erschien Quetzalcóatl, der Gott und Erlöser der alten Mexikaner, der Nahuatl-Sprachigen, als Kreuzesträger, und die Maya-Codexe zeigten, dass das Kreuz dieses Volkes an jedem Balken einen Lebensbaum hatte. Doch natürlich setzte sich das Kreuz erst mit dem Christentum weltweit als „Plus“-Zeichen durch, das der Mensch in der Folge des gekreuzigten Gottes erlangen sollte. An Wegkreuzungen aufgestellt, sollte das Kreuz in Europa den Menschen an den Sinn seines irdischen Daseins und an seine Prüfungen gemahnen. In den letzten Jahren noch wurden die Kreuze an unseren Wegen und Landstraßen nicht beanstandet. Die Zahl der Atheisten oder Gleichgültigen nimmt zu, aber nur wenige Kreuze waren Gegenstand freiwilliger Zerstörungen. Mit dem Islamismus befinden wir uns gegenwärtig in einem neuen Stadium des Kampfes gegen die christliche Religion. So hat die Maghrebinische Vereinigung „Paris-Beurs-Cité“ vor kurzem einen Antrag an die Bürgermeisterei von Paris gestellt, dass die Apothekenaushängeschilder, die traditionellen Embleme in Form eines grünen Kreuzes abgeschafft gehörten.
Die Begründung dafür ist, ich zitiere, dass „dieses augenfällige religiöse Symbol ein Überrest aus vergangener Zeit“ sei und „Anstoß bei nichtchristlichen Gläubigen, aber auch bei nichtgläubigen oder glaubensfeindlichen Personen“ errege, sie würde „in schwerwiegender Weise gegen das republikanische Prinzip der Trennung von Staat und Kirche verstoßen. Während die Wirtschaftskrise die Risiken der innergemeinschaftlichen Auseinandersetzungen erhöht, könnte ein Symbol mit stark religiösem Einschlag von manchem als eine Form der Diskriminierung, ja sogar als Provokation aufgefasst werden!“
Es ist schon kurios, dass sich eine Gemeinde aus der Provinz Béarn im Südwesten Frankreichs, wo ich lebe, weigert, das abgebaute Hauptkreuz des Dorfes wieder zu restaurieren und zwar mit der gleichen Argumentation: Laut Stadtrat wäre das Kreuz eine Provokation für die Gläubigen anderer Religionen, auch für die Nichtgläubigen! Kurz gesagt: Islamismus et Laizismus, das ist der gleiche Kampf gegen die Christen! Natürlich, man tötet sie noch nicht wie in Bagdad oder wie zu Zeiten von Robespierre. Aber man bekämpft ihre Symbole in ihrer Heimat. In Paris antwortete der Beauftragte für Religionsfragen den Islamisten, dass ihr Antrag mit größter Aufmerksamkeit geprüft werde und dass sich der Bürgermeister „des unheilvollen Wesens einiger Anachronismen voll bewusst“ sei!
Das ist erst ein Anfang, denn nichts ist heute anachronistischer als ein Glockenturm. Arithmetisch gesehen, ist das „Plus“-Zeichen in Kreuzform an sich schon eine Provokation!
Und wahr ist auch, dass in Frankreich dank der Effektivität unserer gewählten
Vertreter in bezug auf unsere Einkommen und unsere Freiheiten eher das
„Minus“-Zeichen die Oberhand gewinnt...
Alexis Arette
* Übersetzung ins Deutsche: Johanna Brunne
EU-Kommission vergisst Weihnachten im Kalender
Muslimische und hinduistische Feiertage sind im Schülerkalender verzeichnet, doch die christlichen Feiertage fehlen.
Der Schülerkalender 2010/11 der EU-Kommission enthält viele Informationen, die Kinder so brauchen können: über Handy-Kostenfallen, Gefahren des Internet und Energiesparen etwa. Er verzeichnet außerdem die wichtigsten jüdischen, muslimischen und hinduistischen Feiertage. Doch Schüler, die sich schon mal auf die Pfingstferien oder die Osterfeiertage freuen wollen, finden: nichts. Die christlichen Feiertage fehlen komplett.

Foto: EU-Kommission Titelblatt des Schülerkalenders 2010/11 der EU-Kommission. Im Kalender wurden die christlichen Feiertage vergessen
Sie wurden offenbar vergessen. "Der Fehler liegt bei uns", sagte eine Mitarbeiterin der Kommissions-Pressestelle in Deutschland "Welt Online". "Wir hätten den Kalender ordentlich abnehmen müssen."
In Brüssel sorgte der Fauxpas schon für einige Aufregung. Der zuständige Kommissar John Dalli entschuldigte sich. Die EU-Bischofskommission COMECE empfahl der EU-Kommission verärgert, dann eben am 25. Dezember zu arbeiten, wenn dies kein Feiertag sei. Und die EU produziert nach.
Die EU-Kommission brachte ihre Bedauern in einem Schreiben an die katholischen Bischofskonferenzen innerhalb der EU zum Ausdruck. Auch die französische Regierung erhalte solch einen Brief, da sie sich über den Kalender beschwert hatte.
Eine neue Seite solle bereitgestellt werden, so die Pressestelle. Die Lehrer würden per Brief informiert.
Der Kalender erscheint EU-weit in einer Auflage von 3,25 Millionen Exemplaren, davon 500.000 in Deutschland. Er wird von der EU-Kommission in Auftrag gegeben und zentral produziert, mit Subunternehmern für den Vertrieb in den einzelnen Ländern. Insgesamt hat die Kommission fünf Millionen Euro dafür ausgegeben.
- WELT ONLINE
▪ Ein
Verbrechen, das fast unbemerkt geblieben wäre *
Und ein Quasi-Versehen der deutschen Militärs in
Afghanistan
Gebetsmühlenartig wiederholen die guten Seelen der europäischen Linken wie auch
der protestantische und katholische Klerus, dass der Islam eine Religion wie
jede andere sei und deren Glaubensgemeinde friedlich und tolerant. Erst kürzlich
unterzeichneten die christlichen, jüdischen und muslimischen Geistlichkeiten in
Frankreich eine gemeinsame Erklärung gegen die von der französischen Regierung
eröffnete Debatte über die Trennung von Kirche und Staat und den Islam. Es geht
um den französischen Laizismus, mit anderen Worten um die Neutralität des
Staates gegenüber der Religion und um einen Staat, der nicht nach religiösen
Dogmen regiert.
Nun sucht dieser Text der Kirchenoberen nicht wirklich den Laizismus zu
verteidigen, der zu den Grundgesetzen Frankreichs gehört und damit dieses Land
von allen anderen Nationen unterscheidet. Ich bin nicht sicher, dass die
Gläubigen aller drei Religionen die Trennung von Staat und Religion so richtig
schätzen. Denn diese Erklärung ist eher ein Plädoyer für den Islam als für den
Laizismus. Sie sichern zu, dass der Islam und der Laizismus gut zusammenpassen.
Aber der Islam strebt doch einen religiösen Staat an und politische Verbrechen
und Gewaltakte, die weltweit im Namen des Islams begangen werden, sind nicht
mehr zu zählen.
Ein bewusstes Missverständnis? Können die Christen tatsächlich ihre Hand dafür
ins Feuer legen, den Islam von jeder Sünde an Intoleranz freizusprechen? Mit
Sicherheit nicht. Nun gut, die Gewalttätigkeiten laufen woanders ab, im
Mittleren Osten, in Indonesien, in Afrika, und der gemäßigte Moslem in Europa
hat damit nichts zu tun, das hören wir ständig, aber wir leben hier auch nicht
im geschützten Raum. Selbst bei uns in Europa gab es islamistische Attentate.
Und das waren keine christlichen oder jüdischen (oder buddhistischen) Attentate.
Es werden außerdem noch die Muslime gesucht, die sich gegen die von Islamisten
verübten Attentate und Morde stellen und dagegen demonstrieren würden.
Zugegeben die Fundamentalisten unter den Juden und Christen begehen Taten, die
nicht immer von Toleranz und Güte gezeichnet sind. Aber die Kreuzzüge und die
Inquisition gehören ebenso der Vergangenheit an wie die Schlachten von Mohammed
und die Belagerung von Wien, um nicht zu reden vom Menschenraub in Afrika und
Europa durch Araber und Türken, um Sklaven zu beschaffen. Im Allgemeinen aber
handelt es sich heute bei den Christen und Juden um symbolische Gesten, wie etwa
den Koran zu verbrennen oder ein Schwein dort zu begraben, wo die Muslime eine
Moschee zu errichten beabsichtigen, oder gar Mohammed zu karikieren, wie
dänische Journalisten es taten. Begonnen hatte die symbolische Islambeschimpfung
im 18. Jahrhundert mit Voltaire. Der Philosoph der Aufklärung schrieb ein
frühzeitiges islamfeindliches Stück. In Wirklichkeit war dieses Stück von
Voltaire zur damaligen Zeit gegen die christliche Intoleranz gerichtet. Mit dem
Aufkommen der Republik änderte sich das sehr. Protestanten und Katholiken gehen
heutzutage überaus tolerant miteinander um. Nicht so die Muslime.
Ich will nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt Muslime aller
Schattierungen. Aber ein Beispiel kann veranschaulichen, was ich hier oben
meinte. Afghanistan liegt weit weg von Europa. Nichtsdestotrotz möchte ich auf
einen tragischen Zwischenfall hinweisen, der sich am 1. April d. J. in diesem
fernen Land ereignet hat. Fanatische Christen hatten in den Vereinigten Staaten
einen Koran verbrannt. Diese schwachsinnige Aktion hat eine Demonstration von
Muslimen in der Stadt Masar-i-Scharif in Nord-Afghanistan provoziert. Warum
dort? Inwieweit betrifft das die Leute dieser Stadt? Das verstehe, wer will!
Eine sogenannte friedliche Demonstration, die schnell in einen Tumult umkippte,
als die Demonstranten die Gebäude der Vereinten Nationen angriffen und sieben
Ausländer töteten, vier nepalesische Wachposten, eine Norwegerin, einen Schweden
und einen Rumänen. Das waren nicht die ersten humanitären Helfer, die mit ihrem
Einsatz ein muslimisches Land unterstützen wollten, um dann Massakern zum Opfer
zu fallen. Auch drei Demonstranten wurden getötet, denn die Wachposten hatten
sich offensichtlich zu verteidigen versucht.
Einem afghanischen Zeugen zufolge hatten einige der Demonstranten Feuerwaffen
bei sich. Also war sie doch nicht so friedlich, die Demonstration. Drei Europäer
der Vereinten Nationen verschanzten sich in einem befestigten Raum ihres
Gebäudes mit ihrem Missionschef, einem Russen. Doch die Demonstranten
verschafften sich gewaltsam Zugang zu diesem Rückzugsort. Dem Russen gelang es,
die Aggressoren davon zu überzeugen, selber ein Muslim zu sein. Zum Beweis
rezitierte er nach deren Aufforderung eine Koransure: „Es gibt keinen Gott außer
Allah…“ Sie schlugen auf ihn ein, ließen ihn aber am Leben, dafür töteten sie
aber seine drei Kollegen. Eine deutsche Mitarbeiterin der Vereinten Nationen und
drei oder vier ihrer Kollegen hatten Zuflucht in einem weiteren befestigten Raum
in einem anderen Gebäude gesucht. Diese fanden die Demonstranten nicht, doch das
bedeutete noch nicht ihre Rettung. Es gelang ihnen, die ISAF-Soldaten um Hilfe
zu rufen, offenbar mit einer SMS übers Handy.
Diese Soldaten jedoch, begriffsstutzige Deutsche, wussten nichts mit UNAMA
anzufangen, der UNO-Mission in Afghanistan. Es verging eine Stunde nach deren
Aussage, bis der Eingriff erfolgte. Anderen Quellen zufolge waren sogar drei
Stunden verstrichen, bis sich die Soldaten herbeiließen, die Überlebenden zu
übergeben, die die schlimmsten Ängste ihres Lebens ausgestanden hatten.
Vielleicht hätte es weniger Tote gegeben, wären die Militärs schneller zur
Stelle gewesen. Das "Wall Street Journal" zitierte einen Diplomaten, demzufolge
ein deutscher Soldat nach Eingang des Hilferufs gefragt haben soll: „Was ist das
die UNAMA?“ Es gibt noch ein schwedisches Kontingent in Masar-i-Scharif. Die
Schweden wiederum haben nichts gewusst und nichts unternommen. Unter Wahrung
aller Verhältnisse fragt man sich doch, ob dies nicht an die Passivität der 400
holländischen Blauhelme in Srebenica im Juli 1995 erinnert. Um nicht zu reden
von Massakern neueren Datum in der Elfenbeinküste, wo Blauhelme zugegen waren.
Natürlich werden die Imams Europas die ersten sein, die das beklagen, ja sogar
verdammen, was da in Masar-i-Scharif passiert ist. Mir wäre lieb, sie würden
sagen, dass das Verbrennen des Korans keinen Gewaltakt rechtfertige. Dass ein
Koran nur aus Pappe und Papier bestehe. Dass es keine Legitimation für das
Verüben von Massakern an Ausländern und Einheimischen gäbe. Der islamische
Fanatismus ist tatsächlich eine der größten Gefahren unserer Zeit. Er gewinnt an
Boden in der Welt, und stellt die Muslime zu Recht vor die Frage, ob dieses
Risiko nicht auch Europa erreicht. Vor allem, wenn die Muslime hier immer
zahlreicher werden. Immer wird es eine kleine Minderheit sein, die zum Terror
neigt, aber sie steigt proportional zu der Gesamtzahl der Gläubigen. Was tun
diese, um die Verbreitung des Terrors zu stoppen? Um ihre Religion zu
reformieren? Wenn sie nichts unternehmen, müsste man nicht den Muslimen immer
mehr den Zugang zu Europa verweigern? Die Frage steht im Raum. Nur so eine Frage
eben.
Philibert Leisner
* Übersetzung: Johanna Brunne
▪ Die katholischen Christen im Zwiespalt
(Diese im Oktober 201 veröffentlichte Langzeitstudie hat nichts an Aktualität eingebüßt. Sie reflektiert die Zustände der letzten und der kommenden Jahre)
Das linke Magazin „Marianne“, das man der katholischen Kirche gegenüber als nicht besonders gewogen einordnen kann, veröffentlichte in seiner September-Ausgabe von 2010 eine Studie über die sozio-politische Entwicklung der französischen Katholiken. Wie bekannt, hatte die von Nicolas Sarkozy in Grenoble gehaltene Sicherheitsrede in ihrer Stringenz Proteste bei den linken Katholiken ausgelöst. Hauptsprecher dieser Anti-Sarkozy-Fronde war ein vierzigjähriger Lehrer mit Namen Eric, aktives Mitglied des „Réseau éducation sans frontières“ (RESF), der illegalen Ausländern bei sich Unterkunft bot, um ihnen verwaltungsrechtliche Verfolgungen zu ersparen. Er beklagt eine „Stigmatisierung der Ausländer“.
In Wahrheit aber machen diese aufbegehrenden linken Katholiken einer Ifop-Umfrage von 2009 zufolge nur ein Fünftel der Rom-getreuen Christen aus. Mehrheitlich rechts stehend, haben die Katholiken zu 39 % für Nicolas Sarkozy abgestimmt, und viele von ihnen unterstützen ihn noch heute. Der Staatschef hat sich 2010 nicht ohne Grund nach Rom begeben, wo er den Souverän Pontifex zum zweiten Mal während seiner Amtszeit getroffen hat. Und „Marianne“ zitiert die Mutter eines katholischen Haushalts, die da erklärt: „Es gibt nicht genug Arbeit für die Franzosen, also kann man nicht dauernd irgendjemand bei uns reinlassen.“ Diese Frau ist „besorgt wegen der Muslime und ihrer mangelnden Achtung vor den französischen Traditionen“.
Der andere große Bruch, der durch das katholische Volk geht, findet Ausdruck in der sexuellen Moral, äußert sich unser Kollege weiter. Hier ist der Graben zwischen Rechts und Links explodiert. Der zügellosen Immigration gegenüber feindlich gesonnen, akzeptieren viele Katholiken von Rechts für ihre Kinder die Sexualität vor der Ehe und erlauben ihnen den Griff zu Verhütungsmitteln, „damit sie sich nicht ihre Jugend verderben“. Einige Katholiken von Links dagegen wollen nicht, dass man „Sex und Zeugung“ voneinander trennt. Für sie hat der „Liebesakt zunächst den Sinn, Leben zu schenken“. Sie sind auch ganz und gar gegen häufigen Geschlechtsverkehr bei den Jugendlichen unserer Zeit. Andere halten die Abtreibung für opportun, wenn die Mutter nicht die Mittel hat, das Kind großzuziehen, wieder andere beklagen die „Banalisierung“ der Abtreibung und wollen nicht, dass sie gestattet wird, auch nicht im Fall einer Vergewaltigung („Warum soll das Kleine für das Verbrechen des Vaters bezahlen?“).
Der Zölibat der Priester bricht ebenso Streit vom Zaun. Diese alte Kontroverse kam nun wieder auf den Plan als Folge der Pädophilenaffären und lässt sich nicht mal auf den Nenner eines Generationskonflikts bringen, bei dem sich Traditionalisten und Liberale, Althergebrachtes und Neuzeitliches gegenüberstehen. Nicht wenige Katholiken meinen, dass die Priester die Wahl haben sollten: „Lasse man doch diejenigen tun, die dem Zölibat frönen möchten, aber versage man den anderen nicht, was es an Schönerem im Leben gibt: die Liebe zwischen Mann und Frau.“ Diese Debatte um den Zölibat der Priester spiegelt einen anderen Riss wider, der sich durch die Städte auf dem Lande zieht. Denken wir nur an das Beispiel Asson, einem kleinen Dorf in den Atlantik-Pyrenäen, das aufgestanden ist, um seinen Pfarrer zu verteidigen, der wegen des Zusammenlebens mit einer Frau abgesetzt werden sollte. Die Kirchgänger wussten es seit 23 Jahren. Der exkommunizierte Léon Laclau heiratete am 23. April 2007, von seinen ehemaligen Schäfchen auf dem Weg zum Standesamt begleitet, die erfreut, aber zugleich darüber enttäuscht waren, einen so „guten Priester“ verloren zu haben.
Viele Katholiken glauben, dass der Papst einer orientierungslosen Gesellschaft unumgängliche Vorgaben macht, indem er Abtreibung und Verhütung als indiskutabel hinstellt. Doch andere kritisieren, dass die Kirche die Scheidung ablehnt sowie die Kommunion für Geschiedene, ein Verbot, das jene übrigens nicht respektieren. Einig sind sich die Katholiken aber darüber, dass sie in der gegenwärtigen Gesellschaft vor allem seit dem Skandal der pädophilen Priester schlecht angesehen sind. Eine große Zahl unter ihnen wehrt ab und unterstreicht, dass die Medien mit zweierlei Maß messen und auf den Priestern herumhacken, während sie bei den Verfehlungen der Mitglieder des staatlichen Bildungswesens ein Auge zudrücken. Viele identifizieren sich nicht mit der Art und Weise, wie man in den Medien über die katholische Kirche herzieht. Diese leidet unter einem Imageverlust, während die Medien viel wohlwollender mit den anderen Religionen umgehen, insbesondere mit dem Buddhismus, der wegen seiner Exotik anziehend wirkt, und die schlechten Seiten außer Acht lassen, und aus Feigheit natürlich auch mit dem Islam.
Côme, ein Student, der das „Observatoire de la christianophobie“ gegründet hat, bewertet die anti-katholischen Handlungen so: „96 % der Schändungen werden an katholischen Gräbern verübt. Aber man spricht viel weniger von den 4 % jüdischen und muslimischen Grabstätten. Und wenn die Medien geruhen, darüber zu berichten, übergehen sie sofort die anti-katholische Dimension und tun so, als wären es einfache Verbrechen von Halbwüchsigen. Handelt es sich um jüdische oder muslimische Gräber, schreit man gleich den Antisemitismus oder die Islamophobie heraus.“ Daher betrachten sich viele Katholiken in der gegenwärtigen Gesellschaft als Anti-Konformisten, die letzten wirklichen Rebellen, die sich gegen die Entgleisungen der modernen Gesellschaft auflehnen.
(Übersetzung von Johanna Brunne)
Im Zuge des Missbrauchsskandals erleben wir heute eine der größten Medienkampagnen in der Geschichte der Bundesrepublik. Gemessen an Umfang und Penetranz dieser Kampagne war die Klimakonferenz von Kopenhagen, bei der es um die Rettung der Erde ging, ein Ereignis von nachrangiger Bedeutung. Es lassen sich einige Lehren aus der Affäre ziehen:
Erstens: Die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sind eine ungeheure Schuld. Sie lässt sich nicht relativieren. Wer sich um höhere Weihen bemüht, muss auch höheren Ansprüchen genügen. Das Krisenmanagement kirchlicher Institutionen hat in weiten Teilen nicht funktioniert. Es ist ...einer modernen Öffentlichkeit nicht mehr kommunizierbar..
Zweitens: Weltweit gibt es über 400.000 Priester, über eine Million Ordensleute, und Millio-nen katholischer Laien, die sich für Arme, Kranke, für eine bessere Gesellschaft engagieren und sogar bereit sind, dafür ihr Leben zu geben. Die Kirche unterhält über 70.000 Krankenhäuser, Krankenstationen, Leprastationen, Behindertenheime, Waisenhäuser und Kindergärten. Weltweit besuchen 40 Millionen Schüler katholische Schulen (in Deutschland 370.000 bei steigender Nachfrage). In Deutschland sind nach Angaben des Kriminologen Christian Pfeifer 0,1 Prozent der Missbrauchstäter Mitarbeiter der katholischen Kirche. Wer den Missbrauch dann jedoch nur auf eine bestimmte Gruppe begrenzt und 99,9 Prozent der Täter außen vor lässt, macht ein riesiges gesamtgesellschaftliches Thema nicht nur klein, er unterstreicht damit, dass es ihm nicht um die Opfer geht, sondern um die Instrumen-talisierung ihrer Fälle.
Drittens: Das Argumentationsmuster der „Kritiker“, die in geifernder Vorabverurteilung eine Kausalkette aus Kirche, Zölibat und katholischer Sexualmoral als ursächlich für Missbrauch sahen, in sich zusammengebrochen. Unzählige staatliche, private und protestantische Einrichtungen mussten ähnliche Fälle einräumen. Das Beispiel Odenwaldschule, ein Vorzeigeobjekt der deutschen Reformpädagogik, dessen Vertreter über Jahrzehnte über „Spiegel“ und „Zeit“ die pädagogische Diskussion bestimmten, machte deutlich, dass die unselige Verbindung aus Scham, Schweigen und Schadensbegrenzung nicht genuin katholisch sind.
Viertens: Die überwiegende Zahl der Missbräuche ereignete sich vor dreißig, vierzig und fünfzig Jahren. Die Fälle als gerade aktuell geschehen darzustellen, verfälscht die geschichtliche Wahrheit. Es sei „geradezu auffällig“, so der der Kriminalpsychiater Hans-Ludwig Kröber, „wie wenig Fälle es im Bereich der Kirche gibt.“ Hätte es auch in anderen Bereichen so früh so strenge Richtlinien gegeben, wir wären in dieser Problematik einen gehörigen Schritt weiter.
Fünftens: Ein Teil der deutschen Redaktionen hat sich im Furor der Debatte aus der Liga der seriösen Medien, wie sie etwa die „Neue Zürcher Zeitung“ symbolisiert, verabschiedet. Stärker als jemals zuvor, wurden dabei die Mechanismen einer subtilen Meinungsdiktatur sichtbar, in der Verfälschung und Unterdrückung von Nachrichten so selbstverständlich hingenommen werden wie die Vorabverurteilung des Gegners, dem noch nicht einmal das Recht auf Verteidigung zugestanden wird...
Der Papst hat zu den Vorfällen nicht geschwiegen. Nicht in Amerika, nicht in Australien, nicht in Europa. Das Schreiben an die Iren belässt es dabei nicht bei Lippenbekenntnissen, sondern gibt konkrete Anweisung, was jetzt zu tun ist. Dass seit Petrus und Paulus apostolische Briefe nicht nur für eine spezielle Gemeinde, sondern für die Weltkirche gelten, mag sich im Gegensatz zu anderen Ländern in Deutschland noch nicht herumgesprochen haben...
Peter Seewald
(Der Artikel wurde von uns um 80 Prozent gekürzt)
▪ Moscheen in Frankreich sind keine Zelten
Kennen Sie die größte französische Tageszeitung? Sie heißt nicht „Le Figaro“ oder „Le Monde“. Das sind überregionale Zeitungen und ihre Auflagen sind nicht mehr so berauschend, wie sie einmal waren. Nein, die größte Zeitung der Welt in französischer Sprache heißt „Ouest-France“. Es handelt sich um ein Regionalblatt. Ihre Auflage erreicht 800 000. Sie wird hauptsächlich in der Vendée, in der Bretagne und in der Normandie von 2,3 Millionen Menschen gelesen.
Umso schwerwiegender war ein Artikel, der am 9. Januar 2010 in „Ouest-France“ erschien. Dort stand Folgendes: „Die heutige Moschee in Cholet (die an der Loire liegende Partnerstadt von Oldenburg, die Redaktion) war in ihrem Häuschen nicht mehr groß genug. Der neue Imam, Musa Akkaya, hat vorgesehen, dass eine neue Moschee im Monat Mai öffnen wird. Das Gebäude wird jetzt fertiggestellt und hat bereits eine stolze Gestalt. Diese neue türkische Moschee wird auf einem 3 200 m2 großen Grundstück gebaut, das der türkische Staat gekauft hat. Das jetzige Häuschen der Moschee war wirklich zu klein geworden: <Wir empfangen freitags ca. 200 Menschen und in der Ramadan-Zeit 400>, erklärt Sabri Dogan, der Vorsitzende des türkischen Kulturvereins. Insgesamt, meint er, gibt es in Cholet 250 bis 300 türkische Familien, d. h. 2 000 Personen“. Der türkische Staat hat den Imam Musa Akkaya hierher geschickt. Vor drei Monaten kam er nach Frankreich. Er soll vier Jahre in unserem Land bleiben“.
Alles schön und gut. Wo ist aber die Gegenseitigkeit für solches Entgegenkommen? Der türkische Staat verweigert ausländischen Priestern die Visa. Die Priesterseminare der orthodoxen Kirche, die Halki, bleiben geschlossen. Baugenehmigungen für neue Kirchen werden verweigert. Am 27. März 2005 hatte Mehmet Aydin, der türkische Minister für Religionsangelegenheiten, die christlichen Missionare vorm Predigen in der Türkei gewarnt. Er sagte, dass die Christen die Ahnungslosigkeit der Menschen missbrauchen und den sozialen Frieden und die nationale Einheit in seinem Land verletzen. Die Entwicklung ist umso beunruhigender, als Ende Februar 2010 in der Türkei 49 Armeeangehörigen, darunter ranghohe Offiziere, festgenommen worden sind. Sie werden beschuldigt, einen Putsch gegen die islamistische Regierung von Recep Tayyib Erdogan geplant zu haben. Die Armee betrachtet sich in der Tat am Bosporus als die Hüterin der laizistischen Republik von Kemal Atatürk. Soll sie jetzt gesäubert werden? Die Sprecherin des EU-Erweiterungskommissars in Brüssel hat die türkischen Ermittlungsbehörden dazu aufgerufen „streng auf die rechtsstaatlichen Grundsätze zu achten“.
Da kann man sicher Gift darauf nehmen, dass sie das tun werden. Aber noch ein Wort zu Cholet: die Stadt hat gerade eine arabische Moschee eingeweiht. Das sind also im ersten Halbjahr 2010 zwei neue Großmoscheen. Und das in einer Stadt von 57 000 Einwohnern, deren Bürgermeister der ältesten Partei der französischen Rechte, der CNI, einer Art von französischer CSU, angehört. Sollte man sich aber wundern, wenn man die Einstellung des Gemeinderatsmitglieds der Großstadt Bordeaux, Laetitia Jarty, betrachtet? Auf eine Frage der Presseagentur "Novopress" zu der Beteiligung von Ratshäusern am Bau von Moscheen antwortete Frau Jarty, die im Departement Gironde die Jugendreferentin der Sarkozy-Regierungspartei UMP ist: „Das stört mich nicht. Normale Vereine wünschen das. Die Medien bauschen solche Geschichten auf, aber das ist doch ganz einfach“. Es ging darum, dass das Bürgermeisteramt von Bordeaux dem Verein der Moslems der Gironde, an dessen Spitze ein Imam Namens Tareq Ubru steht, ein Grundstück für den Bau einer neuen Moschee schenken will. Der Bürgermeister von Bordeaux ist der ehemalige französische Regierungschef Alain Juppé.
Das Wohlwollen nicht nur der Gewählten, sondern auch der katholischen Kirche Frankreichs ist nicht mehr zu bändigen. Daran, dass die Konferenz der französischen Bischöfe (die CEF) sich kürzlich über die Schändung der neuen Moschee der Stadt Saint-Etienne entrüstete, war nichts zu beanstanden. War es aber nicht zu viel des Guten, wenn das Kommuniqué „die Überzeugung „ der Bischöfe unterstrich, dass es möglich ist, miteinander zu leben und gerade wegen des Reichtums unserer Unterschiede am Aufbau einer neuen Gesellschaft teilzunehmen“. Einer Gesellschaft, die „Glaube und Politik nicht trennt, wie das Christentum es vom Anfang an getan hat“, wo der Koran „ein totalitäres religiöses Gesetz ist“, wo „die Scharia die Gesellschaft grundlegend prägt“? So steht es im Buch vom Kardinal Ratzinger „Das Salz der Erde“. Die CEF richtete sich dann an den moslemischen Klerus: „In diesem Sinne freuen wir uns, dass Sie bald ihre neue Großmoschee einweihen können“. Ein schönes Wortbild rechtfertigte dieses Bekenntnis: „Wir glauben, dass Gott gekommen ist, um sein Zelt unter den Menschen aufzupflanzen“. Leider leben die Franzosen nicht unter Zelten und Moscheen in Frankreich sind leider auch keine Zelten.
▪ Hut ab vor den Schweizern!
Die Angst der Franzosen vor dem Muezzin
Die Abstimmung gegen den Bau von Minaretten in der Schweiz wird die Franzosen
und andere Staaten Europas zwingen ihre liberale Islam-Politik zumindest in
diesem Punkte zu überdenken. In Frankreich ragen bereits 10 Minarette auf «
Dom-Moscheen » empor, wie die großen Moscheen genannt werden. Am höchsten ist
dasjenige der großen Moschee in Paris, das bei 36 Metern gipfelt. Dasjenige von
Créteil, einem Pariser Vorort, ist 25 Meter hoch. In Straßburg wurde kein
Minarett gebaut, weil das Geld gefehlt hat. Aber der Oberbürgermeister und
sozialistische Abgeordnete der elsässischen Stadt, Roland Riess, hat erklärt,
dass die „moslemische Gemeinde ihr Minarett bekommen wird, falls sie es
wünscht“. Die geplante Großmoschee von Marseille hat ein Minarett in ihrem
Bauplan vorgesehen.
Zur Erinnerung : alles hatte im November 2006 in Wangen bei Olten, einem Dorf
des Kantons von Solothurn, mit einem Urteil des Verwaltungsgerichts angefangen,
das gegen den Willen der Anrainer den Bau eines 6 Meter Hohen Minaretts auf dem
Dach des türkischen Zentrums bewilligte. Sehr schnell wurde der lokale Streit
national und politisch. Parteimitglieder der wichtigen Union démocratique du
centre (UDC) und der Union démocratique fédérale (UDF) prangerten die «
schleichende Islamisierung der Gesellschaft » an und verlangten eine
Volksabstimmung – die Waffe des Schweizer Volkes gegen den Machtmissbraucht der
Regierung und der Behörden. Die Schweiz zählte 60 000 Moslems in den 70er
Jahren. Sie zählt heute ca. 400 000 von ihnen, also fast 6 Prozent der 7,7
Millionen Stammschweizer. Sie kommen meist aus dem Balkan und aus der Türkei
aber ihre Imams kommen aus Nordafrika oder aus dem Nahen Osten, daher findet
eine rasche Radikalisierung statt.
Der Prozentsatz der Moslems in der Schweiz entspricht ungefähr deren Quote in
der Bevölkerung der meisten Staaten Westeuropas. Offiziell gibt es in Frankreich
3, 550 Millionen Moslems, 6 Prozent der Bevölkerung. Aber das statistische
Institut INSEE schätzt ihre Zahl auf über 4 Millionen. Sie könnte in
Wirklichkeit wesentlich höher sein. Der Trend zur Radikalisierung ist aber
überall der gleiche. Während die Moslems Europas sich rascher als die
Stammbevölkerung vermehren, gewinnt der Fundamentalismus unter ihnen immer mehr
Anhänger. In Frankreich hat der Präsident der Mehrheitsfraktion Jean-François
Copé einen Parlamentsausschuss einberufen, um ein Verbot des Ganzschleiers für
Frauen, der Burqa, der sich in den letzten Monaten beunruhigend verbreitet.
In Marseille besonders wurde die Stadt
beschuldigt, von den Moscheen zu billige Mieten für ihre Grundstücke zu
verlangen, was einer Subvention gleichkommt. Neulich wird aber die Gegenbewegung
politisch, weil sogenannte „Identitätsgruppen“ die Streitaxt ausgegraben haben.
Sie wollen die Islamisierung Frankreichs verhindern. Aber der Weg zum Kadi ist
steinig. Einige Bürgermeister, die versuchten, den Bau einer Moschee in ihrer
Gemeinde zu verhindern, wurden von der Justiz zurückgewiesen. Das oberste
Verwaltungsgericht hat z. B. dekretiert, dass „der Bau einer Moschee in einem
Wohnbezirk keine Behinderung der öffentlichen Ruhe und Ordnung“ darstellt. In
Bordeaux begnügt sich der „Identitätsblock“ deswegen mit medienwirksamen
Aktionen, um das Bauprojekt einer Großmoschee abzublocken, das OB Alain Juppé
nach Kräften unterstützt.
So haben sie z.B. im Januar 2009 die Einwohner der Stadt mit dem auf Tonband
aufgenommenen Ruf eines Muezzins im Morgengrauen geweckt, den sie über
Lautsprecher übertrugen. „Hier in einigen Monaten, jeden Morgen, in der Woche,
Sonntags und an Feiertagen, wird Sie das süße Lied eines Muezzins aus dem Schlaf
holen“… verkündeten Flugblätter. Der Imam von Bordeaux, Tareq Oubrou, hat sofort
gekontert: „In Frankreich ertönt dieser Ruf nur innerhalb des Gebäudes. Das
Minarett entspringt nicht einer religiösen Pflicht und die künftige Moschee in
Bordeaux hat keines vorgesehen“.
„Niemand fordert einen Muezzin“, versichert die Regierung. Er wäre sowieso
genauso wie die Kirchenglocken an die Weisungen der Bürgermeister gebunden.
Diese sollen die Lautstärke bestimmen und die Maßnahmen treffen, die die Ruhe in
ihrer Gemeinde sichern, das schreibt das Gesetz vor. Die aufgeregten
Staatsbürger werden mit Zusicherungen der Behörden beruhigt, dass Großmoscheen
die Ausnahme bleiben werden. Es gibt sonst derzeit in Frankreich 200 Bauprojekte
von Kleinmoscheen in villenähnlichen Häusern – ohne Minarett. Dieses Modell gilt
als „pragmatisch“. Politisch und finanziell. Wie beruhigend in der Tat !
Es ist schade, dass die meisten Politiker in Frankreich versucht haben, die
Debatte abzuwürgen. Der Grund: die Verfassungsreform vom 21. Juli 2008 erlaubt
eine Volksabstimmung, wenn eine ausreichende Anzahl von Staatsbürgern sie
verlangt. Zwar kann das Parlament diese Initiative verhindern, aber es ist kaum
vorstellbar, dass die Abgeordneten einer ersten Volksinitiative in dieser
Richtung abblocken könnten. Abgesehen von den Rechtsaußen der in Nationalen
Front, dessen Vize-Präsidentin Marine Le Pen die Schweizer lobte und tadelten
die meisten Politiker die Schweizer und meinten, das was sie verlangt hätten,
sei „Populismus“. Am komischsten war die Erklärung des Außenministers Bernard
Kouchner, der äußerte, dass in einem Land wie die Schweiz, wo es viele Berge
gibt, die Sicht von Minaretten die Einwohner nicht stören kann.
Manche Argumente gegen das Schweizer Beispiel sind einfach peinlich. Der
Sprecher der Sozialistischen Partei PS, Léo Hamon, machte sich nicht einmal die
Mühe und meinte, dass die Franzosen anders als die Schweizer die Minarette nicht
abgelehnt hätten. Was weiss er davon? Der Widerstand gegen den Bau von Moscheen
wächst in Frankreich. Auf der Webseite vom figaro.fr haben 73 Prozent von 49 000
Lesern auf die Frage: "Soll man den Bau von neuen Minaretten in Frankreich
verbieten? " mit Ja geantwortet. In Deutschland hat unter denselben Bedingungen
Der Spiegel 78 Prozent Gegner der Minarette ermittelt. In Frankreich werden die
Migranten einerseits besser als in anderen europäischen Staaten toleriert, aber
andererseits, sagt dieser Forscher, "der Islam beunruhigt: er wird als eine
Religion von Eroberern wahrgenommen". "Seine Ausbreitung und seine
Kollektivrituale stören die katholische Grundlage unserer Gesellschaft". Das
Minarett, selbst ohne Muezzin, erscheint als das allzu sichtbare Sinnbild der
moslemischen Präsenz in Frankreich.
Der Religionssoziologe Jean-Paul Willaime erklärt einer Journalistin des Figaro,
dass die französische Gesellschaft „zwar laizistisch ist", aber "nicht
religionslos", denn das "Kollektivbewusstsein ist vom Christentum durchdrungen".
Das Minarett ist das Zeichen eines Religionspluralismus, der nicht gut verdaut
wird. Hinzu kommt, dass grosse religiöse Denkmäler Symbole politischer Macht
sind; im 19. Jahrhundert durften die Protestanten nur in Nebenstrassen ihre
Kultstätten bauen. In Deutschland hat Angela Merkel gesagt, man dürfe Minarette
nur unter der Bedingung errichten, dass sie nicht höher als die Kirchtürme
emporragen. Der Einbruch des Islams bringt eine alte Ordnung durcheinander.
Unsere Staatsordnung ist eine Katho-Laizität: Wochentage, Feiertage,
Essgewohnheiten, und Monumente bringen eine christliche Kultur zum Ausdruck".
Dieser Wissenschaftler fügt hinzu, dass der Islam "als Religion der Riten viel
sichtbarer als die christliche Religion ist". Daher das Gefühl, dass sie ihre
Praxis in den Europa-Raum durchsetzen will. Es wird notwendig sein, dass sie
sich anpasst, um die Spannungen abzubauen, meint er. Ausserdem muss die
Gegenseitigkeit berücksichtigt werden. Christliche Minderheiten leiden in
mohammedanischen Staaten unter Verfolgung und Intoleranz. Das Schweizer Votum
hat auch diese Frage aufgeworfen.
Bisher wurde Kritik gegen den Bau von Moscheen in Frankreich im Namen der
Laizität, d.h. der Religionsneutralität des Staates, die in Frankreich
gesetzlich verankert ist, laut. Aber des Islam ist nicht allein ein Glaube an
Gott, sondern auch eine politische Religion, die es nicht schafft, Staat und
Kirche voneinander zu trennen und ihren Anhängern Lebensregeln auferlegt, die
zum Teil im Widerspruch zu unseren Verfassungen stehen. Mehr als eine Religion
ist der Islam eine religiöse Ideologie, die den Anspruch erhebt, aus der ganzen
Welt eine "Unna", eine Islamgemeinschaft zu machen. Atheisten und Agnostiker
verdienen nach der Scharia nur den Tod, andere werden nur geduldet. Der Islam
muss sich modernisieren, ja zivilisieren, wie das Christentum es getan hat.
Verstehen, dass man Gott nicht deshalb gefällt, weil man einem Lamm die Kehle
durchschneidet und Hunde und Frauen missachtet. Im Übrigen sind der Bau von
Minaretten und das Tragen des Schleiers keineswegs religiöse Vorschriften,
sondern nur arabische Bräuche. Wir glauben deshalb, dass das Agiornamento des
Islams nicht aus der arabischen Welt (und auch nicht aus der türkishen Welt, die
jetzt einen Rückfall in die "Vor-Atatürk-Ära" erlebt sondern aus dem Iran kommen
wird. Die Iraner rebellieren jetzt gegen die islamistische Diktatur und haben
erlebt, was sie an Leiden und Rückständigkeit mit sich bringt. Das iranische
Volk bezahlt dafür seit Jahren einen hohen, blutigen Zoll. Das sollten die
Gutmenschen nicht vergessen, die die Schweiz jetzt anprangern.
Ist das, was die Schweizer getan haben, „Populismus“ ? Ist es nicht eher ein Ausdruck
der Volkssouveränität? "Populismus" ist eine bequeme Wortneuschöpfung für
"Faschismus" und "Nazismus", für "Rechtsradikalismus". Das Schweizer Votum zeugt
nicht von "Irrationalismus" und von "Urängsten" sondern von sachlicher und
überlegter Beobachtung unserer Umwelt. Unsere Demokratie sollte sich hüten, den Graben zwischen
ihren politischen und intellektuellen Eliten und dem Volkswillen noch mehr zu
vertiefen. In manchen europäischen Staaten, wie z. B. in Dänemark, werden
Volksabstimmungen auf die Tagesordnung gesetzt werden. Auch die neue europäische
Verfassung lässt die Volksabstimmung zu. Das Schweizer Votum kann
weitreichende Folgen haben. Für viele, die keineswegs rechtsaussen stehen, geht
es einfach um die Erhaltung der Seele Europas. (JPP)
1. Ausgangspunkt
Blaise Pascal ruft angesichts seines Bekehrungserlebnisses Gott an: Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jacobs! In dem Choral Lobe den Herrn, meine Seele… (Herrnschmidt 1714) lautet die 3. Strophe Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jacobs ist. Christen bekennen also anscheinend denselben Gott wie die Juden. Der Gott Jacobs war auch der Gott Mohammeds, den er anstelle der Stammesgötzen als den einzigen Gott erkannte. Damit haben wir also auch denselben Gott wie der Islam. Der Gott Jacobs heißt Jahwe.
Jahwe scheint freilich in der christlichen Kirche niemals angerufen worden zu sein. Wir sagen Jehova. Crasselius dichtete in seinem Choral (1695): Dir , dir Jehova, will ich singen, denn wo ist wohl ein solcher Gott wie du? Jehova ist die sprachliche Form von JHWH, welche durch die Vokalisierung der hebräischen Schreibweise entsteht. Aber auch von Jehova spricht man in der Kirche kaum noch. Die erste Zeile des genannten, sonst unveränderten Chorals wurde daher modern angepasst und lautet jetzt: Dir, dir du Höchster…( EG 328). Ist das ein anderer, minder jüdischer, dafür christlicherer Gott als früher? War es damals ein falscher, heute ein richtiger Name für den Herrn der Heerscharen– oder umgekehrt?
Eine deutschsprachige islamische Gemeinde würde zwar das Wort Gott verwenden, nicht aber dem obigen Vers von Herrnschmidt beistimmen. Eine christliche Gemeinde arabischer Sprache setzte sich sogar dem Vorwurf der Lästerung aus, wenn sie von dem Dreieinigen Allah, Vater Sohn und heiligem Geist spräche. Die Frage nach dem richtigen Namen Gottes gerät, insbesondere im Verhältnis zum Islam, aus dem Bereich der Mystik in den der handfesten kulturpolitischen Auseinandersetzung. Folgende Ausführungen sollen helfen, das Terrain des, wie zu erwarten heftigen, Aufeinandertreffens etwas zu erkunden.
2. Überblick
Es wäre sehr lohnend, aus möglichst vielen Sprachen herauszuarbeiten, was wir Menschen von dem höchsten Wesen denken. Dazu kann etymologische Ableitung des Gottesnamens bzw. des Wortes für Gott beitragen. Das könnte dem Muster folgender Übersicht geschehen.
Gott, god, gud auf Deutsch und in den germanische Sprachen: die Etymologische Ableitung ist unklar; vielleicht von ursprachlich ghau = anrufen; daraus Partizip ghau-to = der Angerufene. (Q: Pfeifer, W. dtv, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen) ;
Deus auf Latein hat mit divus; dives= reich; divitiae = Reichtümer zu tun ; dio, dios, dieu in den romanischen Sprachen (Frz, It, Span, Port) ist ganz klar eine Ableitung von lat. Deus, aber ursprachlich hängt es möglicherweise mit dem Indischen deva (weibliche Gottheiten) ;
Auf Rumänisch dumnezeu (Gott) kommt offenbar aus: dominus Zeus;
Das Griechische theos kommt nach Plato von theo = schauen; Göttervater Zeus hat mit tithemi= stellen, setzen, gründen zu tun; Zeus ist offenbar mit „theos – deus“ verwandt;
Im Slawischen (Russ. u.a.) heißt Gott „bog“, das Wort ist verwandt mit bogatyj = reich; vgl. auch lateinisch: divus – divitiae = Reichtum ;
Auf Semitisch (Arabisch, Hebräisch) El; ilah bedeutet Herr; erwähnenstwert ist der Einheitsartikel al im Arabischen: al –ilah = der;
Auf Chinesisch ist Gott shang di: shang = hoch; di (Verwandtschaft mit indogermanisch di?) = hoch, gewaltig, zusammen also: svw. wie „Hochgewaltiges Wesen“; daher auch Kaiser. Di guo = (hoch – Staat) = Imperium.
Göttin= shen ; aber es gibt auch die Bedeutung Spuk- und Geisterwesen.
Die katholische abendländische Kirche sprach Latein. Auf diesem sprachlichen Hintergrund fällt die Merkwürdigkeit fast nicht auf, dass die katholische Kirche und die romanischen Sprachen den lateinischen heidnischen Gottesnamen benutzen. deus und seine Umformungen in den romanischen Sprachen; im Rumänischen ganz unverhüllt als ehemals dominus zeus. Der Micul Catehism ( = Kleine Katechismus) der rumänischen orthodoxen Kirche von 2005, beginnt: Credinta este legatura directa dintre Dumnezeu si …. Es wäre es der Mühe wert, aus der Sprachgeschichte dem Gottesverständnis nachzugehen. Gott ist der, der große und gewaltige, der Schöpfer und Beherrscher des Alls: dives oder, wie im Slawischen, bogatyi. Augustinus ( 354 – 430) schwelgt in Worten aus diesem Bedeutungsfeld: Summe, optime, potentissime, omnipotentissime - höchster, bester, mächtigster, allerallmächtigster.. usw. In seinen Selbstgesprächen geht es wie folgt: Deus universitatis conditor, deus veritatis – deus sapientiae- deus vitae – beatitudo – bonum et pulchrum - Gott Schöpfer des Weltganzen, Gott der Wahrheit – Gott des Lebens – der Glückseligkeit - des Guten und Schönen usw. Die Orthodoxe Kirche scheint überhaupt nur die Kraft- und Machtseite Gottes zu kennen. Gott ist hier der Allmächtige und der ihm wesensgleiche Christus der Pantokrator, Allherrscher.
Luther hat die obige etymologische Herleitung des Wortes Gott gewiss nicht gekannt. Es ist daher auffällig, wenn er im Großen Katechismus Gott in genau diesem Sinne beschreibt, nämlich als den, den man anruft: Ein Gott heißet das, wozu man sich versehen soll alles Guten und Zuflucht haben in allen Nöten. Das Augsburger Bekenntnis formuliert umfassender, aber ähnlich: Zuerst wird einträchtig laut Beschluss des Konzils von Nizäa gelehrt und festgehalten, dass ein einziges göttliches Wesen sei, das Gott genannt ist...... ..unendlich von unermesslicher Macht, Weisheit und Güte, ein Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge.
Das semitische Gottesbild begegnet erstmals in den mesopotamischen Großreichen. Gewaltig und von keinen Beschränkungen wissend, ist der Herrscher der vier Erdteile, und sein Gott ist dann noch viel unumschränkter. Gott interessiert sich aber nicht für die weite Welt, seine Funktion als Weltschöpfer scheint zurückzutreten hinter seiner Aufgabe, seinem Volk ein mächtiger helfender König zu sein. Er ist im henotheistischen Sinne, der König der Stadt, des Staates, des Imperiums. Die Gleichsetzung von Gott und Staat scheint eine Besonderheit dieser Gottesvorstellungen zu sein.
In China fällt seit jeher die Gottesferne nicht Gottesleugnung, auf, die höfliche Distanz des Menschen vor dem ganz Hohen. Der irdische Kaiser ist der Himmelssohn. Das schon in grauer Vorzeit Millionenvolk der Chinesen erstirbt in Ehrfurcht vor diesem einzigen Menschen, der sich aus der gesichtslosen Masse der Millionen herausragt. Kaiser und Gott sind fast dasselbe.
3. Die vielen Namen Gottes
Der herkömmliche Gegensatz zwischen Polytheismus und Monotheismus scheint sich immer mehr aufzulösen. Gab es jemals einen wirklichen Polytheismus, jemals einen wirklichen Monotheismus? Das Göttliche erscheint in allen Religionen unter mehreren Namen und Funktionen. Der Hauptunterschied der Religionen scheint darin zu liegen, ob und wie Gottesnamen verschiedene Funktionen des Göttlichen bezeichnen oder ob sie, wie in der indischen und griechischen Religion, in göttlichen Personen ausgebildet werden. Die Überschneidungen und Übergänge beider Formen werden für die älteste uns deutbare, die altägyptische Religion von E. Hornung heraus gearbeitet.
Der wahre unter den mehreren Namen Gottes ist auch den Juden unbekannt. Das AT kennt mehrere, welche verschiedene Funktionen Gottes umschreiben. Jahwe/ JHWH bezeichnete Gott in seiner lebenden Zuwendung zum Menschen; Elohim sollte seine Gerechtigkeit ausdrücken; der Herr Zeba'oth (Gott bzw. Herr „der Heerscharen“) ist der kriegsmächtige Herr; als El schaddaj bestraft Gott das Böse. Es wird aber bestritten, es seien hier unterschiedliche Götter gemeint. Ähnlich im Islam. Hier werden um den abstrakten Namen Gott (= Allah) zusätzlich 99 Ehrennamen gelegt. Man sieht in islamischen Ländern oft aufwendigen Kalligraphien, in denen diese 1 + 99 Namen Gottes aufgeschrieben sind. Sind nicht die Heiligen der Kirche mit ihren bestimmte Zuständigkeiten (vgl. die 14 Nothelfer) etwas so ganz Verschiedenes?
Die heutigen Glaubensformen im Christentum, aber vermutlich auch in anderen Großreligionen, laufen offenbar auf eine schrittweise Kompetenzverkürzung des Göttlichen hinaus. Es gibt offenbar nur wenige Gottesleugner, aber anscheinend immer mehr Menschen, die Gott als eine Art weltentrücktes Fatum verstehen. Es entwickelt sich ein steriler Monotheismus, ein Glaube an Gott, der dem Glauben an die Allgewalt der Naturgesetze immer ähnlicher wird. Bonhoeffer sagt aber: Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
4. Dreifaltigkeit
Das christliche Trinitätsdogma erweist sich als Kompromiss zwischen der Vielgötterei und einem sterilen Monotheismus. Gott ist nicht drei, wie der Islam polemisch sagt, Gott ist einer, aber hat drei Namen, unter welchen wir sein Wirken in der Welt sehen und suchen sollen. Vielleicht hat Gott wie im Islam auch im Christentum 100, oder so viel, wie es Heilige gibt. Vielleicht aber hat Gott so viele Namen, wie es über die Weltzeit in allen Ausprägungen des Glaubens Gläubige gab, gibt und geben wird. Will Gott doch allen Menschen gerecht werden. So mein es Goethe in seinem oft zitierten Strophe aus dem West-Östlichen Divan:
Er, der einzige Gerechte,
will für jeden nur das Rechte.
Sei von seinen hundert Namen,
dieser hoch gelobet. Amen.
Dr. M. Aden
▪ Der Papst will Luther rehabilitieren
Der Papst Benedikt XVI. will nach Informationen der Londoner « Times » den Reformator Martin Luther (1483- 1546) rehabilitieren. Im September 2008 wird er erklären, dass Luther, der vom Papst Leo X. (1475-1521) im Jahr 1520 exkommuniziert wurde, kein Irrlehrer gewesen sei. Er habe die Kirche nicht spalten, sondern lediglich von korrupten Praktiken reinigen wollen. Der Bericht der Online-Ausgabe der „Times“ beruft sich aus Vatikan-Quellen. Zu diesem Zweck wird der Papst im Sommer rund 40 Theologen in der Residenz Castel Gondolfo sammeln, um darüber zu diskutieren. Die Initiative hat der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper. Nach dessen Ansicht wird das zur Forderung des Dialogs zwischen Katholiken und Protestanten beitragen. Ferner könnte es ein Gegengewicht zu Vatikan-Dokumenten bilden, die den evangelischen Kirchen einen gleichberechtigten Status verwehren und sie nur las „kirchliche Gemeinschaften“ betrachten. „Wir können wir von Luther lernen, sagt Kasper, beginnend mit der Bedeutung, die er dem Wort Gottes zumaß“. Luthers Reformen hätten vor 500 Jahren den päpstlichen Zorn erregt, könnten heute aber als vorausschauende Aspekte von Reformen betrachtet werden, die die Kirche im Laufe der Zeit angenommen habe. Luther hatte das Papsttum herausgefordert, indem er in seinen 95 Thesen von 1517 die Ablasspraxis scharf kritisierte und die Bibel als einzige Quelle christlicher Autorität erklärte. Er machte sie durch seine Übersetzung ins Deutsche der breiten Bevölkerung zugänglich. Es liegt auf der Hand, dass nur ein deutscher Papst diesen Schritt vollziehen kann. Benedikt XVI. wird dieses wichtige Signal der Nachwelt hinterlassen.
▪ Keine Scharia in Deutschland
Kritik am Vorschlag des geistlichen Oberhaupts der Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams, Teile des islamischen Religionsgesetzes, der Scharia, in Großbritannien gelten zu lassen, hat der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, geübt. „Es ist ein falscher Ansatz von einem doppelten Recht auszugehen und sich davon Integration zu erhoffen“, sagte er. Zwar müsse man die Frage stellen, inwieweit kulturelle Besonderheiten innerhalb des Rechtssystems einen legitimen Ort haben könnten. „Aber man muss gerade darauf aus sein, dass es in einem Land ein Recht gibt“. Williams hatte sich dafür ausgesprochen, die Scharia als Alternative in Teilen des Zivilrechts anzuerkennen. Als ein Beispiel nannte er das Familienrecht. Extreme strafrechtliche Anwendungen – also etwa Hände abhacken für Diebstahl, Steinigung für Ehebruch oder die Todesstrafe wegen des Religionswechsels von Muslimen – hält Williams jedoch für ausgeschlossen.
Friedenssehnsucht
Die Geburtsgeschichte Jesu nach dem Evangelisten Lukas zeigt deutliche Ähnlichkeiten mit der 4. Ekloge des römischen Dichters Vergil. Lukas war nicht jüdischer Herkunft, Griechisch war seine Muttersprache, und er war offenbar im Besitz des griechisch–römischen Bildungswissens seiner Zeit. Vergil (70 - 19 v. Chr.) galt zur Zeit des Lukas als eine Art römischer Nationaldichter. Man wird es nicht förmlich beweisen können, aber es ist wahrscheinlich, dass Lukas die 4. Ekloge Vergils gekannt hat. Diese war um 40 v. Chr. entstanden. Seine literarische Einordnung ist umstritten. Vielleicht ist es nur ein Gelegenheitsgedicht für einen Freund auf die Geburt von dessen Sohn. Wahrscheinlicher ist, dass Vergil im Osten des Reiches das weit verbreitete Bild der Jungfrauengeburt und des erwarteten Welterlösers kennen gelernt hatte und auf Caesar (gest. 44 v. Chr. ) oder, wohl eher, auf Kaiser Augustus (31 - 14 n. Christus). In diesem Gedicht verbinden sich messianische Erwartungen orientalischen Ursprungs mit einer tiefen Sehnsucht nach Frieden. Seit über hundert Jahren hatten äußere und innere Kriege die Welt bewegt. Nun hatte Augustus die Tore des dem Kriegsgottes Mars geweihten Tempels geschlossen. Die hier entscheidenden Stellen des Gedichtes lauten (ÜvV):
Schon hat die letzte Epoche, wie lange verheißen, begonnen, groß und vom Grunde erneuert tritt der Äon hervor. Siehe, die Jungfrau ist da! 1[1]Es kommt das Alte zurück, und vom Himmel gesandt, wächst ein neues Geschlecht. Uns wird ein Sohn bald geboren, der wird das Alte beenden, und in Herrlichkeit wird Menschheit und Welt neu erstehn. Göttlichen Wesens er selbst, wird er mit Heroen und Göttern wie unter Gleichen verkehren, als einer von ihnen verehrt, denn die befriedete Welt regiert er mit Recht wie vor alters... Anfangs freilich noch wird die Erde nur kleine Geschenke Dir, o göttlicher Sohn, aus Blumen und Efeu verehren, üppig winden sich Ranken und Blüten, dich zu erfreun. Aber schon geht ohne Furcht die Ziege zum Melken nach Hause, und den gewaltigen Leu fürchtet nimmer das Rind. Aus deiner Wiege erwachsen Blumen und schmeichelndes Laub. Tot ist die Schlange, und auch die Gifte der giftigen Kräuter wachsen nicht mehr, und es wird Balsam nur allumher blühn. Komm doch, Kind, komme bald. Mit Lachen grüße die Mutter, die schon lange, zu lang, zehn volle Monde dich trug. Komm erwarteter Sohn, die Eltern warten mit Freuden. Also bist du gewiss den Menschen und Göttern erwünscht.
Christliche Deutung
Die Renaissance sah dieses Gedicht als eine Vorausweisung auf Jesu Geburt. Aus diesem Grunde galt Vergil im Mittelalter als eine Art „Ehrenchrist,“ was ihn zu seiner besonderen Stellung in Dantes Comoedia geeignet machte. Vielleicht sah Lukas das ebenso und erkannte, dass der nun in Jesus erschienene Weltheiland nicht nur von den Juden, sondern auch von den Nichtjuden erwartet worden war. Wenn Lukas seinen Lesern die Bedeutung Jesu sinnfällig machen wollte, lag es nahe, dass er auf deren Bildungswissen aufsetzte. Der jüdische Begriff Messias war und außerhalb Israels unbekannt. In diesem Gedicht aber konnte Jesus diesen Christen als der Weltheiland gezeigt werden, den Vergil schon, aus der Zeit des Lukas gerechnet, 100 Jahre zuvor angekündigt hatte. Die Weihnachtsgeschichte des Lukas wirkt so, als ob sie diesem Gedicht nachgeschrieben worden wäre.
Heute
Auch wir haben wie Rom zur Zeit des Augustus über hundert Jahre Krieg hinter uns. Die Hoffnung auf Frieden, auf einen Erlöser von allem, was uns ängstet und beschwert, von Krieg und wirtschaftlichem Ungemach, flackert immer wieder auf. Die überraschende und beängstigende Wiederauferstehung Stalins in Russland steht daher eigentlich in einer Linie mit der irrationalen Begeisterung der weißen Europäer über die Wahl von Obama in den USA, und der verängstigten Zuversicht von Sozialisten, der Staat werde die derzeitige Finanzkrise meistern. Je undurchschaubarer die Strukturen und Abläufe, desto eher ist man bereit, hinter dem Schleier das Rettende zu glauben. Die Europäische Union mit ihren undurchschaubaren Strukturen scheint für viele eine solche transzendente Instanz geworden, ein Heilsbringer. Ihr Vertrauen wir unser Bedürfnis nach Sicherheit und Wohlstand an, und wollen daher gar nicht so genau wissen, wie sie funktioniert und was im Vertrag von Lissabon steht.
Die Geschichte Roms ging aber trotz eines momentanen Friedens weiter. Die Geburt Jesu war, so die Meinung vieler Historiker, der Beginn des Endes des Friedens. Ab Augustus ging das bis dahin aggressive Römische Reich in den Verteidigungszustand über und erlag schließlich. Ob es uns, als Teil der bis vor kurzem aggressiven weißen Rasse sehr viel anders gehen wird? Die Botschaft Gottes an die Menschen zu Weihnachten ist: Es gibt keinen Ausruhfrieden auf der Welt. Er muss täglich neu durch Wachsamkeit errungen werden.
Aber wir machen es uns lieber noch etwas bequem. Für uns wird es schon noch reichen. Kinder, für die wir sorgen müssten, haben wir ja keine.
Menno Aden
[1] Die Jungfrau meint die keusche Göttin Asträa, welche als letzte Göttin die Erde verließ, wodurch das Goldene Zeitalter endete, vgl. Ovid Metamorphosen, Buch I. 162: Victa iacet pietas, et Virgo caede madentes/ Ultima coelestum terras Astraea. Jetzt kehrt sie zurück und kann vielleicht als Mutter des göttlichen Knaben angesehen werden, mit welchem das neue Zeitalter anhebt.
▪ Der Vatikan nennt neue Sünden
Der Vatikan hat seine Liste der Todessünden modernisiert bzw. aktualisiert. Das Register stammte noch aus dem Mittelalter. Wo einst Geiz, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei und Trägheit die Sünden-Liste anführten, steht nunmehr Drogenhandel, Drogenkonsum, Geldverschwendung und Missbrauch von Kindern.
▪ Christlicher Glaube ist für die Moslems Häresie
In seinem bemerkenswerten und dokumentierten Beitrag über die Beziehungen zur Türkei ( hier oben unter „Europa“ ) stellt Jürgen Liminski die Frage, ob die (Christ-) Demokraten und einfach die Christen in Europa noch wissen, was sie vom Islam unterscheidet? Der Islam, meint er, weiß nichts von der Freiheit der Kinder Gottes, von der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott, von der persönlichen Liebe Gottes zu den Menschen, von der Menschwerdung Gottes aus Liebe zu den Menschen, von der Freiheit als „Maß für die Würde und die Größe des Menschen“ (Johannes Paul II vor der UNO), von der Dreifaltigkeit als Einheit in der Vielfalt und als Prinzip der Liebe. All das ist für den frommen Muslim schlicht Häresie.
Religiöse Menschen führen im Allgemeinen ein zufriedeneres und glücklicheres Leben als ihre ungläubigen Zeitgenossen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung im Auftrag der britischen Königlichen Ökonomischen Gesellschaft. Danach leiden Fromme beispielsweise weniger, wenn sie arbeitslos werden. Allerdings legen sie sich bei der Arbeitsplatzsuche weniger ins Zeug. Eine Scheidung können sie ebenfalls besser verkraften. Der Glaube wirke wie eine Versicherung gegen persönliche Katastrophen.