Ein wichtiger Tipp: Was tun, wenn Ihr Handy gestohlen wird? Dem französischen Staatssekretär Roger Karoutchi ist das Handy in der Pariser U-Bahn am 3. August gestohlen worden. Darin war die Telefon-Nummer des Staatspräsidenten Sarkozy. Der Server soll die Pin-Code gleich deaktiviert haben. Jedes Handy hat eine (interne) Serien-Nummer. Durch Kenntnis (und ggfs. Weitergabe) dieser Nummer kann man das Gerät  - im Falle des Verlustes oder Diebstahls -  absolut Nutzlos machen lassen.  Um diese Nummer herauszubekommen, drücken Sie folgende Tasten auf Ihrem Handy:  * # 06 #   Notieren Sie die sodann erscheinende Nummer.  Im Falle eines Verlustes oder Diebstahls teilen Sie diese Nummer sofort Ihrem "Provider" (z.B. Vodaphone, Mobilcom, Telekom, usw.) mit. Er kann Ihr Gerät dann für immer "unschädlich" (untauglich) machen/schalten.  EIN WERTVOLLER HINWEIS....für den Fall.  Möge er nicht eintreten!  

 

 

 

 

▪ Top Events

 

Freude über die ersten freien Wahlen in der Geschichte ihres Landes währte für viele westlich gesinnte Tunesier nur kurz. Im nordafrikanischen Mittelmeerland zeichnete sich nach der Wahl für die verfassungsgebende Versammlung am 23. Oktober ein deutlicher Wahlsieg der islamistischen Ennahdha-Bewegung des 70-jährigen Rachid Ghannouchi ab. Im fortschrittlichsten arabischen Staat fürchtet nun der liberale, westlich orientierte Bevölkerungsteil einen für ihn dramatischen Wandel des Landes - bis hin zu Kopftuchzwang, Alkoholverbot und getrennten Stränden für Männer und Frauen. Da der Tourismus 7 Prozent des tunesichen BIP ausmacht, wäre es ein sehr schädlich, sollten Europäische Touristen nicht mehr kommen. Seit der Rebellion im Januar 2011 stagniert das Wirtschaftswachstum bei Null.Im Wahlkampf verkaufte sich die Ennahdha-Bewegung als moderne Partei nach dem Vorbild der türkischen AKP. Angesichts der Entwicklung in der Türkei ist das eigentlich gar nicht beruhigend. Niemand werde an den Freiheits- und Bürgerrechten rütteln, sagte Ghannouchi. Wenn er die Scharia als das Recht betrachtet, dann spricht er die Wahrheit. Die Ennahda hat Zeit. Sie spricht doppelzüngig, hat ein Doppelgesicht und sie versucht zur Zeit zu beruhigen. So schlug sie sofort nach der Wahl den beiden laizistischen, linken Parteien PDP (Partei des Volkes) und Ettakol eine grosse Koalition in der Versammlung, wo ihr das tunesische Verhältniswahlrecht sowieso nur ca. 60 der 217 Sitzen geben wird. Dennoch hat sie das Heft, bzw. den Koran, in der Hand. Auf Veranstaltungen der Partei von Ghannouchi saßen Männer und Frauen meist getrennt. "Dafür haben wir nicht die Revolution gemacht", kommentiert eine junge Frau aus Tunis. Die Gefahr in der Tat, dass die Tunesier vom Regen in die Traufe fallen, ist durchaus gegeben. Der im Januar gestürzte Herrscher Zine al-Abibine Ben Ali sei ein korrupter Verrückter gewesen, sagte diese Tunesierin, als Frau habe sie aber damals wenigstens sitzen können, wo sie wolle. Stark ist die Ennahdha vor allem in den ungebildeten sozial schwachen Stadtteilen und in den ländlichen Gebieten.  Ennahdha bedeutet "Renaissance" also "Wiedergeburt", mit anderen Worten Auferstehung und Fortschritt, aber sie vertritt eine mittelalterliche Moral mit den entsprechenden Verhaltensregeln und Sitten. Manche werfen der Partei vor, mit illegalen Spendengeldern aus anderen arabischen Ländern auf Wählerjagd gegangen zu sein. Sie war sofort da, sofort organisiert, ihre Mitkämper bearbeiteten die Wähler "Zenga, Zenga", d. h. Haus nach Haus. Die noch unpolitischen Menschen haben für die Leute gestimmt, die sie infolgedessen persönlich kannten, da die Vielzahl der anderen Parteien für sie verwirrend war. Und diese Leute sprachen für Allah und Allah lügt nicht. "Es sind zahlreiche Gerüchte über Stimmenkäufe im Umlauf", sagt EU-Wahlbeobachter Michael Gahler. "Wir haben bislang aber noch keinen einzigen nachgewiesenen Fall gehabt." Es gibt Gerüchte, wonach Libyen die Scharia übernehmen wird. Wer sprach von einem „arabischen Frühling“? Das sieht alles eher nach Winter aus. Europa muss sehr wachsam bleiben. Ein neuer Iran vor seinen Toren wäre eine grosse Gefahr, zumal  von der Übernahme der Scharia in Libyen die Rede ist und in Ägypten die Moslembrüder auch die stärkste Gruppe sind.

 

In diesem Zusammenhang: Einen Tag nach dem Rücktritt des CSU-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister hatte der Nachfolger festgestanden: Das Ressort übernahm der bisherige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), ihm folgte als Innenminister der CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. Die CSU hatte das Vorschlagsrecht für das Verteidigungsministerium aber Friedrich hatte aus familiären Gründen das Bundesinnenministerium vorgezogen. Sehr schnell zeigte Friedrich, was eine Harke ist, indem er sich von der Erklärung des Bundespräsidenten Christian Wulff distanzierte, und zwar, dass "der Islam zu Deutschland gehört". Dass nichts in der deutschen Geschichte diese Auffassung stützt, liegt auf der Hand, hob der Minister hervor. Friedrich sprach Klartext. (vgl. unser Artikel über den Rücktritt von Guttenberg in der Rubrik Deutschland-Frankreich).

 

 → Extra-Schwimmbäder für die Muslimas? Vor Monaten hatte die Pariser Tageszeitung « Le Monde » offenbart, dass Guy Malandrain, der sozialistische Bürgermeister von Trappes, einer Gemeinde östlich von Paris, mit der aktiven Unterstützung der Union der Moslems seiner Stadt, wo der Islam 25 Prozent der Bevölkerung umfasst, gewählt worden ist. Mit ihren Stimmen ist es ihm gelungen, den ehemaligen kommunistischen Bürgermeister, dessen Stellvertreter er war, auszuschalten. Seinen Unterstützern hatte er allerdings versprochen, dass sie ein mit einem Zuschuss versehenes Grundstück der Gemeinde erhalten, um eine der größten Moscheen Frankreichs und einen Helal-Schlachthof zu bauen. Sie bekommen auch ein moslemisches Areal auf dem Gemeindefriedhof und ein Sonderschwimmbad für moslemische Frauen, damit sie sich nicht mit dem Wasser besudeln, das ein Mann oder ein Ungläubiger verunreinigt hat. In vielen Städten Frankreichs waren im letzten Dezember von den weihnachtlichen Postkarten die Worte „Frohes Weihnachtsfest“ verschwunden. Es durfte nur noch „Frohe Festtage“ heißen. Bloß nicht mit demonstrativen christlichen Bräuchen die Moslems kränken! Die Moslems sind in Frankreich eine aktive Minderheit, die weiß, was sie will, und bereits stark genug ist, um Einfluss auf die Politik zu nehmen und ihre Präsenz auf Kosten der französischen Steuerzahler auszubauen. Die Sarkozy-Regierung hat einen Feldzug unternommen, um dagegen zu reagieren. Er hatte einen Namen: das Streben nach nationaler Identität.  Aber er stiess auf den geballten Widerstand von Politikern, die ein Auge auf die Stimmen der Moslems geworfen haben. Es ahlf nicht, dass Jean-François Copé, der Chef der Regierungspartei UMP, diesem Feldzug einen neuen Namen gab: die Debatte um die Laizität, d. h. die Trennung von Religion und Politik. In diesem Rahmen müssten auch die getrennten Schwimmbäder und Sporthallen für moslemische Mädchen verboten werden.

 

Am 1. November 2003 trat Jean-Claude Trichet als Nachfolger von Wim Duisenberg das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentral Bank an. Zuvor leitete er die französische Zentralbank. In dieser Tätigkeit senkte Trichet entschieden die Inflationsrate Frankreichs, forcierte Privatisierungen und war maßgeblich an der Vorbereitung der Euro-Einführung im Zuge der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion beteiligt. Trichet hat in der Krise einiger Eurostaaten entschieden, durch die EZB Staatsanleihen Griechenlands, Spaniens und Italiens anzukaufen. Das Europa des 21. Jahrhunderts besteht für ihn nicht in einer Rückkehr zur Kleinstaaterei, sondern im klaren Bekenntnis zur Europäischen Vereinigung. Im Juni 2011 schlug Trichet im Rahmen der Diskussion über die Staatsschuldenkrise im Euroraum die Bildung eines europäischen Finanzministeriums vor. Jean-Claude Trichet schied am 30. Oktober nach acht Jahren als Präsident der EZB aus. Sein Nachfolger wird der italienische Wirtschafts- und Finanzpolitiker Mario Draghi. Trichet hatte den Wert des Euros, deutschen Wünschen entsprechend, eisern verteidigt. Er hat aber Staatsschuldscheine maroder EU-Staaten gekauft und hat damit die Eurozone gerettet. 

 

 → Scharlatane hatten schon angefangen, Zweifel am Tod von Osama Bin Laden zu streuen. Aber Washington musste keine geschmacklosen Bilder seiner Leiche veröffentlichen. Die afghanischen Taliban schworen gleich, ihn zu rächen: das bestätigte seinen Tod. Inzwischen hat Al-Qaida selbst den Tod ihres Führers zugegeben und ebenfalls geschworen, ihn an allen Regierungen zu rächen, die sich darüber gefreut haben. Hauptzielscheibe ist der Präsident der Vereinigten Staaten. Bisher haben leider sehr viele unschuldige Pakistani dafür mit dem Leben bezahlt, denn die islamistischen Bomben töten alle. Verbissene Islamisten versuchen in verschiedenen Staaten, insbesondere in Pakistan, ihre Anhänger aufzuputschen, aber der Tod des legendären Häuptlings  wird viele werdende Terroristen demotivieren. Freilich, der Terrorismus an sich wird weiter bestehen. Er könnte sogar eine Weile stärker wüten, da terroristische Gruppen im eigenen Saft schmoren und sich von der öffentlichen Meinung abgehängt haben. Die Taten stammen oft, wie beim blutigen Anschlag im Marrakesch Ende April 2011 der Fall war, von einzelnen. Aber der fundamentalistische Messias ist kläglich gestorben, von hartnäckigen, zielstrebigen und schweigsamen Gegnern abgeschossen. Wir werden nie den Soldaten kennen, der ihm eine Kugel in den Kopf gejagt hat. Selbst der amerikanischen Präsident, der das Kommando von "Seals" ausgezeichnet hat, die die Operation durchgeführt haben, darf seinen Namen nicht erfahren. Dieser Mann hat jedenfalls der Menschheit einen ungeheuren Dienst erwiesen. Nach dem Verlust des einigenden Symbols wird die terroristische Szene auseinanderbrechen. Ihre Verzweigungen können der Reihe nach abgeschnitten werden. Nebenschlachtfeld: Sind die Kritiken aus Christen- und Juristenkreisen an der Äusserung von Frau Merkel, die Ihre "Freude" zum Ausdruck gebracht hatte, gerechtfertigt? Theologisch sind sie vielleicht begründbar, aber es steckt in ihnen ein Stück Heuchelei. Alle friedliebenden Menschen haben sich über den Tod Bin Ladens gefreut. Wie man sich über den Tod Hitlers, den Tod von Stalin, den Tod von Pol Pot und anderer Massenmörder gefreut hatte.

 “Volksfeststimmung in Washington, jubelnde Menschen auf den Straßen, Euphorie in den Nachrichtenstudios: Nein, heute ist kein Heilmittel gegen AIDS gefunden worden, keines gegen Krebs und kein Rezept für den Weltfrieden. Die Euphorie galt dem Tod eines 54-jährigen Familienvaters. So lautete der Kommentar von Stephan Karkowski, Moderator in der Sendung ‘Politikum’ von WDR 5 am 2. Mai 2011 (ab 13:54). Der arme „Familienvater“ war Osama Bin Laden: der Mann hatte in der Tat 3 oder 4 Frauen und 9 Kinder. Man bewundere den entsetzlichen Propagandatrick dieses Kommentators, um die Amerikaner als Mörder und Bin Laden als ihr Opfer darzustellen! Das ist Goebbels Stil und Niveau, meint unser amerikanischer Kollege Don Jordan und wir geben ihm recht. Diese schockierende Darstellung des unrühmlichen Todes eines Massenmörders, der mindestens 30 000 Tote auf seinem Konto hatte, zeigt, in welcher Richtung der Wind in den deutschen elektronischen Medien weht.

Innenpolitik (Frankreich)

 

 → Carla Sarkozy-Bruni, die Frau des französischen Präsidenten,  erfreut sich einer größeren Beliebtheit in der Bevölkerung als ihr Mann: zwei Drittel der Franzosen haben eine gute Meinung von der Sängerin-Musikerin mit Top-Modell-Aussehen und sogar 68 Prozent meinen, dass sie Frankreich im Ausland gut vertritt. Sie gilt als typisch französisch, „eine Mischung von schick und Bohème, gute Kinderstube gepaart mit Künstlernonchalance“, wie Klaus Harprecht sie einmal qualifizierte. Neulich sagte sie einer Zeitschrift, dass die Politik nicht ihr Beruf sei. Es ist dennoch anzunehmen, dass sie eine Rolle im Wahlkampf 2012 spielen wird. Sie begleitet ihren Mann immer im Ausland und auf allen offiziellen Empfängen. Abgesehen davon, hat sie ihr zweites Baby am 21. Oktober bekommen, das vierte Kind und die erste Tocher von Nicolas Sarkozy. Das wird im geburtenstärksten Land Europas zur Popularität des Präsidentenpaares beitragen. Manche sagen, diese Geburt bringt ihm 5 Prozent mehr Stimmen. Es ist selbstverständlich eine sehr gewahte Voraussage. Auffällig ist allerdings, dass die glücklichen Eltern den Vornamen "Giulia" für die Klein gewählt haben. Ein typisch italienischer Vorname, aus der Heimat von Frau Sarkozy, aber die ehmalige Regierungschefin der Ukraine Julia Tymochenko war eine Woche davor rechtswidrig von einem unfreien Tribunal ihres Lande zu seiben Jahren Haft veruteilt worden und viele sehen in der Wahl dieses Vornamens eine politische Symbolik. Nicolas Sarkozy hatte mal Georgien vor der Vernichtung durch die russische Dampfwalze gerettet. Kurz vor der Geburt seines Kindes war er in Armenien. Die Ukraine ist davon gar nicht so weit entfernt und will nach Europa.  

 

 → Staatspräsident Sarkozy will zeigen, dass er den berühmten strategischen Weitblick hat. Darauf hat er beim G8 und beim G20 gesetzt, denen er in diesem Jahr vorsitzend wird. Der G20 ist ja auch von ihm geschaffen worden. Diese Strategie hat auch seine Politik gegenüber der NATO geprägt, als er 2009 Frankreich in die integrierte NATO-Befehlsstruktur zurückführte. Dieser Schritt wird als eine der wichtigsten Entscheidungen seiner fünfjährigen Amtszeit bleiben. Was wird aber die Bilanz sein? In der Außenpolitik wird sie bestimmt positiv sein. Von den Scherben in Sachen Nordafrika hat er sich losgelöst und Libyen mithilfe Englands zur Freiheit verholfen. Der französische Kampfflugzeug "Rafale" ist dank dieser Militäraktion ein Verkaufsschlager geworden. Sarkozy hat die Außenministerin Michèle Alliot-Marie geopfert, die mit einer Empfehlung an die Herrscher in Tunis und mit einer Weihnachtsreise auf deren Kosten den Volkszorn auf sich gezogen hatte. Der sehr kompetete und angesehene Alain Juppé hat ihr Amt übernommen und Sarkozy zur Libyen-Initiative bewegt. Die Sozialistin, Martine Aubry, monierte, dass Paris sich nicht sofort auf die Seite des Demokratenaufstandes in Tunesien und Ägypten gestellt hatte. Die Reaktionsfähigkeit des französischen Staatspräsidenten hat sich wie in Sachen Euro-Krise auch dort bewährt. Und die Sozialisten ? Hatten sich denn damals 1989 François Mitterrand und seine sozialistischen Berater auf die Seite der unblutigen Revolution in der DDR gestellt? Keineswegs. Der alternde linke Staatspräsident brauchte Monate, um zu begreifen, dass Deutschland wieder vereinigt werden musste. Dagegen hat Sarkozy sehr rasch, genau gesagt: in seiner Fernsehrede am 27. Februar, das Steuer herungerissen, indem er sich für Demokratie in Nordafrika eintrat, Zurückhaltung bei der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich forderte, seine "Union für das Mittelmeer" als die künftige Struktur zur Kooperation an allen Ufern des 'Mare Nostrum" empfahl, jedoch abermals vor der Gefahr der Islamisierung der arabischen Staaten warnte. Da muss tatsächlich Europa sehr aufmerksam bleiben. Demokratie und Freiheit sind eine sehr schöne, edle Sache, aber Demokratie verlangt Wohlstand. Die Freiheit muss finanzierbar sein. Davon ist Nordafrika noch weit entfernt. Schliesslich hat Sarkozy mit seiner Initiative zur militärischen Unterstützung der Rebellen in Libyen gegen den Autokraten Gaddafi und mit der Intervention der französischen Armee zugunsten des Moslems Uattara gegen den "christlichen" Diktator Gbagbo seine Popularität im arabisch-moslemishen Lager wieder hergestellt. Nun ist Sarkozy in Nordafrika zum Freund und Helfer geworden. (vgl. hier unten unter "Internationale Beziehungen" die Stellungnahme von Pierre Conze).

 

 → Der ehemalige französische Verteidigungsminister Hervé Morin, der inzwischen zum Präsidenten des Neuen Zentrums gekürt worden ist und sich überlegt, ob er 2012 bei der Präsidialwahl kandidieren wird (das scheint keine Wellen der Begeisterung unter den Franzosen auszulösen), hat einen Abend mit der Sozialfürsorge (der „Samu social“) verbracht, die die immer zahlreicheren Obdachlosen einsammelt. Es wurde nicht bekannt, ob er sich damit als Politiker mit menschlichem Gesicht profilieren wollte oder ob er sich auf sein künftiges Schicksal nach der (Ab)Wahl vorbereitete.

 

  Im Mai - Juni nach seiner Festnahme durch die New Yorker Polizei wollten 49 Prozent der Franzosen und 65 Prozent der Anhänger der Sozialistischen Partei Frankreichs, dass der damalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn für die Präsidentschaft 2012 wieder kandidiert. Nachdem die Klägerin in New York als Lügnerin und Gaunerin entlarvt worden ist, wurde die Anklage gegen den ehemaligen IWF-Chef fallen gelassen. Sein früheres Amt war inzwischen von der ehemaligen französischen Finanz- und Wirtschaftsministerin Christine Lagarde besetzt. Er wurde schliesslich, wenn auch nicht für unschuldig eklärt, immerhin freigesprochen und kehrte nach Paris zurück. Aber dann waren 80 Prozent der Franzosen und über 60 Prozent der Sozialisten dagegen, dass er bei den sozialistischen Vorwahlen kandidiert und sogar dafür, dass er bis dahin schweigt. Es ist klar geworden, dass der Fall Strauss-Kahn für die Linke Gift ist. Man versucht ihn mit allen Mitteln unter den Teppich zu kehren und es gelingt einigermassen.   In Truchtersheim (Niederrhein) im Elsass hat Sarkozy einen Versprecher gemacht. Er sagte: „Hier in Deutschland“, und hatte wohl das Gefühl, dass er auf der Ost-Seite des Rheins wäre. Kein Wunder: alles so sauber, so ordentlich, die Menschen so fleißig, kein Hundedreck auf den Trottoirs. Sicher haben’s die Elsässer als Kompliment empfunden…

→ Anlässlich der Trauerfeiern (früher Siegesfeiern) zum Andenken an den Waffenstillstand vom 11. November 1918 hatte im letzten Jahr der Staatspräsident Sarkozy auf der Strasse Champs-Elysées in Paris eine Erinnerungstafel eingeweiht, die an die Demonstration von 2.500 bis 3.000 französische Studenten, die am 11. November 1940 unter Lebensgefahr am Arc-de-Triomphe gegen die deutsche Besatzung demonstriert hatten. Diese Demonstration war spontan gewesen. Die Studenten hatten dazu an den Hochschulen mündlich aufgerufen. Sie sangen die „Marseillaise“ und schrieen „Vive De Gaulle“. Viele wurden von der Besatzungsmacht inhaftiert und eine unbekannte Zahl von ihnen wurde verletzt ja vielleicht getötet. Gleichzeitig huldigte der Präsident den ca. 100.000 moslemischen Soldaten, die ihr Leben während der beiden Weltkriege für Frankreich gegeben haben. Im letzten Jahr hatte die Bundeskanzlerin in Paris im Sinne der deutsch-französischen Versöhnung an diesem Gedenktag teilgenommen.

→ 60 Prozent der Franzosen befürchten, eines Tages zu Obdachlosen zu werden. Diese sind immer zahlreicher auf Frankreichs Strassenund Plätzne zu sehen. Die Gefahr ist da, dass jeder zweite Lohnabhängige seine Arbeitsstelle und damit seinen Status verliert. Innerhalb eines Jahres ist durch die Krise bedingt die Anzahl der Menschen, die auf Jobsuche sind, um 25 Prozent gestiegen. Zum ersten Mal seit 100 bis 200 Jahren muss man in Frankreich damit rechnen, dass eine junge Generation in der Sozialskala absteigt statt zu steigen und einen geringeren Lebensstandard als ihre Eltern erreicht. Es gibt in Frankreich dafür einen neuen Begriff, der mit dem Wort „Absetzung“ („décrochage“) umrissen wird. Die Angst vor der „Absetzung“, d. h. vor dem Ausstieg aus der Gesellschaft nimmt auch anderen Formen an: Wird unser Kind die Oberschule, das Gymnasium besuchen können? Wird es studieren können? Der Unterschied zwischen den Hochschulabsolventen und den Studienabbrechern ist auf dem Arbeitsmarkt enorm: 40 Prozent der letzteren finden keinen Job. Natürlich betrifft der totale Ausstieg nur eine Randgruppe der Gesellschaft (es gibt in Frankreich 100 000 Obdachlose), aber die Angst davor spukt in den Köpfen der Mehrheit. Vor der Wirtschaftskrise 1993 wollten nur 10 Prozent der Inhaber eines Diploms in der öffentlichen Verwaltung arbeiten, in den folgenden Jahren sind es 50 Prozent von ihnen geworden, weil sie sich vor Pleiten im Privatsektor fürchteten. Heute stehen diese Leute vor dem Rentenalter. Sie kämpfen gegen jede Veränderung ihres Statutes, gegen die Erhöhung des Rentenalters, gegen jede Versetzung in eine andere Arbeitsstelle mit Zähnen und Klauen. Aber Sarkozy hat es geschafft, seine Rentenreform durchzusetzen. Ausser einigen wenigen Ausnahmen bekommt man in Zukunft in Frankreich das Recht auf die Rente erst mit 62 Jahren aber die volle Rente erst mit 67.

Der voraussichtliche Kandidat der französischen Linken und Kommunisten bei der Präsidentenwahl 2012, Jean-Luc Mélanchon, konnte sich nicht wie seine Vorgänger zur Sowjetunion bekennen, da die „Heimat der Arbeiter und Bauern“ an Wirtschaftsschwäche und Freiheitsdefiziten untergegangen ist. Da nicht mehr viel vom poststalinistischen Großreich übrig geblieben ist, musste er sich auf Kuba fokussieren. So sagte er: „Im Zusammenhang mit Südamerika bin ich nicht damit einverstanden, wenn man Kuba als Diktatur bezeichnet und ich begrüße den Beitrag des sozialistischen Kuba zum Kampf der Völker“. Das Problem besteht jedoch darin, dass Fidel Castro und sein Bruder Raul selbst zugegeben haben, dass das kubanische „Modell“ gescheitert ist. „Die Völker“ müssen immer wieder für diejenigen gerade stehen, die sich anmaßen, in ihrem Namen zu reden…

Gefragt, ob er wirklich bei der Präsidialwahl kandidieren will, antwortete Mélanchon, dass „er nicht ungeduldiger sei, Kandidat zu sein, als Christus es war, auf das Kreuz zu steigen“. Der Nachteil im Vergleich zu Christus besteht darin, dass es nach dem Wahlmisserfolg keine Wiederauferstehung geben wird.

 

 Nach Meinung einiger Gutmenschen wurde das Wort « Kartei » in Frankreich von einigen Möchtegernediktatoren der Sarkozy-Mannschaft erfunden. Hauptinitiatoren waren der ehemalige Innenminister Brice Hortefeux und sein Nachfolger Claude Guéant. Dieser Klamauk, weil die Regierung eine Kartei der Empfänger von Sozialhilfe, Kindergeld, Arbeitslosenunterstützung, Krankengeld usw. erstellen lassen will, damit man endlich weiß „wer was bekommt“. Der Betrug bei der Sozialhilfe kostet die Kassen jedes Jahr zwanzig Milliarden Euro. Die politische Opposition, Grüne und Sozialisten, schreit natürlich Mordio. Diese lächerliche Kampagne muss die Deutschen an die Zeit Ende der 80er Jahre, unter dem Bundeskanzler Helmut Kohl, erinnern, als die Grünen und sonstige Linken lauthals protestierten, weil man eine Volkszählung durchführen wollte? Ein Verfahren, das absolut harmlos und notwendig ist, um zu wissen, wie viele Deutsche jeden Geschlechts und jeden Alters es gibt. Der damalige Abgeordnet Otto Schily protestierte besonders vehement und schrie, dass Deutschland dadurch der Diktatur ähnlich würden, die George Orwells in seinem Buch „1984“ dargestellt hat. Inzwischen wurden Volkszählungen durchgeführt und 1984 ist längst vorbei und Otto Schily wurde Innenminister von Gerhard Schöder und musste schon für seine Arbeit Karteien verwenden.

 

→ Nach Feststellung der französischen Behörde für Kernsicherheit ist das Trinkwasser beim Nachbarn zufriedenstellend. Es wird empfohlen, einfach Leitungswasser zu trinken, insbesondere, weil es zu 98,65 Prozent den europäischen sanitären Normen entspricht und 100 Mal billiger als das Wasser in Flaschen aus dem Handel. Vor allem kommt es nicht aus Plastikflaschen, deren Auswirkung auf den Menschen bisher nicht vollkommen geklärt ist. Nach Meinung von Koryphäen der französischen Medizin ist sogar das Wasser in Frankreich besonders gesund.

 

→ Die Präsidentschaftskandidatin der Grünen in Frankreich, die ehemalige Richterin norwegischer Abstammung Eva Joly sagte im Rundfunk neulich, dass man zu lange gezögert hat, um die Banken zu rekapitalisieren. Allerdings von einer Reise nach Fukushima zurückkommend verurteilte sind grundlegend die französische Atomindustrie. Sie hat den Sozialisten klipp und klar gesagt, dass sie nach den Wahlen im Frühling 2012 nicht mit ihnen koalieren wird, wenn sie die Atomkraft nicht aufgeben. Das kann der sozialistische Kandidat François Hollande kaum tun. Der billige Atomstrom gehört zu den Trümpfen der französischen Wirtschaft. Steigt Frankreich aus, verliert das Land die Bonitätsnote AAA auf jeden Fall. Damit sind die Aussichten einer linken Regierungskoalition in Frankreich nicht rosig. Manche sagen schon, dass Sarkozy als Präsident wieder gewählt werden könnte und dass die Linken, die Sozialisten an der Spitze, die Mehrheit im Parlament bekommen würden. Damit hätte man eine grosse Koalition "à la française", was angesichts der ökonomischen und finanziellen Baustellen vielleicht keine schlechte Lösung wäre. Genau wie in Deutschland.

 

 

 

Innenpolitik (Deutschland)

 

* Die Grünen verlieren in Deutschland weiter an Boden. Die Piratenpartei stieg nach ihrem großartigen Erfolg in Berlin weiter in der Wählergunst: Laut dem wöchentlichen Forsa-Wahltrend des Magazins "Stern" und des Fernsehsenders RTL stieg am 19. Oktober die neue Protestpartei im Vergleich zur Vorwoche um zwei Punkte auf nun zehn Prozent und kam damit erstmals auf einen zweistelligen Wert. SPD und Grüne büßten dagegen an Vertrauen ein. Die Sozialdemokraten fielen um einen Punkt auf 26 Prozent, die Grünen verloren ebenfalls einen Punkt auf 16 Prozent. Für sie war es der schlechteste Wert seit der Atomkatastrophe von Fukushima Mitte März. Das Superwahljahr 2011 hatte für sie wie ein Wunderjahr angefangen. Im März stärkste Kraft in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz der Sprung aus der ausserparlamentarischen Opposition in die Regierung. Schon betrachtete man sie als die kommende Volkspartei. Doch der Höhenflug wurde zum Sinkflug: Die Partei verlor sieben Prozentpunkte innerhalb von fünf Monaten.

Klaus Wowereit wusste, was er tat, als er die Grünen aus den Koalitionsverhandlungen für das Land Berlin herauswarf. Es hat ihnen einen Teil ihres Nimbus abgenommen und nun wissen die Grünen nicht mehr, wo sie stehen. Rergierung mit der SPD? Aber nicht um jeden Preis. Aber die Verhinderung vom Weiterbau von Autobahnen wie in Berlin ist ein schwaches Argument. In Rheinland-Pfalz machten die Grünen gegen den Bau einer Moselbrücke und die Brücke wurde trotzdem gebaut. Beim Bahnprojekt Stutgart 21 bewegt sich der Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann auf dünnem Eis.

In der Eurokrise sind den Grünen Themen abhanden gekommen. Beim Atomausstieg hat ihnen die Kanzlerin das Wasser abgegraben und in Sachen Energiewende ist ihnen die deutsche Wirtschaft ein Schritt voraus. Gemeinsame linke Werte mit der Partei Die Linke haben sie kaum, es sei denn si huldigen dem Marxismus-Leninismus, und mit der SPD haben sie nicht mehr so viel gemeinsam, seitdem die Partei von Gabriel und Steinbrück um die Zukunft des Euros sich Sorgen macht und in eine Richtung geht, die zur Übernahme der Verantwortung zusammen mit der CDU für die Rettung von Euroland führt. Die SPD kann nicht abseits stehen bleiben, wenn es um diese ganz grosse Sache geht und 2013 ist eine grosse Koalition auf Bundesebene wie von 2005 bis 2009 wieder denkbar. Und dass wünschen auch viele Deutsche. "Rot-Schwarz" in Berlin könnte der Türöffner sein.

 

* Die Staatlichkeit in Deutschland ist in keinem guten Zustand: Schulden, unhaltbare Sozialstaatsversprechen und in Deutschland eine Führung, die nicht führt. Aber die europäischen, und an der Spitze die deutschen Unternehmen präsentieren sich in Höchstform:  Die 500 größten europäischen Unternehmen verdienen mittlerweile besser als die 500 größten US-Firmen. Das „Handelsblatt“ hat es verkündet: "Das neue Amerika heißt Europa". Wenn die Europäer nach der Griechenlandkrise und alledem etwas Zuversicht tanken wollen, dann sollte ihnen dieses wieder Hoffnung geben. Sind die USA dagegen ein großes Griechenland? Die Konjunktur in den USA knickte ein, die Ratingagentur S&P überprüfte die Bonität, die US-Staatsanleihen werden vor allem von der eigenen Notenbank gekauft. Es gibt nur eine Medizin, die auch in Griechenland derzeit verabreicht wird: höhere Steuern und staatliche Ausgabensenkungen. Aber die Europäer sehen vielleicht nicht, dass jede Innovation, Erfindung in den USA sofort in allen Staaten angenommen wird und auf einem Markt von 300 Millionen Konsumenten, Nutzern, Lesern, verkauft werden kann. Ganz abgesehen vom fast ungebrochenen, amerikanischen Patriotismus. Die Freudedemonstrationen nach dem Tod des Top-Terroristen Bin Laden haben es gezeigt. So etwas ist in Europa undenkbar!

 

* Um ihren Eintrag ins Geschichtsbuch, schrieb das "Handelsblatt",  muss sich Kanzlerin Angela Merkel nicht mehr sorgen: Sie ist jetzt schon der teuerste deutsche Regierungschef in Friedenszeiten. In ihre Amtszeit fallen aufwendige Konjunkturprogramme (Finanzkrise), die Dauerrettung der südlichen Freunde (Griechenland-Krise) und der Eilumstieg von der Atomenergie zu Sonne, Wind und Biogas. Mit dem Ende der Atomenergie - der im Bundeskabinett offiziell besiegelt wurde - beginnt der Poker um die Verteilung der Ausstiegskosten. Was zahlt der Stromkunde? Wie viel übernimmt der Steuerzahler? Wie werden die Aktionäre der Stromkonzerne beteiligt? Oder zahlen dank steigender Staatsverschuldung doch wieder unsere Kinder? Tja, es ist nich einfach in Deutschland zu regieren, wenn auch die Franzosen darüber anderer Meinung sind. 

 

* Die Fluglotsen streikten schon wieder in Deutschland wie anderswo auch. Einen so dramatischen Einkommensunterschied wie in Deutschland bei dieser Berufsgruppe gibt es sonst nur noch in Ländern wie Spanien oder Italien oder in Dritte-Welt-Schwellenländern wie Südafrika oder Indien Ist das eigentlich noch Arbeitskampf oder nur noch reine Geldgier? Deutsche Fluglotsen verdienen schon jetzt bestens. Sie bekommen mit durchschnittlich 101.000€ pro Jahr satte 271 Prozent mehr als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in der deutschen Hauptstadt Berlin (27.232€). Einen so dramatischen Einkommensunterschied wie in Deutschland gibt es sonst nur noch in Ländern wie Spanien oder Italien oder in Dritte-Welt-Schwellenländern wie Südafrika oder Indien. Das belegt eine Exklusiv-Studie von Deutschlands großem Flugportal mit monatlich 2,04 Mio. Nutzern (lt. AGOF April 2011).

 

. Ein deutsches Gerichtsurteil könnte eine Auswirkung auf die Klage zweier ehemaliger Bediensteter gegen den französischen Staatssekretär Georges Tron und eventuell auch in der Sache Dominique Strauss-Kahn in New York haben. Der Schweizer TV-Moderator Jörg Kachelmann ist vom Landgericht Mannheim freigesprochen worden. Die Richter sahen keine Beweise für die Schuld des 52-Jährigen, seine Freundin im Februar 2010 nach einem Beziehungsstreit mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Es wird in Zukunft schwerer sein, einen Mann wegen mutmasslicher Vergewaltigung ohne materiellen Beweise vor ein Gericht zu bringen, um seine Karriere und seinen Ruf zu ruinieren (vgl. unsere Rubrik « Frankreich-Deutschland »).

 

Helmut Kohl kritisierte Merkels Atom-Kehrtwende : Altkanzler Helmut Kohl (CDU) hatte im Frühjahr die Deutschen vor einer Kehrtwende in der Atompolitik nach dem GAU in Japan gewarnt und betont, dass sich an der Sicherheit der Kernkraft in Europa nichts geändert habe. "Die Lehre aus Japan darf jetzt nicht die berühmte Rolle rückwärts sein", schrieb Kohl in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung. "Das Leben ist ohne Risiken nicht zu haben." Risiken "gehören zum Alltag wie Wind, Wasser und Sonne", erklärte Kohl, der sich sehr selten so entschieden zur Tagespolitik äußert.
"In Deutschland hat sich dadurch (durch den GAU) erst einmal und unmittelbar gar nichts verändert. Die Kernenergienutzung in Deutschland ist durch das Unglück in Japan nicht gefährlicher geworden, als sie es vorher gewesen ist", schrieb Kohl. Die Atomkatastrophe dürfe Deutschland nicht lähmen und den Blick für die Wirklichkeit verstellen. "Die Wirklichkeit ist: Deutschland ist nicht Japan. Japan ist nicht Deutschland."
Trotzdem spricht er sich dafür aus, "sicherheitshalber unsere Kernkraftwerke noch einmal auf den Prüfstand" zu stellen. "Zugleich müssen wir die schwierige Frage der Endlagerung endlich und zufriedenstellend lösen." Ein "überhasteter Ausstieg aus der Kernenergie ohne Alternative", wie er jetzt in Deutschland von mancher Seite gefordert werde, sei "eine gefährliche Sackgasse" und würde "das Fundament unserer Industriegesellschaft aushöhlen, uns technologisch isolieren, unsere Abhängigkeit von weniger sicheren Kernkraftwerken erhöhen", erklärte Kohl weiter. "Wenn das Land, dessen Kernkraftwerke zu den sichersten der Welt gehören und dessen Ingenieurskunst in der ganzen Welt bewundert und geachtet wird, überhastet ausstiege, würde dies die Welt sogar gefährlicher machen." - Nach Ansicht Kohls muss Deutschland viel stärker als bisher auf einen Energiemix setzen. "Je schneller wir Alternativen entwickeln und uns in der Energiefrage breit aufstellen, desto eher können wir aus der Kernenergie aussteigen - und dann auch weltweit Vorbild sein", schließt Kohl. "Bis dahin aber bleibt es für Deutschland ohne Alternative beim konditionierten, aber klaren Ja zur Kernenergie."
 

Das schrieb das „Handelsblatt“ am 25. März 2011: "Die Stilllegung von sieben Atommeilern, eine pazifistische Libyen-Politik, der Ausbau des Sozialstaats und eine kostspielige Euro-Rettung: Deutschland wird derzeit links regiert. In der Wirtschaft wächst die Wut auf die Bundeskanzlerin. Ist sie noch eine Konservative? Deutschland wird von einer konservativ-liberalen Koalition regiert, heißt es immer. Aber stimmt das auch? Die Handelsblatt-Redaktion hat alle wesentlichen Wahlversprechen und ihre Umsetzung analysiert. Ergebnis: Nahezu auf allen Politikfeldern wurde von der Merkel-Regierung das Gegenteil des Angekündigten getan. Der Sozialstaat wurde aus-, nicht abgebaut, die Atomkraftwerke wurden stillgelegt, nicht verlängert, Deutschland wurde isoliert, nicht an der Seite des Westens verankert und von Steuersenkung und Schuldenabbau konnte auch keine Rede sein.  Wer ist Angela Merkel?"

 

Die Entscheidung der Bundesregierung – gefällt in Anwesenheit der Bundeskanzlerin im bayerischen Kloster Andechs auf einer Tagung mit der Schwesterpartei CSU -, die Atomenergie in Deutschland im Jahre 2022 voll und ganz aufzugeben, eint die politischen Lager in Berlin, aber spaltet die deutsche Wirtschaft. Es ist ein weiterer Beweis, dass der Staat, die Regierung, und nicht immer der Markt, auch in Deutschland über die Grundausrichtung der Volkswirtschaft entscheidet. Nicht nur in Frankreich gibt es also einen Staatsdirigismus. Die Profiteure aus den Branchen der erneuerbaren Energien stehen vor Milliardeninvestitionen. Die Verlierer aus den Energiekonzernen müssen zusehen, wie ihre Vermögenswerte abgewertet werden. Alle gemeinsam werden einen deutlich höheren Strompreis zahlen. Es liegt auf der Hand, dass es in Deutschland ein Stromdefizit mit schwerwiegenden Folgen für die Volkswirtschaft geben wird. Deutschland wird bei den Nachbarn Strom kaufen müssen. Polen, die Tschechei und Frankreich dürfen sich freuen. Das wird ihre Handelsbilanz gegenüber Deutschland deutlich verbessern. Ganz eindeutig bereitet sich die Bundeskanzlerin auf eine Koalition mit den Grünen im Jahre 2013, vielleicht auch in Land Berlin im kommenden Herbst. Auch die Auslandseinsätze der Bundeswehr müssten nach der Bundeswehrreform reduziert werden. Dann wären fast alle Schranken zwischen schwarz und grün gefallen.

 

* „Rente mit 67, schreibt unser Redaktionsmitglied Hossein Yazdi, jetzt auch mit 70! Teile der SPD und Sozialverbände protestieren. Zu Recht? Nein. Wir leben in einer Zeit, wo die Menschen früher reif werden und viel später verwelken. Das ist sichtbar, nur noch nicht überall durchgedrungen. Viele Menschen, die zurzeit mit 65 aus ihrer Firma herausgeekelt werden müssen, wollen arbeiten, nicht nur um den finanziellen Rentenknick auszugleichen. Urlaub ist toll, auf ewig nervt er. Wäre es nicht vernünftiger, Betrieben und Belegschaften zu überlassen, wann der Betreffende rentenreif ist?“ (Der Autor ist 75 Jahre alt, ist aber fit wie ein 50jähriger und arbeitet weiterhin als Journalist im Axel-Springer-Verlag. Scherzend sagt es, dass seine 16 Jahre Haft als politischer Häftling in Bautzen –DDR - dazu beigetragen haben: kein Alkohol, keine Zigaretten, eintöniges Essen und Gymnastik in der Zelle, keine besonderen Aufregungen sechszehn Jahre lang…).   
 

 

▪ Internationale Beziehungen

Als "überfällig" hat der CSU-Europaabgeordnete und Kroatien-Berichterstatter der EVP, der stärksten Fraktion im Europaparlament, Bernd Posselt, den Abschluss der Beitrittsverhandlungen mit Zagreb bezeichnet. Posselt nannte Kroatien, dessen Weg in die EU er seit über 20 Jahren begleitet, "ein mitteleuropäisches Land von viereinhalb Millionen tüchtigen Einwohnern, das die Kriterien für eine Vollmitgliedschaft besser erfüllt als zahlreiche Mitgliedstaaten". Dennoch habe dieser Staat, der immer wieder fälschlich dem Balkan zugerechnet werde, in den fast genau zwei Jahrzehnten seit seiner Unabhängigkeitserklärung nicht nur den Überfall und die Besatzung durch fremde Truppen zu erleiden gehabt, sondern man habe ihm bei der Integration in die EU mehr künstliche Hindernisse in den Weg gelegt als irgendeinem anderen Bewerber. Posselt appellierte an das Europaparlament und an die Volksvertretungen der 27 Mitgliedstaaten, den Ratifikationsprozeß energisch voranzutreiben.

Es könnte aber sein, schrieben einige Zeitungen im Herbst 2011, dass Kroatien angesichts der Lage in Euroland es gar nicht mehr so eilig hat, Vollmitglied zu werden...

« In Libyen half Frankreich mit Waffengewalt Moslems, die sich von einem wahnsinnigen Diktator befreien wollen. In der Elfenbeinküste hilft Frankreichs Armee ebenfalls Moslems, die bei Wahlen im Lager des Präsidenten Uattara eine erdrückende Mehrheit der Stimmen bekommen haben und sich von einem anderen wahnsinnigen Diktator befreien wollen. Und die französischen Gutmenschen behaupten, dass Staatspräsident Sarkozy ein Feind des Islams nur deswegen ist, weil er nebenbei die richtigen Fragen stellt, und die wahren Antworten bezüglich der Probleme des Islams in Frankreich vorschlägt? Noch nie hatte Frankreich unter dem Einsatz des Lebens seiner Soldaten so viel für moslemische Bevölkerungen getan. Aus welchen Gründen denn wird gegen den Präsidenten Sarkozy dieser dumme Prozess eröffnet? „, schreibt uns Pierre Conze.    

Gl Immer neue Rettungspakete und die Schuldenkrise haben das Vertrauen der Deutschen in die europäische Einheitswährung dramatisch schwinden lassen. Das ergibt sich aus einer repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos aus Mannheim, die im Auftrag des Bundesverbands deutscher Banken erstellt wurde, und die dem Magazin "Zeit" vorliegt. Nur noch 55 Prozent aller Deutschen glaubten im Sommer demnach, dass der Euro langfristig eine erfolgreiche Währung sein wird. Im Jahr 2008, also vor Ausbruch der Schuldenkrise, hatten sich noch 78 Prozent optimistisch geäußert. Im Herbst soll die Zehl der Skeptiker auf fast 80 Prozent gestiegen sein.

Ca. 5 500 Menschen in den USA haben auf betrügerische Art und Weise 42,5 Millionen Dollar als Wiedergutmachung von der Bundesrepublik Deutschland erhalten, indem sie sich als Opfer der Shoah gaben. Nach Informationen des New Yorker Generalsstaatsanwalts müssen sich jetzt 17 von ihnen, meist russischer Abstammung, vor Gerichten verantworten. Sechs von ihnen sind Mitglied des Vereins „Claims Conference“ in New York, dessen Ziel es ist, den Opfern des Nationalsozialismus zu helfen.

 

Die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz und die Biblioteka Narodowa - Polnische Nationalbibliothek werden künftig in den Bereichen der Aufarbeitung und Bewahrung des gemeinsamen Kulturerbes und der Digitalisierung ihrer Bibliotheksbestände zusammenarbeiten. Einen entsprechenden Kooperationsvertrag haben Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, und Tomasz Makowski, Direktor der Polnischen Nationalbibliothek, in Warschau am 21. Juni 2011 unterzeichnet. Die Vereinbarung war von den Kulturministern beider Länder angeregt worden und steht im Kontext des 20. Jahrestags des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags vom 17. Juni 1991.

Das deutsch-französische Bemühen um eine stärkere Einbindung Russlands ist zu begrüssen, schrieb die "privat-despesche". Nach einer Phase der nationalen Kraftmeierei scheint man in Moskau begriffen zu haben, dass Russland nur dabei gewinnen kann, wenn es Teil eines neuen Gleichgewichts in Europa wird - in Wirtschaft und Politik, aber auch im strategischen und militärischen Bereich. Bei dem Dreier Treffen im Oktober in Deauville konnte ausgelotet werden wei weit der russiche Wille zur Partnerschaft geht. Merkel und Sarkozy haben dem russischen Präsidenten Medwedew dabei sofort klar gemacht: Die Zeit düstgerer Drohungen und plumper Erpressungen per Drehen am Gashahn muss dann endgültig vorbei sein.

 

These Strange English Ways: Während Belgien ein generelles Verbot der islamistischen Ganzkörperverschleierung verabschiedet hat und Frankreich sich anschickt, über ein entsprechendes Gesetz im Parlament abzustimmen, verweigert der englische Prime Minister David Cameron ein Verbot der Burka und des Nikabs. Ein konservativer Abgeordneter, Philip Hollobon, hat einen Gesetzentwurf in den Common's eingereicht, der dem französischen ähnlich ist. Dieser Gesetzestext wird im kommenden Dezember in erster Lesung der Kammer unterbreitet, aber er hat so gut wie keine Chance angenommen zu werden, da eine Mehrheit der Abgeordneten dagegen ist. "Den Leuten sagen, was sie tragen oder nicht tragen dürfen, wenn sie auf der Straße gehen, ist total unenglisch", erklärte der Einwanderungsminister, Damian Green. Man wird in einigen Jahren sehen, was Ihr denkt, liebe englische Freunde, wenn eine Pseudo-Frau mit Schleier vorm Gesicht und breitem Gewand am Körper sich bei Euch an einem vielbesuchten Ort in die Luft gesprengt hat.

 

  → Der Innenausschuss des belgischen Abgeordnetenhauses hat sich für ein völliges Verbot der Burka im öffentlichen Raum ausgesprochen. Die Abgeordneten stimmten in Brüssel einer entsprechenden Gesetzesverschärfung gegen das Vermummungsverbot zu. Damit sollen künftig auf der Straße alle Kleidungsstücke untersagt werden, die einer Identifikation ihrer Träger im Wege stehen. In Belgien haben bereits mehrere Kommunen das den ganzen Körper verhüllende islamische Kleidungsstück untersagt. In Frankreich dagegen hatte das oberste Verwaltungsgericht einen Gesetzesentwurf eines Parlamentsausschusses verhindert, der zum Ziel hatte, die Burka im gesamten öffentlichen Raum, also auf der Straße und in öffentlichen Grünanlagen, auf Märkten, usw. zu verbieten. Vorerst sollte die Burka nur in öffentlichen Gebäuden verboten werden. Der Staatspräsident Sarkozy und sein Premierminister Fillon haben am 20. April 2010 beschlossen, dem Rat der Verwaltungsrichter nicht zu folgen und ein Gesetz zum totalen Verbot der Burqa im öffentlichen Raum verabschieden zu lassen. Das Gesetz wurde im Oktober 2010 verabschiedet. Das Tragen der Burka im ganzen öffentlichen Raum steht jetzt unter Strafe. Sechs Monate lang wurde darüber informiert, und es hat sich inzwishcne gegen alle Unkenrufe erwiesen, dass die Anwendung dieses Gesetzes absolut problemlos stattfindet.

 

→ Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 im Verkehr einen Anteil erneuerbarer Energien von 10 Prozent zu erreichen. Diese Vorgabe kann sowohl durch Elektroautos als auch über die Beimischung von Biosprit erreicht werden. Der Einsatz von Biosprit steht nun erneut zur Diskussion. Der „Financial Times Deutschland" vom 11. April 2010 zufolge warnt eine interne Studie der EU-Kommission vor den Folgen des Biospritanbaus. Die Flächenkonkurrenz mit dem Anbau von Lebensmitteln könne bewirken, dass andernorts unberührte Wälder für die Landwirtschaft erschlossen werden. Sollte Biosprit mehr als 5,6 Prozent des Treibstoffbedarfs decken, brächte er mehr Schaden als Nutzen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger hält Teile der Studie unter Verschluss, zum Beispiel jene über die indirekten Folgen des für Landnutzung, Klimabilanz und Rohstoffpreise, berichtet die "FTD".

 

  Die Französin Isabelle Adenot wird im Jahr 2012 die Präsidentschaft des Zusammenschlusses der Apotheker in der Europäischen Union (ZAEU) übernehmen. Sie wurde in Berlin von der ZAEU-Generalversammlung gewählt. Adenot folgt zum 1. Januar 2012 auf Heinz-Günter Wolf, Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, der in diesem Jahr die ZAEU-Präsidentschaft inne hat. Zum Vizepräsidenten wurde Piotr Bohater aus Polen gewählt.

 

 

  Wirtschaft

Großbritannien hat den Euro zwar nicht eingeführt - er wird im Land höchstens als Zweitwährung akzeptiert. Dass das manche unserer Nachbarn auf ihrer Insel stört und dass die Briten den Euro nicht mögen und trotzdem von ihm betroffen sind, zeigte im Oktober die skurrile Initiative des britischen Unternehmers und Oberhaus-Abgeordneten Lord Simon Wolfson.  Dieser Wohltäter Europas machte sich Gedanken darüber, wie die Euro-Länder ihre Währung wieder loswerden könnten. Wolfson schrieb einen Wettbewerb für das beste Konzept zum Euro-Ausstieg aus. Der Gewinner sollte 250.000 Pfund (286.000 Euro) bekommen. Lord Wolfson teilte mit, dass der Wettbewerb über die konservative Londoner Denkfabrik Policy Exchange organisiert werde und den Namen Wolfson Economic Prize trägt. Er richtete sich an internationale Spitzenwissenschaftler. Die Experten sollten sich Gedanken darüber machen, wie der Euro in stabilere Währungen überführt werden könne. Ob diese Währungen wirklich stabiler sein würden, davon war nur Lord Wolfson überzeugt. Aber das liegt gerade der Hase im Pfeffer: Falls Mitgliedsstaaten aus Euroland aussteigen würden, würden sie ihre Währungen abwerten, um wettbewerbsfähiger als Deutschland zu werden.

Volkswagen wird der größte deutsche Arbeitgeber. Ausweislich der jüngsten Zahlen überholt der Konzern erstmals Siemens und die Deutsche Post - und will die Belegschaft weiter ausbauen. Selbst wenn ab heute Morgen kein neuer VW mehr bestellt würde, hätten die Autobauer aus Wolfsburg bis zum Jahresende genug zu tun. Aber es wird weiter bestellt. VW ist ein deutscher Mythos, dem immer neuer Lebenssaft in die Glieder schießt.

Der Atomausstieg war schnell beschlossen, der Umbau des deutschen Energiesystems aber wird Jahrzehnte dauern. Ohne gegen die alternativen Energien zu argumentieren, plädierte neulich die Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ für Redlichkeit im Umgang mit den Fakten. Die Energieexperten des Blattes haben alle verfügbaren Studien ausgewertet und mit zahlreichen Experten gesprochen. Der Investitionsbedarf für den Ausbau von Sonne-, Wind- und Biogasanlagen wird demnach rund 250 Milliarden Euro betragen. Es wird das teuerste Projekt seit der Finanzierung der Deutschen Einheit. Auch das wurde bekanntlich nicht, wie zuerst behauptet, aus der Portokasse bezahlt.

 Der deutsche Botschafter in Paris Reinhard Schaefers und seine Frau freuten sich zum Abschluss der 49. Luftfahrtausstellung in Le Bourget Ende Juni: Etwa 700 feste Bestellungen von Airbussen in weniger als einer Woche, das war ein echter Erfolg der deutsch-französischen Zusammenarbeit, die auf den Gebieten effektiv ist, wo es sie wirklich gibt. Und das gegen weniger als 150 Bestellungen für den Konkurrenten Boeing. Louis Gallois, der Vorstandsvorsitzende von EADS, hat eine positive Bilanz gezeichnet: « Unser A320 verdrängt die Konkurrenz. Der neue Motor bringt 15% Brennstoffeinsparung. Wenn das Erdöl 120 Dollar kostet… ». Es gab den ruhmreichen Tag 22. Juni, als Airbus 286 Bestellungen einsammelte, darunter einen historischen Vertrag über 180 A320- 150 NEO und 30 A320 Classic für einen Wert von 16,2 Milliarden Dollar. Der Rekord des Jahres 2010 mit 400 Airbus-Bestellungen wurde unterdrückt. Aber der Airbus war nicht allein am Himmel in Le Bourget. Wir haben eine Reportage bei Dassault Aviation gemacht (die Sie in unserer Rubrik Wirtschaft/Unternehmen lesen können). Man darf bedauern, dass auf dem Gebiet der Kampfflugzeuge wie auf demjenigen der Schnellzüge TGV und ICE der Eurofighter von EADS – BEA Systems- Finmeccanica und der Rafale von Dassault Aviation insbesondere in Indien im Wettbewerb stehen. Es ist, als ob sich Europa selbst ins Fleisch schneiden würde.

 

Die Wahlmisserfolge der deutschen Regierung und insb. der FDP, die immerhin den Wirtschaftsminister stellt, sind unerklärlich, schaut man sich die deutsche Wirtschaftsbilanz an. Die Konjunkturmeldung von Rainer Brüderlich ist Mitte April total untergegangen. Dabei war sie eine Glanzleistung. Zugegeben, die Katastrophe in Japan hat verhindert, dass die Leute darauf aufmerksam wurden und sie hat den Grünen viele Punkte geschenkt, die sie gar nicht verdient hatten. Ihr Programm  würde die deutsche Wirtschaft einfach in den Ruin treiben. Dagegen kann sich die heutige Mehrheit auf ihre Wirtschaftserfolge stützen. Die Zukunft von Frau Merkel ist deshalb nicht mehr so ungünstig, wie ihre Kritiker behaupten. Bis 2013 wird es mit der deutschen Wirtschaft wohl weiter aufwärts gehen (vgl. die Rubriken "Deutschland-Frankreich" und „Wirtschaft“ hier unten).

 → Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung steigt in Deutschland auch die Nachfrage nach Fachkräften wie schon lange nicht mehr. Die Zahl der offenen Stellen ist mittlerweile auf Rekordniveau gestiegen. Großen Bedarf melde nach wie vor die Zeitarbeit. Aus dieser Branche komme wie in den Monaten zuvor etwa jede dritte gemeldete Arbeitsstelle. Aber auch im Handel, im Bausektor, in der Gastronomie und im Gesundheitssektor würden zahlreiche Mitarbeiter gesucht. Firmen suchen händeringend nach Spezialisten, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) ende April mit. Die Zahl von drei Millionen Arbeitslosen wird aber voraussichtlich im Mai wieder unterschritten. Allerdings hat sich das Wachstumstempo der Wirtschaft etwas verlangsamt. Die BA veröffentlichte inzwischen die Arbeitslosenzahlen für den Monat Mai. Die Volkswirte rechnen erstmals in diesem Jahr mit einem Unterschreiten der psychologisch wichtigen Drei-Millionen-Marke. Das ist ein später und zugleich bitter schmeckender Erfolg für Gerhard Schröder. Seine Agenda 2010 schob die Arbeitsmarktreformen an, was ihm die Ächtung seiner Partei einbrachte. Er flüchtete vor ihr in die Neuwahlen, die er verlor. Ihm zum Trost, schreibt das „Handelsblatt“, sei an Henry Ford erinnert, von dem der Ausspruch stammt: "Unsere Fehlschläge sind oft erfolgreicher als unsere Erfolge." (vgl. den Artikel « Arbeitsmarkt in Deutschland : Nur Plusmunkte » in der Rubrik Wirtschaft).

 → Beim Düsseldorfer Energiekonzern E.ON weiß man jetzt, was Minister und Abgeordnete meinen, wenn sie vom "Primat der Politik" sprechen. Die gesellschaftliche Ächtung der Kernenergie, die zur Sofortabschaltung zweier Atomkraftwerke, zur Brennelementesteuer und zur stufenweise Demontage aller übrigen AKW´s führt, hat ein Unternehmen, das gestern noch zu den Unverwundbaren zählte, in die Verlustzone getrieben. 11.000 Jobs werden auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Politiker haben den Fall des Ruhrenergiekonzerns ausgelöst, eigene Fehler des Managements ihn beschleunigt. Aber E.ON hat in Frankreich Fuß gefasst und es ist nicht verboten, deutsche AKW in Frankreich zu bauen, um die Bundesrepublik Deutschland mit billigerem Strom zu versorgen, als derjenige der östlich des Rheins hergestellt wird.

   50.000 Selbstständige mehr als 2007 haben 2010 Hartz IV bezogen. Das teilte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mit. Die Süddeutsche Zeitung hatte zuvor darüber berichtet. Damit sind durchschnittlich 125.000 Selbstständige ohne regelmäßige Aufträge. Rund 85.000 gelten als Aufstocker, verfügen nur über ein Einkommen von weniger als 400 Euro. 25.000 verdienten bis zu 800 Euro.  In den Jobcentern wittert man laut „Süddeutscher Zeitung“ Betrug. Demnach würden viele Selbstständige ihr Einkommen so herunterschrauben, um eine Hilfe zu bekommen, auf die sie eigentlich gar nicht angewiesen sind.

 

 → In unserer Rubrik "Strategien" empfahl Pierre Conze den Ausstieg Frankreichs aus dem Euro und den Einstieg in eine Sterling-Währungsunion mit England. Die Franzosen sind wohl noch nicht so weit. Nach einer Ifop/France Soir – Umfrage vom März 2011 wollen 72 Prozent von ihnen den Euro nicht aufgeben. 10 Prozent mehr von ihnen als vor zehn Jahren hängen der gemeinsamen Währung an. Erstaunlicher Weise sind die 39-45jährigen Franzosen häufiger für eine Rückkehr zum Franc als die über 65jährigen. Diese Umfrage bestätigt die Zahlen vom letzten Jahr in Deutschland, wonach über 60 Prozent der Deutschen allgemein und über 80 Prozent der deutschen Hochschulabsolventen Anhänger des Euros waren. Die gemeinsame europäische Währung hat also eine schöne Zukunft vor sich, auch wenn es den falschen Propheten missfällt, die ihren Untergang ankündigen oder herbeirufen. Europa war immer ein politischer Glaubens- und ein Willensakt. Warum sind die älteren Franzosen eher für den Euro als die jüngeren? Aus zwei Gründen. Es hat sich mehr Geld auf ihre Sparkonten angesammelt und sie möchten nicht, dass ihre Ersparnisse schmelzen. Sie erinnern sich an die Kriege in Europa und an die Währungskriege, die der Wirtschaft zum Schaden darauf folgten. 

 

Spiros Latsis, ein ehemaliger Studienkommilitone von Jose Manuel Barrosso, besaß einst 40 Mrd. Euro in griechischen Staatsanleihen in seiner griechischen Bank, die er seinen Freunden und Partnern Kumpeln in der griechischen Regierung abgekauft hatte. Barroso und Jean-Claude Trichet haben dem guten Menschen das Altpapier abgekauft, obwohl das gegen EU-Verträge sowie gegen die EZB Statuten massiv verstieß. Die EZB sitzt jetzt auf ca. 60 Mrd. griechischen und noch ein paar anderen Staatsanleihen von bisher insgesamt 120 Mrd.  Euro. Diese Transaktionen sind geheim. Niemand außerhalb der EZB kennt die genauen Daten. Man kann nur anhand der Bilanzvolumen und Positionen etwa schätzen was abgegangen sein muss. Die EZB kauft diese BBB-Anleihen (=Altpapier) von Privatleuten oder Privatinstitutionen ohne Rechenschaft, ohne Begründung, ohne Veröffentlichung. Europa agiert in solchen Fällen wie die Mafia!  

 

  Griechenland - ein Jahr in der Krise: In den vergangenen Tagen hat der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou angesichts der bröckelnden Unterstützung für seine Reformpolitik seine Regierung umgebildet und die Vertrauensfrage im Parlament gestellt. Heute hat das Parlament dem nächsten Reformpaket in Höhe von € 78 Mrd. zugestimmt. Der gesellschaftliche Widerstand gegen die Politik der Regierung nimmt zu, weil bereits massive Schritte zur Sanierung der öffentlichen Haushalte in Griechenland vorgenommen wurden. Diese gingen nicht spurlos an der griechischen Gesellschaft vorbei. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekordhoch, die Wirtschaft des Landes leidet und die soziale Exklusion nimmt zu. („Analyse der sozialen und politischen Auswirkungen eines beispiellosen Sparprogramms“ von Nick Malkoutzis, Friedrich-Ebert-Stiftung, Internationale Politikanalyse, Juni 2011)

 → Jahrzehnte lang hat man uns mit Iobsbotschaften über das Waldsterben überschüttet. Das war ein Leierlied der Umweltpropaganda in den 70er und 80er Jahren. Aber den europäischen Wäldern geht es gut. Sie gedeihen sogar. Ihre Ausdehnung erweitert sich jedes Jahr um 0,8 Millionen Hektar und sie stellen heute mit 1,02 Milliarden Hektar Holz ein Viertel der Wälder der Welt dar. Die Bäume sind eine wirksame Waffe gegen den CO2. Sie schlucken jedes Jahr ungefähr 870 Millionen Tonnen CO2, was ungefähr 10% der Treibhausgase in Europa bedeutet.

 

→ Bahnt sich das Ende der wetlichen Dominanz in der Flugzeugindutrie an? In Gestalt seiner staatlichen Flugzeugbaufirma kündigt China an, künftig den Giganten Airbus und Boeing Konkurrenz machen zu wollen. Ein Großkunde will nicht mehr länger Kunde sein, sondern selbst Hersteller, Lieferant und Weltchampion. Der erste Prototyp eines chinesischen Passagierjets wurde vorgestellt.

 

  Wärme oder sanfte Streicheleinheiten werden Roboter bald mit ihrer Oberfläche fühlen können. Denn Forscher des Exzellenzclusters CoTeSys stellen an der TU München (TUM) jetzt kleine sechseckige Plättchen her, die miteinander verbunden eine sensible Haut für die „Maschinen mit Köpfchen“ bilden. Die wird ihnen nicht nur helfen, sich besser in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Sie wird den Robotern auch erstmals erlauben, eine Vorstellung von sich selbst zu bekommen. Ein einzelner Roboterarm ist bereits teilweise mit den Sensoren bestückt und beweist, dass das Konzept funktioniert. Wie bei der menschlichen Haut könnte zum Beispiel die Art, wie die Kunsthaut berührt wird, zu einem spontanen Zurückweichen führen (wenn der Roboter an einen Gegenstand stößt) – oder dazu, dass die Maschine erst einmal mit ihren Kameraaugen nach der Ursache der Berührung forscht.  Ein solches Verhalten ist besonders wichtig, wenn Roboter als Helfer des Menschen in Umgebungen unterwegs sind, die sich ständig verändern. Aus Robotersicht ist das bereits eine normale Wohnung, in der laufend Gegenstände ihren Platz wechseln und in der sich Menschen und Haustiere bewegen.

Pariser Traumhotels… Der amerikanische Investgroup Starwood Capital verkauft das Luxushotel "Crillon“, wovon er seit 2005 Eigentümer war, an saudi-arabische Investoren, die der Königsfamilie „nahe stehen“. Dass man in diesem Hotel Schwein isst und Wein trinkt, scheint sie nicht zu stören. Andere Hotels sind arabisch geworden. So das « George V » als Eigentum des saudischen Prinzen Al Walid. Das „Ritz“ gehört dem ägyptischen Milliardären Al-Fayed. Das „Meurice“ und das „Plaza-Athénée“ gehören dem Brunei-Sultan. Was die Pariser Hotels angeht, sind offensichtlich nicht die Chinesen sondern die arabischen Fürsten die Kolonisatoren.

"Eine politische Festlegung von Obergrenzen für Leistungsbilanzüberschüsse oder -defizite (...) ist weder ökonomisch gerechtfertigt noch politisch angemessen", sagte Angela Merkel bei einem "Business Summit" vor 100 Topmanagern aus aller Welt in Seoul am 11. November 2010. "Dies wäre unvereinbar mit dem Ziel eines freien Welthandels." Damit wurde amerikanischen Gelüsten, den deutschen Aussenhandel unter Kontrolle zu bekommen, ein Riegel geschoben.

Deutsche Medien sagten zu wenig über den Hintergrund des Berner „Atom-Ausstiegs“ und dessen Echo. Der Bundesrat in Bern konnte nur vorschlagen, doch nicht rechtlich wirksam beschließen. Folglich verlangten nicht nur die einhellig protestierenden schweizerischen Wirtschaftsverbände „die raschest mögliche Befassung des Parlaments“ mit dem Berner Ausstiegsvotum. Die europakritische SVP zum Beispiel sagte, man müsse auch das Volk befragen, dass sich in Umfragen NACH Fukushima immer noch zu fast 60% pro Kernkraft aussprach. Inzwischen gab die Regierung zu, dass „es“ nur mit Parlamentsbeschluss gehen könne.

 

Am interessantesten sind in dem Regierungsvotum nicht Fußnoten zu Fukushima, sondern Anmerkungen zu den steigenden Kosten der Stromerzeugung. Atomstrom werde inzwischen“ zu teuer, Wasserkraft bleibe preiswerter“. Schon 1998 sagte eine Tagung von Energieexperten in Genf, die Schweiz solle drei bis fünf neue Stauseen ermöglichen und Wasserkraft um 20% steigern. Jetzt wird es spannend, denn den Wasserkraft-Plan kann man nur mit Naturschützern und Atomgegnern umsetzen, nicht gegen sie, weil massenhafte Einsprüche drohen, wenn erst feststeht, welche Bergdörfer komplett verlegt werden müssen und welche Ski-Abfahrten im Wasser verschwinden. Darüber hinaus sollte man nicht übersehen, dass die zunehmende Trockenhitze Wasserverknappung erzeugt. (Jürgen Wahl)

 

 Das ZDF erklärte endlich die Wahrheit, dass die atomare Strahlung nach den US-Atomtests im Pazifik (Bikini-Inseln) in den 50er Jahren „zig millionenfach stärker war als jetzt im Meer vor Fukushima“. Aber auch: „Diese damalige Strahlung ist nicht mehr aktuell“. In Wahrheit hat sie sich weiträumig verteilt. USA, England und Frankreich haben damals hunderte von Atombomben im Pazifik explodieren lassen, davon 2/3 mit nuklearem Fallout im Meer. 2003 begann eine zunächst für unmöglich gehaltene Wiederbesiedlung des Bikini-Atolls. (JW)  → Professor Dieter Hellmann, Chefarzt der Uni-Klinik, verweigerte dem grünen Landtagsabgeordneten Siegbert Melzer die Strahlenbehandlung einer Prostata-Erkrankung. Dessen Urologe hatte „etwa 30 Bestrahlungen“ verordnet. Hellmann in einer SWR-Hörfunksendung: „Der Patient kämpft politisch nicht nur gegen Kernkraft, sondern auch gegen Uran-Anreicherung und Fabriken, die Produkte der Nuklearmedizin herstellen.“ Folglich ist es konsequent, ihn nicht mit solchen Produkten zu behandeln.“ (JW)

 

   Nachdem im Sender PHOENIX vor einem Jahr ein Film über die Tierwelt (Schwerpunkt Säugetiere) im Raum Tschernobyl gezeigt wurde und Wissenschaftler berichteten, dass z.B. Rehwild und Wildschweine zwar weiterhin Verseuchtes fräßen (z.B. Eicheln), jedoch vollkommen gesunde Junge ohne jeden „Atomschmutz“ bekommen, protestierten Mitglieder von Greenpeace und verwandte Gruppen. Der Film wanderte ins Archiv und sollte nicht mehr gesendet werden. Jetzt wird bekannt, dass er doch wieder zur besten Sendezeit im September läuft und dass das Forscher-Team, welches herausfand, was Greenpeace nicht passte, in Hamburg an der Uni mit Studenten diskutieren soll. Was war passiert? Die Forscher, die den Film ermöglicht hatten, stellten einen Teil von diesem ins Internet und verspotteten das deutsche Fernsehen. (JW)

 

→ "Der Weg ins das Zeitalter der Erneuerbaren Energien braucht Zeit und vor allem auch Geld. Geld, das die Menschen im Land erarbeiten. Deswegen müssen wir auch auf die Kosten schauen. Kernenergie als Brückentechnologie ist auf dem Weg in eine regeneratives Energiezietalter daher unverzichtbar", sagte Rainer Brüderle, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, der "Welt am Sonntag" (21.11.2010) mit Blick auf den Energiekompromiss der Bundesregierung. Der politische Aufsteiger in den Reihen der Liberalen (FDP) fügte hinzu: "Selbstverständlich werden auch die privaten Verbraucher ("von der Verlängerung der Atomkraftwerke", die Redaktion) profitieren. Manche Experten kommen zu dem Ergebnis, dass die privaten Haushalte über 100 Euro mehr im Jahr für den Strom zahlen müssten, wenn es beim Ausstieg aus der Kernenergie bliebe".

 → Der türkische Premierminister Erdogan hatte in einer Rede in Deutschland seinen Landsleuten empfohlen, dass ihre Kinder türkisch und erst danach deutsch lernen sollten. Ein klarer Fall von Integrationsverweigerung! Unter den 2, 7 Millionen Türken in Deutschland haben 900 000 die deutsche Staatsangehörigkeit übernommen aber sie werden noch als Türken betrachtet und sind es wohl auch. Eine deutsch-türkische Elite hat sich entwickelt, die mehr Anerkennung fordert. Am 3. November 2010 hatten 700 Deutsche türkischer Abstammung, darunter ärzte, Anwälte, Lehrer und Künstler der Bundeskanzlerin Merkel einen offenen Brief geschickt, in welchem sie schreiben : „Wir brauchen Deutschland aber Deutschland braucht uns auch“. Es geht darin um die schwierige Integration ihrer Landsleute, deren Erfolg vom Skandalautor und ehemaligen Bundesbanker Thilo Sarrazin in Frage gestellt worden ist.

→  Beachten sie: Der politische Radau auf der Strasse ( in Frankreich) hat im zentralistischen Frankreich Tradition, schrieb in Deutschland im letzten Herbst die "privat-depesche". Nur so lässt sich wohl erklären, dass eine Mehrheit der Franzosen im letzten Herbst Sympathie für die Proteste bekundete, obwohl ebenfalls eine Mehrheit von der Notwendigkeit der Rentenreform überzeugt war. Aber - das ist die Parallele mit den Bahnhofsdemos im Schwäbischen - es geht den Galliern gar nicht so sehr um die Sache, sondern auch darum, Dampf abzulassen gegen "die da oben".

 → Nachdem Wolfgang Schäuble und die damalige französische Finanzministerin Lagarde die schnelle Einführung einer Finanztransaktionssteuer in der EU gefordert hatten, sprach sich EU-Steuerkommissar Šemeta erneut gegen diese aus. "Damit macht er sich zum Büttel vor allem britischer Finanzinteressen", kritisierten die Grünen im EU-Parlament. Šemeta sagte, er lasse derzeit prüfen, ob die Steuer überhaupt sinnvoll sei. "Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Finanzplätze darf nicht leiden", warnte er. Zudem gebe es Sorgen, dass die Steuer die Volatilität der Finanzmärkte erhöhe. Aber Nicolas Sarkozy und Angela Merkel haben sich inzwischen für die Einführung dieser Steuer ausgesprochen.

 → Der russische Gaskonzern Gazprom will einem Zeitungsbericht zufolge die von mehreren europäischen Energiekonzernen initiierte Nabucco-Pipeline verhindern. Gazprom-Vizechef Alexander Medwedjew habe den Essener RWE-Konzern eingeladen, sich am Nabucco-Konkurrenzprojekt South Stream zu beteiligen, berichtet das "Handelsblatt" (Montagsausgabe) unter Berufung auf Verhandlungskreise. South Stream ist ein Projekt, das im Wesentlichen von Gazprom und dem italienischen Energiekonzern ENI vorangetrieben wird. Würde es Gazprom gelingen, RWE aus dem Nabucco-Konsortium herauszubrechen, wäre das Projekt kaum mehr zu halten, berichtet das Blatt weiter. Gazprom nutze damit gezielt die momentane Schwäche des Nabucco-Konsortiums. Nabucco soll Gas aus Ländern wie Turkmenistan und Aserbaidschan nach Westeuropa bringen. Die Verhandlungen mit den potenziellen Lieferländern gestalten sich jedoch schwierig. Trotz jahrelanger Bemühungen kann das Nabucco-Konsortium keine belastbaren Lieferzusagen für die Pipeline vorweisen. Solange dies nicht der Fall ist, kann der Bau der 3300 Kilometer langen Pipeline, die von der türkischen Ostgrenze bis nach Österreich führen soll, nicht beginnen. Nabucco soll nach der derzeit noch gültigen Planung spätestens 2015 das erste Gas nach Westeuropa liefern. Die Pipeline, deren Bau von der EU begrüßt wird, würde die Abhängigkeit von russischem Gas verringern: Ein Viertel des in Europa verbrauchten Erdgases kommt aus Russland, in Deutschland liegt der Wert sogar bei 37 Prozent. Gazprom dagegen zielt mit dem South-Stream-Projekt darauf ab, den Einfluss der Pipeline-Transitländer Weißrussland und Ukraine zu reduzieren. Mit beiden Ländern hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Streitigkeiten gegeben, die zu empfindlichen Störungen der Gaslieferungen führten. Die Leitungsführung von South Stream umgeht die beiden Länder.

 → Der starke Einbruch des weltweiten Luftverkehrs im letzten Jahr scheint vorerst gestoppt zu sein, die negativen Wachstumsraten des letzten Jahres wandelten sich seit Anfang des Jahres 2010 in positive, so dass das Niveau von Juni 2009 wieder erreicht und sogar leicht überschritten wurde. Dies ist eine der zentralen Aussagen des neuen Global Aviation Monitors (GAM), den das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) soeben veröffentlicht hat. Ds Fazit: Hohes Wachstum in Asien, steigende Tendenzen in Europa. Dieser quartalsmäßig erscheinende Bericht aus dem DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr beschreibt zeitnah die Verkehrssituation in den einzelnen Weltregionen und gibt einen Ausblick über die künftige Entwicklung. Dabei machen die Wissenschaftler sowohl Aussagen zum globalen Flugangebot, wie auch zum europäischen und deutschen Markt sowie zu einzelnen Flughäfen und Fluggesellschaften. Vollständiger Artikel mit Bildmaterial:
http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-6216/10226_read-25449/

Frankreich wollte ein Netz elektrischer Leitungen auf dem Grund des Mittelmeeres auslegen, um den Solarstrom aus Afrika nach Europa z. B. im Rahmen des Projektes Desertec zu leiten. Dieses Projekt heisst "Transgreen" und kam auf einem Treffen der Energieminister der 43 Staaten des Union für das Mittelmeer am 25. Mai 2010 in Kairo zur Sprache. Ein internationales Konsortium von Unternehmen sollte gegründet werden, das das Projekt durchführt. Die Leitung könnte z. B. am Boden der Meeresenge von Gibraltar gelegt werden. Die Frage ist, ob die nordafrikanischen Staaten Strom nach Europa leiten wollen und eine andere Frage wäre, ob die Sahelstaaten südlich der Sahara auch nicht Strom brauchen. Und jetzt nach der Revolution im Maghreb und in Ägypten ist alles in Frage gestellt.  

Am größten sei die Akzeptanz von Angeboten, die aus der journalistischen Kernkompetenz der Tageszeitung erwachsen, zum Beispiel Bewegtbilder zu aktuellen Nachrichten, RSS-Feeds, Listung häufig gelesener Artikel. Personen, die regelmäßig zur Zeitung greifen, können also sehr wohl mit erweiterten Content-Angeboten an das Angebot der lokalen bzw. regionalen Tageszeitungspräsenz herangeführt bzw. dort gehalten werden. "Am besten wird das mit den ganz klassischen journalistischen Qualitäten einer Tageszeitung erreicht, die logisch und mehrwertig in das Internet hinein verlängert werden. "Aus unserer Sicht ein Hinweis darauf, dass sich die Tageszeitungen auch im Internet auf ihre von den Nutzern gelernten und wahrgenommenen Stärken konzentrieren sollten", so Voß.

 

"Gebildet ist, wer weiß, wo er findet, was er nicht weiß", erkannte schon der deutsche Philosoph Georg Simmel. Wenn es um schnelle Antworten, Aktualität und kompensiertes Wissen auf kleinem Raum geht, stößt auch ein gutsortiertes Regal mit Fachliteratur schnell an seine Grenzen. Aus diesem Grund greifen viele Menschen heute lieber zur Computermaus, denn dank Internet eröffnet sich hier mit wenigen Klicks ein beträchtliches Kompendium an Daten und Fakten. Aber oft sind es auch viel zu viele Daten. Wie soll man aus dem Datensalat schlau und satt werden?

Nicolas Sarkozy war mit dem Schlagwort « Mehr arbeiten, um mehr zu verdienen » angetreten. Er wiederholt heute, dass „das Problem Frankreichs darin besteht, dass man nicht genug arbeitet“ und kritisiert, dass die Sozialisten vor ihm die Wochenarbeitszeit per Gesetz auf 35 Stunden reduziert haben. Er betont, dass „kein anderes Land es getan hat“. Aber die Arbeitszeit ist in allen Industriestaaten ebenso wie in Frankreich gekürzt worden. Nur die Wege dorthin waren unterschiedlich. So fiel sie in Deutschland wie in Frankreich von 1992 bis 2006 um 135 Stunden im Jahr herunter. In Deutschland kann man diese Verkürzung durch die Teilzeitarbeit erklären. In Frankreich durch die Verkürzung der Wochenarbeitszeit.

Laut einer Studie des französischen statistischen Instituts INSEE ist in den wichtigsten 10 Industriestaaten in den letzten 60 Jahren die Jahresarbeitszeit um ca. 25 Prozent heruntergegangen. In den USA fiel sie von 2 010 Stunden im Jahre 1950 auf 1 785 Stunden im Jahre 2007 herunter ; in Japan von 2 080 auf 1 784 Stunden ; in Spanien von 2 050 auf 1 775 Stunden ; in Großbritannien von 2 110 auf 1 607 Stunden ; in Schweden von 2 020 auf 1 601 Stunden, ; in Italien von 2 179 auf 1 566 Stunden ; in Frankreich von 2 230 auf 1 559 Stunden ; in Deutschland von 2 370 auf 1432 Stunden und in den Niederlanden von 2 500 auf 1413 Stunden herunter.

 

Geschichte und Wissenschaft

 Bereits 1948 baute im Rahmen der Tätigkeit der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) deren Gründer Dr. Rainer Hildebrandt einen Suchdienst nach verschollenen politischen Gefangenen auf. Gegen Ende der fünfziger Jahre wurde die Suchkartei der KgU mit etwa 900.000 Karteikarten dem Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes übergeben. Seit dem Bau der Mauer 1961 bis heute recherchiert das Mauermuseum – Museum Haus am Checkpoint Charlie (gegründet von Dr. Rainer Hildebrandt) die grausamen Verbrechen des Unrechtsstaates der SED und präsentiert diese der Öffentlichkeit. Auf einer Pressekonferenz zum 13. August 1989 hatte  das Berliner Mauermuseum von 191 Todesopfern des DDR-Grenzregimes gesprochen. Die Recherchen in der Zeit bis zum 09. August 2011 ergaben eine Zahl von 1.613 Todesopfern. Heute wissen wir – es sind noch mehr unschuldige Menschen, die an dieser verbrecherischen Grenze getötet wurden. Die geheime Statistik der DDR-Grenztruppen für Berlin stellt allein im Berichtsjahr 1962 fest: Von 4823 Versuchen, die Mauer zu überwinden, endeten 4274 mit Festnahme oder Tod und nur 549 waren erfolgreich.

   Am 10. November 2010 hatten sieben französische Tierschutzvereine die französischen Behörden auf die schweren Risiken für die Gesundheit, die Bakterien wie die E. Coli in den Hacksteaks darstellen. Daran erinnerte neulich die ehemalige französische Schauspielerin Brigitte Bardot, die ihr Leben dem Schutz der Tiere gewidmet hat. Dieses Risiko wird durch die rituale moslemische Tötung der Tiere verstärkt. Dadurch, dass man ihnen die Kehle abschneidet, entleert sich der Magen in andere Körperteile, und damit natürlich auch die Bakterien und sonstige aggressive Magensäfte. Frau Bardot hat Ende 2010 den Ministern für Landwirtschaft und für Inneres sowie dem Staatspräsidenten eine Studie, die diese Tatsachen belegt. Tierärzte bestätigen, dass die Seuche sich durch den Verzehr von Halal-Fleisch verbreitet haben kann. Aber der Staat will nichts gegen die schleichende Islamisierung unserer Lebensweise unternehmen. Selbst, wenn sie lebensgefährlich wird. (vgl. unser Artikel zu dieser Krankheit unter Wissenschaft/Gesundheit hiernach)

Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ist es gelungen, Daten im Umfang von 26 Terabit pro Sekunde auf einen einzigen Laserstrahl zu kodieren, 50 Kilometer weit zu übertragen und dann erfolgreich wieder zu dekodieren. Dies ist die größte je auf einem Laserstrahl transportierte Datenmenge. Das am KIT entwickelte Verfahren ermöglicht es, den Inhalt von 700 DVDs in nur einer Sekunde zu übertragen. Die renommierte Zeitschrift „Nature Photonics“ berichtet in seiner neuesten Ausgabe über diesen Erfolg (DOI: 10.1038/NPHOTON.2011.74).

 Jeder dritte Mensch in Europa steht unter Dauerstress. Ständige Verfügbarkeit, Angst vor Jobverlust, Druck am Arbeitsplatz - die Geißeln der modernen Arbeitswelt. Psychische Erkrankungen sind heute der Hauptgrund für ein frühzeitiges Ende des Erwerbslebens. Häufig kommt es zur totalen Erschöpfung, die Diagnose lautet dann "Burn-out". Und Besserung ist nicht in Sicht, Selbstausbeutung am Arbeitsplatz ist salonfähig geworden. Warum stehen die Menschen immer häufiger unter Druck? Wie reagieren Unternehmen auf den Psycho-Kollaps in der Arbeitswelt? - Friedemann Schmidt diskutiert darüber mit Prof. Götz Mundle, Burn-Out-Experte und Chefarzt der Oberbergklinik Berlin, mit dem freien Autor und Publizisten Konstantin Sakkas und Wolfgang Grupp, dem Inhaber von Trigema. - "Deutschland akut - Der Talk mit Friedemann Schmidt" - immer mittwochs um 23.10 Uhr auf N24. Die komplette Sendung im Internet unter: http://www.N24.de/deutschland-akut ; Kontakt: N 24 Programmkommunikation, Jendrik Weber, Tel.: +49 30 2090-4607, E-Mail: Jendrik.Weber@N24.de , http://www.N24.de

 

Grünanlagen und Gärten in unseren Städten sind zu beliebten Orten nicht nur von Müttern mit Kindern und von Joggern sondern auch von Raben und Krähen geworden. In den 70er Jahren konnte man keinen einzigen Raben in Paris finden. Heute leben 500 Krähenpaare in der französischen Hauptstadt. Sie haben andere Vögel, vor allem Singvögel, vertrieben. Raben und Krähen wurden derart auf dem Lande verfolgt und unterdrückt, dass sie in den Städte eine Zuflucht gesucht haben. Dort finden sie auch viel mehr Nahrung, indem sie im Müll für sie Schmackhaftes herauspicken. Natürlich erschrecken sie mit ihrem Geschrei und ihrem großen, schwarzen Schnabel die Kinder, sie können auch echte Schäden verursachen, wenn sie sich zu 20 oder 30 versammeln. Umgeworfene Müllsäcke sind häufig geworden. Manche Abfallgefäße werden heute so eingerichtet, dass sie für sie nicht erreichbar sind. Es sind auch äußerst intelligente Tiere, die sehr anpassungsfähig sind. An einigen Orten, wie in der Stadt Le Creusot (Departement Saône-et-Loire) dürfen sie abgeschossen werden, wenn sie zu zahlreich werden. In einer anderen Stadt wurde ein Flugdrache in Form eines Raubvogels verwendet, um sie abzuschrecken.

Im Atlantik wurde am 4. April 2011 von unbemannten Klein-U-Booten ein Teil der Kabine der am 1. Juni 2009 abgestürzten Air-France-Maschine gefunden. Leichen sind auch dabei. Wie viele verriet die französische Marine nicht. Bisher waren nur 51 Leichen der Passagiere an der Oberfläche geborgen worden. Die Blackboxes des Flugzeuges sind gefunden und herausgefischt worden. Sie sind im guten Zustand. Es wurde durch das Abhören der auf dem Meeresboden gefundenen Blackboxes sichergestellt, dass die Maschine nicht in der Luft sondern erst beim Aufprall auf dem Ozean auseinander gebrochen ist. Der Höhneverlust von 11 000 Metern bis auf die Ozeanoberfläche dauerte 3, 30 Minuten. Dass sich die Desintegration der Maschine erst im Wasser abgepsielt hat, war schon daran sichtbar geworden, dass die Wrackteile ziemlich dicht bei einander liegen (ein 200 Meter- 600 Meter breites und langes Feld). Die von den Tauchrobotern in fast 4000 Metern Tiefe fotografierten Wrackteile – Triebwerke, Fahrwerk und Flügeltrümmer - sind gut erhalten. Sie liegen in einem Trümmerfeld dicht beieinander. Die Ursachen des Unfalls sind vielfältig. Die Passagiere werden kaum gewusst haben, was sich ereignete. Die Piloten haben sehenden Auges den eigenen Tod erlebt. Einen der Suchroboter hatte das Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, IFM Geomar, zur Verfügung gestellt. Amerikanische Geräte haben auch an der Suche teilgenommen. Seit dem 4. April wurden Leichen wie weitere Wrackteile an die Oberfläche geholt.

April 2010 war mit einer Durchschnittstemperatur von 14,5 Grad Celsius weltweit der wärmste Monat auf dem Planeten seit dem Beginn der Messungen im Jahre 1880 registriert worden, berichtet die Weltorganisation für Meteorologie (OMM). Damit lebten die Erdbewohner im letzten April deutlich über der normalen Apriltemperatur von 13,7 Grad. Das war dem El Nino-Phänomen zu verdanken, unterstrich die OMM. Aber besonders unter den Tropen war die Erwärmung spürbar, wenn auch in Alaska und Kanada sowie im Norden Russlands die Wärme zu einer stärkeren Eisschmelze geführt hat. Das Arktikeis war in diesem Monat April mehr als je zuvor zurückgegangen. Dieser Bericht widersprach anderen Berichten, wonach die Temperatur in den letzten Wintern 2009-2010 udn 2010-2011 insgesamt am Kältesten seit Jahrzehnten war und eine verstärkte Bildung von Polareis gemessen worden war. Seit 2007 hat zumindest in Europa und in der nördlichen Hemisphäre die Temperaturerwärmung aufgehört. Besonders von der Kältewelle betroffen war im Winter die Nordhemisphäre und besonders Europa. In der zweiten Hälfte des Monats Mai 2010 und dann wieder im Februar 2011 hat das Azorenhochdrucksystem überhöhte Temperaturen nach Frankreich gebracht, während Deutschland überwiegend kalt blieb. Die Franzosen erlebten Temperaturschwankungen von 20 Grad und mehr von einem Tag auf den anderen. Schwächt sich der Golfstrom ab? Wird Europa kälter, während die Welt wärmer wird.

Sie waren dem Mittelpunkt der Erde näher als irgendein Mensch vor ihnen oder nach ihnen.
Am 23. Januar 1060 tauchten der Amerikaner Don Walsh und der Schweizer Jacques Picard in die „Challenger Tiefe“, knapp 400 Kilometer südwestlich von der Pazifik-Insel Guam. Mit knapp 11 000 Metern ist sie einer der Kandidaten für den tiefsten Punkt der Ozeane. Das Fahrzeug, ein Bathyskaph namens „Trieste“, hatte Picard gemeinsam mit seinem Vater Auguste im Jahre 1953 entwickelt und 1959 an die US-Navy verkauft. Als die Navy ein Jahr später zum Tiefenrekord ausholte, übertrug sie Don Walsh das Kommando. Don Walsh lebt noch, er ist „nur“ 75 Jahre alt und sagte neulich der Tageszeitung „Die Welt“ : „Kurz bevor wir unten ankamen, als ich das Echolot kontrollierte und Jacques aus dem Fenster schaute, um die Höhe auf den letzten Metern zu regeln – da sah er auf dem Boden einen Fisch. Einen Plattfisch“. „Eine Art Scholle oder Heilbutt“ in 11 000 Meter Tiefe. „Der Plattfisch teilte uns die Neuigkeit mit, dass es dort unten höheres Leben gibt“. „Die Sowjets, die mit ihrem Forschungsschiff <Witjas> ihre (eigene) Stelle entdeckten, haben dann einfach behauptet“, (…) dass sie ein paar Dutzend Meter tiefer war. „Obwohl sie damals alle Daten für sich behielten. Natürlich könnte es irgendwo da unten eine Stelle geben, die zehn, zwanzig oder vierzig Meter tiefer als unsere ist“. Auf die Frage, wie sie es neun Stunden lang durchgehalten haben, ohne auf die Toilette zu gehen, antwortete Walsh: „Kein Problem. Unser Unternehmen bietet zwölfstündige Fahrten zur Titanic an und vierzehnstündige zur Bismarck, für zahlende Passagiere. Wenn Sie ein paar Regeln befolgen, was Essen und Trinken vorher angeht, hält das jeder aus – obwohl wir da natürlich immer Flaschen für den Notfall dabei haben“.

 

 ▪ Kultur

Mit der Einführung des Burka-Verbotes in Frankreich am 11. April 2011 (wie mit dem Verbot von Minaretten in der Schweiz) wurde ein Sück euoropäischer Kultur wiederhergestellt. Seit der Einführung des Verbotes  wurden mehrere Frauen, die diesen Ganzkörperschleier trugen, mit Geldstrafen belegt. „Man hatte über die Anwendbarkeit dieses Gesetzes, sagte der französische Innenminister Claude Guéant, viele Befürchtungen zum Ausdruck gebracht. Es hieß, dieses Gesetz sei unanwendbar“. Falls die Polizei die Frau nicht überreden kann, ihren Gesichtsschleier zu öffnen, so muss diese eine Strafe von 150 € bezahlen und/oder eine sozial nützliche Arbeit verrichten. In so gut wie allen Fällen haben die Frauen ohne Widerstand die polizeilichen Anweisungen befolgt. Zwei Frauen, die mit dem Niqab bzw. mit der Burka auf einer Veranstaltung des französischen Politikers Jean-François Copé erschienen waren, werden dennoch nach den Worten ihres Anwalts gegen das Verbot bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte klagen. Die Organisation „Rühr meine Verfassung nicht an“ will für alle Geldstrafen aufkommen und unterstützt die Kandidatur der Niqab-Trägerin Kenza Drider für die französischen Präsidentschaftswahlen. - Das Parlament in Frankreich hatte unter Strafe verboten, die  Burqa, die vollständige islamische Verkleidung, die Kopf, Körper und Gesicht, ja sogar die Augen der Frau verdeckt, zu tragen. Sie steckt die Unglückliche Muslima in ein wandelndes Gefängnis. Ungefähr 2 000 Frauen in Frankreich trugen sie. Dies hatte eine Studie des französischen Innenministeriums erarbeitet. Diese Frauen leben meist in Ehepaaren, die zur radikalen Islambewegung „Salafismus“ angehören, die die Rückkehr zum Leben des Propheten preist und den Frauen vorschreibt, die totale Verschleierung zu tragen. Die Zahl der Mitglieder dieser Sekte wird auf 30 000 bis 50 000 eingeschätzt. Unter diesen Frauen, die meist die französische Staatsangehörigkeit besitzen, befinden sich viele Konvertiten. Dieser Fundamentalismus lockt junge Männer aber auch viele Frauen, die die absolute Hingabe im Glauben suchen. Manche sind Studienabbrecherinnen oder arbeitslose Diplomierte. André Gerin, ein Kommunist, ehemaliger Bürgermeister des Bezirks Vénissieux, einem Vorort von Lyon, wo viele Islamisten wohnen, hatte im Frühjahr 2009 eine Debatte darüber angestoßen, weil die Vermehrung der verschleierten Frauen in seinem Viertel ihn beunruhigte. Er hat an der Spitze eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses gestanden, der das Verbot ausgearbeitet hat. Die Staatssekretärin algerischer Abstammung Fadela Amara hatte sich ihrerseits für ein gesetzliches Verbot der Verschleierung und des islamischen Schleiers überhaupt im öffentlichen Dienst, Schulen, Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude… aber auch im Verkehrswesen ausgesprochen. Vorerst hatte Nicolas Sarkozy in einer offiziellen Rede geäussert, dass die Burqa „in Frankreich nicht willkommen ist“. Der Journalist und Fernsehsprecher Harry Roselmack hatte am 14. April 2010 eine Reportage über die "Salafisten", eine islamistische Sekte in Marseille, ausgestrahlt. Er stellte fest, dass die totale moslemische Kleidung der Frauen mit Schleier vor dem ganzen Gesicht (auch vor den Augen) sich einer immer grösseren Verbreitung in der Hafenstadt erfreute, wo die Bevölkerung algerischer Abstammung ein sehr grosses Gewicht hat. Danach wurde Roselmack von islamistischen Kreisen mit dem Tod gedroht.

 

Wegen einer in der Satire-Zeitschrift Penguen veröffentlichten Zeichnung, die „die religiösen Gefühle eines Teiles des Volkes verletzt“, hat die Staatsanwaltschaft in Istanbul Anklage gegen den türkischen Karikaturisten Bahadir Baruter erhoben. Die Karikatur zeigt einen Vorbeter in einer Moschee mit einigen Gläubigen. Einer der Männer telefoniert gerade mit dem lieben Gott, den er mit der überkonfessionellen Bezeichnung „Tanri“ anredet, nicht „Allah“: „Kann ich den letzten Teil des Gebets weglassen ich habe auch andere Dinge zu erledigen… Vielen Dank, min Gott! Schönen guten Tag noch…“ In den Arabesken, die die Wand der Moschee zieren, hat der Zeichner die Botschaft versteckt: „Allah yok, Din yalan“ – „Es gibt keinen Gott, Religion ist Lüge“. Nach dem Nachrichtenportal „Habertürk“ wird die türkische Gesellschaft immer islamistischer und zugleich immer intoleranter gegenüber Andersgläubigen und Nicht-Gläubigen. Dieser Trend wird durch die Regierung Erdogans kräftig gefördert.

 

 

Der französische Schriftsteller Louis Ferdinand Céline (1894-1961), seines wahren Namens Dr. med. Louis-Ferdinand Destouches, der mit den Deutschen 1940-45 kollaborierte und als ein rechtsradikaler Anarchist bezeichnet werden kann, wird keine nationale Anerkennung in Frankreich bekommen, denn er war Antisemit und stand den Nazis zu nahe. So hat es der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand beschlossen, obwohl Staatspräsident Sarkozy ihn als seinen beliebtesten Schriftsteller bezeichnete. Der Philosoph und ehemaliger Erziehungsminister Luc Ferry schrieb in „Le Figaro“, dass Céline im Gegensatz zu den Philosophen der Aufklärung, die an das Gute im Menschen glaubten, das Böse neu entdeckt hat.

 

 

                                                                                                                                      

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