INHALT

Sünden der Kirche
Die Stunde des Papstes
Moscheen in Frankreich sind keine Zelten
Hut ab vor den Schweizern!
Gaddafi und die Schweiz
Der Name Gottes
Der Papst will Luther rehabilitieren
Keine Scharia in Deutschland
Der Heilsbringer
Der Vatican nennt neue Sünden
Christlicher Glaube ist für die Moslems Häresie
Glaube macht glücklicher

 

 

 

● Sünden der  Kirche

 

       Ob sie begründet ist oder nicht, schadet die Flut von Anklagen wegen Pädophilie, und zwar fast weltweit und von unten nach oben, der katholischen Kirche auf jeden Fall mehr, als man denkt. Freilich, andere Kreise als die Kirche, andere Menschen als Priester sündigen auf vergleichbare Art und Weise, ja vielleicht in grösserem Umfang, und ihre Verfehlungen werden in den Medien nicht breitgetreten wie diejenigen der Kirchenleute. Das sagte ein Bischof einer Zeitung. Aber diese Leute beanspruchen auch nicht, mit gutem Beispiel dazustehen, wie die Priester der Amtskirche es tun. Sicher versucht jede Gruppe, jeder Verein, jedes Unternehmen, gar jede Regierung zu verhindern, dass ihre Verfehlungen an die Öffentlichkeit geraten, die Kirche bildet da keine Ausnahme, aber sie beansprucht, die Wahrheit zu sagen. Das ist ihre Funktion und Berufung. Tut sie es nicht, gerät sie automatisch unter Kritik.

Natürlich war es falsch, den Papst Benedikt in diesen Dunstkreis zu ziehen. Er ist derjenige, der die Opfer empfangen und die Verantwortung der katholischen Hierarchie in Irland angeprangert hatte. Er hat einen mexikanischen Priester, den Pater Maciel, der von Johannes Paul II geschützt worden war, aus der Kirche entlassen. Und es gibt keinen Beweis dafür, dass er von den Briefen Kenntnis hatte, die die Verbrechen des amerikanischen Priesters Murphy denunzierten.  Aber der Papst reagierte nicht richtig, als er versuchte, diese Sachverhalte herunterzuspielen. Gott "gäbe ihm den Mut, sich nicht von diesem Geschwätz einschüchtern zu lassen", sagte er öffentlich.

Es war auch falsch, wenn ein französischer Bischoff von "Verleumdung" sprach und  an die "Pharisäer" den biblischen Spruch richtete: "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein". Denn es hagelt schon Steine auf die Kirche. Die Justiz der Staaten, nicht diejenige der Kirche, ist für diese Delikte zuständig. Zwar sind die Fakten zum Teil uralt. Manche waren schon bekannt. Sie werden jetzt hämisch zusammengetragen. Aber die Kirche war nicht darauf gefasst und hat kein Verteidigungssystem aufgebaut.

Offensichtlich ist das eine Kampagne, die an die Kampagne gegen Pius XII im Zusammenhang mit seiner angeblichen Nachsicht gegenüber dem Dritten Reich erinnert, die Rolf Hochhuth 1963 auslöste. Dabei war Pius XII der Unterzeichner der warnenden Enzyklika "Mit brennender Sorge..." und er hatte 1941 und 1942 Weihnachtsansprachen im Rundfunk gehalten, die die Frevel des Dritten Reiches anprangerten.

Und Benedikt, dem Ignoranten seine erzwungene Mitgliedschaft in der Hitler-Jugend vorwarfen, aus deren Reihen es ihm doch gelungen war zu flüchten? Es ging so weit, dass die französischen Komiker "Guignols de l'info" den jetzigen Papst "Adolf II" nannten!Damit versuchte man natürlich die katholische Kirche am Kopf zu treffen. Wie dumm!

Die heutige Pädophiliekampagen gegen die katholische Kirche ist im Grunde genommen harmloser. Die Tragik hatte damals vor 1945 ganz andere Dimensionen. Hier die Pädophilie, die die Täter lächerlich und verächtlich macht. Dort die Millionen Opfer des Hitlerstaates. Die beiden Kampagnen sind im Grunde genommen nicht vergleichbar. Aber Hochhut und seine Epigonen haben sich der Medien bedient und heute sind die Medien gegen die Kirche wieder aktiv. Vor Jahren war der Nationalsozialismus ein Thema. Heute sind sexuellabartige Verhaltensweisen ein beliebtes Thema der veröffentlichten Meinung.

Die Kirche ist für viele ein Hassobjekt. Sie wird nicht ungeschoren davon kommen. Sie wird viele ihrer Schäfchen verlieren. Sie wird sich auch nicht retten, ohne einige ihrer heiligen Kühe zu schlachten. Natürlich nicht sofort! Nicht auf dem Höhepunkt des Skandals! Aber die Opfer werden gebracht. Eines davon ist das Priesterzölibat.

Mit Zähnen und Klauen verteidigen die Bischöfe heute noch das Zölibat. Dabei liegt es auf der Hand, dass das Priesterzölibat die Hauptursache des Übels ist. Nicht nur, weil ein erfülltes Liebesleben mit einer Ehefrau und mit eigenen Kindern vor Dämonen schützt, sondern weil die Ehefrauen sich schon darum kümmern, dass ihr Mann, ob Laie oder Priester, sich nicht daneben benimmt. Es steht keineswegs im Evangelium, dass die Priester ledig bleiben müssen. Ebenso wenig, wie es im Koran steht, dass die Frauen einen Schleier tragen müssen.

 Seit Luthers Zeiten leben evangelische Pfarrer mit ihren Familien. Das schadet keineswegs ihrem Amt. Im Gegenteil. Und es ist bekannt, dass es in Deutschland ca. 14 000 Kinder von katholischen Priestern gibt. Wenn die Amtskirche das nicht einsehen will, dann wird sie mit dieser unnötigen Last weiter leben müssen. Wäre ein verheirateter katholischer Pfarrer weniger glaubwürdig? Nein, ganz im Gegenteil!

Kann die Kirche aber über den eigenen Schatten springen? Wir geben hier unten einem Protestanten das Wort. Der Professor Menno Aden geht selbstverständlich mit der katholischen Kirche hart ins Gericht. (JPP

 

 

Die Kirche ist Teil der conditio humana

 

1.         Ausgangspunkt

 

Die  jetzt ans Licht gekommenen Fälle  schwerster  Verfehlungen in der katholischen Kirche sind weder neu noch überraschend. Ganz im Gegenteil. Die Geschichte ist voll der scheußlichsten Fälle von kirchlichem Machtmissbrauch, Heuchelei und Unwahrhaftigkeit, und zwar nicht  nur im Mittelalter, sondern bis in unsere Tage hinein. Bis jetzt fiel es der Kirche aber verhältnismäßig leicht,  diese Dinge  zu vertuschen. Nur die allerschändlichsten Entgleisungen  kamen vor die staatlichen Gerichte.   Eine zunehmende Distanz der Völker zur Kirche, vor allem aber ein neues Rechtsgefühl im demokratischen Rechtsstaat  haben der Kirche den  aus religiöser Scheu  und autoritärer Einschüchterung gewirkten Mantel entrissen,  mit welchem sie ihre Fehlleistungen zu verdecken pflegte.

 

Die schweren Vorwürfe gegen die Kirche wegen sexueller Fehlhandlungen vieler ihrer Amtsträger  betreffen  nicht nur den Papst und den   römisch  – katholischen Teil der Christenheit, sondern die Weltchristenheit insgesamt.  Angesichts der Auseinandersetzung des Christentums  mit  dem Islam und anderen Religionen sind die jetzt an den Tag kommenden Dinge  einfach entsetzlich, und zwar  für  alle Christen.

 

2.         Geistliche Fehlleistungen  der  römischen Kirche  

 

Es ist hier nicht der Ort für theologische Darlegungen.  Aber die Kirche hat sich  seit ihren Anfängen aufgrund höchst eigenwilliger   Auslegungen von unklaren sogar als unecht erkannten  Bibelstellen  eine geistliche, früher auch weltliche Macht zugesprochen,  von der die Bibel nichts weiß.   Die Kirche nahm als eine ihrer schlimmsten geistlichen Entgleisungen in Anspruch, gegen Geldzahlungen über Gottes  Gnade verfügen zu können. Das war der Ausgangspunkt  für die Reformation  Luthers.  Die Reformation war höchst nötig!

 

Die meisten  sind  wohl auch  noch heute bereit, dem Zölibat der Priester als  Lebensform Achtung entgegen zu bringen, denn es bedeutet die Bereitschaft des Priesters, sich ganz Gott und seinem Dienst zu widmen.  Die Kirche wusste aber immer, und sie weiß heute,  dass diese Achtung in vielen, vielleicht in den meisten Fällen unverdient ist.  Das Zölibat ist offenbar die größte  Quelle kirchlicher Heuchelei.  Es ist ein Hindernis für den Glauben, ein Kummer  für  Katholiken, die mangels Priesternachwuchses  ohne geistliche Betreuung blieben,  und ein Ärgernis für nicht katholische Christen, welche  oft in den Heucheleivorwurf mit einbezogen werden. 

 

3.         Finanzielle  Unaufrichtigkeit  

 

Anläßlich des ganz plötzlichen  Todes von Papst Johannes Paul I wurde damals kurz ein Blick möglich auf die empörende Verstrickung der Kirche mit der italienischen Mafia in Finanzgeschäften geworfen. Die Kirche tat wenig oder nichts, diese Vorwürfe zu entkräften. Die katholische Weltkirche ist in finanzieller Hinsicht auch heute ein geradezu dubioses Unternehmen. Sie ist  die einzige weltweit tätige Organisation, die  keinerlei Auskunft über Herkunft und Verwendung ihrer Finanzmittel gibt.

 

Müßte  die Kirche  einem Parlament (ein solches existiert zwar in Nordkorea, nicht aber am Heiligen Stuhl)  oder einer anderen  Öffentlichkeit Rechenschaft legen, wäre seit vielen Jahren deutlich geworden,

 

 

gezahlt wurden.

 

Die Bundesrepublik Deutschland und andere Staaten  mit ähnlicher Praxis subventionieren diese vermutlich oft kriminellen  Schweigegelder indirekt dadurch, dass Kirchensteuern und Zuwendungen an die katholische Kirche  als gemeinnützig steuerabzugsfähig sind. Und zwar ohne Verwendungsnachweis, was der Unterzeichner für verfassungswidrig hält.

 

4.         Kirche und Welt   

 

Anklagen gegen die Kirche kommen nicht immer aus reinem Herzen. Diejenigen, die  über  sexuelle  Entgleisungen der katholischen Kirche ihr  Geschrei erheben, sind oft dieselben Existenzen,  welche seit den  `68er Jahren und noch heute die sexuelle Befreiung des Menschen als Fortschritt predigen, welche die Ehe verächtlich machen und der  homosexuellen  Partnerschaft in Würde und gesellschaftlichem Wert gleichstellen.  Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Schmutz zu ziehen  (Friedrich Schiller).  Es ist nicht immer die Sorge um die Sittlichkeit, welche sich in  lauter Empörung über  sexuelle Entgleisungen von Priestern äußert. Wer selbst  in Sünden lebt, hat es gern, wenn ein anderer es auch tut. Es erfreut viele, wenn eine Respektsperson, hier die Kirche,  in Schande  gerät.   

 

Die Kirche ist aber Teil der conditio humana. Als solche ist sie nicht sündlos. Sie  muss, so wie wir je einzeln auch,  immer wieder in Sünden fallen.  In gewissem Sinne  macht das gerade ihre Würde und Heilskraft aus. Nur dann kann sie dem  leidenden und sündigen Menschen nahe sein, wenn sie  auch  selbst menschlich ist und sündigt. Ihre Fehlleistungen und Entgleisungen können Bollwerk und Versprechen gegen die Sinnentleerung der Welt sein – wenn, aber nur wenn,  sie zu ihren Sünden steht und deutlich macht, dass und wie sie daran leidet  und zu bessern versucht.   

 

5.         Niedergang als Chance

 

Im Jahre 2017 werden die evangelischen Kirchen und Sekten die 500 – Jahrfeier der Reformation begehen. Sie sollten dann eigentlich in einer feierlichen Erledigungserklärung Folgendes feststellen: 

 

Luthers Ziele sind erreicht. Wir  Evangelischen haben der Welt heute nichts zu sagen, was die katholische Theologie nicht auch und häufig sogar  besser sagen kann. Wir treten daher  in die alte Kirche zurück. Wir wollen damit ein Zeichen geben, dass Christen  angesichts der Herausforderung von Religionslosigkeit und fremden Religionen den Glauben an Jesus Christus vereint und kräftig   bekennen. 

 

Das ist unrealistisch, wie der Unterzeichner, selbst ehemals hoher Funktionär in der evangelischen Kirche, weiß. Wenn aber die katholische Kirche die Zeichen der Zeit und die Chancen aus  ihrer jetzigen Erniedrigung erkennt, ist es vielleicht nicht ganz so unrealistisch.

 

Die  tiefste  Erniedrigung der katholischen Kirche war, dass  die  lutherische Reformation berechtigt war, wie sie im Grunde selbst  anerkannte.  Es war  aber  dann, unmittelbar darauf,  eine der größten  Ruhmestaten dieser  erniedrigten Kirche, dass  sie  im Konzil von Trient (Tridentinum)  die Kraft  zu einer umfassenden und tief greifenden Reform fand.  Aufgrund dieses  Konzils hat die lutherische Bewegung über die bis dahin eingenommenen hinaus praktisch keine  neuen Gebiete mehr für sich gewinnen  können.  Im  Gegenteil:  bereits lutherisch gewordene Regionen kehrten zum alten Glauben  zurück.  Durchaus nicht immer aufgrund von Gewalt,  die es freilich oft auch  gab ( z. B. Böhmen, Frankreich).  In der Gegenreformation traten kräftige Prediger, Heilige von nie bezweifelter Frömmigkeit, Theologen von  großer Geisteskraft  für den alten Glauben ein. Die Vertreter der Reformation wurden bald und oft in die Defensive getrieben.

 

Ergebnis: Ruf zum Neuanfang

 

Die jetzige, nicht plötzliche, sondern seit langen angebahnte  Entwicklung in der Kirche, ihre öffentliche Erniedrigung und Schmähung  könnte  der Anfang zu einem großen Neubeginn sein und zu  einem neuen  Selbstverständnis der katholischen Kirche führen. 

 

Die katholische Weltkirche bleibt  trotz  allem  das bei weitem großartigste geistliche Gebilde, welches die Welt jemals gesehen hat. Nur sie,  keine evangelische Landeskirche oder amerikanische Sekte, hat die geistliche Kraft, der Suche  des Menschen nach dem ewigen Gotteswort  weltweit Form und Inhalt zu geben.

 

 D a s  muss sie aber auch tun! Künftig mehr als je! Christen aller Konfessionen sollten  sich daher in dem Ruf an den Papst vereinen:  Sehen Sie den  Fingerzeig Gottes, der Sie mahnt, dem Glauben  an Jesus Christus eine neue Form, vielleicht ohne Zölibat, zu geben,  in welcher  die ganze  Welt IHN  hören und erkennen kann.  

 

                                                                                                                                             Menno Aden, Präsident des Oberkirchenrates a.D.

  (im April 2010)

 

 

 

● Die Stunde des Papstes

Im Zuge des Missbrauchsskandals erleben wir heute eine der größten Medienkampagnen in der Geschichte der Bundesrepublik. Gemessen an Umfang und Penetranz dieser Kampagne war die Klimakonferenz von Kopenhagen, bei der es um die Rettung der Erde ging, ein Ereignis von nachrangiger Bedeutung. Es lassen sich einige Lehren aus der Affäre ziehen:

Erstens: Die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sind eine ungeheure Schuld. Sie lässt sich nicht relativieren. Wer sich um höhere Weihen bemüht, muss auch höheren Ansprüchen genügen. Das Krisenmanagement kirchlicher Institutionen hat in weiten Teilen nicht funktioniert. Es ist ...einer modernen Öffentlichkeit nicht mehr kommunizierbar..

Zweitens: Weltweit gibt es über 400.000 Priester, über eine Million Ordensleute, und Millio-nen katholischer Laien, die sich für Arme, Kranke, für eine bessere Gesellschaft engagieren und sogar bereit sind, dafür ihr Leben zu geben. Die Kirche unterhält über 70.000 Krankenhäuser, Krankenstationen, Leprastationen, Behindertenheime, Waisenhäuser und Kindergärten. Weltweit besuchen 40 Millionen Schüler katholische Schulen (in Deutschland 370.000 bei steigender Nachfrage). In Deutschland sind nach Angaben des Kriminologen Christian Pfeifer 0,1 Prozent der Missbrauchstäter Mitarbeiter der katholischen Kirche. Wer den Missbrauch dann jedoch nur auf eine bestimmte Gruppe begrenzt und 99,9 Prozent der Täter außen vor lässt, macht ein riesiges gesamtgesellschaftliches Thema nicht nur klein, er unterstreicht damit, dass es ihm nicht um die Opfer geht, sondern um die Instrumen-talisierung ihrer Fälle.

Drittens: Das Argumentationsmuster der „Kritiker“, die in geifernder Vorabverurteilung eine Kausalkette aus Kirche, Zölibat und katholischer Sexualmoral als ursächlich für Missbrauch sahen, in sich zusammengebrochen. Unzählige staatliche, private und protestantische Ein-richtungen mussten ähnliche Fälle einräumen. Das Beispiel Odenwaldschule, ein Vorzeigeobjekt der deutschen Reformpädagogik, dessen Vertreter über Jahrzehnte über „Spiegel“ und „Zeit“ die pädagogische Diskussion bestimmten, machte deutlich, dass die unselige Verbindung aus Scham, Schweigen und Schadensbegrenzung nicht genuin katholisch sind.

Viertens: Die überwiegende Zahl der Missbräuche ereignete sich vor dreißig, vierzig und fünfzig Jahren. Die Fälle als gerade aktuell geschehen darzustellen, verfälscht die geschichtliche Wahrheit. Es sei „geradezu auffällig“, so der der Kriminalpsychiater Hans-Ludwig Kröber, „wie wenig Fälle es im Bereich der Kirche gibt.“ Hätte es auch in anderen Bereichen so früh so strenge Richtlinien gegeben, wir wären in dieser Problematik einen gehörigen Schritt weiter.

Fünftens: Ein Teil der deutschen Redaktionen hat sich im Furor der Debatte aus der Liga der seriösen Medien, wie sie etwa die „Neue Zürcher Zeitung“ symbolisiert, verabschiedet. Stärker als jemals zuvor, wurden dabei die Mechanismen einer subtilen Meinungsdiktatur sichtbar, in der Verfälschung und Unterdrückung von Nachrichten so selbstverständlich hingenommen werden wie die Vorabverurteilung des Gegners, dem noch nicht einmal das Recht auf Verteidigung zugestanden wird...

Der Papst hat zu den Vorfällen nicht geschwiegen. Nicht in Amerika, nicht in Australien, nicht in Europa. Das Schreiben an die Iren belässt es dabei nicht bei Lippenbekenntnissen, sondern gibt konkrete Anweisung, was jetzt zu tun ist. Dass seit Petrus und Paulus apostolische Briefe nicht nur für eine spezielle Gemeinde, sondern für die Weltkirche gelten, mag sich im Gegensatz zu anderen Ländern in Deutschland noch nicht herumgesprochen haben...

                                                                                                                                                             Peter Seewald

(Der Artikel wurde von uns um 80 Prozent gekürzt)

 

 

● Moscheen in Frankreich sind keine Zelten

   Kennen Sie die größte französische Tageszeitung? Sie heißt nicht „Le Figaro“ oder „Le Monde“. Das sind überregionale Zeitungen und ihre Auflagen sind nicht mehr so berauschend, wie sie einmal waren. Nein, die größte Zeitung der  Welt in französischer Sprache heißt „Ouest-France“. Es handelt sich um ein Regionalblatt. Ihre Auflage erreicht 800 000. Sie wird hauptsächlich in der Vendée, in der Bretagne und in der Normandie von 2,3 Millionen Menschen gelesen.

 Umso schwerwiegender war ein Artikel, der am 9. Januar 2010 in „Ouest-France“ erschien. Dort stand Folgendes: „Die heutige Moschee in Cholet (die  an der Loire liegende Partnerstadt von Oldenburg, die Redaktion) war in ihrem Häuschen nicht mehr groß genug. Der neue Imam, Musa Akkaya, hat vorgesehen, dass eine neue Moschee im Monat Mai öffnen wird. Das Gebäude wird jetzt fertiggestellt und hat bereits eine stolze Gestalt. Diese neue türkische Moschee wird auf einem 3 200 m2 großen Grundstück gebaut, das der türkische Staat gekauft hat. Das jetzige Häuschen der Moschee war wirklich zu klein geworden: <Wir empfangen freitags ca. 200 Menschen und in der Ramadan-Zeit 400>, erklärt Sabri Dogan, der Vorsitzende des türkischen Kulturvereins. Insgesamt, meint er, gibt es in Cholet 250 bis 300 türkische Familien, d. h. 2 000 Personen“. Der türkische Staat hat den Imam Musa Akkaya hierher geschickt. Vor drei Monaten kam er nach Frankreich. Er soll vier Jahre in unserem Land bleiben“.

Alles schön und gut. Wo ist aber die Gegenseitigkeit für solches Entgegenkommen? Der türkische Staat verweigert ausländischen Priestern die Visa. Die Priesterseminare der orthodoxen Kirche, die Halki, bleiben geschlossen. Baugenehmigungen für neue Kirchen werden verweigert. Am 27. März 2005 hatte Mehmet Aydin, der türkische Minister für Religionsangelegenheiten, die christlichen Missionare vorm Predigen in der Türkei gewarnt. Er sagte, dass die Christen die Ahnungslosigkeit der Menschen missbrauchen und den sozialen Frieden und die nationale Einheit in seinem Land verletzen. Die Entwicklung ist umso beunruhigender, als Ende Februar 2010 in der Türkei 49 Armeeangehörigen, darunter ranghohe Offiziere, festgenommen worden sind. Sie werden beschuldigt, einen Putsch gegen die islamistische Regierung von Recep Tayyib Erdogan geplant zu haben. Die Armee betrachtet sich in der Tat am Bosporus als die Hüterin der laizistischen Republik von Kemal Atatürk. Soll sie jetzt gesäubert werden? Die Sprecherin des EU-Erweiterungskommissars in Brüssel hat die türkischen Ermittlungsbehörden dazu aufgerufen „streng auf die rechtsstaatlichen Grundsätze zu achten“.

 Da kann man sicher Gift darauf nehmen, dass sie das tun werden. Aber noch ein Wort zu Cholet: die Stadt hat gerade eine arabische Moschee eingeweiht. Das sind also im ersten Halbjahr 2010 zwei neue Großmoscheen. Und das in einer Stadt von 57 000 Einwohnern, deren Bürgermeister der ältesten Partei der französischen Rechte, der CNI, einer Art von französischer CSU, angehört.  Sollte man sich aber wundern, wenn man die Einstellung des Gemeinderatsmitglieds der Großstadt Bordeaux, Laetitia Jarty, betrachtet? Auf eine Frage der Presseagentur "Novopress" zu der Beteiligung von Ratshäusern am Bau von Moscheen antwortete Frau Jarty, die im Departement Gironde die Jugendreferentin der Sarkozy-Regierungspartei UMP ist:   „Das stört mich nicht. Normale Vereine wünschen das. Die Medien bauschen solche Geschichten auf, aber das ist doch ganz einfach“. Es ging darum, dass das Bürgermeisteramt von Bordeaux dem Verein der Moslems der Gironde, an dessen Spitze ein Imam Namens Tareq Ubru steht, ein Grundstück für den Bau einer neuen Moschee schenken will. Der Bürgermeister von Bordeaux ist der ehemalige französische Regierungschef Alain Juppé.

Das Wohlwollen nicht nur der Gewählten, sondern auch der katholischen Kirche Frankreichs ist nicht mehr zu bändigen. Daran, dass die Konferenz der französischen Bischöfe (die CEF) sich kürzlich über die Schändung der neuen Moschee der Stadt Saint-Etienne entrüstete, war nichts zu beanstanden. War es aber nicht zu viel des Guten, wenn das Kommuniqué „die Überzeugung „ der Bischöfe unterstrich, dass es möglich ist, miteinander zu leben und gerade wegen des Reichtums unserer Unterschiede am Aufbau einer neuen Gesellschaft teilzunehmen“. Einer Gesellschaft, die „Glaube und Politik nicht trennt, wie das Christentum es vom Anfang an getan hat“, wo der Koran „ein totalitäres religiöses Gesetz ist“, wo „die Scharia die Gesellschaft grundlegend prägt“? So steht es im Buch vom Kardinal Ratzinger „Das Salz der Erde“. Die CEF richtete sich dann an den moslemischen Klerus: „In diesem Sinne freuen wir uns, dass Sie bald ihre neue Großmoschee einweihen können“. Ein schönes Wortbild rechtfertigte dieses Bekenntnis: „Wir glauben, dass Gott gekommen ist, um sein Zelt unter den Menschen aufzupflanzen“. Leider leben die Franzosen nicht unter Zelten und Moscheen in Frankreich sind leider auch keine Zelten.

 

 

● Hut ab vor den Schweizern!
Die Angst der Franzosen vor dem Muezzin


Die Abstimmung gegen den Bau von Minaretten in der Schweiz wird die Franzosen und andere Staaten Europas zwingen ihre liberale Islam-Politik zumindest in diesem Punkte zu überdenken. In Frankreich ragen bereits 10 Minarette auf « Dom-Moscheen » empor, wie die großen Moscheen genannt werden. Am höchsten ist dasjenige der großen Moschee in Paris, das bei 36 Metern gipfelt. Dasjenige von Créteil, einem Pariser Vorort, ist 25 Meter hoch. In Straßburg wurde kein Minarett gebaut, weil das Geld gefehlt hat. Aber der Oberbürgermeister und sozialistische Abgeordnete der elsässischen Stadt, Roland Riess, hat erklärt, dass die „moslemische Gemeinde ihr Minarett bekommen wird, falls sie es wünscht“. Die geplante Großmoschee von Marseille hat ein Minarett in ihrem Bauplan vorgesehen.
Zur Erinnerung : alles hatte im November 2006 in Wangen bei Olten, einem Dorf des Kantons von Solothurn, mit einem Urteil des Verwaltungsgerichts angefangen, das gegen den Willen der Anrainer den Bau eines 6 Meter Hohen Minaretts auf dem Dach des türkischen Zentrums bewilligte. Sehr schnell wurde der lokale Streit national und politisch. Parteimitglieder der wichtigen Union démocratique du centre (UDC) und der Union démocratique fédérale (UDF) prangerten die « schleichende Islamisierung der Gesellschaft » an und verlangten eine Volksabstimmung – die Waffe des Schweizer Volkes gegen den Machtmissbraucht der Regierung und der Behörden. Die Schweiz zählte 60 000 Moslems in den 70er Jahren. Sie zählt heute ca. 400 000 von ihnen, also fast 6 Prozent der 7,7 Millionen Stammschweizer. Sie kommen meist aus dem Balkan und aus der Türkei aber ihre Imams kommen aus Nordafrika oder aus dem Nahen Osten, daher findet eine rasche Radikalisierung statt.
Der Prozentsatz der Moslems in der Schweiz entspricht ungefähr deren Quote in der Bevölkerung der meisten Staaten Westeuropas. Offiziell gibt es in Frankreich 3, 550 Millionen Moslems, 6 Prozent der Bevölkerung. Aber das statistische Institut INSEE schätzt ihre Zahl auf über 4 Millionen. Sie könnte in Wirklichkeit wesentlich höher sein. Der Trend zur Radikalisierung ist aber überall der gleiche. Während die Moslems Europas sich rascher als die Stammbevölkerung vermehren, gewinnt der Fundamentalismus unter ihnen immer mehr Anhänger. In Frankreich hat der Präsident der Mehrheitsfraktion Jean-François Copé einen Parlamentsausschuss einberufen, um ein Verbot des Ganzschleiers für Frauen, der Burqa, der sich in den letzten Monaten beunruhigend verbreitet.
In Marseille besonders wurde die Stadt beschuldigt, von den Moscheen zu billige Mieten für ihre Grundstücke zu verlangen, was einer Subvention gleichkommt. Neulich wird aber die Gegenbewegung politisch, weil sogenannte „Identitätsgruppen“ die Streitaxt ausgegraben haben. Sie wollen die Islamisierung Frankreichs verhindern. Aber der Weg zum Kadi ist steinig. Einige Bürgermeister, die versuchten, den Bau einer Moschee in ihrer Gemeinde zu verhindern, wurden von der Justiz zurückgewiesen. Das oberste Verwaltungsgericht hat z. B. dekretiert, dass „der Bau einer Moschee in einem Wohnbezirk keine Behinderung der öffentlichen Ruhe und Ordnung“ darstellt. In Bordeaux begnügt sich der „Identitätsblock“ deswegen mit medienwirksamen Aktionen, um das Bauprojekt einer Großmoschee abzublocken, das OB Alain Juppé nach Kräften unterstützt.
So haben sie z.B. im Januar 2009 die Einwohner der Stadt mit dem auf Tonband aufgenommenen Ruf eines Muezzins im Morgengrauen geweckt, den sie über Lautsprecher übertrugen. „Hier in einigen Monaten, jeden Morgen, in der Woche, Sonntags und an Feiertagen, wird Sie das süße Lied eines Muezzins aus dem Schlaf holen“… verkündeten Flugblätter. Der Imam von Bordeaux, Tareq Oubrou, hat sofort gekontert: „In Frankreich ertönt dieser Ruf nur innerhalb des Gebäudes. Das Minarett entspringt nicht einer religiösen Pflicht und die künftige Moschee in Bordeaux hat keines vorgesehen“.
„Niemand fordert einen Muezzin“, versichert die Regierung. Er wäre sowieso genauso wie die Kirchenglocken an die Weisungen der Bürgermeister gebunden. Diese sollen die Lautstärke bestimmen und die Maßnahmen treffen, die die Ruhe in ihrer Gemeinde sichern, das schreibt das Gesetz vor. Die aufgeregten Staatsbürger werden mit Zusicherungen der Behörden beruhigt, dass Großmoscheen die Ausnahme bleiben werden. Es gibt sonst derzeit in Frankreich 200 Bauprojekte von Kleinmoscheen in villenähnlichen Häusern – ohne Minarett. Dieses Modell gilt als „pragmatisch“. Politisch und finanziell. Wie beruhigend in der Tat !
Es ist schade, dass die meisten Politiker in Frankreich versucht haben, die Debatte abzuwürgen. Der Grund: die Verfassungsreform vom 21. Juli 2008 erlaubt eine Volksabstimmung, wenn eine ausreichende Anzahl von Staatsbürgern sie verlangt. Zwar kann das Parlament diese Initiative verhindern, aber es ist kaum vorstellbar, dass die Abgeordneten einer ersten Volksinitiative in dieser Richtung abblocken könnten. Abgesehen von den Rechtsaußen der in Nationalen Front, dessen Vize-Präsidentin Marine Le Pen die Schweizer lobte und tadelten die meisten Politiker die Schweizer und meinten, das was sie verlangt hätten, sei „Populismus“. Am komischsten war die Erklärung des Außenministers Bernard Kouchner, der äußerte, dass in einem Land wie die Schweiz, wo es viele Berge gibt, die Sicht von Minaretten die Einwohner nicht stören kann.
Manche Argumente gegen das Schweizer Beispiel sind einfach peinlich. Der Sprecher der Sozialistischen Partei PS, Léo Hamon, machte sich nicht einmal die Mühe und meinte, dass die Franzosen anders als die Schweizer die Minarette nicht abgelehnt hätten. Was weiss er davon? Der Widerstand gegen den Bau von Moscheen wächst in Frankreich. Auf der Webseite vom figaro.fr haben 73 Prozent von 49 000 Lesern auf die Frage: "Soll man den Bau von neuen Minaretten in Frankreich verbieten? " mit Ja geantwortet. In Deutschland hat unter denselben Bedingungen Der Spiegel 78 Prozent Gegner der Minarette ermittelt. In Frankreich werden die Migranten einerseits besser als in anderen europäischen Staaten toleriert, aber andererseits, sagt dieser Forscher, "der Islam beunruhigt: er wird als eine Religion von Eroberern wahrgenommen". "Seine Ausbreitung und seine Kollektivrituale stören die katholische Grundlage unserer Gesellschaft". Das Minarett, selbst ohne Muezzin, erscheint als das allzu sichtbare Sinnbild der moslemischen Präsenz in Frankreich.
Der Religionssoziologe Jean-Paul Willaime erklärt einer Journalistin des Figaro, dass die französische Gesellschaft „zwar laizistisch ist", aber "nicht religionslos", denn das "Kollektivbewusstsein ist vom Christentum durchdrungen". Das Minarett ist das Zeichen eines Religionspluralismus, der nicht gut verdaut wird. Hinzu kommt, dass grosse religiöse Denkmäler Symbole politischer Macht sind; im 19. Jahrhundert durften die Protestanten nur in Nebenstrassen ihre Kultstätten bauen. In Deutschland hat Angela Merkel gesagt, man dürfe Minarette nur unter der Bedingung errichten, dass sie nicht höher als die Kirchtürme emporragen. Der Einbruch des Islams bringt eine alte Ordnung durcheinander. Unsere Staatsordnung ist eine Katho-Laizität: Wochentage, Feiertage, Essgewohnheiten, und Monumente bringen eine christliche Kultur zum Ausdruck". Dieser Wissenschaftler fügt hinzu, dass der Islam "als Religion der Riten viel sichtbarer als die christliche Religion ist". Daher das Gefühl, dass sie ihre Praxis in den Europa-Raum durchsetzen will. Es wird notwendig sein, dass sie sich anpasst, um die Spannungen abzubauen, meint er. Ausserdem muss die Gegenseitigkeit berücksichtigt werden. Christliche Minderheiten leiden in mohammedanischen Staaten unter Verfolgung und Intoleranz. Das Schweizer Votum hat auch diese Frage aufgeworfen.

Bisher wurde Kritik gegen den Bau von Moscheen in Frankreich im Namen der Laizität, d.h. der Religionsneutralität des Staates, die in Frankreich gesetzlich verankert ist, laut. Aber des Islam ist nicht allein ein Glaube an Gott, sondern auch eine politische Religion, die es nicht schafft, Staat und Kirche voneinander zu trennen und ihren Anhängern Lebensregeln auferlegt, die zum Teil im Widerspruch zu unseren Verfassungen stehen. Mehr als eine Religion ist der Islam eine religiöse Ideologie, die den Anspruch erhebt, aus der ganzen Welt eine "Unna", eine Islamgemeinschaft zu machen. Atheisten und Agnostiker verdienen nach der Scharia nur den Tod, andere werden nur geduldet. Der Islam muss sich modernisieren, ja zivilisieren, wie das Christentum es getan hat. Verstehen, dass man Gott nicht deshalb gefällt, weil man einem Lamm die Kehle durchschneidet und Hunde und Frauen missachtet. Im Übrigen sind der Bau von Minaretten und das Tragen des Schleiers keineswegs religiöse Vorschriften, sondern nur arabische Bräuche. Wir glauben deshalb, dass das Agiornamento des Islams nicht aus der arabischen Welt (und auch nicht aus der türkishen Welt, die jetzt einen Rückfall in die "Vor-Atatürk-Ära" erlebt sondern aus dem Iran kommen wird. Die Iraner rebellieren jetzt gegen die islamistische Diktatur und haben erlebt, was sie an Leiden und Rückständigkeit mit sich bringt. Das iranische Volk bezahlt dafür seit Jahren einen hohen, blutigen Zoll. Das sollten die Gutmenschen nicht vergessen, die die Schweiz jetzt anprangern.
Ist das, was die Schweizer getan haben, „Populismus“ ? Ist es nicht eher ein Ausdruck der Volkssouveränität? "Populismus" ist eine bequeme Wortneuschöpfung für "Faschismus" und "Nazismus", für "Rechtsradikalismus". Das Schweizer Votum zeugt nicht von "Irrationalismus" und von "Urängsten" sondern von sachlicher und überlegter Beobachtung unserer Umwelt. Unsere Demokratie sollte sich hüten, den Graben zwischen ihren politischen und intellektuellen Eliten und dem Volkswillen noch mehr zu vertiefen. In manchen europäischen Staaten, wie z. B. in Dänemark, werden Volksabstimmungen auf die Tagesordnung gesetzt werden. Auch die neue europäische Verfassung lässt die Volksabstimmung zu. Das Schweizer Votum kann weitreichende Folgen haben. Für viele, die keineswegs rechtsaussen stehen, geht es einfach um die Erhaltung der Seele Europas. (JPP)

 

 

 

● Gaddafi und die Schweiz


Die Schweiz sei ein Staat der Ungläubigen, in dem Moscheen zerstört würden, hat Muammar al-Gaddafi in Bengasi erklärt. "Jeder Muslim in der Welt, der mit der Schweiz zusammenarbeitet, ist ein Abtrünniger und gegen (den Propheten) Mohammed, Gott und den Koran", sagte der Staatschef. "Die Massen der Muslime müssen zu allen Flughäfen in der Islamischen Welt strömen und jedes Schweizer Flugzeug an der Landung hindern, sie müssen zu allen Häfen gehen, und jedes Schweizer Schiff am Anlegen hindern, sie müssen alle Geschäfte und Märkte durchforsten, um den Verkauf irgendeines Schweizer Produkts zu stoppen", sagte Gaddafi. "Lasst uns kämpfen gegen die Schweiz, den Zionismus und ausländische Aggression", so Gaddafi weiter. Der Kampf gegen die Schweiz müsse mit allen Mitteln geführt werden.
Gaddafi nahm das Bauverbot für Minarette in der Schweiz in Anspruch, um seine Attacke auf die Helveten zur führen. Dabei handelt es sich um eine persönliche Rache. Die Schweizer Regierung wollte zu dem Aufruf Gaddafis nicht Stellung beziehen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten sind seit 2008 abgebrochen. Hintergrund des Streits ist die sogenannte Hannibal-Affäre. Die Polizei in Genf hatte 2008 Hannibal al-Gaddafi, einen Sohn von Staatschef Muammar al-Gaddafi, wegen angeblicher Misshandlung von Hausangestellten vorübergehend festgenommen. Daraufhin hatte Libyen zwei Schweizer Geschäftsleute verhaftet. Im Gegenzug setzte die Schweiz prominente Libyer auf die Liste unerwünschter Personen. Beunruhigend ist, dass Italien sich zum Fürsprecher Gaddafis in der EU profilierte.
Gaddafi hat mit Vergeltung reagiert und verweigert nun den EU-Bürgern die Einreise nach Libyen. Vor allem Italien, das sehr gute politische und wirtschaftliche Kontakte zu Libyen pflegt, ist verärgert über die Schweiz. Der italienische Innenminister Roberto Maroni kritisierte beim Treffen der EU-Innenminister in Brüssel Ende Februar, dass die Schweiz mit ihrem verhängten Einreiseverbote für 188 Libyer die Zukunft des Schengen-Raums aufs Spiel setze. Hintergrund ist, dass den Personen auf der "schwarzen Liste" nicht nur die Einreise in die Schweiz, sondern in das ganze grenzkontrollfreie Schengen-Gebiet von 25 Staaten verweigert wird. Wer auf dieser Liste steht, erhält von keinem anderen Schengen-Land ein Einreisevisum.
 

 

 

● Der Name Gottes

1. Ausgangspunkt

Blaise Pascal ruft angesichts seines Bekehrungserlebnisses Gott an: Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jacobs!  In dem Choral Lobe den Herrn, meine Seele… (Herrnschmidt 1714) lautet die 3. Strophe  Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jacobs ist. Christen  bekennen also anscheinend denselben Gott wie die Juden. Der Gott Jacobs war  auch der Gott Mohammeds, den er anstelle der Stammesgötzen als  den einzigen   Gott erkannte.  Damit haben wir also auch denselben Gott wie der Islam. Der  Gott Jacobs   heißt  Jahwe.

Jahwe scheint freilich in der christlichen Kirche niemals angerufen worden zu sein. Wir sagen Jehova.  Crasselius  dichtete in seinem Choral (1695): Dir , dir Jehova, will ich singen, denn wo ist wohl ein  solcher Gott wie du? Jehova ist die sprachliche Form von JHWH,  welche durch die Vokalisierung der hebräischen Schreibweise entsteht.  Aber  auch von Jehova spricht man in der Kirche kaum noch. Die  erste Zeile des genannten,  sonst unveränderten Chorals wurde daher  modern angepasst und lautet jetzt: Dir, dir du Höchster…( EG 328).   Ist das ein anderer,  minder jüdischer, dafür christlicherer   Gott als früher?  War es damals ein falscher, heute ein richtiger Name für den Herrn der Heerscharen– oder umgekehrt?

Eine deutschsprachige islamische Gemeinde würde zwar  das Wort Gott verwenden, nicht aber dem  obigen Vers von Herrnschmidt beistimmen. Eine christliche Gemeinde arabischer Sprache  setzte sich sogar dem Vorwurf der Lästerung aus, wenn sie von dem Dreieinigen Allah, Vater Sohn und heiligem Geist  spräche. Die Frage nach dem richtigen  Namen Gottes gerät, insbesondere im Verhältnis zum  Islam, aus dem Bereich der Mystik in den der handfesten kulturpolitischen Auseinandersetzung. Folgende Ausführungen  sollen helfen, das Terrain des, wie   zu erwarten heftigen,  Aufeinandertreffens etwas zu erkunden. 

2. Überblick

Es wäre sehr lohnend, aus möglichst vielen Sprachen herauszuarbeiten,  was wir Menschen von dem höchsten Wesen denken.   Dazu  kann  etymologische  Ableitung des Gottesnamens  bzw. des Wortes für Gott beitragen.  Das könnte dem Muster folgender Übersicht geschehen.

Gott, god, gud auf Deutsch und in den germanische Sprachen: die Etymologische Ableitung ist unklar; vielleicht von  ursprachlich   ghau = anrufen; daraus  Partizip ghau-to = der Angerufene. (Q: Pfeifer, W.  dtv, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen) ;

Deus auf Latein hat mit divus;  dives= reich; divitiae = Reichtümer zu tun ; dio, dios, dieu in den romanischen Sprachen  (Frz, It, Span, Port) ist ganz klar eine Ableitung von lat. Deus, aber ursprachlich hängt es möglicherweise mit dem Indischen deva (weibliche Gottheiten) ;

Auf Rumänisch dumnezeu (Gott) kommt offenbar aus:   dominus Zeus;

Das Griechische theos kommt nach Plato von theo = schauen; Göttervater Zeus hat mit tithemi= stellen, setzen, gründen zu tun; Zeus ist offenbar mit „theos – deus“  verwandt;

Im Slawischen (Russ. u.a.) heißt Gott „bog“, das Wort ist verwandt mit bogatyj = reich; vgl. auch lateinisch: divus – divitiae = Reichtum ;

Auf Semitisch (Arabisch, Hebräisch) El;  ilah bedeutet Herr; erwähnenstwert ist der Einheitsartikel al im Arabischen:  al –ilah = der;

Auf Chinesisch ist Gott shang di: shang = hoch; di (Verwandtschaft mit indogermanisch di?) =  hoch, gewaltig, zusammen also:  svw. wie „Hochgewaltiges Wesen“;  daher auch Kaiser. Di guo = (hoch – Staat) = Imperium.

Göttin=  shen ; aber es gibt auch die Bedeutung Spuk- und Geisterwesen.

Die katholische abendländische Kirche sprach Latein. Auf diesem sprachlichen Hintergrund fällt die Merkwürdigkeit fast nicht auf,  dass die katholische Kirche und die romanischen Sprachen  den  lateinischen heidnischen   Gottesnamen benutzen. deus und seine Umformungen in den romanischen Sprachen;  im Rumänischen  ganz unverhüllt als ehemals dominus zeus.  Der   Micul Catehism ( = Kleine Katechismus) der rumänischen orthodoxen Kirche von 2005,  beginnt: Credinta este legatura directa dintre  Dumnezeu si …. Es wäre es der Mühe wert, aus der Sprachgeschichte dem Gottesverständnis nachzugehen.  Gott ist der, der große und gewaltige, der Schöpfer und Beherrscher des Alls: dives oder, wie im Slawischen, bogatyi.  Augustinus ( 354 – 430) schwelgt in Worten aus diesem Bedeutungsfeld:  Summe, optime, potentissime, omnipotentissime - höchster, bester, mächtigster, allerallmächtigster.. usw. In seinen Selbstgesprächen geht es wie folgt: Deus universitatis conditor, deus veritatis – deus sapientiae- deus vitae – beatitudo – bonum et pulchrum - Gott Schöpfer des Weltganzen, Gott der Wahrheit – Gott des Lebens – der Glückseligkeit - des Guten und Schönen usw. Die Orthodoxe Kirche scheint  überhaupt nur die Kraft- und Machtseite  Gottes zu kennen. Gott ist hier der Allmächtige und der ihm wesensgleiche Christus der Pantokrator, Allherrscher.

Luther hat die obige etymologische Herleitung des  Wortes Gott gewiss nicht gekannt. Es ist daher auffällig,  wenn  er im Großen Katechismus Gott in genau diesem Sinne  beschreibt, nämlich als den, den  man anruft:  Ein Gott heißet das, wozu man sich versehen soll alles Guten und Zuflucht haben in allen Nöten. Das Augsburger Bekenntnis formuliert umfassender, aber ähnlich:  Zuerst wird einträchtig laut Beschluss des Konzils von Nizäa gelehrt und festgehalten, dass ein einziges göttliches Wesen sei, das Gott genannt ist...... ..unendlich von unermesslicher Macht, Weisheit und Güte, ein Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge.

Das  semitische Gottesbild begegnet erstmals in den mesopotamischen Großreichen. Gewaltig und von keinen Beschränkungen wissend, ist der Herrscher der vier Erdteile, und sein Gott ist dann noch viel unumschränkter. Gott interessiert sich aber nicht für die weite Welt, seine Funktion als Weltschöpfer scheint zurückzutreten hinter seiner Aufgabe, seinem  Volk ein mächtiger helfender  König zu sein. Er ist  im henotheistischen Sinne, der König der Stadt, des Staates, des Imperiums. Die Gleichsetzung von Gott und Staat scheint eine Besonderheit  dieser  Gottesvorstellungen zu sein.

In China fällt seit jeher die Gottesferne  nicht  Gottesleugnung,  auf,  die  höfliche Distanz des Menschen vor dem ganz Hohen. Der irdische Kaiser ist der Himmelssohn. Das schon in grauer Vorzeit Millionenvolk der Chinesen erstirbt in Ehrfurcht vor diesem einzigen Menschen, der sich aus der gesichtslosen Masse der Millionen herausragt. Kaiser und Gott sind  fast dasselbe. 

3. Die  vielen Namen Gottes

Der  herkömmliche Gegensatz zwischen Polytheismus und Monotheismus  scheint sich immer mehr aufzulösen. Gab es jemals einen wirklichen Polytheismus, jemals einen wirklichen Monotheismus? Das Göttliche  erscheint in allen Religionen unter mehreren Namen und Funktionen. Der  Hauptunterschied der Religionen scheint darin zu liegen, ob und wie Gottesnamen verschiedene  Funktionen des Göttlichen bezeichnen oder ob sie, wie in der indischen und griechischen Religion, in göttlichen Personen ausgebildet werden.  Die Überschneidungen und Übergänge  beider Formen werden für die älteste uns deutbare,   die   altägyptische Religion  von E. Hornung heraus gearbeitet. 

Der wahre unter den mehreren  Namen  Gottes ist auch den Juden unbekannt.  Das AT kennt mehrere, welche  verschiedene Funktionen Gottes umschreiben. Jahwe/ JHWH bezeichnete  Gott in seiner lebenden Zuwendung zum Menschen; Elohim sollte seine Gerechtigkeit ausdrücken; der Herr  Zeba'oth (Gott bzw. Herr „der Heerscharen“) ist der kriegsmächtige Herr; als El schaddaj bestraft Gott das Böse.  Es wird aber bestritten, es seien hier unterschiedliche Götter gemeint. Ähnlich im Islam. Hier werden um den abstrakten Namen Gott (= Allah) zusätzlich 99 Ehrennamen gelegt. Man sieht in islamischen Ländern  oft aufwendigen Kalligraphien, in denen diese 1 + 99 Namen Gottes  aufgeschrieben sind. Sind nicht die Heiligen der  Kirche mit ihren bestimmte Zuständigkeiten  (vgl. die 14 Nothelfer)  etwas so ganz Verschiedenes?

Die heutigen Glaubensformen im Christentum, aber vermutlich auch in anderen Großreligionen, laufen offenbar auf eine schrittweise Kompetenzverkürzung des Göttlichen hinaus. Es gibt offenbar nur wenige Gottesleugner, aber anscheinend immer mehr Menschen, die Gott als eine Art weltentrücktes  Fatum verstehen.  Es entwickelt sich ein steriler Monotheismus, ein Glaube an Gott, der dem Glauben an die Allgewalt der Naturgesetze immer ähnlicher wird. Bonhoeffer sagt aber: Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

4. Dreifaltigkeit

Das christliche Trinitätsdogma  erweist sich als Kompromiss zwischen der  Vielgötterei und  einem sterilen  Monotheismus. Gott ist nicht drei, wie der Islam polemisch sagt, Gott ist einer, aber hat drei Namen, unter welchen wir sein Wirken in der Welt sehen und suchen sollen. Vielleicht hat Gott wie im Islam auch im Christentum 100, oder  so viel, wie es Heilige gibt. Vielleicht aber hat Gott  so viele Namen, wie es über die Weltzeit in allen Ausprägungen des  Glaubens Gläubige gab, gibt und geben wird. Will Gott doch allen Menschen gerecht werden. So mein es Goethe in seinem oft zitierten Strophe aus dem West-Östlichen Divan:

Er, der einzige Gerechte,

will für jeden nur das Rechte.

Sei von seinen hundert Namen,

dieser hoch gelobet.   Amen.

                                                                                                                                                            Dr. M. Aden

 

 

Der Papst will Luther rehabilitieren

Der Papst Benedikt XVI. will nach Informationen der Londoner « Times » den Reformator Martin Luther (1483- 1546) rehabilitieren. Im September 2008 wird er erklären, dass Luther, der vom Papst Leo X. (1475-1521) im Jahr 1520 exkommuniziert wurde, kein Irrlehrer gewesen sei. Er habe die Kirche nicht spalten, sondern lediglich von korrupten Praktiken reinigen wollen. Der Bericht der Online-Ausgabe der „Times“ beruft sich aus Vatikan-Quellen. Zu diesem Zweck wird der Papst im Sommer rund 40 Theologen in der Residenz Castel Gondolfo sammeln, um darüber zu diskutieren. Die Initiative hat der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper. Nach dessen Ansicht wird das zur Forderung des Dialogs zwischen Katholiken und Protestanten beitragen. Ferner könnte es ein Gegengewicht zu Vatikan-Dokumenten bilden, die den evangelischen Kirchen einen gleichberechtigten Status verwehren und sie nur las „kirchliche Gemeinschaften“ betrachten.  „Wir können wir von Luther lernen, sagt Kasper, beginnend mit der Bedeutung, die er dem Wort Gottes zumaß“. Luthers Reformen hätten vor 500 Jahren den päpstlichen Zorn erregt, könnten heute aber als vorausschauende Aspekte von Reformen betrachtet werden, die die Kirche im Laufe der Zeit angenommen habe. Luther hatte das Papsttum herausgefordert, indem er in seinen 95 Thesen von 1517 die Ablasspraxis scharf kritisierte und die Bibel als einzige Quelle christlicher Autorität erklärte. Er machte sie durch seine Übersetzung ins Deutsche der breiten Bevölkerung zugänglich. Es liegt auf der Hand, dass nur ein deutscher Papst diesen Schritt vollziehen kann. Benedikt XVI. wird dieses wichtige Signal der Nachwelt hinterlassen.

 

 

Keine Scharia in Deutschland

Kritik am Vorschlag des geistlichen Oberhaupts der Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams, Teile des islamischen Religionsgesetzes, der Scharia, in Großbritannien gelten zu lassen, hat der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, geübt. „Es ist ein falscher Ansatz von einem doppelten Recht auszugehen und sich davon Integration zu erhoffen“, sagte er. Zwar müsse man die Frage stellen, inwieweit kulturelle Besonderheiten innerhalb des Rechtssystems einen legitimen Ort haben könnten. „Aber man muss gerade darauf aus sein, dass es in einem Land ein Recht gibt“. Williams hatte sich dafür ausgesprochen, die Scharia als Alternative in Teilen des Zivilrechts anzuerkennen. Als ein Beispiel nannte er das Familienrecht. Extreme strafrechtliche Anwendungen – also etwa Hände abhacken für Diebstahl, Steinigung für Ehebruch oder die Todesstrafe wegen des Religionswechsels von Muslimen – hält Williams jedoch für ausgeschlossen.

 

Der Heilsbringer  

Friedenssehnsucht

Die Geburtsgeschichte Jesu nach dem Evangelisten Lukas zeigt deutliche Ähnlichkeiten mit der 4. Ekloge des römischen Dichters Vergil. Lukas war nicht jüdischer Herkunft, Griechisch war seine Muttersprache, und er war offenbar im Besitz des griechisch–römischen Bildungswissens seiner Zeit. Vergil (70 - 19 v. Chr.) galt zur Zeit des Lukas als eine Art römischer Nationaldichter. Man wird es nicht förmlich beweisen können, aber es ist wahrscheinlich, dass Lukas die 4. Ekloge Vergils gekannt hat. Diese war um 40 v. Chr. entstanden. Seine literarische Einordnung ist umstritten. Vielleicht ist es nur ein Gelegenheitsgedicht für einen Freund auf die Geburt von dessen Sohn. Wahrscheinlicher ist, dass Vergil im Osten des Reiches das weit verbreitete Bild der Jungfrauengeburt und des erwarteten Welterlösers kennen gelernt hatte und auf Caesar (gest. 44 v. Chr. ) oder, wohl eher, auf Kaiser Augustus (31 - 14 n. Christus). In diesem Gedicht verbinden sich messianische Erwartungen orientalischen Ursprungs mit einer tiefen Sehnsucht nach Frieden. Seit über hundert Jahren hatten äußere und innere Kriege die Welt bewegt. Nun hatte Augustus die Tore des dem Kriegsgottes Mars geweihten Tempels geschlossen. Die hier entscheidenden Stellen des Gedichtes lauten (ÜvV):

Schon hat die letzte Epoche, wie lange verheißen, begonnen, groß und vom Grunde erneuert tritt der Äon hervor. Siehe, die Jungfrau ist da! 1[1]Es kommt das Alte zurück, und vom Himmel gesandt, wächst ein neues Geschlecht. Uns wird ein Sohn bald geboren, der wird das Alte beenden, und in Herrlichkeit wird Menschheit und Welt neu erstehn. Göttlichen Wesens er selbst, wird er mit Heroen und Göttern wie unter Gleichen verkehren, als einer von ihnen verehrt, denn die befriedete Welt regiert er mit Recht wie vor alters... Anfangs freilich noch wird die Erde nur kleine Geschenke Dir, o göttlicher Sohn, aus Blumen und Efeu verehren, üppig winden sich Ranken und Blüten, dich zu erfreun. Aber schon geht ohne Furcht die Ziege zum Melken nach Hause, und den gewaltigen Leu fürchtet nimmer das Rind. Aus deiner Wiege erwachsen Blumen und schmeichelndes Laub. Tot ist die Schlange, und auch die Gifte der giftigen Kräuter wachsen nicht mehr, und es wird Balsam nur allumher blühn. Komm doch, Kind, komme bald. Mit Lachen grüße die Mutter, die schon lange, zu lang, zehn volle Monde dich trug. Komm erwarteter Sohn, die Eltern warten mit Freuden. Also bist du gewiss den Menschen und Göttern erwünscht

Christliche Deutung

Die Renaissance sah dieses Gedicht als eine Vorausweisung auf Jesu Geburt. Aus diesem Grunde galt Vergil im Mittelalter als eine Art „Ehrenchrist,“ was ihn zu seiner besonderen Stellung in Dantes Comoedia geeignet machte. Vielleicht sah Lukas das ebenso und erkannte, dass der nun in Jesus erschienene Weltheiland nicht nur von den Juden, sondern auch von den Nichtjuden erwartet worden war. Wenn Lukas seinen Lesern die Bedeutung Jesu sinnfällig machen wollte, lag es nahe, dass er auf deren Bildungswissen aufsetzte. Der jüdische Begriff Messias war und außerhalb Israels unbekannt. In diesem Gedicht aber konnte Jesus diesen Christen als der Weltheiland gezeigt werden, den Vergil schon, aus der Zeit des Lukas gerechnet, 100 Jahre zuvor angekündigt hatte. Die Weihnachtsgeschichte des Lukas wirkt so, als ob sie diesem Gedicht nachgeschrieben worden wäre.

Heute

Auch wir haben wie Rom zur Zeit des Augustus über hundert Jahre Krieg hinter uns. Die Hoffnung auf Frieden, auf einen Erlöser von allem, was uns ängstet und beschwert, von Krieg und wirtschaftlichem Ungemach, flackert immer wieder auf. Die überraschende und beängstigende Wiederauferstehung Stalins in Russland steht daher eigentlich in einer Linie mit der irrationalen Begeisterung der weißen Europäer über die Wahl von Obama in den USA, und der verängstigten Zuversicht von Sozialisten, der Staat werde die derzeitige Finanzkrise meistern. Je undurchschaubarer die Strukturen und Abläufe, desto eher ist man bereit, hinter dem Schleier das Rettende zu glauben. Die Europäische Union mit ihren undurchschaubaren Strukturen scheint für viele eine solche transzendente Instanz geworden, ein Heilsbringer. Ihr Vertrauen wir unser Bedürfnis nach Sicherheit und Wohlstand an, und wollen daher gar nicht so genau wissen, wie sie funktioniert und was im Vertrag von Lissabon steht.

Die Geschichte Roms ging aber trotz eines momentanen Friedens weiter. Die Geburt Jesu war, so die Meinung vieler Historiker, der Beginn des Endes des Friedens. Ab Augustus ging das bis dahin aggressive Römische Reich in den Verteidigungszustand über und erlag schließlich. Ob es uns, als Teil der bis vor kurzem aggressiven weißen Rasse sehr viel anders gehen wird? Die Botschaft Gottes an die Menschen zu Weihnachten ist: Es gibt keinen Ausruhfrieden auf der Welt. Er muss täglich neu durch Wachsamkeit errungen werden.

Aber wir machen es uns lieber noch etwas bequem. Für uns wird es schon noch reichen. Kinder, für die wir sorgen müssten, haben wir ja keine.

                                                                                                                                                                               Menno Aden

[1] Die Jungfrau meint die keusche Göttin Asträa, welche als letzte Göttin die Erde verließ, wodurch das Goldene Zeitalter endete, vgl. Ovid Metamorphosen, Buch I. 162: Victa iacet pietas, et Virgo caede madentes/ Ultima coelestum terras Astraea. Jetzt kehrt sie zurück und kann vielleicht als Mutter des göttlichen Knaben angesehen werden, mit welchem das neue Zeitalter anhebt.

 

 

 

Der Vatikan nennt neue Sünden

Der Vatikan hat seine Liste der Todessünden modernisiert bzw. aktualisiert. Das Register stammte noch aus dem Mittelalter. Wo einst Geiz, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei und Trägheit die Sünden-Liste anführten, steht nunmehr Drogenhandel, Drogenkonsum, Geldverschwendung und Missbrauch von Kindern.

 

 

Christlicher Glaube ist für die Moslems Häresie

In seinem bemerkenswerten und dokumentierten Beitrag über die Beziehungen zur Türkei ( hier oben unter „Europa“ ) stellt Jürgen Liminski die Frage, ob die (Christ-) Demokraten und einfach die Christen in Europa noch wissen, was sie vom Islam unterscheidet? Der Islam, meint er, weiß nichts von der Freiheit der Kinder Gottes, von der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott, von der persönlichen Liebe Gottes zu den Menschen, von der Menschwerdung Gottes aus Liebe zu den Menschen, von der Freiheit als „Maß für die Würde und die Größe des Menschen“ (Johannes Paul II vor der UNO), von der Dreifaltigkeit als Einheit in der Vielfalt und als Prinzip der Liebe. All das ist für den frommen Muslim schlicht Häresie.

 

 

Glaube macht glücklicher

Religiöse Menschen führen im Allgemeinen ein zufriedeneres und glücklicheres Leben als ihre ungläubigen Zeitgenossen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung im Auftrag der britischen Königlichen Ökonomischen Gesellschaft. Danach leiden Fromme beispielsweise weniger, wenn sie arbeitslos werden. Allerdings legen sie sich bei der Arbeitsplatzsuche weniger ins Zeug. Eine Scheidung können sie ebenfalls besser verkraften. Der Glaube wirke wie eine Versicherung gegen persönliche Katastrophen.

 

 

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