Berlin: 20 Jahre Einheit

Berlin : 20 Ans d'Unité
Wir öffnen diese Rubrik für die Dauer eines Jahres, vom 9. 11. 2009 bis zum 3. 10. 2010, um hier die erreichten Fortschritte bei der der Wiedervereinigung Deutschlands, die gleichzeitig die Wiedervereinigung Europas war, vorzustellen. Nennen wir sie „Count down Einheit“. Besser würden jedoch die Worte „Waahnsinn Berlin!“ passen, die am Abend des 9. Novembers 1989 tausendmal ausgestoßen wurden.
Nous avons créé cette rubrique pour la durée d’un an environ - du 9.11.2009 au 3.10.2010 - afin de répertorier les progrès accomplis depuis une réunification allemande qui fut aussi celle de l’Europe. Elle pourrait s’appeler le « count down unité », mais aussi „Berlin, c’est fou!“, traduction approximative du cri « Waahnsinn Berlin! » lancé par des Berlinois quand leur ville fut réunifiée par la chute du mur, le soir du 9 novembre 1989.
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Liebe Leser unseres Newsletters,
da große Hoffnungen in den neuen
Flughafen BBI
gesetzt werden und da die vermeintlich notwendige Schließung der Berliner
Flughäfen Tempelhof und Tegel immer mit dem Verweis auf den funktionstüchtigen
Single-Airport BBI gerechtfertigt wurde, lohnt sich ein Blick auf das gesamte
Logistik-System, also auch auf die Schienenanbindung des neuen Flughafens vor
den Toren Berlins. Denn der neue BBI soll ja ein Schritt nach vorne werden - so
jedenfalls trat man 1990 mit dem Projekt an.
Tatsache ist, dass der hoch gelobte Airport-Express in Berlin 2mal in der Stunde
vom Hauptbahnhof zum BBI fahren soll – mit einer Fahrzeit von 30 Minuten.
Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg
(VBB), wird in der Presse zur Schienenanbindung des BBI aktuell folgendermaßen
zitiert:„Ich kenne in Europa keinen Flughafen mit einer schnelleren Anbindung.“
Wir müssen leider feststellen, dass Herr Franz offenbar Europa nicht kennt –
nicht einmal Deutschland richtig. Andere deutsche Flughäfen bieten ihren
Passagieren mehr Verbindungen: Düsseldorf 9mal/h, Hamburg 6/h, Frankfurt 8/h;
allein München wird mit seiner schlechten Anbindung im Negativen mit der
BBI-Anbindung konkurrieren können. Hierzu gibt es den bekannten, wenn auch
übertriebenen Satz: „Der Flughafen München ist nur aus der Luft zu erreichen.“
Und Europa? Zürich bietet 9 Flughafenzüge pro Stunde, Genf 5/h, Kopenhagen 7/h
und Brüssel 4/h an. Und in allen diesen Städten liegt die Fahrzeit zum
Hauptbahnhof, dort im Zentrum gelegen, unter 20 Minuten. Bekanntlich ist der
Hauptbahnhof in Berlin nicht das Zentrum. Will man dorthin, muss man umsteigen.
Die Aussage des VBB-Geschäftsführers Franz muss daher verwundern oder mehr: Sie
ist einfach falsch.
Zudem wird es keine direkte ICE-Anbindung des BBI geben, so dass weitere
Zeitverluste für die mit dem ICE anreisenden Airline-Passagiere zu
berücksichtigen sind. Wir erinnern uns: Verkehrsminister Wissmann sagte
seinerzeit, er garantiere, dass ICEs in den BBI fahren würden.
Die reine Fahrzeit des Hauptstadt-Express wird sich daher, bedingt durch die
Umsteigezeiten und durch eine unzureichende Frequenz, auf eine reale Anreisezeit
von bis zu einer Stunde aufaddieren.
Wir dürfen feststellen: Aus beiden Zentren Berlins kommt man heute in 20 Minuten
nach Tegel. Dies im Schnitt alle 2,5 Minuten.
Die Anbindung soll zwar zukünftig besser werden, aber die dafür notwendige
Trasse „Dresdner Bahn“ wird wohl erst 2015 fertig werden – wenn überhaupt.
Auch in puncto Schienenanbindung des BBI scheint also die Parole Platz gegriffen
zu haben, dass schon alles gut gehen wird – unabhängig von den widersprechenden
Tatsachen. Da Wunschdenken Berlin und der gesamten Region nicht weiterhilft,
sind die Verantwortlichen aufgefordert, die tatsächlichen Defizite der geplanten
Schienenanbindung seriös zu beschreiben und abzustellen.
Dem früheren Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel wird das Bonmot
zugeschrieben: „Dort, wo keine Schienen liegen, braucht man nicht auf den Zug zu
warten!“ Rommel meinte damit, dass man Fragen erst dann diskutieren sollte, wenn
sie sich ernsthaft stellen. Bezogen auf die Schienenanbindung des BBI scheint
jedoch auch die wortwörtliche Aussage schon vorher zu greifen!
Und was macht die Nachnutzung von Tempelhof? Am 10.04.2010 wird die Band
Jennifer Rostock dort ihren Titel „Es tut wieder weh!“ vorstellen. Ja, das tut
es.
Mit den besten Grüßen, Ihr Thema-Tempelhof Team
P.S.: Die Berliner SPD hat im März 2010, unter dem Titel „Berliner
Ideenkonferenz“, eine Veranstaltungsreihe begonnen, die insgesamt über 30
Termine umfasst. Keine einzige Veranstaltung befasst sich jedoch mit der
Stadtentwicklung oder der Verkehrsinfrastruktur.
● Leise Hommage an die deutsch-deutsche Freiheit
Draußen biegen sich Menschen in Bewegungen des Qigong. Milde Gesten. Es zirkuliert, fließt, es läuft weiter im Centre Bagatelle in Berlin-Frohnau, an dem Ort, der mindestens zwei Nationen via Bindestrich zusammenhalten soll. Die Deutsch-Französische Association wird, symbolkräftig an diesem Abend, zum Knotenpunkt des Verständnisses von Mensch zu Mensch. Ost-West. Deutsch-deutsch. Stasi-Opfer.
Vor diesem Herbst, in dem sich die Vereinigung von Bundesrepublik Deutschland und Deutscher Demokratischer Republik zum 20. Mal jährt, will Dr. Jean-Paul Picaper, der einst, während des Kalten Krieges, als Deutschlandkorrespondent des „Figaro“ auch die DDR kennen lernte, zwei ehemalige Häftlinge in den Fängen der DDR-Staatssicherheit über unmenschliche Knastjahre sprechen lassen.
Zur Linken: Dr. Matthias Bath, heute 54 und Staatsanwalt in Berlin, der mit 20 zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, weil er, der Westbürger, einen Mann, eine Frau und ein Kind in einem Kofferraum über die Grenze fahren wollte, in die Freiheit der Bundesrepublik.
Zur Rechten: Dr. Jörg Kürschner aus Hannover. Damals, mit 28, hat er einen Doktortitel in Rechtswissenschaften und eine Volontariats-Zusage von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Und: Er hat einen Kumpel in Jena, dem er statt Blümchen-Geschenke Literatur da lässt. Nicht erlaubte Literatur. Verbotene Literatur. Die DDR-Justiz hat zwei martialische Worte übrig: staatsfeindliche Hetze. Und ein Urteil: fünf Jahre und acht Monate Gefängnis. Heute ist Kürschner 58, Redakteur beim Mitteldeutschen Rundfunk und Vorsitzender des Fördervereins der Gedenkstätte Hohenschönhausen. Heute hat Kürschner die Schlüsselgewalt über ehemalige Zellentrakte, in denen Freigeist erstickt werden sollte. „Im Nachhinein“ hat Kürschner mal dem österreichischen „Standard“ gesagt, sei die Haft in Rummelsburg die schlimmste Zeit seines Lebens gewesen, „aber Hohenschönhausen war das Allerhärteste.“
Und was sagt Bath im Gedenkjahr, ergraut, Augen wie Ruhepole, ein Körper wie ein Fels in der Brandung der Geschichte? Nüchterne Worte über damalige Stasi-Mitarbeiter: „Die haben ihren Job für die falsche Sache gemacht. Insofern empfinde ich natürlich keinerlei Sympathie für sie, aber auch keine große Antipathie.“
Keine Sympathie, keine Antipathie, Bath balanciert nicht. Bath geht sicher auf diesem schmalen Grat, auf dem schicksalhafte Grenzgeschichten erzählt werden. Wie Kürschner. Und Picaper sitzt in der Mitte, der Journalist, der sich, wie er sagt, den Kampf gegen das DDR-System einst zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Picaper hat das Seziermesser zurechtgelegt.
Bath nimmt die Bitte auf, er will berichten. Das Seziermesser, das imaginäre, soll kein Kampfmesser sein. Er schneidet die Wahrheit in erträgliche Häppchen zurecht. Seine Speerspitze ist klar formulierte Sachlichkeit mit fast brutaler Wirkung.
9. April 1976. Der Lebensrhythmus ändert sich, für lange Zeit wird nichts mehr fließen, zirkulieren. Bath, 20 Jahre, will drei Menschen in den Westen bringen. Retten. Die Bitte kommt von einem hochrangigen Funktionär der Jungen Union, der Bath angehört. Sein Auto hat eine verstärkte Heckfederung, fällt schon bei der Einreise dem Stasi-Augapfel auf. Festnahme auf dem Rückweg, am Grenzübergang Marienborn. Untersuchungshaft in Hohenschönhausen, dem zentralen Untersuchungsgefängnis der Stasi. Das Bezirksgericht Frankfurt/Oder verurteilt ihn zu fünf Jahren. Noch mal vier Wochen Hohenschönhausen, dann Strafvollzug in Rummelsburg. Kein Freikauf wie üblich. Bath wird freigetauscht – gegen den DDR-Spion Burger, der die Berliner SPD ausgehorcht hatte und dafür zu sieben Jahren Freiheitsstrafe in West-Berlin verurteilt worden war.
Ende einer Odyssee am 18. Juli 1979. Am 1197. Tag. Bath ist 23 Jahre jung. Da glaubt er, dies sei das wichtigste Ereignis seines Lebens. Kurz nach der Haft schreibt er ein Buch. Das habe ihm geholfen, die Dinge zu verarbeiten. Und schon jetzt, als junger Mann, als frischer Ex-Häftling, zeigt er Stärke. Durch Sachlichkeit. „Gefangen und freigetauscht – 1197 Tage als Fluchthelfer in den DDR-Haft.“ Bath liest an diesem Sommerabend im Centre Bagatelle vor.
Liest vor, wie er im stockdunklen Barkas-Kleinbus transportiert wird. In einer von fünf rollenden Zellen. In Handschellen. „In einem fahrenden Sarg.“ Es ist einer der wenigen Augenblicke, in denen er dem Leser für seine Verzweiflung gefühlvolle Worte an die Hand gibt. „Mein Gott, das gibt es doch gar nicht. Das kann man mir doch nicht antun.“ Das: das sind die Beschimpfungen der Stasi. „Sie Wurm, Sie Niete, Sie Versager!“ Das sind die körperlichen Drohungen. Vor der Fahrt zum Prozess etwa klärt ihn ein Oberfeldwebel auf: „Bei Fluchtversuch wird sofort ohne Anruf von der Schusswaffe Gebrauch gemacht.“ Das: das sind die Zellen, deren Fenster nur einen Schlitz zum Luftholen bietet. Das Urteil. Der strenge Strafvollzug. Der Arrest. Die engen Verwahrräume, die er sich mit einem halben Dutzend Sträflingen teilt, mangelhafte Ernährung, wechselnde Schichten und Akkordarbeit, flankiert von Schikanen durchs Wachpersonal. Kein Geld für Wertgutscheine, weil er unter der gesetzten Norm bleibt: Mindestens 3200 Mal pro Schicht muss er Klemmen mit einem Kabelschuh versehen und mittels Schraube festziehen. Zudem versanden Briefe im Stasi-Nirgendwo, Eltern wird ihr Besuch verwehrt – ohne den Häftling, den Sohn, zu informieren. „Die Taktik des Austrocknens“, schreibt Bath. Sein Gegenmittel ist sein Verstand, denn herzloses Gebaren der Stasi-Leute hat ihn stark gemacht. „So wird man hart!“
Bath setzt sich mit Worten zur Wehr. Einem Leutnant sagt er klipp und klar: „Mit der Zeit verliert man etwas den Respekt vor der Uniform.“ Was er von den gesetzlichen Grundlagen der DDR hält, doziert er einem Major: „Sie sind für mich nichtig und werden von mir nicht akzeptiert.“
Manchmal hält ihn nur noch die Wut aufrecht und das Bauen von Luftschlössern, die das Grauen der Nächte in seiner Trutzburg, dem Bett, mildern sollen. In der Hochburg der Unmenschlichkeit inmitten menschlichen Lebens.
31 Jahre später, an einem lauen Sommerabend in der Deutsch-Französischen Gesellschaft. Jean-Paul Picaper ist erstaunt über diesen Gast. „Sie sind sehr milde“, sagt er nach links. Und schaut nach rechts.
Ruhe. Beruhigend sind Kürschners Blicke durch Brillengläser, Kürschner, der Ex-Bücherschmuggler und Opfer der Stasi. Kein Ex-Opfer. Die Erinnerungen sind frisch.
29. Dezember 1979. Kürschner macht sich auf nach Jena, ins Zentrum der intellektuellen Untergrund-Opposition, in der Kopfstütze seines VW-Käfers klemmen Artikel aus „FAZ“ und „Spiegel“, so viele Blätter, wie in den Hohlraum passen. Verhaftung am Grenzübergang Herleshausen. Stundenlanger Transport im stockdunklen Barkas. Ankunft in Hohenschönhausen, Isolationshaft, Abschottung vor Angehörigen und Anwalt. „Physisch wurde nicht mehr gefoltert, aber psychisch.“ Sechs Monate lang. Das Urteil vergisst Kürschner wohl nie, diese Worte des Richters am Bezirksgericht Gera über ihn, den Angeklagten: „Ein hoch spezialisierter Kader der ideologischen Division, der aus der Sudelküche der Soldschreiber kommt und unsere sozialistische DDR beschmutzt hat.“
Wie Bath kommt auch Kürschner nach Rummelsburg. Nach zwei Jahren Freikauf durch die Bundesregierung. Er ist einer von rund 33.000 politischen Gefangenen, die zwischen 1962 und 1989, dem Ende der DDR, gegen Devisen aus ostdeutschen Haftanstalten freigekauft und in den Westen ausgebürgert wurden. Erst für 40.000 Mark pro Häftling, später für bis zu 100.000 Mark.
Zwei Menschen, die nicht ihren Mund aufreißen. Zwei Protokollanten. Zwei, die ihren Stil pflegen. Es sind leise Stimmen und laute Organe, weil sie eine deutliche Sprache sprechen. „Sie sind sehr milde, außergewöhnlich“, sagt Picaper nach links, nach rechts. Das ist richtig. Das Publikum nickt bei diesen Worten. Doch warum diese Milde? Woher kommt sie?
Ihre Vergangenheit erscheint im Licht der Gegenwart. Die beiden Männer entscheiden darüber, mit welcher Vergangenheit, mit welcher Menge, sie leben wollen. Vergessen haben sie nicht, um weiter leben zu können.
Sie haben gelitten – mit Gewinn. Wie sie das geschafft haben? Sie haben ihre Vergangenheit in eine Ordnung gebracht.
Sie weichen nicht aus, damit sie nicht vom dem verfolgt werden, vor dem sie hätten ausweichen können. Sie verletzen ihre Peiniger nicht, weil sie wissen, dass sie dann nicht weniger verletzt wären.
Darum diese Klarheit. Das Mittel dazu: diese Milde.
Sie haben ihren Schmerz mitgeteilt, ohne ihn teilen zu können. Das wissen sie. Auch deshalb wirken sie milde.
Doch völlig unabhängig können auch sie nicht sein, wie kein Mensch, der in einer Gesellschaft lebt. Ihre geistig-moralische Verarbeitung von Stasi-Greueln entwickelt sich auf zwei Gleisen: mit Blick auf sich und mit Blick auf die Öffentlichkeit, auf fremde Augen, durch die jeder sich selbst betrachtet. Auf diesen Wegen der Verarbeitungskunst haben die Stasi-Opfer einen Weg zu machen versucht, um ans Ziel zu gelangen. Sie wollen Frieden finden – ohne zu vergessen. Das Mittel zu diesem Zweck: die Milde.
Das ist ihre Art der Verständigung. Sie zirkuliert, sie fließt, sie läuft weiter.
Heute führen Bath und Kürschner durchs Ex-Stasigefängnis am östlichen Rand der gesamtdeutschen Hauptstadt. Längst wirkt sie als Gedenkstätte. Mit insgesamt einer Million Euro wird sie zur Hälfte von Bund und Land finanziert. Rund 150 Mitglieder hat ihr Förderverein im Jubiläumsjahr der Stiftung.
Zehn Jahre Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Im bundesweit einzigen Ex-Gefängnis erzählen die einst Gequälten und Gedemütigten von ihrem Schicksal.
Matthias Bath und Jörg Kürschner bleiben sich auf der Spur.
Hildegard Filz
● Die Ereignisse 1989 waren eine lebendige Würdigung der französischen Revolution
Mit einiger Verspätung übernehmen wir hier absichtlich eine sehr bewegende Ansprache, die in einer Kirche in Berlin m Busstag 2009 von einem ehemaligen hohen Offizier der Stasi/Abteilung Desinformation/HV vorgetragen wurde.
„Erst in den Oktobertagen 1989 dachte ich konsequenter über den Sinn meiner Arbeit nach. Das war im siebenundzwanzigstem Jahr meiner Zugehörigkeit in der Aufklärung im MfS. Ich war von der Notwendigkeit dieser Tätigkeit überzeugt.
Bei vielen Mitarbeiter wuchsen Einsichten: Das gesellschaftliche Modell, das im Osten aufgebaut wurde und das wir schützen sollten, war utopisch und verkam in militanten Machtstrukturen.
Die Frage nach den Tätern verstärkte sich im Verlaufe der Umwälzungen mit der Anhäufung dokumentarischer Beweise und Zeugenschaft. In der Aufklärung wusste man vieles, zur inneren Situation weniger. Später dazu befragt, rechtfertigte ich mich nicht mit: „davon hätte ich nichts gehört und nichts gewusst“. Verantwortung war zu tragen.
Es war eine glückliche Fügung als wir uns in der Erlöserkirche treffen konnten. Ein Kreis von Opfern und Tätern traf sich 1990 bis weit in das Jahr 1999 zu einem „Zwiegespräch“– Tabus gab es nicht. Der Dialog musste immer wieder erlernt werden. Die Wahrheiten waren schmerzlich. Betroffenheit, oft genug befand ich mich im freien Fall. Mehrmalig habe ich die Runde verlassen, um den unbequemen Fragen auszuweichen. Täterschaft, ich wollte sie für mich erst einmal nicht hinnehmen. Doch sie hat viele Gesichter. Ich bin heute froh, dass sich meine Flucht aus Debatten in Grenzen hielt. Dass ich meine Chance genutzt habe.
1989 war auch der 200. Jahrestag der großen Französischen Revolution 1789, die laut ZK- Beschluss in der DDR mit kleinem Aufgebot als ein regionales Ereignis gewürdigt werden sollte. Die Ereignisse 1989 waren eine lebendige Würdigung dieser Revolution. Sie hat vor uns einem ganzem Jahrhundert die Kultur gegeben. Der Bürger wurde frei. Auch daran sei erinnert.
Johann Wolfgang von Goethe, der im September 1792 als Begleiter des Herzogs Karl August von Weimar den Frankreichfeldzug der preußisch- österreichischen Koalition miterlebte, hat nach der Kanonade von Valmy gegenüber den preußischen Offizieren mit den berühmt gewordenen Worten kommentiert: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabei gewesen.“
Wir alle sind 1989 dabei gewesen, auch diejenigen, die den Umsturz verhindern wollten. .
Was mich in jenen Wochen und Monaten noch bewegte:
War meine Tätigkeit nur ein Beruf oder eine Berufung gewesen? Überzeugungen und Glaube schmolzen wie Schnee. Das Dunkle und graue wurden sichtbar.
Der Beruf des Geheimdienstmannes ist der eines Einzelgängers. Es gibt natürlich eine gewisse Kameraderie, aber am Ende ist man mit seinen Geheimnissen allein. Man lebte und arbeitete in einem fieberhaften Zustand der Erregung und ist stets angewiesen auf die Hilfe der Kollegen. Aber man zieht immer weiter, entweder in eine neue Dienststelle oder Abteilung oder beginnt eine neue Operation. Und damit erwirbt man neue Geheimnisse, die einen auf subtile Art von denen trennt, mit denen man bisher zusammengearbeitet hat. Kontakte und Beziehungen, besonders mit der Außenwelt, waren zufällig und unregelmäßig, da der größte Teil dessen, was einen bewegte, nicht geteilt werden kann. Aus diesem Grunde beuten Geheimdienste auch ihre Leute aus. Es liegt einfach in der Natur des Berufes, und jeder, der eintritt, weiß das.
Am 28. Dezember 1989, neun Uhr – ein nasskalter, nebliger Tag, stand ich in einer wartenden Menschenschlange in der Zentrale in Lichtenberg, Normannen Str, Hauptgebäude 15, Kaderabteilung der Staatssicherheit. An diesem Dezembertag hatte ich ein letztes Mal meinen Klapp- Deckel-Ausweis beim Posten hochschnellen lassen, um das „Zentrum“ zu betreten. Entlassung, Endstation. Ich warf meine letzten, persönlichen Utensilien in die dafür bereit gestellten Pappkartons.
Die letzte Weisung: „Alle warten im Flur, sie werden in Gruppen zum Tor geleitet“. Der Laufzettel wurde an der Wache abgegeben. „Abgewickelt“ -. Ein Wortfetzen, der in den kommenden Jahren noch Konjunktur haben sollte. Immerhin hatte ich den blauen Personalausweis, einen Blauen für den ersten „freien“ Gang in den Westen. Vorerst fühlten wir uns vogelfrei. Es war die Stunde der Wahrheit. Die von uns viel beschworene Machtfrage war entschieden.
Dr. Herbert Brehmer
Das Wetter war nicht allzu gut, es regnete, es war nasskalt, aber das Fest zum 20. Jahrestag der Öffnung der Berliner Mauer war am Brandenburger Tor am 9. November 2009 ein Fest der Freude. Der Kettensturz der „Domino-Galerie“, das viele im Voraus kritisiert hatten, war der Clou der Veranstaltung und eine Augenweide. Das Wort „Freiheit“ war auf allen Lippen, und die Kommentare in allen Sprachen erwähnten die Überwindung des „Totalitarismus“. Allmählich bahnt sich nach so vielen Jahren die Einsicht, dass die DDR und die Sowjetunion nicht weniger „totalitär“ als das Dritte Reich waren. Alles in allem: Diktaturen.
Diesem Urteil hätten sich die von Marx und Mao infizierten 1968er Studenten in Westberlin damals nie angeschlossen. Damals und bis 1989 herrschte in der veröffentlichten Meinung des Westens die Überzeugung, dass die DDR doch gar nicht so schlimm und jedenfalls lebensfähig war, dass ihre Staatsbürger sich mit dem Honecker–Regime „arrangiert“ hatten, bis die friedliche Revolution dort dieser Selbsttäuschung ein unerwartetes Ende setzte. Umfragen belegen heute, dass die deutsche Jugend, - von Franzosen und sonstigen Zeitgenossen ihrer Generation gar nicht zu reden, viel zu wenig über die Zeit des sog. „kalten Krieges“ weiß. Der Geschichts- und Politikunterricht hat da versagt. Aber die erfreuliche Feier in Berlin am 9.11.09 zeigte, dass sich Lernpotential angesammelt hat und dass „der Bauch, aus dem das kroch“, um Brecht zu zitieren, vielleicht doch nicht mehr so fruchtbar ist. Neue Gefahren lauern allerdings und das Studium der Diktaturen und ihrer Zwangsapparate ist noch ein wichtiges Fach und eine heisses Eisen.
Am Allerwichtigsten in der Flut von Reden, die gehalten wurden, fanden wir deswegen das Wort von Hillary Clinton, und zwar, dass „die kommunistische Unterdrückung nicht von einer religiösen Unterdrückung abgelöst werden darf“. Die US-Außenministerin meinte damit natürlich den islamistischen Fundamentalismus. Ein wichtiger Hinweis auf die Neuzeit, die sich viel zu sehr auf den Sturz der Berliner Mauer ausrichtet und die Geheimpolizei und die Desinformation vergisst, die das Rückgrat der Diktatur bildeten und heute noch in vielen Regionen der Welt bilden. Natürlich geht es für uns in erster Linie um Europa. In seiner Rede im Friedrichstadtpalast einige Tage vor der Feier hatte Bundespräsident Horst Köhler unterstrichen, „man ehre die Politiker, die Europa wieder vereinigt hatten, am besten, wenn die heutigen Politiker das Werk der früheren fortsetzen“, und „indem wir weiterbauen am Haus Europa und an einer Entwicklungspolitik für unseren ganzen Planeten“. Auf dieser Vorveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung mit 1 800 Gästen waren Michail Gorbatschow (78), der frühere US-Präsident George Bush (85) und Helmut Kohl (79) anwesend. Bei allem Verdruss und Ärger meinte Kohl, er habe „nichts Besseres, als stolz zu sein auf die deutsche Einheit“ und rührte damit das Auditorium zu Tränen. Aber damals, vor 20 Jahren, habe „der Himmel uns geholfen“, schloss er bescheiden.
Der
Altkanzler hatte davor nach den Händen seiner Freunde Bush und Gorbi gegriffen,
besonders nach denen Gorbatschows. Sein Verhältnis zu beiden sei „ein
Glückfall“ gewesen, meinte er. Die Freundschaft zu Gorbatschow sei „von
Mal zu Mal“ gewachsen. Helmut Kohl saß im Rollstuhl. Er ist noch von der
schweren Kopf- und Beinverletzung gezeichnet, die er sich bei einem Sturz in
seinem Haus in Oggersheim zugezogen hat. Er hat noch Probleme mit dem
Artikulieren. Aber die Rückkehr auf die große, historische Bühne tat ihm
sichtlich wohl. Er glänzte leider am 9. November am Brandenburger Tor durch Abwesenheit, und so gut
wie kein Redner noch TV-Journalist erwähnten seinen Namen. Dabei kann man Gift
darauf nehmen, dass in 20, 50 und 100 Jahren kaum einer der Anwesenden am
Brandenburger Tor mit der deutschen und europäischen Vereinigung in
Zusammenhang gebracht werden wird – mit Ausnahme von Helmut Kohl.
Nicht weniger wichtig und symbolträchtig war die Teilnahme der Bundeskanzlerin an der Gedenkfeier zum 11. November in Paris. Das französische Fernsehen TF1 hat nicht versäumt zu betonen, dass die deutsche Hymne zum ersten Mal am Pariser „Arc-de-Triomphe“ abgespielt wurde. Frau Merkel hat, dem Ritual entsprechend, die ewige Flamme am Grab des unbekannten Soldaten neu entfacht. In politischen Kreisen in Berlin hat man diese Geste des französischen Staatspräsidenten hoch geschätzt, die klarstellt, dass aus Feindschaft Freundschaft geworden ist und dass sich "das" nie wiederholen darf noch wird. „Vive l’amitié franco-allemande“ sagte Angela Merkel mit einem wunderschönen deutschen Akzent und erwiderte damit Nicolas Sarkozys Erklärung in deutscher Sprache vor dem Brandenburger Tor, als er sagte mit nicht weniger französischer Akzentuierung : „Wir sind alle Brüder. Wir sind Berliner“.
Der Franzose sprach in Paris vom „Schatz“ der deutsch-französischen Freundschaft. Die Kommentare und Leserbriefe in der französischen Presse waren durchmischt. Auch in Deutschland waren die Leserbriefe eher negativ (oder die Zeitungen haben solche vielleicht vorgezogen). Die sog. „Ewigkriegführenden“ haben sich über die Zweckentfremdung des Sieges von 1918 beklagt. Freunde Europas hoben jedoch hervor, wie bedeutsam und wohltuend diese deutsch-französische Begegnung an einem Tag war, wo beide Völker in der Trauer um die umsonst verstorbenen „Landser“ und „Poilus“ vereint sind und in eine friedliche Zukunft schauen. „Es berührte mich, dass Sarkozy der Leiden beider Völker in jenem entsetzlichen Krieg gleichermaßen gedachte, schrieb Ulrike Ruppel in der „B.Z.“ am 12. November. Die Kategorien Sieg und Niederlage – sie spielen im Gedächtnis unserer Völker keine Rolle mehr“.
Leider fehlt im Elysée-Palast ein kompetenter Deutschland-Berater des Staatspräsidenten, während im deutschen Kanzleramt mehrere Diplomaten sehr gut französisch sprechen und Frankreich kennen. Der Fehltritt vom 11. November, als auf dem Pariser Programm stand, dass die deutsche Hymne „Deutschland über alles“ abgespielt wird, sprach Bände. Dass es heute das „Deutschlandlied“ oder das „Lied der Deutschen“ heißt, wusste offensichtlich niemand in der Umgebung des Staatspräsidenten. Die französischen Politiker und die Franzosen allgemein sind in Sachen Deutschland das geblieben, was sie immer waren: Ignoranten. Wir haben also noch diesbezüglich eine ganze Menge Arbeit vor uns. (JPP)
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Ein Interview von Hans Georg Wieck
Hans Georg Wieck war deutscher Botschafter inTeheran, in Moskau, in Brüssel bei der Nato,und in New Delhi, aber er war auch Präsident des Bundesnachrichtendienstes( BND) in den entscheidenden Jahren 1985-1990.
„Ich empfand den Sturz der Mauer als die Befreiung von einer historischen Last.“
Hans Georg Wieck wurde 1928 in Hamburg geboren. Er erlebte im Krieg als junger freiwilliger Feuerwehrmann die Großangriffe der anglo-amerikanischen Bomber auf seine Heimatstadt. Nach dem Studium der Geschichte, der Philosophie und des öffentlichen Rechts und nach der Promotion (Dr. Phil.) wurde er in Bonn Diplomat. Er leitete die politisch-militärische Planung im Verteidigungsministerium (1964-66), war deutscher Botschafter in Teheran (1974-1977), in Moskau (1977-1980), beim Nato-Rat in Brüssel (1980-1985) und Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) in den Wendejahren 1985-1990. Anschließend war er Botschafter in New-Delhi (1990-1993). Heute leitet er internationale humanitäre und politische Aktionen, schreibt Artikel und hält Vorträge über deutsche und internationale Politik, zuletzt in diesem Herbst mit einer Vortragsreihe im frankophonen Afrika.
Herr Botschafter, wo waren Sie am Tag, als die Berliner Mauer geöffnet wurde?
Am 9. November 1989 war ich zu Konsultationen mit den amerikanischen Diensten in Washington D.C.
Am Tage zuvor war ich in New York. Bei dem Gespräch mit dem deutschen VN-Delegierten Botschafter Bräutigam, der Jahre hindurch die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ost-Berlin geleitet hatte, kündigte ich ihm das bevorstehende Ende der DDR an - vor dem Hintergrund der Protestbewegung und der sich rapide verschlechternden wirtschaftlichen Lage sowie der Haltung der Sowjetunion, unter keinen Umständen einem reformunwilligen System zur Seite zu stehen- schon gar nicht mit Waffen. Er wollte es nicht glauben.
Es sind sechs Stunden Zeitunterschied in Washington gegenüber MEZ Berlin und die Nachrichten kamen dort schon am Nachmittag des 9. an. Sie wurden auf allen Fernseh- und Rundfunksendern mit dem Bildern vom Fall der Mauer und dem Besteigen der Mauer vor allem durch Jugendliche gesendet. Washington feierte den Sieg der Freiheit in der DDR mit der Jugend als Avantgarde. Die Amerikaner sahen, dass es ihr Sieg war, weil diese unblutige Revolution mehrheitlich von jungen Menschen gemacht worden war.
Was empfanden Sie?
Freude natürlich. Ich habe den Sturz der Mauer als eine Befreiung von einer historischen Last empfunden. Die Sowjetunion hatte aus ihren eigenen Gründen das von ihr kontrollierte europäische Vorfeld machtpolitisch freigegeben, war besorgt wegen etwaiger Angriffe auf ihre Garnisonen und suchte unmittelbar die Zusammenarbeit mit dem deutschen Bundeskanzler, um die Lage in der DDR nicht in die Gewalt eskalieren zu lassen. Die deutschen Demonstranten aber trugen Kerzen und Blumen, keine Steine und keine Waffen.
Im Westen waren noch viele Gegner der Wiedervereinigung…
Vor dem Hintergrund der Geschichte empfanden viele Deutsche vor allem solche der politischen Klasse und der so-genannten Intellektuellen bei dem Gedanken an ein wiedervereinigtes Deutschland mit 80 Millionen Einwohner und einer der stärksten Volkswirtschaften auf dem Globus, einen tief sitzenden Albtraum, ein tief empfundenes Unbehagen. Golo Mann äußerte sich in diesem Sinne im Gespräch mit dem damaligen französischen Botschafter in Bonn, Serge Boidevaix.
Auch in New York, anders als in Washington, waren insbesondere in den Medien Bedenken gegen ein wiedervereinigtes Deutschland deutlich spürbar. Am 10. oder 11. November wurde ich in einem Hintergrundgespräch mit Mrs. Graham, der Herausgeberin der „Washington Post“ nach der Wiedervereinigung und dem Schicksal der NATO gefragt. Ohne die Regierung festzulegen, dazu war ich ja als Geheimdienstchef nicht autorisiert, sagte ich als Ausfluss meiner Beurteilung der neuen Lage, dass ich von der NATO-Mitgliedschaft eines vereinigten Deutschland ausgehe, weil Machtvakuen in Zentraleuropa für alle Seiten, auch für die Sowjetunion, unakzeptabel sein würden.
Darüber hinaus waren im Westen der ideologische Stillstand und das Ausmaß der wirtschaftlichen Stagnation in der Sowjetunion nicht Allgemeingut der Medien, Regierungen und Parlamente. Viele Regierungen erwarteten nach einigen Gorbatschow-Reformen die Wiederaufnahme der expansiven ideologischen und militärischen Politik – ich nicht. Das Gorbatschow-Regime suchte die Anerkennung als Weltmacht mit einer leistungsfähigen, konkurrenzfähigen Wirtschaft und Verteidigungskräften auf vereinbarten Niveaus mit dem Westen. Gorbatschow wollte Mitglied des Clubs werden.
Gorbatschow wollte vom Westen anerkannt werden, und dazu gehörte auch die Hinnahme der NATO-Mitgliedschaft Deutschlands als Ganzes. Das hat George Bush Gorbatschow abgerungen - und Deutschland hat diesen Handel vergoldet – denn Gorbatschow – die SU – war ein armer Mann geworden. Finanzielle Hilfen waren für das Überleben der in eine wirtschaftliche und finanzielle Krise geratenen Sowjetunion unerlässlich geworden.
Also wussten Sie, dass die Wiedervereinigung Deutschlands kommt?
Ich habe immer an die Vereinigung der Deutschen in einem demokratischen Staat „geglaubt“, weil die Teilung seit dem von den Sowjets blutig niedergeschlagenen Volksaufstand vom 17. Juni 1953 und nach der gewaltsamen Unterbindung der Bevölkerungsbewegung zwischen den beiden deutschen Staaten sowie den beiden Teilen Berlins mit dem Bau der Mauer am 13.August 1961 zur Distanz der Menschen gegenüber dem Regime geführt hatte. Die Menschen fühlten sich in ihrer Menschenwürde verletzt.
Schon zu Zeiten des Kalten Krieges genoss die Bundesrepublik – obschon ideologischer und militärischer Gegner – in der Sowjetunion hohes Ansehen – nicht nur wegen der hoch leistungsfähigen Wirtschaft. Dennoch hatte ich im Falle einer definitiven Anerkennung der Teilung Deutschlands und Berlins die Verewigung der sowjetischen Vorherrschaft in Ostmitteleuropa und eine nationalistische Gegenbewegung im eigenen Lande, sowie den Stillstand im europäischen Einigungsprozess gefürchtet. Nun war dieser Spuk am 9. November 1989 vorbei.
Verfügten Sie als BND-Chef über Agenten und Informanten in der DDR und in den Staaten des Warschauer Paktes, inklusive Russland?
Die Penetration der Herrschaftsstrukturen der Staaten des Warschauer Pakts war für alle westlichen Dienste schwierig – aber sie gelang in gewissem Umfang, vor allem in den Apparaten des Zentralkomitees der Herrschaftsparteien sowie im Wirtschaftsbereich. Wir waren nicht im Politbüro aber wir hatten gute Informanten auf der Ebene der Gehilfen in der DDR und auch in Moskau. Über mehrere Jahre der BND hatte eine gute Innen-Quelle im Ministerium für Staatssicherheit der DDR – sonst auch Verbindungen in den Stasi-Apparat hinein. Es ist also falsch, wenn die ehemaligen Leute der Stasi heute behaupten, wir hätten so gut wie keine Agenten drüben gehabt. In Moskau hatte der Dienst über siebzehn Jahre eine sehr zuverlässige Quelle im KGB, die auch sicher heraus geleitet werden konnte. Es war ein KGB-Mann im Rang eines Obersten. Er saß in der Abteilung für Gegenspionage. Ungefähr zwei Jahre vor dem Fall der Mauer mussten wir ihn aus der SU exfiltrieren.
Wie der BND 1979 die Freundin des wichtigsten Überläufers, des Leutnants Werner Stiller, Helga Michnowski, über die deutsche Botschaft in Warschau heraus geschleust hatten?
Ja, sie und andere. Unser Top-Agent in Moskau war ein passionierter Koch. Ich backe auch gerne. Er kam zu mir nach Pullach nach seiner Rettung und wir haben uns beim gemeinsamen Kochen unterhalten. Er hätte gerne weiter für uns gearbeitet und hatte nicht das Gefühl, dass er in Gefahr war, aber unser Verbindungsmann mit ihm meinte, dass er gefährdet war und so haben wir ihn gleich herausgeholt.
Im Falle des Admirals Baumann, alias Winfried Zakrzowski, war das gescheitert…
Ja und Klaus Kinkel, mein Vorgänger an der BND-Spitze, hat lange darunter gelitten, aber Baumann hatte, wie das bei Männer oft passiert, mit seinem angeblichen Wissen geprahlt und er war nicht fähig gewesen, sich im richtigen Moment zu entscheiden. Der BND hatte die Operation sorgfältig vorbereitet. Er bezahlte seine Unentschlossenheit mit dem Leben. Seine Freundin, Dr. Med. Christa Karin Schumann, wurde später ausgetauscht und kam in den Westen. Deren Sohn folgte viel später.
Hatten Sie gute Quellen in anderen Staaten des Warschauer Paktes?
Wir hatten gute Verbindungen in den Regierungen Warschau, Budapest. Es war leichter in Ländern mit stark antisowjetischen Tendenzen in Partei und Regierung – wie Ungarn, Polen und Rumänien. So war seit 1988 bekannt, dass die Sowjetunion nicht mehr bereit war, einem in Not geratenen Regime mit Waffengewalt unter die Arme zu greifen. Die sowjetische Armee im Vorfeld übte – generalstabsmäßig – sowjetische Militäraktionen ohne Beteiligung der WP-Staaten. Aus den nichtsowjetischen WP-Staaten konnte man sogar ohne große Schwierigkeiten sowjetisches Kriegsmaterial beschaffen.
Welche technische Mittel hatten Sie?
Wichtige Informationsquellen waren die nicht sicheren telegraphischen Berichte der Kreisleitungen an die SED-Zentrale, wir haben sie systematisch angezapft. Ohne Einzelheiten zu nennen, kann ich sagen, dass beide Seiten mit den neuesten technischen Entwicklungen arbeiteten. Die Schwachstelle ist aber stets der Mensch. Gewiss gelang es der DDR, in vielen Fällen gewonnene Quellen anzuwerben, bzw. Quellen anzubieten. Die DDR konnte immer falsche „Flüchtlinge“ einschleusen.
Hatten sie Kontakte in der Bevölkerung der DDR?
Die operative Abteilung des BND hatte es abgelehnt, DDR-Bürger am Balatonsee in Ungarn und an den Stränden des Schwarzen Meeres, in den Bars und Hotels dort von unseren Leuten befragen zu lassen, wie ich es angeregt hatte zu tun. Wir wussten, dass die Stasi überall war und es wäre für sie und für unsere Leute zu riskant gewesen. Dafür habe ich Befragungen der Millionen von Besuchern, die in den letzten Jahren der DDR Familienbesuche machen konnten, durchführen lassen. Hinzu kam natürlich auch die Briefkontrolle. Der BND führte auf diese Weise systematische Befragungen unter der Bevölkerung durch, die in sechsmonatigen Abständen auf der Grundlage von etwa 600 Meldungen die Stimmungslage der Bevölkerung recht genau erfassen konnten. In die Meinungsumfragen wurden die Besucher aus der DDR, die Postsendungen, aber auch Teilnehmer an internationalen Konferenzen einbezogen. Natürlich versuchte man, Agenten unter den Besuchern zu rekrutieren. Das MfS registrierte, dass nach meinen Dienstantritt im Jahre 1985 die politische Aufklärung in der DDR sehr stark intensiviert wurde. Kein Wunder. In meinen Moskauer Jahren war ich verschiedentlich durch den Ostblock gereist.
Ja, das hatten Sie angeordnet. Wie war diese Stimmung?
75 Prozent der Menschen aus der DDR waren für die Vereinigung und 25 Prozent dagegen - zum einen die Nomenklatur, zum anderen die Dissidenten, die die Bildung eines zweiten demokratischen Deutschland anstrebten. Das Ergebnis stand in krassem Gegensatz zu der vorherrschenden Meinung im Westen, wonach sich die DDR als zweiter deutscher Staat stabilisiert hatte. Die Bevölkerung sehnte sich weitgehend nach der Wiedervereinigung in erster Linie um den Lebensstandard des Westens zu bekommen. Hinzu kam das Verlangen nach Reisefreiheit. Ich bin überzeugt, wenn das Regime Reisemöglichkeiten zugelassen hätte, und zwar durch eine einfache Handhabung auf der Ebene der Gemeinden und der Kreise, so wäre ein Großteil der Leute zurückgekehrt. Stattdessen haben sie sie verfolgt und inhaftiert und dann an den Westen verkauft. Sie brauchten deren Wohnungen für die verdienten Kader der Partei und der Apparate, die sie als Wohlverhaltensprämien bekamen, zum Trost, weil sie nicht ins westliche Ausland reisen durften.
Waren Sie im Sommer 1989 über die Krankheit Honeckers informiert?
Die nicht lebensgefährliche Erkrankung Honeckers im Sommer 1989 war uns bekannt. Sie führte zur Entscheidungsunfähigkeit des Regimes in einer kritischen Phase. Die persönliche Tragödie, die er durchgemacht hat, hat eine Immunschwäche ausgelöst und den Krebs ausgelöst. Der Fall lässt sich mit dem Tod des Schahs von Persien nach dessen Machtverlust vergleichen. Der Gegensatz von Markus Wolf und Mielke war stadtbekannt. Sein Ausscheiden dürfte aber auch mit den Bemühungen der Sowjetunion zusammenhängen, in der DDR eine Reformgruppe zu bilden mit Modrow, Berghofer und vielleicht Schabowski.
Die Stasi behauptete nach der Wende, dass sie besser als der BND war. Was sagen Sie dazu?
Ich erklärte vor einigen Jahren in einer Veranstaltung in der Normannenstrasse als man meinte, man sei geheimdienstlich besser als der BND gewesen: „Ich will Ihre handwerklichen Fähigkeiten nicht in Frage stellen, aber die ideologische Brille hinderte Sie daran, die Wirklichkeit zu erkennen – bei uns und bei Ihnen im Lande. Wir kannten die innere Gemütslage der Menschen in der DDR und die desolate Lage der Finanzen und der Wirtschaft nicht – und so verpassten Sie die Chance der demokratischen Reform im Schutze von Gorbatschows Politischer Strategie“.
Lassen Sie mich auch daran erinnern, dass das MfS Jahrzehnte hindurch in der deutschen Öffentlichkeit eine Desavouierungskampagne gegen den BND betrieb, um die Akzeptanz der Berichterstattung durch die Regierung zu unterminieren. Das gelang ja auch lange Zeit hindurch – aber nie im Kontext von NATO, wo die militärische, wirtschaftliche und politische BND-Berichterstattung viel Anerkennung fand. An der Desavouierung des BND beteiligten sich bei uns auch Kanzler – aus Überheblichkeit.
Welche Personen haben Sie in dieser historischen Wendezeit am meisten beeindruckt?
In erster Linie möchte ich den Gewandhauskapellmeister Kurt Masur erwähnen. Am 9. Oktober 1989, dem Tag der ersten großen Leipziger Montagdemonstration, gehörte Masur neben den Sekretären der SED-Bezirksleitung Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel, dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange und dem Theologen und Stasi-Mitarbeiter Peter Zimmermann zu den sechs prominenten Leipzigern, die den Aufruf Keine Gewalt! verfassten. Er sagte, lasst die Menschen mit Blumen und Kerzen demonstrieren. Dieser Aufruf wurde während der Demonstration mehrfach über die Lautsprecher des Leipziger Stadtfunks verbreitet und trug so maßgeblich zu deren friedlichen Ablauf bei. Es hat diese unblutige Revolution geprägt und vielleicht möglich gemacht. Danach kamen die Transparente mit der Aufschrift „Wir sind das Volk“, später „Wir sind ein Volk“.
Eine Zwischenfrage: Französische Journalistenkollegen behaupteten damals, dass dieser zweite Aufruf vom BND in die DDR hineingetragen worden war…
Die Slogan „Wir sind das Volk“ war von den Dissidenten geprägt worden. Der Slogan „Wir sind ein Volk“ war von der Massenbewegung geprägt worden. Der BND war und ist keine „Einfluss-Organisation“.
An zweiter Stelle nenne ich Willy Brandt, weil er am 10. November 1989 mit seinem hohen internationalen und nationalen Prestige das Tabu der Wiedervereinigung beseitigte. Er nahm die Forderung der Massenbewegungen „Wir sind ein Volk“ auf und erklärte in Berlin: „Was zusammen gehört, wächst zusammen“. Der SPD-Bürgermeister von Berlin und andere in seiner Partei brauchten viel mehr Zeit dazu.
An dritter Stelle nenne ich Mikhail Gorbatschow, der die sowjetischer ideologische, militärische sowie wirtschaftliche Stagnation sowie Selbstisolierung als tödliche Gefahr für die Sowjetunion erkannte und den Weg zu Verständigung mit dem Westen freilegte. Er leistete den größten Einsatz in dem europäischen Umwälzungsprozess der achtziger Jahre – ohne Netz – leistete Michael Gorbatschow. Aber ohne handlungsfähige Partner im Westen konnte nichts erreicht werden.
Da nenne ich an vierter Stelle George Bush, der den Fall der Mauer und die vor allem von der Jugend in der DDR getragene Protestbewegung als den Sieg der Freiheit über die Diktatur in Ostdeutschland erkannte und dies mit seiner konsequent positiven Haltung zur Wiedervereinigung honorierte.
Als Fünften nenne ich Helmut Kohl, der wie Bush sich als verlässlicher und handlungsfähiger Mann mit Augenmaß an den Schalthebeln erwies. Er verknüpfte die von ihm emotional vorangetriebene Vereinigung Deutschlands unauflöslich mit der Rüstungskontrolle in Europa (KSE) und mit der Stärkung der Europäischen Einigung (Währung, Politische Union). Damit verband er die Erfüllung der nationalen Zielsetzung unauflöslich mit der europäischen Zielsetzung: die europäische Vereinigung (gemeinsame Währung, Politische Union) und eine verlässliche europäische Sicherheitsarchitektur zu erreichen. Das ist ein konstruktiver strategischer Entwurf für Europa und für Deutschlands Stellung in diesem Europa und damit in der Welt.
Hätte das Sowjetsystem früher zusammenbrechen können, wenn der Westen etwas energischer aufgetreten wäre?
Das Sowjetsystem ist an seinen eigenen Defiziten und an den Fehlern der Reformpolitik zugrunde gegangen: Gorbatschow hat das Machtmonopol der KPdSU (Artikel 6 der sowjetischen Verfassung ) aufgehoben und damit ein Machtvakuum geschaffen, in das die Nationalismen eindrangen und die sowjetische Schale ihres Machtkerns beraubten – vor allem der russische, aber auch der ukrainische und der der baltischen und kaukasischen Republiken. Im Lande selbst – in der Sowjetunion - mangelte es an einem Bündnis zwischen der Allunions-Machtzentrale und den Machtzentren in den Unionsrepubliken. Die nationalen Hauptstädte zerstörten die Sowjetunion. Jetzt rächte sich die Unterwerfungspolitik der Sowjetunion gegen die eigenen Nationen.
Wie erklären Sie sich die bereits von Ihnen erwähnte Bewunderung der sowjetischen Führung für Westdeutschland?
Der deutsche Angriff 1941 und der von Deutschland geführte Vernichtungskrieg, der mit dem teuer erkauften Sieg der Sowjetunion im „Großen Vaterländischen Krieg“ endete, haben dem Sowjetsystem, über den Tod von Stalin 1953 hinaus eine Lebenschance von einem halben Jahrhundert gegeben – gestützt auf die vorhandenen Bodenschätze. Das kommunistische Regime hat die Sowjetunion wirtschaftlich ruiniert.
In der gleichen Periode von fünfzig Jahren wurde der wirtschaftliche und politische Trümmerhaufen Europa in eine wirtschaftlich und sozial Georg hochleistungsfähige Union demokratischer Staaten verwandelt, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland. Das 1945 ausgeblutete und zerstörte Deutschland hatte es im Westen innerhalb von zwanzig bis dreißig Jahren geschafft, zur dritten Wirtschaftsmacht der Welt zu werden. Das verdankten wir weitestgehend der Bevölkerungszufuhr aus den verlorenen Ostgebieten und aus der DDR. Am Anfang war ein Konflikt mit den Neuankömmlingen, die westlichen Eigentümer mussten Steuern bezahlen, aber das half der Integration der neuen Westdeutschen, deren Betriebsgründungen, usw. Die Bevölkerung in Westdeutschland ist von ursprünglich 40 Millionen allmählich auf 60 Millionen, plus die 2 Millionen Westberliner gestiegen.
Der Zusammenbruch der Sowjetunion und des Sowjetblocks ist die strategische Folge des phänomenalen Aufbaus des kriegszerstörten Europas unter Einschluss des freien Teils von Deutschland – unter dem Schutzschirm der NATO - und der Überwindung der internen Europäischen Machtrivalitäten durch den Einigungsprozess, der nicht im Abstrakten und Ungefähren blieb, sondern mit dem Vertrag von Rom von 1957 eine positive Perspektive für alle Nationen in Europa offerierte – wenn sie sie sich denn vom sowjetischen Joch befreien würden. Die EU bedeutet: Freiheit und Demokratie, Achtung der individuellen Menschenrechte, wirtschaftliche Entfaltung und letztlich Wohlstand ohne Unterwerfung unter einen Hegemon. Daher gibt es eine Warteschlange.
Werfen wir auf 1961, das Jahr des Mauerbaus, einen Blick zurück. Wurde die Bundesrepublik Deutschland von ihren Verbündeten verraten?
Nein. Die Mauer hat zwar die Deutschen voneinander getrennt. Sie hat jedoch langfristig zum Bruch zwischen Bevölkerung und DDR Regime beigetragen, aber nicht die Alliierten Rechte in Berlin tangiert. In Anerkennung des Umstands, dass eine militärische Konfrontation in der Mitte Europas nicht ohne die Bundesrepublik Deutschland geführt werden könnte, wurde die Bundesrepublik Deutschland 1960/1961 mit „gleichen Rechten“ in den „Alliierten Kriegsrat der Drei Berlin-Mächte“ aufgenommen. Ich habe 1960-1965 fast fünf Jahre in dieser Washington Botschaftergruppe gearbeitet.
Welche Rolle spielte Frankreich in alledem?
Es wäre nicht ohne Frankreich möglich gewesen. Aber das Bündnis mit Frankreich war seit einem Vierteljahrhundert unauflöslich geworden. Ohne die schicksalhafte Versöhnung zwischen den beiden politisch verantwortlich handelnden Charles de Gaulle und Konrad Adenauer hätte die Jahrzehnte in Anspruch nehmende Annäherung zwischen diesen Ländern nicht stattfinden können. Diese Annäherung ist auch heute das belastbare Fundament der europäischen Einigung. Drei Kriege wurden zum Schicksal der beiden Nationen. Nun ist die Vereinigung Europas das „Schicksal dieser beiden Nationen“, das bedeutender ist als Winkelzüge der Tagespolitik oder der handelnden Personen. Indem sie in Europa Initiativen ergreifen, die immer notgedrungen auf Kompromiss beruhen, ziehen Deutschland und Frankreich die anderen EU-Mitglieder nach sich. Sie sind die Triebkraft Europas.
Wurde ein Geheimabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR unterzeichnet, dem sich Deutschland heute noch verpflichtet fühlt?
Es gibt keinerlei geheime Abkommen zwischen Moskau und Berlin über eine beiderseitige Abhängigkeit, schon gar nicht eine solche mit einem deutschen Verzicht auf den Bau von Atomkraftwerke. Es gab Planungspapiere zur wünschbaren beiderseitigen Abhängigkeit im Auswärtigen Amt und in der EU. Putin und Schröder haben von dieser gegenseitigen Abhängigkeit geschwärmt – aber die CDU hat immer Distanz dazu bewahrt - aus einer Reihe von Gründen. Der heutige Neo-Imperialismus in Moskau hat die Schwärmer in Berlin zum Schweigen gebracht. Die EU ist in ihrer Gesamtheit der wichtigste Wirtschaftspartner der Bundesrepublik Deutschland (70 % des deutschen Außenhandels). Dann folgen die USA (10 Prozent) und China (9 Prozent) und erst dann Russland (5 Prozent).
Aber Deutschland – ehemals Preußen - und Russland haben vielfältige Beziehungen miteinander – nicht selten zu Lasten der zwischen ihnen lebenden Völker. Sie haben im Ringen mit einander furchtbare Katastrophen erlebt. Aber der Respekt vor dem anderen Volk ist geblieben. Das hat etwas mit der DDR-UdSSR-Verknüpfung nach dem zweiten Weltkrieg zu tun, aber nicht minder mit der hohen Wertschätzung der Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland, von der man hofft, beim Aufbau der eigenen industriellen Basis zu profitieren – wie am Ende des 19. Jahrhundert oder nach der Revolution. Aber wie kann das funktionieren – ohne verlässliche Rechtsordnung, ohne eine gemeinsame Werteordnung, ohne Demokratie. Der jetzt zur Schau gestellte neo-imperiale Kurs von Moskau stößt sich im Raum mit der neuen EU-Politik der Östlichen Partnerschaft, die von Berlin vollinhaltlich gestützt wird.
Uns ist das Schicksal Russland aber nicht gleichgültig. Ich denke, ich kann es bezeugen, denn seit 1954 hatte und habe ich immer wieder mit der Sowjetunion und Russland zu tun. Nun sind die EU und Russland Nachbarn und das ist gut so. Auch Russland hat eine Zivilgesellschaft, die größte Nähe zu den vielgestaltigen Zivilgesellschaften in den EU-Ländern sucht.
Zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Berliner Mauer und der anschließenden Wiedervereinigung macht sich in Deutschland wieder nationalistisches Denken breit? Mit einer gleichzeitigen Abwendung von der Europäischen Union?
Heutzutage wird in unseren Öffentlichkeiten eine Europamüdigkeit zur Schau getragen, weil sich keiner von dem Votum oder dem Referendum in einem einzelnen Mitgliedstaat für die weitere Gestaltung der Europäischen Union abhängig machen will. Das Interesse an der Stärkung der europäischen Union (Handlungsfähigkeit) ist aber in Deutschland groß – für die Gestaltung der Beziehungen zu Moskau und zu Washington und für das Gewicht Europas in den globalen Fragen (Umwelt, Sicherheit, Krisenmanagement, Welthandel, Energie). Aber in Demokratien haben Netto-Zahler ein kritisches Publikum zu Hause – aus verständlichen, wenn auch nicht logischen Gründen.
Das politische Deutschland braucht keine spektakulären nationalen Erfolge auf der internationalen Bühne, um Ansehen zu Hause zu gewinnen. Es braucht internationale Erfolge unter unserer Mitwirkung bei den „Fragen der Menschheit“ – internationale Sicherheit (ABC-Waffen, internationales Krisenmanagement, Terrorismus), Umwelt, Armut, Weltfinanz- und Wirtschaftskrise - und bei den Schlüsselfragen der sozial verträglichen internationalen Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft und ihrer Innovationsfähigkeit. Das ist der untrügliche Gradmesser für den Erfolg einer deutschen Regierung.
● Wiedervereinigungskater und Ronald Reagan
Ich war dabei, ich habe sie fallen gesehen, die Berliner Dominomauer. Am 09.November 2009. Den Augenblick werde ich nie vergessen. Und viele andere auch nicht. Wir lagen uns nicht in den Armen und wir jubelten auch nicht, wir fotografierten und hielten uns an Regenschirmen fest. Präsentiert wurde die Deutschland-Show vom Wendegewinner Thomas Gottschalk, dem der Zusammenbruch des Ostblocks viele Millionen wehrlose Zuschauer in seine 'Wetten, dass...'-Arme trieb.
Als besondere Attraktion hatten sich die Organisatoren des Mauer-Events überlegt, rund um das Brandenburger Tor wieder ein Teilungsgefühl aufkommen zu lassen. Deswegen kam niemand von einer Seite auf die andere. Zwar wurde nicht geschossen, dafür aber angeblafft: „Hier is zu!“ So fühlte sich das damals also an, für die Ost-Berliner. Jetzt weiß man das auch. Dieses volkspädagogische Gruselkonzept wird viele wachgerüttelt haben. Wer die Sektorengrenzen dennoch überwinden wollte, musste am Montag in den Untergrund gehen. Die U-Bahnen fuhren deutschvölkerverständigend über jedes historische Stoppschild hinweg. Die S-Bahn auch.
Schon um 16.00 Uhr standen sich die Leute am Potsdamer Platz auf den Füßen, weil sie den staatstragenden Domino-Day bewundern wollten. Immer wieder zogen Hundertschaften von ZDF-Mitarbeitern durch die Reihen, auf dem Weg zu ihren Kameras und Ü-Wagen oder zum nächsten Interview mit genervten Vätern oder freundlichen Asiaten. Auf den Jacken einer Jugendgruppe stand, dass die Mauer friedlich und durch die Liebe gefallen ist. Genau diese Behauptung bringt den Erinnerungskult um die Wiedervereinigung auf den Punkt. Man verklärt sie so, wie man sie haben will.
Am Anfang vom Ende stand nämlich eine relativ unfriedliche Aufrüstung, mit der ein in Deutschland nicht gerade beliebter US-Präsident den Terrorstaat Sowjetunion in den Ruin trieb. Die Deutschen und Berlin verdanken Ronald Reagan viel, es spricht nicht gerade für die Ehrlichkeit im Umgang mit dem Mauerfall, dass sein Name praktisch nie erwähnt wird.
Reagan ist der Irre, der von größenwahnsinnigen Weltraum-Raketen-Projekten träumte, ein ehemaliger Schauspieler, der mit seinen Drohgebärden kaputt machte, was in Jahren dezenter Diplomatie erreicht wurde (es wurde übrigens gar nichts erreicht). Reagan ist so etwas wie der George W. Bush der 80er Jahre, er steht für alles, was nicht sein darf. Man kann ihn nicht würdigen, ohne dadurch die bundesdeutsche Grundüberzeugung aufzugeben, dass Reden, Reden, Reden immer zum Ziel führt und Kriegsdrohungen immer davon weg.
Diese Überzeugung wird nicht in Frage gestellt, sie ist für die deutsche Politik ein Naturgesetz. Da gibt es nichts zu diskutieren. Sonne, Wind, Regen, Diplomatie.
Und deswegen feiert man die Wiedervereinigung groß und laut und ohne den Mann zu ehren, dem Millionen Deutsche und Osteuropäer ihre Freiheit zu verdanken haben.
Verlogen könnte man das nennen, vor allem wird es aber diesem historischen Triumph über Terror und Unterdrückung nicht gerecht. Die Geschichte so zu verdrehen, dass am Ende der Wunsch der Ostdeutschen nach Freiheit die Mauer einstürzen ließ, klingt zwar verlockend und hört sich gut an, ist aber eben nur die halbe Wahrheit, wahrscheinlich sogar noch weniger. Ohne Ronald Reagan wäre der Ostblock nicht kollabiert, zumindest nicht 1989. Gut möglich, dass diese kommunistische Menschenvernichtungsmaschine heute immer noch existieren würde, während „aus der Geschichte gelernte“-Chefdiplomaten auf einen Wandel durch Annäherung hoffen. Jahr um Jahr um Jahrzehnt um Jahrzehnt (siehe Iran).
Nein, nein, die Macht der Liebe ist kein gutes Druckmittel, wenn es gegen Diktaturen geht. Solche Glückskekssprüche dürfen gerne auf den Jacken irgendwelcher Jugendgruppen stehen, aber sie hätten nicht zum inoffiziellen Motto der Veranstaltung werden dürfen.
Quelle: „Die Welt on line“
Eine Hymne an Berlin von Gunnar Schupelius
„Die Berliner haben in den vergangenen Tagen Millionen Gästen gezeigt, was sie in den 20 Jahren seit dem Mauerfall aus ihrer Stadt gemacht haben, schreibt uns ein Berliner. Dass die Welt dieses neue Berlin mag, zeigen die bisher ständig steigenden Besucherzahlen – sogar mitten in einer weltweiten Wirtschaftskrise. Zwanzig Jahre nach ihrer Wiedervereinigung ist Berlin als kosmopolitische Metropole wiedererstanden. Das weckt weltweit Neugier und – darüber freuen wir uns besonders – Sympathie“.
Berlin ist keine schöne Stadt, nein. Die Zerstörungen des 2. Weltkriegs sind bis heute erkennbar. Die Baulücken wurden mit Fassaden ganz unterschiedlicher Stilrichtungen geschlossen, die alle nicht zueinander passen. Die Stadtplanung der 60er Jahre hat Schneisen in die Stadt geschlagen, die uns noch heute in unserem ästhetischen Bewusstsein wie unheilbare Wunden schmerzen. In Berlin werden Straßen ständig umgebaut, Häuser werden einfach ausgewechselt. Derzeit reißen wir den Beton der 50er- bis 70er Jahre wieder ab und ersetzen ihn durch moderne Fassaden aus Glas und Stahl. Wenn ich sagen sollte, was mir als Berliner an Berlin am meisten auffällt, dann sind es die Baustellen. Es wird immer gebaut. Berlin scheint nie fertig zu werden. Es wird auch nicht schöner, es baut eben.
Wir Berliner sind sehr tolerant. In keiner Hauptstadt Europas gilt das „Leben und Leben lassen“ so wie bei uns. In Berlin leben 14 Prozent Ausländer und es werden immer mehr. Die absolute Mehrheit von uns sagt, dass sie gut mit den Ausländern zusammen lebt. Pro Jahr besuchen 6,5 Millionen Touristen uns 3,4 Millionen Berliner. Wir sind nach London und Paris das begehrteste Reiseziel Europas. Bei den Amerikanern stehen wir neuerdings an erster Stelle auf der Beliebtheitsskala noch vor London.
Was mögen die Touristen an Berlin? Eigentlich die Baustellen, sie lieben es, dass sich Berlin ständig entwickelt, wohin auch immer, und niemals fertig ist. Und sie lieben das kulturelle Angebot: Berlin bietet mit 150 Theaterbühnen, drei Opernhäusern, 170 Museen und 200 Clubs mehr, als alle anderen deutschen Städte zusammengenommen.
Auf der anderen Seite ist Berlin die vielleicht provinziellste Hauptstadt Europas. Hier müssen Sie mit dem Stadtplan Taxi fahren, weil sich die Fahrer nur in ihrem eigenen Kiez auskennen, und zwar aus dem Grunde, dass sie der nächste Kiez gar nicht mehr interessiert. Hier sind die Busfahrer ganz unverschämt. „Wo geht es bitte zum Pergamon-Museum?“ fragte neulich eine Touristin. „Wenn ick dit wüsste, säße ick nich hier“, sagte der Busfahrer. Diese unverschämte Antwort enthält übrigens eine gute Portion Selbstironie, die zu unserem Humor gehört: Der Mann wollte sagen, dass er nicht intelligent genug ist, um den Weg zu erklären und dass er es deshalb auch nicht weiter als bis zum Busfahrer gebracht hat. Berlin hat den schwärzesten aller deutschen Humore, kein Deutscher verfügt über mehr Sarkasmus als wir.
Nur an einem Punkt verlieren wir Berliner unseren Humor. Dann, wenn es um unsere Kleingärten geht. Die gibt es bei uns sogar mitten in der Stadt. Zum Beispiel nahe dem Kurfürstendamm. Sie liegen dort in einer großen Lücke zwischen Wohnhäusern, die jetzt bebaut werden soll. Die Kleingärtner sehen überhaupt nicht ein, warum sie ihre Parzellen verlassen müssen und bekommen dabei Unterstützung von den Politikern und vor Gericht sogar Recht. Innenstadt? Wirtschaft? Büros? Darauf pfeifen wir! Wir wollen unsere Scholle. Berlin ist Hauptstadt des Schrebergartens, wie er im West-Teil heißt und der „Datsche“, wie wir sie im Ostteil nennen.
Im Ostteil sagen wir zum Beispiel auch immer noch „Einraumwohnung“ und nicht „Einzimmerwohnung“, wie im Westteil.
Berlin fällt übrigens nicht nur umgangssprachlich in zwei Teile, sondern auch mental. 18 Jahre nach der Einheit lesen die Berliner in West- und Ost unterschiedliche Tageszeitungen. Wer mit der S-Bahn über einen der Punkte fährt, an dem die Mauer stand, der kann im Waggon sehen, wie langsam aber stetig die Zeitung in der Hand der Fahrgäste wechselt. Im Westteil fahren "B.Z.", "Morgenpost" und "Tagespiegel" S-Bahn, im Ostteil werden sie von "Berliner Zeitung" und "Kurier" abgelöst.
Berlin ist einerseits gespalten, andererseits aber in seiner politischen Grundstimmung geeint, und zwar als rote Stadt: SPD und Linke haben hier 53 Prozent. Zählt man die Grünen dazu, die in Berlin traditionell sozialistisch angehaucht sind, dann erkennt man, dass 68 Prozent der Berliner links wählen. Wo gibt es das? Wo gibt es so viel politischen Aktionismus, wie in Berlin? Hier quälen sich täglich mehr als zehn Demonstrationen durch die Straßen, das sind pro Jahr fast 4000. Immer im Januar pilgern 80 000 Menschen zum Grab von Rosa Luxemburg. Das ist die größte regelmäßige postkommunistische Versammlung der Welt.
Berlin ist nicht nur die röteste, sondern auch die grünste Hauptstadt Europas: 42 Prozent seiner Fläche besteht aus Wald, Wiesen und Parks, in den Straßen stehen 420 000 Bäume. Wir Berliner gießen unsere Bäume, wenn es trocken ist. Wir dulden nicht, dass ein Straßenbaum beschädigt oder gefällt wird. Dann verlieren wir abermals unsern Humor. In meiner Nachbarschaft sammelten die Anwohner neulich mehrere tausend Euro, um für zwei umgestürzte Platanen auf eigene Faust Ersatz zu pflanzen. Dabei ist die Straße jetzt schon derart zugewachsen, dass die Autos im Sommer tagsüber mit eingeschaltetem Licht fahren müssen.
Genau so heiß wie unsere Straßenbäume lieben wir übrigens unsere Haustiere. Wir halten uns 106 000 angemeldete und schätzungsweise 30 000 “steuerfreie“ Hunde. Wir haben uns das mit 16 Hektar Grundfläche größte Tierheim der Welt gebaut. In unseren Supermärkten wird an den Kassen Dosenfutter als Spende für herrenlose Katzen gesammelt.
Tiere machen uns eben einfach glücklich. Wir sind, gemessen an der wirtschaftlichen Situation unserer Stadt, bestimmt die glücklichste Metropole der Welt: 90 Prozent von uns sagen, sie leben gerne hier. Dabei ist Berlin eine untreue Stadt: Hier werden pro Jahr 12 000 Ehen geschlossen und gleichzeitig 10 000 geschieden. Dabei ist Berlin eine einsame Stadt: Hier bleibt die Hälfte aller Erwachsenen ledig und mehr als die Hälfte lebt in Einpersonen-Haushalten. Dabei ist Berlin eine arme Stadt: Die Arbeitslosenquote liegt immer noch bei 15 Prozent, nur 52 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung geht einer Arbeit nach und davon nur 9 Prozent im produzierenden Gewerbe. 267 000 Menschen beziehen Sozialhilfe und jedes dritte Kind lebt von Hartz IV. Kein einziger Dax-Konzern hat seinen Sitz in der deutschen Hauptstadt, dabei wurden Deutsche Bank, Allianz, Siemens und AEG einstmals hier gegründet.
Unsere ganz unerklärliche Zufriedenheit auf niedrigem materiellem Niveau hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sehr treffend in den berühmt gewordenen Satz gefasst: „Berlin ist arm aber sexy“. Das ist der schnoddrigste Slogan, den jemals ein Stadtoberhaupt für seine Stadt erfunden hat.
In unserer Zufriedenheit kleiden wir Berliner uns leider nicht besonders sexy, sondern ärmlicher, als wir es nötig hätten. Wir gehen immer noch in der Jogging-Hose einkaufen. Schöne junge Frauen laufen bei uns herum, als hätten sie sich auf dem Flohmarkt eingekleidet. Bei uns tragen die Lehrer ungewaschene Jeans. Bei uns lässt der Polizist den Bauch einfach aus der Uniform hängen. Bei uns geht man im violetten Sakko auf den Ball und im Unterhemd zur Oper.
Wir haben keinen internationalen Flughafen und die Scheiben unserer U-Bahnen sind so zerkratzt, dass man nicht hinaussehen kann. Bei uns gibt es das schlechteste Bier Deutschlands und die beste Currywurst. Bei uns gibt es nichts, was es nicht gibt. Das ist unser Berlin. Wir lieben diese Stadt. (G.S.)
●
Tempelhof: Zweiter Jahrestag eines historischen Flughafens
In diesen Tagen jährt sich zum zweiten Mal das Scheitern des Tempelhof-Volksentscheids vom 27. April 2008, der dem SPD-PDS-Senat grünes Licht gegeben hatte, diesen historischen Flughafen zu schliessen. Der städtische Flughafen Tempelhof, ebenso wie Tegel, der 2012 oder 2013 geschlossen werden soll, waren ruhmreiche Ort der Rettung Berlins (West) während des Stalin-Blockade von 1948-49 . Zur Erinnerung: An jenem schönen Apriltag 2008 war die Wahlenthaltung beim Volksentscheid sehr gross gewesen. Eine kleine Minderheit, vor allem von Ostberlinern, die keine Beziehung zur Geschichte der Front- und Mauerstadt Berlin hatten, entschied sich für die Schliessung. Immerhin fanden rund 530 000 Tempelhof-Wähler beim Berliner Senat kein Gehör. Der (direkten) Demokratie wurde ein schwerer Schaden zugefügt. Es bleibt eine Erkenntnis: Die Auseinandersetzung um Tempelhof mobilisierte die Berliner, so wie es seit Jahrzehnten kein anderes Thema mehr getan hatte, und so wie es mutmaßlich auch für lange Zeit keines tun wird.
Jetzt planen die Gegner der Schliessung, die inzwischen eine vollendete Tatsache geworden ist, einen neuen „Europa-Volksentscheid“, der vielleicht den Flughafen Tegel retten könnte. Alle anderen Hauptstädte haben mehrere Flughäfen. Warum sollte der Flughafen im Nord-Westen der Stadt erhalten bleiben. Das Flughafen in Schönefeld (das BBI) würde keinen Schaden davon tragen. Um das Volksentscheid-Ergebnis von 2008 richtig zu würdigen, sei darauf hingewiesen, dass im geplanten Europa-Volksentscheid ein Quorum von 1 Million Stimmen für einen Erfolg ausreichen soll, also bei rund 700 Millionen Einwohnern rund 0,14%. In Berlin lag das Ziel bei 25%.
Wir rekapitulieren die Ereignisse
1. Von Beginn an inszenierte der Berliner Senat und die Politische Linke, allen voran Klaus „Ich bin kein Trickser, ich bin die Regierung!“ Wowereit, die Auseinandersetzung nicht als Streit in der Sache, sondern als Machtprobe.
2.
Im Stile einer Volksfront trat ein sogenanntes „Bündnis für ein flugfreies
Tempelhof“ an und agitierte mit einer primitiven Klassenkampf-Rhetorik gegen die
Offenhaltung von Tempelhof.
3. Das obenstehende Foto zeigt ein Plakat dieser Kampagne, auf dem, unter
dem Leitmotto „Nein! Zum Flugbetrieb in Tempelhof“, eine Frau mit Kind den
folgenden Satz zum Besten gibt: „Flughafen für Superreiche? Wir lassen uns doch
nicht auf den Arm nehmen!“. Das war bezeichnend für das Niveau der
Tempelhof-Gegner.
Ein Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der amerikanische Investoren, die ein chancenreiches Konzept für die Offenhaltung und Weiterentwicklung von Tempelhof vorgelegt hatten, als „Reiche Onkel aus Amerika“ bezeichnete, hatte für dieses Vorgehen den Boden bereitet.
4. Außerdem sahen die SED-Nachfolger von der damaligen Linkspartei.PDS nun die Chance gekommen, mit dem Luftbrückenflughafen Tempelhof ein prominentes Symbol der Freien Welt zu schleifen. Den Ostberlinern wurde die Schließung von Tempelhof zudem als Kompensation für vermeintlich erlittene Kränkungen und Benachteiligungen angeboten – besonders bezüglich des abgerissenen „Palastes der Republik“.
5. Die Tonlage der Auseinandersetzung wurde senatsseitig im Frühjahr 2008 vom neuen Senatspressesprecher Dr. Richard Meng bestimmt, der die Tempelhof-Befürworter als „Ewiggestrige“ bezeichnete.
6. Klaus Wowereit hingegen erklärte mehrfach, dass er von seiner Entscheidung Tempelhof zu schließen, nicht abgehen werde.
Eine politische Auseinandersetzung wurde also mit dem Hinweis auf den fehlenden rechtlichen Zwang ausgebremst und der Berliner Bevölkerung wurde signalisiert, dass es sich um eine vermeintlich sinnlose Abstimmung handeln würde.
„Wenn Tempelhof offen
bleibt, kommt sofort ein Baustopp für BBI“, äusserte Klaus Wowereit am 24.4.2008
im Berliner Abgeordnetenhaus. Das war bekanntlich falsch.
„Das Mordsrisiko eines Baustopps für den BBI“ (Senatssprecher Dr. Richard Meng
in der „Berliner Morgenpost“ am 10.06.2008) wurde also nur herbeigeredet und
bestand tatsächlich zu keinem Zeitpunkt, da Tempelhof – wie Tegel - bis zu 6
Monate nach der BBI-Eröffnung offen gehalten werden konnten.
Die vorfristige Schließung von Tempelhof war eindeutig
eine allein politisch gewollte Aktion.
7. Wie wurde nun der direkt-demokratische Verfassungsvorgang
„Volksentscheid Flughafen Tempelhof“ seitens der politischen Linken, die sich
selber auf basis- und direkt-demokratische Traditionen beruft, kommentiert?
Auffallend war die Aggressivität, mit der gegen die Bürgerbewegung der Tempelhof-Befürworter, die offensichtlich nicht in die links-politische Vorstellungswelt passte, vorgegangen wurde.
Die Abgeordnete von Bündnis 90/ Die Grünen, Claudia Hämmerling, bezeichnete bei einer Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus am 03.09.2007 das bevorstehende Tempelhof-Volksbegehren als „Volksverklapse“! So wenig Respekt vor einem Verfassungsvorgang gab es wohl noch nie.
8. Der Volksentscheid erzielte mit 529 880 Ja-Stimmen oder mit 60,1% der abgegebenen Stimmen eine beeindruckende Mehrheit. Dieses waren 21,7% der gesamten Berliner Wählerschaft. Er scheiterte dennoch, da das verpflichtende Quorum der Ja-Stimmen von 25% verfehlt wurde.
Klaus Wowereit hatte dem Volksentscheid vorab jede Bindungswirkung abgesprochen. Nun verlangte er, dass die Tempelhof-Befürworter ihre Niederlage als eine Entscheidung gegen die Offenhaltung des Flughafens zu respektieren hätten.
Fazit:
Festzuhalten bleibt, dass der komplette Regierungsapparat des Berliner Senats
auf Hochtouren lief, um die politische Korrektur einer sachlich unbegründeten
Flughafenschließung zu verhindern. Allen voran demonstrierte Klaus Wowereit ein
ums andere Mal, wie der massive Widerstand der Bevölkerung gegen sein
unbegründetes Regierungshandeln zu brechen war.
Ein zwangsläufig nur semi-professionell organisierter Bürgerverein, wie der Kampagnenträger ICAT, hatte dieser Machtpolitik, trotz einer mutmaßlich guten finanziellen Ausstattung in der Schlussphase, nichts entgegenzusetzen.
Der Volksentscheid ging verloren, weil der Rot-Rote-Senat und das links-politische Spektrum unmissverständlich klar machten, wem angeblich die Stadt tatsächlich gehört und wer sich auf die Direkte Demokratie berufen darf.
Zahlreiche Berliner engagierten sich trotz alledem voller Begeisterung für ihren Flughafen Tempelhof, und konnten das Vorgehen des Berliner Senats nur als Missachtung ihrer Entscheidungsfreiheit werten.
Das Thema Tempelhof -
die Fachinformation zum Flughafen Tempelhof.
www.das-thema-tempelhof.de.
Kontakt: Wolfgang Przewieslik, 0176-223 550 70,
030-231 30 318, E-Mail:
wolfgang.przewieslik@das-thema-tempelhof.de
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einer vollständigen Quellenangabe zulässig.
● Die gähnende Leere eines Freizeitflughafens…
Im Rathaus Reinickendorf und im Berliner Rathaus, wo man den Flughafen Tegel in wenigen Jahren einem ähnlichen Schicksal widmen möchte, müssten Politikern und Bürokraten die Haare zu Berge stehen. Ist es denn diesen Menschen noch nicht aufgefallen, dass Berlin mehr Wiesen, Wälder und Seen anzubieten hat als alle Hauptstädte Europas und keineswegs neue Leerstellen braucht? Die Berliner werden sich wohl nicht auf einem ehemaligen Flughafen tummeln, wenn die Seen im Sommer zum Bade und die Wälder zum Wandern einladen. Dafür werden die Passagiere lange Wege und teure Taxifahrten zum BBI in Kauf nehmen müssen. In diesem Zusammenhang gibt unser Kollege Gunnar Schupelius seinem Ärger freien Lauf.
Als am 8. Mai 2010 das Flugfeld Tempelhof für andere Zwecke geöffnet wurde, sagte der Regierende Bürgermeister Wowereit dem Gelände eine große Zukunft voraus. Bausenatorin Junge-Reyer kündigte an, das Flugfeld so beliebt zu machen, wie es der Central Park bei den New Yorkern sei. Knapp zwei Wochen später entstanden Fotos vom Flughafen Tempelhof, die das Gegenteil beweisen: Polizisten vertreiben sich die Zeit, einer von ihnen spielt mit seinem Schlagstock Baseball. Weit und breit ist kein Mensch auf den Startbahnen zu sehen, die zum Inline-Skaten einladen sollten.
Öffnung des Flugfeldes kostete 560.000 Euro
Auf den Liegestühlen in den Wiesen liegt kaum ein Mensch. Der Fotograf erwischte nur ein paar Kinder, die um einen Baum spielen. Es sind Bilder, die Ödnis, Leere und Perspektivlosigkeit zeigen. Sie zeigen einen Flughafen, auf dem einmal reger Flugverkehr diese Stadt mit dem übrigen Europa verband und der heute verlassen und leer da liegt. Der nicht beliebt ist, wie der Central Park und der keine große Zukunft hat, denn das Flugfeld soll nach dem Willen des Senats eine "grüne Lunge" und deshalb nicht bebaut werden. Der größte Teil der Wiese zwischen den Startbahnen ist bereits als "Schwalbenschutzgebiet" deklariert.
Und schlimmer noch: Die öde Brache Tempelhof ist bereits jetzt ein Millionengrab: 560.000 Euro kostete es, das Flugfeld zugänglich zu machen. Die Kosten für Bewachung, Instandhaltung und Energie belaufen sich für Flugfeld und Flughafengebäude auf jährlich 10 Millionen Euro. Das sind, gerechnet von der Schließung Tempelhofs (2008) bis 2017 insgesamt 90 Millionen Euro. Warum 2017? Dann wird auf dem Flugfeld die Internationale Gartenschau ausgerichtet, für 61 Millionen Euro. Und gegen alle diese Ausgaben kann der Senat jährlich nur mit höchstens 3,2 Millionen Euro Einnahmen durch die Modemesse "Bread&Butter"rechnen
Der Flughafen Tempelhof hätte kein Pleite-Projekt werden müssen
Wohl bemerkt: Es hätte zu allem dem nicht kommen müssen. Tempelhof hätte nach der Rechtslage bis zur Fertigstellung des neuen Großflughafens in Schönefeld geöffnet bleiben können. Man hätte Alternativen zur Schließung finden können. Es gab das Angebot der Deutschen Bahn, den Flughafen zu nutzen. Es gab das Angebot des amerikanischen Unternehmers Ronald S. Lauder, eine Internationale Klinik mit Landebahn zu eröffnen und dafür 350 Millionen Euro zu investieren. Es gab viele Angebote. Der Regierende Bürgermeister Wowereit hat sie alle ausgeschlagen. Nun bleibt ihm dieses nutzlose sinnlose Brachland, das er uns als neuen Park verkauft und auf dem täglich Geld vernichtet wird.
Gunnar Schupelius
(Im Übrigen sind die Leser der Zeitung unseres Freundes Schupelius mit seinen „B.Z.“ und „Eurbag“-Artikeln, die Mängel und Ungerechtigkeiten in Berlin geißeln, offensichtlich zufrieden. „Gunnar Schupelius greift in seiner Kolumne stets wichtige Themen auf und spricht mit seinen Formulierungen die Berliner an. Ich bin nicht mit ihm immer einer Meinung, setze mich aber gern mit seinen Argumenten auseinander“, schreibt die Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD). Für den Industrie- und Handelskammer-Präsidenten Eric Schweitzer, „liest sich oft Schupelius sehr erfrischend. Er bringt die Dinge auf den Punkt – ohne diplomatische Umschweife. Ich lese das sehr gern. Natürlich ärgere ich mich manchmal auch übe ihn. Besonders, wenn wir als Industrie- und Handelskammer in das Visier seines gerechten Zorns geraten“. Ingeborg Junge-Reyer (SDP), Stadtentwicklungssenatorin, schreibt : "Dass Gunnar Schupelius „heiliger“ Zorn häufig Themen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu Ziel hat, zeigt mit, dass sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt für unsere Arbeit interessieren. Und das finde ich gut. Ich wünsche ihm mit Heinrich Heine weiter ein aufmerksames Publikum: „Die Philister, die Beschränkten, diese geistig Eingeengten, darf man nie und nimmer necken. Aber weise, kluge herzen wissen stets in unseren Scherzen, Lie- und Freundschaft zu entdecken““. Frank Henkel, CDU-Lands- und Fraktionschef: „Gunnar Schupelius spricht aus, was Berlin bewegt. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, greift er mit sicherem Gespür die vielen großen und kleinen Aufreger-Themen in unserer Stadt auf. Ganz gleich, ob sein „Zorn“ stets gerecht ist – Schupelius ist auf jeden Fall immer kritisch, authentisch und lebensnah“. Für dessen Parteifreund Frank Steffel, CDU-Bundestagsabgeordneter ist 3schupelius wie Berlin: hart aber herzlich. Immer auf den Punkt, manchmal etwas rau, aber nie verletzend. Wir brauchen mehr Schupelius und weniger Geschwafel!“. Und Schupelius selbst ? Neulich schrieb er in seiner Zeitung, der „B.Z.“: „Vor zwei Jahren, als ich ihm bereits in mehr als 100 Kolumnen schwere Fehler vorgehalten hatte, sagte der Berliner regierender Bürgermeister Klaus Wowereit zu mir: Sie wissen, dass Sie von mir niemals ein Interview bekommen?“. Ich sagte: „Ja, aber wissen Sie, dass ich gar keines haben will?“. Die Unabhängigkeit eines Journalisten ist das kostbarste Ding in seinem Beruf. So verfahren wir auch im „Eurbag Magazin“.

● In Berlin-Hohenschönhausen gedachte Angela Merkel der über 200 000 Häftlinge in den 80 DDR-Gefängnissen
Der 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer naht und die Bundeskanzlerin, die aus der DDR stammt, wollte ein Zeichen setzen. „Hier wurde mir noch einmal authentisch klar, in welch brutaler Art und Weise die Würde der Menschen in der DDR verletzt wurde.“ Das erklärte Angela Merkel am 6. Mai 2009, nachdem sie als erste Bundeskanzlerin die Stasi-Opfergedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen besucht hatte. Dort wurden von 1951 bis 1989 etwa 20 000 Menschen inhaftiert und körperlich wie seelisch gefoltert.
Die Bundeskanzlerin schaltete sich in die Debatte um die Diktatur in der DDR ein, wovon der SPD-Ministerpräsident und davor Justizminister von Mecklenburg-Vorpommern Erwin Sellering in einem Interview der FAZ am 22. März 2009 gesagt hatte, sie sei "gewiss kein Rechtsstaat" gewesen, aber er "verwahre sich dagegen, die DDR als totalen Unrechtsstaat zu verdammen, in dem es nicht das kleinste bisschen Gutes gab". Diese Äusserung löste einen Sturm der Empörung aus. Sellering, geb. 1949, ist in der Politik ein Sonderling, der am 23. November 2003 in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel sich für eine flächendeckende Ausweitung der Erfassung genetischer Fingerabdrücke aller Bundesbürger und die Speicherung der DNA-Merkmale aller Neugeborenen aussprach. Schon diese Äusserung zeigte, dass der Mann keine lupenreine Auffassung vom Rechtsstaat hat. Im Grunde genommen fand seine letzte Äusserung nur bei der Linkspartei Zuspruch, die zur Hälfte aus ehemaligen SED-Mitgliedern besteht. Cornelia Ernst von der Partei Die Linke meinte, dass man mit dem Begriff "Unrechtsstaat könne man nichts anfangen", es sei "ein politischer, kein juristischer Begriff", der ausserdem "für die Ostdeuschen demütigend" sei. Um so wichtiger waren die klaren Worte von Frau Dr. Merkel: "Es ist völlig klar, betonte die Bundeskanzlerin in Hohenschönhausen, dass die DDR schon auf Unrecht gegründet war. Sie war nicht das Ergebnis einer freien und geheimen Wahl. Das System hat, um überleben zu können, Menschen immer wieder zum Lügen angeregt. Es hat auf Angst beruht und auf Lüge".
Gilbert Furian (63), der in Hohenschönhausen und in Cottbus einsaß, führte Frau Merkel durch das Gefängnis der Stasi. Er war festgenommen worden, weil er Punks über ihr Leben befragt und darüber eine Dokumentation erstellt hatte. Furian zeigte der Kanzlerin u.a. im berüchtigten „U-Boot“, wie die Insassen das unterirdische Stasi-Gefängnis nannten, die nasskalten Kellerzellen. Zellen ohne Tageslicht, ohne Heizung, ein Kübel für die Notdurft, Holzpritschen ohne Decken. Zellen, in denen das Wasser knöchelhoch stand oder stundenlang auf den Kopf gefesselter Häftlinge tropfte. Es gab auch den Bunker: eine nur 57 Zentimeter schmale Zelle! Fast einem Sarg gleich!
Nachdem die Kanzlerin einen Kranz für alle DDR-Opfer niedergelegt hatte, diskutierte sie mit einer 12. Klasse aus dem Rhein-Wied-Gymnasium (Rheinland-Pfalz). Christine Wiesen (19) fragte, ob die Kanzlerin nicht auch aus der DDR fliehen wollte. Frau Merkel sagte, dass alle ihre Freunde und Verwandte hier lebten. Wenn sie aber selbst verfolgt worden wäre, hätte sie vielleicht auch versucht, zu fliehen. Ein anderer Schüler fragte die Kanzlerin, ob versucht wurde, sie als Informelle Mitarbeiterin, d. h. Agentin der Stasi zu gewinnen. Merkel bestätigte das. Beim Studium 1973-78 war sie angesprochen worden. Mit dem Hinweis auf ihre Redseligkeit stellte sie sich aber selber als ungeeignet dar und die Stasi ließ sie später in Ruhe.
Kommentar von unserem Redaktionsmitglied Hossein Yazdi:
" Ein Besuch der Bundeskanzlerin Angel Merkel in der Untersuchungs-Haftanstalt der Stasi in Berlin-Hohenschönhausen machte die Schrecken dieses Ortes wieder lebendig. In diesem Gebäudekomplex herrschte die „stille Folter“. Die Zellen hatten keine Sicht nach draußen. Der Gefangene ohne Zeitgefühl, Buch, Papier, Zeitung oder eine Nachricht von der Außenwelt sollte mürbe gemacht werden. Ich habe das ein Jahr lang erlebt und danke stellvertretend für meine Leidensgefährten Angela Merkel. Sie machte damit den Opfern Mut und setzte ein Zeichen gegen DDR-Nostalgie."
Hossein Yazdi (ehemaliger Häftling in Hohenschönhausen und Bautzen II)
11 Novembre sous la pluie devant le monument aux morts d’un village de France, nous sommes serrés sous les parapluies, petite communauté humaine de tous âges unie dans une mémoire commune qui se transmet ainsi, tout naturellement, aux enfants présents. Dix minutes par an, ils se souviennent que des jeunes, à peine plus âgé qu’eux, ont laissé leur vie pour le pays de France. Ce n’est rien mais c’est considérable, car ils n’oublieront jamais ces minutes devant un drapeau ? C'est aussi simple que ça, l’identité nationale…
Un peu plus loin vers le nord, à Berlin, un mur n’en finit pas de tomber. Il était pourtant bien solide, érigé autour de frontières et, mieux encore, dans les cerveaux « propagandés » à fond à une époque où ni Internet ni Twitter ne pouvaient ouvrir les frontières virtuelles. Il n’y avait pas plus solide que le glacial glacis soviétique, ces pays gelés dans une terreur palpable, comme à Prague ce vieux monsieur s’accrochant à moi en larmes (« Ah, la France, le pays de la liberté ! »), comme ce premier violon de l’orchestre de Brno qui nous emmène dans un sous-sol pour parler tranquillement… Om sont-ils ? Ont-ils réussi à passer à l’Ouest ? Se sont-ils retrouvés dans les locaux crasseux de la police politique ? Ils risquaient gros en nous parlant mais parlaient quand même… On pensait tous que jamais ce mur ne disparaîtrait et pour être tout à fait honnête, le rideau de fer, la guerre froide, ce monde si simplement coupé en deux et l’équilibre international qui en résultait nous arrangeaient tous, même si le dire est politiquement incorrect.
Le monde né de la chute du Mur est incertain, multipolaire et imprévisible, l’ennemi n’est pas identifiable et l’on ne sait, finalement, si c’est la démocratie qui a gagné, l’ultralibéralisme ou les régimes mafieux. Toujours est-il que je retiens de cette chute une belle leçon de vie ; rien n’est jamais totalement certain et définitif, ni le pire (tant mieux), ni le meilleur (dommage !). Un monde, aussi solide qu’il puisse paraître, peut un jour s’écrouler, ce que nous avons tendance à oublier. « Nous (…) civilisations, savons (…) que nous sommes mortelles », écrivait Paul Valéry. Nous sommes mortels certes mais ce n’est pas une raison pour avoir peur d’un monde nouveau sur lequel nous pouvons toujours agir. Plutôt que la peur, choisissons le « N’ayez pas peur ! » de Jean Paul III, le pape polonais qui dès 1979 soutint le syndicat Solidarnosc de Lech Walesa, aboutissant à la chute du pouvoir communiste en Pologne, C’était le premier domino qui tombait…
Marie-Pascale Ollivier
● Helmut Kohl, père de l’unité allemande
Sous un temps maussade mais dans la joie, plus de 100 000 personnes ont célébré le 9 novembre 2009 le 20ème anniversaire de l’ouverture du mur de Berlin. Une vingtaine de chefs d’Etats et de gouvernements de l’Union Européenne, parmi eux Nicolas Sarkozy, et pour les Etats-Unis Hillary Clinton, étaient présents devant la Porte de Brandebourg. Mais le nom du principal artisan de la réunification allemande, Helmut Kohl, était singulièrement absent des discours des politiques et des commentaires des médias. Cela nous a désagréablement frappés. Qui a dit que les absents ont toujours tort ? Ils ont tort d’être absents. Mais nous pouvons nous rassurer : dans vingt ans, dans trente et cent ans, plus personne ne parlera dans ce contexte de ceux qui étaient ici le 9 novembre 2009. Pour l’histoire, Kohl restera, comme Bismarck un siècle avant lui, le père de l’unité allemande. A cela près que Bismarck unifia l’Allemagne par le fer et le sang et que Kohl la réunifia par le compromis et la négociation. Ses compatriotes ont témoigné envers ce grand homme une incroyable ingratitude, notamment quand ses adversaires politiques firent campagne contre lui en 1999-2000 pour des malversations qu’il n’avait pas commises et dont la justice l’a relaxé ensuite.
Néanmoins,
on avait vu l’ancien chancelier Kohl (79 ans) quelques jours plus tôt sur la
scène du Friedrichstadtpalast, lors d’une célébration de cette « Victoire de la
liberté » aux côtés de Mikhaïl Gorbatchev (78 ans) et de George Bush senior (85
ans). Il était assis dans une chaise roulante. Cet homme de très grande taille et d’un poids
conséquent était tombé au début de l’année dernière dans l’escalier de sa maison
d’Oggersheim en Rhénanie-Palatinat. Blessé au genou et à la tête, il a depuis du
mal à marcher et a des problèmes d’articulation du langage. Après la mort
tragique de son épouse Hannelore, l’ancien chancelier a retrouvé un appui en la
personne de Maike Richter, docteur en Economie, qui l’a épousé. Faute de pouvoir
prononcer les discours qu’il affectionnait jadis, l’ancien chancelier saisit
les mains de ses deux amis, le Russe et l’Américain, tandis que le président de
la République fédérale, Horst Köhler, remerciait les trois hommes d’avoir « ouvert
des portes et des portails pour des millions de gens » et les remerciait « au
nom des Allemands et des peuples d’Europe ».
S’adressant aux 1 800 personnes invitées par la Fondation Konrad-Adenauer, George Bush qui semble encore très en forme, malgré la canne sur laquelle un mal de hanche l’oblige de s’appuyer, qualifia Kohl de « grand homme d’Etat ». Toujours aussi volubile, le visage un peu plus rond, mais pareil à lui-même, Gorbatchev que sa fille accompagne depuis la mort de son épouse Raïssa, lança que les Etats-Unis, sous Obama, « ont besoin eux aussi d’une perestroïka ». Et de décerner un compliment à Angela Merkel qui « dirige son pays avec compétence », ce qui attira un sourire sur les lèvres de la chancelière. Helmut Kohl esquissa un sourire en direction de Gorbatchev, disant que sa relation avec lui et avec Bush avait été « une chance ». L’amitié envers Gorbatchev avait « monté d’un cran à chaque rencontre ». L’ex-chancelier fit état de sa « fierté d’avoir fait l’unité allemande ». Mais, ajouta-t-il avec un brin de modestie, à l’époque, il y a vingt ans, « le ciel nous avait aidés ».
La participation de la chancelière allemande Angela Merkel aux cérémonies traditionnelles de commémoration du 11 novembre à Paris n’a pas été moins significative. La télévision française TF1 n’a pas manqué de souligner à cette occasion que l’hymne allemand a été joué pour la première fois devant l’Arc-de-Triomphe. Conformément au rituel, Mme Merkel a ranimé avec Nicolas Sarkozy la flamme du soldat inconnu. A Berlin, au niveau politique, on a beaucoup apprécié ce geste du président français qui montre que l’hostilité ancestrale est devenue amitié et que les guerres fratricides entre nos deux nations ne se renouvelleront plus jamais. « Vive l’amitié franco-allemande » lança Angela Merkel avec un merveilleux accent allemand, répondant au « Wir sind Berlin » de Nicolas Sarkozy, prononcé avec non moins d’accent français devant la Porte de Brandebourg.
Ce 11 novembre, le Français a parlé du « trésor » de l’amitié franco-allemande. Les commentaires et lettres de lecteurs de citoyens français se sont répartis entre les « éternels belligérants » qui se sont plaint de ce détournement de la victoire de 1918. En Allemagne aussi, les lettres de lecteurs adressées aux journaux étaient plutôt acides. Il faut que les gens s'habituent, les temps nouveaux ne sont pas encore entrés dans toutes les têtes et certaines sont particulièrement dures, pour ne pas dire bouchées. Mais les amis de l’Europe ont salué cette initiative le jour où nos deux peuples sont unis dans le deuil des « Landser » et des « Poilus » et se tournent vers un avenir commun. Cet avenir sera défini dans une déclaration commune qui verra le jour probablement au début de l'année 2010. La 20ème célébration de la réunification allemande, le 3 octobre 2010 mettra un point d'orgue à ces projets.
„J’ai été touchée par le fait que Sarkozy ait rappelé les souffrances des deux peuples dans cette épouvantable guerre, a écrit Ulrike Ruppel dans le quotidien berlinois „B.Z.“ le 12 novembre. Les notions de victoire et de défaite – elles ne jouent plus aucun rôle entre nos deux peuples ».
Reste un problème : l’absence à l’Elysée d’un conseiller compétent du président pour l’Allemagne alors qu'à la chancellerie allemande on ne manque pas de diplomates parlant parfaitement le français et connaissant bien la France. La gaffe du 11 novembre était à cet égard éloquente. Sur les programmes de la journée, on avait écrit que l’hymne allemand « Deutschland über alles » serait exécuté. Visiblement, nul ne savait dans l’entourage présidentiel que l’hymne allemand a éliminé cette strophe et s’appelle aujourd’hui le « Deutschlandlied » ou « Das Lied der Deutschen ». Les paroles sont « Unité, droit et liberté pour la patrie allemande », étonnamment proches par le sens de notre « Liberté, égalité, fraternité ». Le gros du vivier politique français est ce qu’il a toujours été en matière d’Allemagne : ignorant. (JPP)
→ Pologne : Parmi les nombreux jeunes Européens : Espagnols, Français, Tchèques, qui ont pris part aux festivités de commémoration de l'ouverture du mur de Berlin, le 9 novembre 2009, il y avait un groupe de 150 élèves et étudiants polonais envoyés par le "Projet : Polska" et le "Dom Spotkan z Historia (Maison des Rencontres avec l'Histoire). Cette initiative s'appelle : "Razem 89" (Ensemble 89). Avec Lech Walesa, l'initiateur légendaire de "Solidarnocz", qui fut le premier en 1979 à organiser une contestation de masse dans le Bloc soviétique, ils avaient été placés tout au long de la rangée de dominos qu'il s'agissait symboliquement de faire tomber. Le domino polonais fut le premier à être renversé par Walesa, en souvenir de la rébellion de "Solidarnocz" en 1980 et de la "Table Ronde" de février 1989. Celle-ci aboutit aux premières élections libres polonaises du 4 juin 1989. Mais surtout elle donna le coup d'envoi au séisme qui fit tomber l'empire soviétique. Cette mission des jeunes Polonais avait pour but de montrer qu'ils vivent "ensemble" dans la Maison Europe avec leurs compatriotes européens des autres nations qui forment notre UE.
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Interview de l’ambassadeur Hans
Georg Wieck.
Le Dr. Wieck était en 1985-1990
chef des Services de renseignement allemands, le BND.
Eurbag Magazine : Où étiez-vous le 9 novembre 1989 ?
Hans Georg Wieck. Le 9 novembre 1989, j’étais à Washington pour des consultations avec les services américains.
La journée précédente, j’avais été à New York. En parlant avec l’ambassadeur allemand aux Nations-Unies, Bräutigam, qui avait dirigé pendant des années la représentation permanente de la RFA à Berlin-Est, je lui ai annoncé la fin proche de la RDA – compte tenu du mouvement protestataire et de la situation économique rapidement ainsi que de l’attitude de l’Union soviétique qui n’avait aucun désir de prêter secours à un régime incapable de se réformer – et surtout pas par les armes. Bräutigam n’a pas voulu me croire.
Il y a six heures de décalage horaire entre Washington et Berlin et les nouvelles arrivaient six heures plus tôt dans la journée. Toutes les stations de radio et de télévision étaient pleines d’images montrant les gens franchissant le mur et montant dessus, surtout des jeunes gens. Washington fêtait la victoire de la liberté en RDA avec la jeunesse à son avant-garde. Les Américains voyaient que c’était leur victoire parce que cette révolution sans verser le sang avait été faite surtout par des jeunes.
Que ressentiez-vous quand vous avez appris l’ouverture du mur ?
De la
joie naturellement. J’ai ressenti la chute du mur comme une libération d’un lest
historique. L’Union soviétique avait libéré de son emprise pour des raisons à
elle son glacis européen, mais elle craignait des attaques contre ses garnisons
et Moscou a donc cherché tout de suite à coopérer avec le chancelier allemand.
Gorbatchev croyait que Kohl pouvait influencer la situation en
RDA et voulait qu’il empêche l’escalade. Mais les manifestants allemands
portaient des bougies et des fleurs et non pas des pierres ou des armes. Cela
Kohl le voyait. Tout le monde le voyait.
A l’Ouest, il y avait encore beaucoup d’adversaires de la réunification…
En pensant à l’histoire, de nombreux allemands, surtout dans la classe politique et parmi ce qu’on appelle les intellectuels refaisaient un cauchemar profond, éprouvaient un malaise à l’idée qu’une Allemagne réunifiée avec 80 millions d’habitants et une des plus fortes économies de la planète. L’historien Golo Mann l’avait dit à l’ambassadeur de France à Bonn, Serge Boidevaix.
A New York aussi, à la différence de Washington, les médias exprimaient des doutes sensibles à l’encontre d’une Allemagne réunifiée. Le 10 ou le 11 novembre, je fus invité à une conversation d’information avec Mme Graham, l’éditrice de la « Washington Post » qui me questionna sur la réunification et l’avenir de l’Otan. Sans dire que c’était le point de vue du gouvernement, car en tant que chef des services secrets je n’y étais pas autorisé, j’ai dit que d’après ce que j’avais pu observer, que je voyais une Allemagne réunifiée membre de l’Otan parce que toutes les parties avaient horreur du vide en Europe centrale, y compris l’Union soviétique.
S’ajoutait qu’à l’Ouest, dans les médias, les gouvernements et les parlements, on ignorait tout de l’épuisement idéologique et de la stagnation économique de l’Union soviétique. Beaucoup de gouvernements s’imaginaient qu’après les réformes de Gorbatchev, la politique d’expansion idéologique et militaire de l’URSS allait reprendre – mais ce n’était pas mon cas. Le régime de Gorbatchev cherchait à se faire reconnaître comme puissance mondiale dotée d’une économie compétitive et de forces armées d’un niveau comparable à celui de l’Ouest. Gorbatchev voulait devenir membre du club.
Vous saviez donc que la réunification allemande allait venir?
J’ai toujours cru à la réunification des Allemands dans un Etat démocratique parce que l’écrasement sanglant de la révolte populaire du 17 juin 1953 et l’interdiction de circuler entre les deux parties de l’Allemagne consécutive à la construction du mur de Berlin le 13 août 1961 avaient creusé un fossé entre le gouvernement est-allemand et le peuple. Les gens se sentaient blessés dans leur dignité humaine.
A l’époque de la guerre froide, déjà, la République fédérale jouissait d’une haute considération en Union soviétique bien qu’elle fût un adversaire idéologique et militaire, et cela, pas seulement à cause des performances de son économie. Mais je craignais quand même en cas de reconnaissance de la division de l’Allemagne et de Berlin que la suprématie soviétique sur l’Europe du centre et de l’Est ne se pérennise et je craignais aussi l’émergence d’un mouvement nationaliste contestataire en Allemagne, ainsi que l’arrêt du processus d’union européenne. Mais le 9 novembre 1989, ce spectre se volatilisa.
En votre qualité de chef du BND, aviez-vous des agents et des informateurs en RDA et dans les Etats du Pacte de Varsovie, y compris en Russie ?
C’était difficile pour tous les Etats occidentaux de pénétrer les structures du pouvoir dans les Etats du Pacte de Varsovie – mais ils sont plus ou moins parvenus, surtout dans les appareils des Comités centraux des partis dirigeants ainsi que dans l’économie. Nous n’étions pas parmi les membres du Bureau politique, mais nous avions de bons informateurs parmi les auxiliaires du pouvoir en RDA et à Moscou. Plusieurs années durant, nous avons eu une bonne source au ministère de la Sûreté d’Etat de la RDA – et aussi des relations dans l’appareil de la Stasi. C’est donc faux quand les anciens de la Stasi affirment aujourd’hui que nous n’avions pratiquement pas d’agents de l’autre côté. A Moscou, mes services ont eu pendant dix-sept ans une source très fiable au KGB que nous avons réussi à exfiltrer en toute sécurité. C’était un homme du KGB avec un grade de colonel. Il était dans la section du contre-espionnage. Deux années environ avant la chute du mur de Berlin, nous avons dû l’exfiltrer.
De la même manière que le KGB avait exfiltré à partir de l’ambassade d’Allemagne en Pologne Helga Michnowski, la compagne du principal transfuge de la Stasi, le lieutenant Stiller ?
Oui, elle et d’autres. Notre maître-espion à Moscou était un cuisinier amateur passionné durant ses loisirs et j’aime bien cuisiner moi aussi. Après son sauvetage, il est venu me trouver à Pullach, au siège du BND, et c’est en faisant la cuisine ensemble que nous nous sommes entretenus. Il aurait volontiers continué à travailler pour nous et n’avait pas le sentiment d’être en danger, mais notre officier traitant estimait qu’il l’était et c’est pourquoi nous l’avons tout de suite retiré de la ligne de tir.
Visiblement, la cuisine prédispose à l’espionnage. Markus Wolf était aussi bon cuisinier. Il a écrit et publié un livre de cuisine russe. Dans le cas de l’amiral Baumann, le sauvetage avait raté…
Oui et Klaus Kinkel, mon prédécesseur à la tête du BND, en a longtemps souffert, mais Baumann se vantait de sa science, comme cela arrive à beaucoup d’hommes, et il n’avait pas été capable de se décider au moment opportun. Le BND avait préparé l’opération soigneusement. Il payé de sa vie ses hésitations. Sa compagne, le Dr. en médecine Christa Karin Schumann, a été par la suite échangée et est venue à l’Ouest. Son fils l’a suivie plus tard.
Aviez-vous de bonnes sources dans d’autres Etats du Pacte ?
Nous avions de bonnes sources dans les gouvernements de Varsovie et de Budapest. C’était plus facile de pénétrer les partis et gouvernements à fortes tendances antisoviétiques, tels la Hongrie, la Pologne et la Roumanie. Ainsi nous savions depuis 1988 que l’Union soviétique n’était plus disposée à soutenir par les armes un régime en difficulté. Au niveau des Etats-majors, l’armée soviétique s’exerçait à des opérations militaires sans participation de pays du Pacte de Varsovie. On pouvait aussi prendre des armes soviétiques dans grandes difficultés dans les pays membres du Pacte.
Aviez-vous des contacts dans la population de la RDA?
La Section Opérations du BND avait refusé de faire interroger par des gens à nous les citoyens de RDA sur les bords du lac Balaton en Hongrie et sur les plages de la Mer Noire, dans les bars et les hôtels, comme je l’avais proposé. Nous savions que la Stasi était partout et cela aurait été trop dangereux pour eux et pour nos gens. En revanche, j’ai réalisé des sondages parmi les millions de visiteurs qui faisaient des visites familiales à l’Ouest et à l’Est dans les dernières années de la RDA. S’ajoutait aussi le contrôle du courrier. De cette manière, le BND a réalisé des sondages systématiques dans la population de RDA. Tous les six mois nous pouvions évaluer assez précisément l’état d’esprit de la population sur la base de quelques six cents questionnaires. Nous intégrions en plus dans ces sondages les visiteurs de la RDA, des lettres et des participants à des conférences internationales. Naturellement, on cherchait à recruter des agents parmi les visiteurs. La Stasi a constaté que nous avions beaucoup intensifié le renseignement après mon entrée en fonctions en 1985. Rien d’étonnant. Durant les années où j’étais à Moscou, j’avais fait de nombreux voyages dans le Bloc soviétique.
Et quel était l’état d’esprit des Allemands de RDA?
75% d’entre eux étaient pour la réunification et 25% contre – parmi ceux-ci des membres de la nomenklatura et les dissidents qui voulaient une seconde Allemagne démocratique. Ce résultat était en contradiction quasi-totale avec l’opinion dominante à l’Ouest, selon laquelle la RDA s’était stabilisée en tant que deuxième Etat allemand. Sa population appelait toujours de ses vœux la réunification, en tout premier pour avoir le niveau de vie de l’Ouest. S’ajoutait la liberté de voyager qu’ils voulaient obtenir. Je suis persuadé que si le régime avait laissé voyager les gens, et sans faire de complications en réglant cela au niveau des mairies et des cantons, une grande partie des gens seraient revenus. Au lieu de cela on les a persécutés et emprisonnés et ensuite on les a vendus à l’Ouest. Le parti avait besoin de leurs logements pour des cadres méritants. On les leur donnait comme primes de bonne conduite pour les consoler de ne pouvoir aller à l’Ouest.
Au cours de l’été 1989, étiez-vous informé de la maladie de Honecker ? Que saviez-vous de Markus Wolf et d’Erich Mielke ?
Cette maladie nous était connue. Elle n’était pas mortelle. Mais elle a entraîné une incapacité du régime à prendre des décisions au cours d’une phase critique. La tragédie personnelle que Honecker a traversée a provoqué chez lui une déficience immunitaire et déclenché le cancer. On peut comparer son cas à celui du Shah d’Iran après la perte du pouvoir de ce dernier. Nous étions également au courant des tensions entre Markus Wolf et Erich Mielke. Le départ de Wolf du service a certainement tenu aussi aux tentatives de l’Union soviétique de former en RDA un groupe réformateur avec Modrow, Berghofer et peut-être Schabowski.
Après la chute de la RDA, la Stasi a affirmé qu’elle était meilleure que vous, que le BND. Qu’en dites-vous ?
J’ai déclaré il y a quelques années lors d’un exposé que j’ai fait au siège de la Stasi à la Normannenstrasse de Berlin quand on m’a dit cela : « Je ne veux pas mettre en question vos capacités d’ordre pratique, mais les œillères idéologiques vous ont empêché de voir la réalité – chez nous comme chez vous. Vous ne connaissiez pas l’état d’esprit des gens en RDA ni l’état désolant de vos finances publiques et vous avez ainsi laissé passer la chance de réformes démocratiques à la faveur de la stratégie politique de Gorbatchev ». Je dois aussi vous dire que la Stasi a mené des décennies durant une campagne de diffamation contre le BND pour ruiner son crédit auprès du gouvernement ouest-allemand. Pendant longtemps, elle y est parvenue – mais pas dans le contexte de l’Otan où l’on faisait grand cas des rapports du BND en matière militaire, économique et politique. Il y a même des chanceliers qui ont participé au dénigrement du BND – par prétention et outrecuidance.
Quelles personnes vous ont le plus impressionné au cours de ces mois de mutation historique ?
Je nommerai avant tous les autres le chef d’orchestre du Gewandhausorchester de Leipzig, Kurt Masur. Le 9 octobre 1989, le jour de la première grande manifestation du lundi à Leipzig, il a fait partie des six personnes dont trois fonctionnaires communistes et un théologien qui travaillait pour la Stasi, qui ont donné le mot d’ordre « Pas de violence ». Ce slogan est devenu la devise de la révolution pacifique de RDA. On l’a diffusé par des haut-parleurs de la radio de Leipzig. Masur a dit : « Faites manifester les gens avec des fleurs et des bougies ». Il a ainsi inventé cette révolution non sanglante et peut-être même qu’il l’a rendue possible. Puis les banderoles avec les mots « Nous sommes le peuple » et plus tard « Nous sommes un peuple » sont apparues.
Permettez une question en passant des confrères journalistes français assuraient à l’époque que le deuxième appel, „Nous sommes un peuple“, avait été apporté en RDA par le BND…
Le slogan « Nous sommes le peuple » venait des dissidents est-allemands. Le slogan « Nous sommes un peuple » provenait de la foule des manifestants. Le BND était un service de renseignement, pas de propagande et d’influence.
Le deuxième personnage important à ce moment-là fut Willy Brandt parce que du haut de son prestige international et national il a brisé le tabou de la réunification. Il a repris la revendication du mouvement de masse « Nous sommes un peuple » et a dit à Berlin « Ce qui est une unité ne peut pas être séparé pour longtemps ». D’autres membres de son parti ont mis beaucoup plus de temps pour en arriver là.
Le troisième grand homme de l’époque a été naturellement Mikhaïl Gorbatchev qui a pris conscience du danger mortel que constituait pour l’Union soviétique la stagnation idéologique, militaire et économique ainsi que l’isolement de son pays. Il a ouvert la voie à l’entente avec l’Ouest. C’est lui qui a mis en route le grand retournement européen des années 1980 et cela, sans filet. Mais sans partenaires actifs à l’Ouest, il n’aurait rien pu faire.
C’est pourquoi le quatrième acteur de cette épopée fut pour moi George Bush senior qui a compris que la chute du mur de Berlin était la victoire de la liberté sur la dictature et qui a salué la réunification allemande. Son partenaire, le cinquième des compagnons fut Helmut Kohl qui tenait les rênes avec modération et mesure. Il a jeté un pont entre le courant émotionnel qui poussait à la réunification et le contrôle des armements en Europe (la CSCE) et le renforcement de l’Union Européenne (l’euro, l’Union politique). Il a fait converger définitivement la réunification allemande et l’unification européenne. Il a donné à l’Allemagne dans l’Europe une dimension stratégique.
Le système soviétique se serait-il effondré plus tôt si l’Ouest avait été plus énergique ?
Le système soviétique est mort de ses propres déficits et de l’absence de politique de réforme. L’Ouest n’a pas prolongé sa vie ni hâté sa fin. Finalement, Gorbatchev a aboli le monopole du pouvoir du parti communiste (article 6 de la constitution) et a créé ainsi un vide politique dans lequel se sont précipités les nationalismes. Il a enlevé le noyau de la cellule soviétique dont il n’est resté que la membrane. Il n’y avait pas d’alliance entre la centrale moscovite et les républiques de l’union. Les capitales des républiques fédérées ont détruit l’Union soviétique. Le joug que celle-ci leur avait imposé lui est retombé dessus.
Comment vous expliquez-vous l’admiration éprouvée par les dirigeants soviétiques pour l’Allemagne ?
L’attaque allemande contre l’URSS en 1941 et la guerre d’extermination menée par l’Allemagne qui s’est terminée sur la victoire chèrement payée de l’Union soviétique dans la « Grande Guerre Patriotique », ont donné au système soviétique près d’un demi-siècle de plus de vie après la mort de Staline en 1953 – en puisant dans les ressources du sous-sol russe. Mais le régime communiste a ruiné l’économie soviétique.
Durant ce laps de temps de cinquante ans, le champ de ruine qu’était l’Europe occidentale, s’est transformé en une Union d’Etats démocratiques très performants économiquement, y compris dans la partie libre de l’Allemagne – sous le parapluie de l’Otan – De plus, on a surmonté les anciennes rivalités entre puissances européennes. L’Allemagne exsangue et détruite de 1945 est parvenue à devenir en vingt à trente ans la troisième puissance économique du monde.
Nous devons cela largement à un apport de population venant des provinces perdues de l’Est et de RDA. Au début, il y avait un conflit entre la population d’Allemagne occidentale et les nouveaux venus, les propriétaires de l’Ouest ont dû payer des impôts fonciers draconiens, mais l’argent a permis de les intégrer, leur a facilité la création d’entreprises. La population d’Allemagne de l’Ouest qui était à l’origine de quarante millions d’habitants est ainsi passée peu à peu à soixante millions, plus les deux millions de Berlinois.
L’effondrement de l’Union soviétique et de son empire a été aussi la conséquence de la formidable reconstruction de l’Europe qui n’est pas restée dans l’abstraction et l’approximation, mais a offert une perspective positive à toutes les nations d’Europe avec le Traité de Rome de 1957 – à condition qu’elles se libèrent du joug soviétique. L’Union Européenne est synonyme de liberté et de démocratie, de respect des droits de l’homme, de croissance économique et en somme de prospérité sans être soumis à une puissance hégémonique. C’est pourquoi tout le monde fait la queue à l’entrée de l’Europe.
Jetons un coup d’œil en arrière sur l’année de la construction du mur, 1961. La République fédérale n’a-t-elle pas été trahie par ses alliés ?
Non. Le mur a certes séparé les Allemands les uns des autres. Mais il a creusé à long terme un fossé entre le régime communiste et la population de la RDA sans entamer les droits des Alliés à Berlin. En tenant compte du fait qu’une confrontation militaire au centre de l’Europe n’aurait pas pu contourner l’Allemagne fédérale, celle-ci a été admise à siéger « à droits égaux » dans le Conseil de contrôle allié des trois puissances tutélaires de Berlin.
J’ai travaillé pendant près de cinq ans à Washington dans ce groupe d’ambassadeurs.
Quel rôle a joué la France dans tout cela ?
Sans la France, on n’aurait pas pu réunifier l’Allemagne. Bien qu’il se soit tenu à l’écart et ait affirmait qu’il laissait la décision au peuple allemand, François Mitterrand a co-décidé avec Helmut Kohl, au niveau européen, la réunification. Mais l’alliance avec la France avait été forgée un quart de siècle plus tôt. La réconciliation historique entre Charles de Gaulle et Konrad Adenauer a permis de rapprochement de longue haleine. Il est aujourd’hui la fondation sur laquelle repose l’Union Européenne. Trois guerres avaient séparé nos deux nations. L’Europe a été la conjonction de leurs destins. En passant des compromis la France et l’Allemagne prennent des initiatives qui attirent dans leur sillage les autres pays européens. Elles sont le moteur de l’Europe.
Un traité secret a-t-il été signé entre l’Allemagne et la Russie qui contraindrait encore l’Allemagne envers la Russie ?
Il n’y a eu aucun accord secret entre Moscou et Berlin sur une interdépendance et l’Allemagne n’a pas promis à Moscou, comme on le prétend parfois, de renoncer à construire des centrales nucléaires. Il y a eu des projets d’interdépendances aux Affaires étrangères et dans l’Union Européenne. Poutine et Schröder ont fait du zèle dans cette optique pour toutes sortes de raisons. Schröder est un homme qui pense d’abord à son propre intérêt. Mais le parti de Mme Merkel est resté à distance. Le néo-impérialisme de Moscou a d’ailleurs calmé les enthousiastes. L’Union Européenne est le partenaire le plus important de l’Allemagne fédérale (70% de ses échanges extérieurs). Suivent les Etats-Unis (10%), la Chine (9%) et enfin la Russie (5%).
L’Allemagne – autrefois la Prusse – et la Russie ont eu des relations multiples l’une avec l’autre. Elles ont vécu par la guerre une terrible catastrophe. Mais leurs peuples se respectent. Le destin de la Russie ne nous est pas indifférent. Je puis en témoigner puisque depuis 1954, j’ai toujours été au contact de la Russie. C’est une bonne chose que l’Union Européenne et la Russie soient maintenant de bonnes voisines. La Russie a une société civile qui cherche à se rapprocher des diverses sociétés civiles de l’Union Européenne.
● Pour les «
touristes politiques », le Mur n’était pas un obstacle
Pour ceux d’entre eux qui allaient chercher consignes et documents à Berlin-Est,
il n’y avait aucun problème : « D’Ouest en Est et retour, le Mur était
totalement perméable, confirme Bettina Röhl, la fille d'Ulrike Meinhof. Mon père et ma mère n’avaient aucun
mal à aller à Berlin-Est chercher les articles pour leur magazine "Konkret". Il comportait
une partie nature et culture, pour attirer le lecteur. La partie politique était
souvent entièrement rédigée à Berlin-Est. Il fallait bien aller la chercher.
Mais la Stasi avait aussi des courriers est-allemands qui passaient le Mur sans
problème. Parmi eux l’avocat est-allemand Friedrich Karl Kaul. Horst Mahler,
l’avocat, co-fondateur de la RAF se rendait aussi à Berlin-Est au nom du Club
républicain. Cette organisation qui fut un laboratoire très important de la
révolte étudiante avait des filiales dans de nombreuses villes universitaires.
Il était financé par l’éditeur ouest-allemand de « Die Zeit », Gerd Bucerius,
mais c’était surtout une succursale des communistes de Berlin-Est. »
Bettina Röhl
● Le bilan
Le Mur de Berlin est tombé, mais est-ce la fin de la
pensée communiste ? Louis Dedouet tire le bilan des commémorations.
Le lecteur se souvient peut-être qu’en septembre
2009, dans un article intitulé « L’anniversaire », je faisais le pari que la
célébration du vingtième anniversaire du mur de Berlin se ferait, en France, de
façon plus « en demi-teinte » qu’ailleurs.
La moindre des choses, lorsque l’on se livre à une prédiction, c’est de
regarder, honnêtement, si les événements vous ont donné raison ou tort. Il ne
m’appartient pas de prétendre, ici, que j’aurais eu raison : c’est au lecteur de
se faire sa propre opinion. Au reste, je vois bien que mon affirmation, trop
généralement formulée, était difficilement vérifiable : l’abondance de
l’information à recueillir dans nombre de pays d’Europe, tant écrite
qu’audio-visuelle, nécessiterait un dispositif d’analyse lourd. Et c’est alors
un livre qu’il faudrait, pas un article, pour pouvoir apporter un début de
réponse argumentée. On peut cependant tenter d’esquisser un rapide bilan.
Quantitativement, il semble qu’il n’y ait rien à dire : tous les grands medias
ont consacré, c’est vrai, un temps d’antenne, plus ou moins long, à
l’anniversaire, certains ayant même fait le déplacement et organisé des
émissions depuis Berlin. TF1, France 2, France 3, TV 5 monde, Radio-France,
Europe 1, RTL, pour ne citer qu’eux, étaient dans ce cas.
Cela suffit-il à dire, comme le fait, le 8 novembre, l’excellent Yves Thréard
sur son blog du Figaro que « Hors d'Allemagne, c'est en France que le vingtième
anniversaire de la chute du mur de Berlin est fêté avec le plus d'éclat » ?
C’est à voir, d’autant que certains des arguments qu’il avance jouent surtout au
niveau des dirigeants, peu de l’opinion ou des medias (« culpabilité » française
de n’avoir pas été dans les premiers à encourager la réunification, nécessité de
témoigner de l’importance du couple franco-allemand dans la construction
européenne…)…
Je note d’abord que dans les temps qui ont précédé le 9 novembre, au niveau de
l’information du grand public, il n’y a pas eu grand-chose dans le domaine
télévisuel : le documentaire « Un mur à Berlin » de Patrick Rotman sur France 2,
ainsi qu’une intéressante interview de Michael Gorbatchev par Hubert Védrine.
Certains d’entre vous ont peut-être aussi entendu une très belle chronique de
Guy Carlier, pour une fois plus émouvant que vachard, sur Europe 1. Et puis
c’est à peu près tout. Il se peut bien sûr, que plusieurs émissions m’aient
échappé. Mais là où, par exemple, la radio suisse romande, à travers l’opération
« Radio-Trabant », va circuler quinze jours durant de Bucarest à Berlin, le long
de l’ancien Rideau de Fer et organiser rencontres, interviews etc . nous
n’aurons eu droit qu’à quelques émissions ponctuelles. Il y aurait eu pourtant
matière à rappeler l’importance de l’événement. Symbole de l’effondrement d’un
système à prétention universaliste, la chute du mur a induit, au niveau mondial,
une nouvelle donne stratégique, économique, politique. Elle a constitué, de ce
fait, une vraie rupture historique : on l’a écrit parfois, 1989 marque la fin du
XXème siècle comme 1914 en marquait le début. Par ailleurs, en 2009, plus de 30%
de la population française est âgée de moins de vingt quatre ans et, de ce fait,
n’a pas vécu l’événement, ou, pour la frange la plus âgée, n’était pas en
capacité d’en comprendre la portée. Il y avait donc de quoi informer, expliquer,
mettre en perspective…
Cette relative discrétion de l’information dans les temps qui ont précédé le 9
novembre a suffi cependant à en indisposer plus d’un : comme vous, sans doute,
j’ai entendu parler de « fièvre commémoratrice ». Les mêmes qui n’ont pas de
mots assez forts pour exiger de nos compatriotes un devoir de mémoire, les mêmes
qui nous rebattent les oreilles avec la repentance que devrait, selon eux,
entraîner notre passé colonial, se sont soudain sentis agacés des modestes
rappels de quelques vérités touchant à la mise en œuvre du socialisme réel...
Amusant, non ? J’ai noté aussi que, façon adroite d’occulter la réalité
historique tout en menant d’autres combats plus actuels, on dégradait
l’événement en pure polémique politicienne : Sarkozy était-il ou pas à Berlin le
9 novembre ? N’était-ce pas plutôt le 10 ou le 11 ? Franchement, face au
bouleversement qu’a représenté la fin de la bipolarisation du monde, est-ce bien
là l’essentiel ?
Une chose, de toute façon, est de traiter un événement, une autre en est de
savoir comment on le fait. Ainsi, le journal « L’Humanité » sort-il, le 9
novembre, une « édition spéciale » de douze pages ! Gros titre, couleurs, c’est
du lourd ! Le quotidien marxiste nous invite tout d’abord à « dépasser les
interprétations réductrices et passionnelles ». Pour lui, la RDA est morte de
n’avoir « pas surmonté de lourdes contradictions » entre des « objectifs
émancipateurs » et un régime qui « limitait gravement les libertés publiques et
individuelles ». Le mot « dictature », évidemment, n’apparaît pas et le journal
se flatte de ce que « des centaines de milliers de citoyens engagés, membres du
SED ou non, font de la RDA une société dynamique et solidaire. Ses réalisations
sociales sont reconnues ». Il affirme d’ailleurs avec une belle certitude que la
chute du régime de Berlin-Est est un « épilogue que ne souhaitaient pas dans
leur masse les manifestants qui scandaient « Wir sind das Volk » - Nous sommes
le peuple »-… Sacrée façon de célébrer la mort d’un totalitarisme !
De façon à peine moins caricaturale, ce n’est pas parce qu’on déplace des cars
TV à Berlin et qu’on commente l’arrivée de personnalités à la porte de
Brandebourg ou la chute symbolique de dominos géants que l’on fait
nécessairement acte de pédagogie. Il est des façons de « commémorer » qui sont
autant d’esquives de la réalité qu’on fait mine d’évoquer. Prélevés dans le
traitement qui a été fait par certains medias de la chute du Mur, je prendrai
quelques exemples qui me semblent renvoyer à trois stratégies d’évitement
banales.
1- Première stratégie : le déni. Par de subtils biais, on réarrange l’histoire.
Le mur n’est tout simplement pas tombé !
Mon exemple se situe le 12 septembre 2009, quelques jours à peine après la mise
en ligne de mon papier sur LibertyVox. Sur France Inter, lors de l’émission « le
7/9 du week-end », l’invité du jour est Patrick Le Hyaric, directeur de
L’Humanité. Il est présent pour célébrer tout à la fois la fête de l’Humanité
qui se tient ce même week-end (11, 12 & 13 septembre) à la Courneuve et le
150ème anniversaire de la naissance de Jaurès (né le 3 septembre 1859 à
Castres). J’aurai d’ailleurs la désagréable surprise de constater, en allant sur
le site de France Inter pour réécouter l’émission, qu’il existe un « partenariat
» entre cette radio de service public, financée par le contribuable, et le
journal « L’Humanité », qui fut longtemps l’organe officiel d’un parti politique
et qui reste le vecteur d’un marxisme à peine revisité… Le thème du jour, c’est
« la fin de l’histoire », la fameuse phrase de Fukuyama. On sait que Fukuyama a
toujours affirmé qu’il voulait signifier, par sa formule, la victoire des
démocraties sur les totalitarismes. Mais, dans son introduction, Stéphane Paoli
choisit, petite escroquerie intellectuelle, de lui donner le sens plus
restrictif de la victoire du capitalisme sur le socialisme. Ce qui lui permet,
contexte de crise aidant, de surfer l’instant d’après sur l’échec du capitalisme
20 ans plus tard… Retenez ça, chers auditeurs de France Inter: le socialisme a
peut-être échoué mais le capitalisme, en mettant la planète entière au bord du
gouffre, a encore failli bien davantage… On n’a pas le temps de digérer ce tour
de passe-passe que Paoli évoque, sans la moindre distance ou remarque critique,
ceux qui parlent, non pas de la « chute » mais, subtile nuance, de « l’ouverture
» du mur de Berlin. Il ne nous dira naturellement rien de qui sont ces gens, de
leur nombre, de leur représentativité… La seule chose à retenir, c’est que le
mur n’est pas « tombé » sous les coups de pioche, mais qu’il a été « ouvert »…
D’une certaine façon, ce n’est pas faux : historiquement, on le sait, c’est
Günter Schabowski, porte-parole du politburo de RDA qui, mal informé des débats
qui se sont déroulés dans la journée, va déclarer immédiatement applicable un
décret dont lui a parlé Egon Krenz, décret qui autorise les sorties à
l’étranger. Les journalistes diffusent l’incroyable nouvelle qui va générer aux
postes frontières des embouteillages devant lesquels les gardes, en l’absence de
consignes, céderont. Ainsi, le mur a-t-il bien été « ouvert » quelques heures à
peine avant que les pelleteuses ne se mettent en branle. Mais le dire ainsi,
sans autre précision, est une malhonnêteté : c’est accréditer l’idée qu’il l’a
été volontairement, par un pouvoir soudain soucieux de tolérance et d’esprit
démocratique. Les tentations de reprise en mains par la force, on le sait, ont
existé et c’est un gouvernement aux abois, impuissant parce que lâché par
Gorbatchev, qui se dissout en ces jours-là, rejeté par le peuple qu’il prétend
représenter et vaincu par ses propres turpitudes. Chacun appréciera comme il
convient, sur une radio dite de service public, l’utilisation de l’expression «
l’ouverture » du mur de Berlin…
2- Seconde stratégie : L’esquive. Ne pas parler du fond. Si vous avez à traiter
un sujet qui vous est désagréable, le mieux, c’est encore de parler d’autre
chose. Il faut alors choisir un sujet proche du thème initial, pour ne pas avoir
trop l’air de botter en touche et si possible en limiter le traitement à des
éléments non factuels, difficilement mesurables. Pour ce faire, les intitulés à
dominante psychologique ou psychosociologique constituent un excellent moyen.
On trouve un bel exemple de cette stratégie, sur France Inter de nouveau, avec
le magazine « Interception » diffusé le 8 novembre. C’est une émission, qui se
veut sérieuse, nuancée. Qu’il soit néanmoins permis de souligner que, traduit
par le titre « Allemagne 20 ans après : le prix du rêve », le choix d’une
entrée, non par les faits historiques, mais par le simple ressenti, permet bien
des facilités. Ainsi, après avoir posé clairement (mais plutôt brièvement) que
la RDA était une dictature, le journaliste se laissera aller, une heure durant,
à de nombreuses variations sur le thème qu’il aura lui-même énoncé avec cette
affirmation, non étayée : « Amertume, le sentiment domine »… Oubliés les vopos,
oubliée la Stasi, ne restent que la vague nostalgie, à bon compte, d’un régime
qui dispensait d’avoir à se montrer compétitif... Place en revanche aux
inévitables larmoiements idéologiques : un interviewé, qu’on imagine
judicieusement choisi, dit sa peur de « l’idéologie de la croissance », des «
profits privés à l’encontre de l’intérêt général »… Il « considère que c’est une
catastrophe. Ce n’est pas de cet Ouest-là que nous rêvions »…
Il y a pire. Lorsqu’un journaliste d’une radio nationale pose la question «
Est-ce que l’histoire de la RDA n’a pas été écrite par l’Allemagne de l’Ouest ?
», la forme même de la question, fermée, n’est pas neutre. Le fond non plus, qui
suggère une forme douce de colonisation, voire d’annexion pure et simple, pas
une volonté de réintégration et de mise à niveau au sein d’une même communauté
nationale. C’est de plus une imbécillité : entre 1949 et 1989, l’histoire de la
RDA est uniquement écrite par les soviétiques et par les dirigeants de
Berlin-Est, essentiellement Walter Ulbricht puis Erich Honecker. Elle ne l’est
pas par les allemands de l’Ouest dont l’influence ne devient prépondérante que
lorsque la RDA (qui disparaîtra le 23 août 1990) est déjà devenue moribonde...
L’universitaire interviewé, heureusement, n’entrera pas dans le jeu de cette
invitation à peine voilée au dénigrement de son propre pays, l’Allemagne
réunifiée…
Lorsqu’un journaliste d’une radio nationale pose très exactement la question «
Quels sont les rêves qui n’ont pas été réalisés ? », il n’invite pas à réfléchir
sur la portée historique d’un événement, mais à exprimer des frustrations.
Lesquelles constitueront autant de critiques du régime ouest-allemand. Comme
s’il allait de soi que, bien que criminel, bien que failli, le régime de la RDA
était, dans ses fondements, d’une essence supérieure à celui qui l’a remplacé.
La presse écrite n’est pas en reste. Le journal « Le Monde », dans une tribune
parue le 7 novembre, laisse percer une certaine jubilation, perceptible dans le
titre « Derrière le mur, les peuples ne rêvaient pas de capitalisme »… De
nouveau, on ne traite pas les faits historiques, de nouveau on se réfugie dans
des affirmations improuvables. L’auteur de la tribune, Slavoj Zizek, écrit : «
…l’immense majorité des dissidents de l’Est ne manifestaient pas pour le
capitalisme. Ils voulaient plus de solidarité et un semblant de justice, ils
voulaient être libres de mener leurs vies sans être sans cesse contrôlés par
l’Etat, libres de se réunir et de parler ouvertement, ils voulaient une vie
honnête et décente, débarrassée du bourrage de crâne, de l’hypocrisie et du
cynisme. Comme plusieurs observateurs l’ont bien vu, les idéaux qui
sous-tendaient leur révolte étaient largement inspirés de l’idéologie dominante
: on aspirait à quelque chose comme « un socialisme à visage humain ». Ces
quelques lignes mériteraient un long commentaire. On pourrait notamment
s’interroger sur les éléments objectifs qui fondent ces affirmations. Sur
l’étrange absence, dans cette noble liste d’aspirations, d’une revendication à
un mieux être matériel… Sur la capacité d’un régime socialiste à la satisfaire…
Mais le titre lui-même illustre parfaitement l’objectif visé : puisqu’on ne peut
plus vraiment défendre le communisme, alors il faut détruire l’image du régime
libéral qui l’a remplacé…
3- Troisième stratégie : la fuite en avant dans l’utopie. C’est une technique
déjà fort ancienne. Dès que les méfaits du communisme ne purent plus être
dissimulés, il fallut trouver quelque chose qui permette le maintien de
l’illusion.
En 1981, un Jean Ferrat resté très proche du PC, écrit une chanson intitulée –
déjà !... - « Le bilan ». En apparence fort critique, elle n’est en fait qu’une
invitation à persister dans un idéal d’autant plus pur, d’autant plus à l’abri
de toute critique, qu’il n’existe nulle part et qu’il s’agit de l’inventer ! On
rappellera ces quelques vers :
Ah ils nous en ont fait approuver des massacres
Que certains continuent d’appeler des erreurs
Une erreur c’est facile comme un et deux font quatre
Pour barrer d’un seul trait des années de terreur
Ce socialisme était une caricature
…/…
C’est un autre avenir qu’il faut qu’on réinvente
Sans idole ou modèle pas à pas humblement
Sans vérité tracée sans lendemains qui chantent
Un bonheur inventé définitivement
La bonne conscience, on le voit, est ici de mise : nous avons, certes, approuvé
des massacres, mais c’est parce qu’ « on » nous a fait les approuver ! Quant à
la « caricature » de socialisme (que nous avons pourtant défendue bec et
ongles), elle ne met pas en cause le « vrai » socialisme, qu’il nous suffit de
réinventer et qui reste le vecteur d’un bonheur définitif… Ferrat et ses
semblables, ou le besoin de croire encore…
A ce point de ma présentation des stratégies de contournement de la réalité,
qu’on me pardonne de donner un autre exemple, au mécanisme identique, en citant,
une fois encore, Jean François Revel. Lors de la parution du « Livre noir sur le
communisme », il avait, en quelques lignes d’une implacable lucidité, mis à nu
la contradiction intrinsèque de l’argumentaire marxiste : « Premièrement,
(faisait-il dire alors à Robert Hue) nous reconnaissons l’existence des
abominations relatées dans le livre noir. Deuxièmement, ces abominations n’ont
rien à voir avec le communisme. Elles en sont la perversion. Elles n’en
découlent pas, elles le trahissent. On admirera que ces socialistes «
scientifiques » plaident avec autant d’ingénuité l’existence de phénomènes
historiques sans cause, et qui sont en outre en proie à la contrariante habitude
de se répéter avec la régularité d’une rotation astronomique. La répression
concentrationnaire ou carcérale, les procès truqués, les épurations meurtrières,
les famines provoquées accompagnent tous les régimes communistes, sans
exception, tout au long de leur trajet. Et cette association constante serait
fortuite ? En revanche l’essence véritable du communisme résiderait dans ce
qu’il n’a jamais été, dans ce qu’il n’a jamais produit ? Qu’est-ce donc que ce
système, le meilleur jamais conçu par l’homme, nous dit-on, mais qui est doté de
cette surnaturelle propriété de ne jamais mettre en œuvre, nulle part, autre
chose que le contraire de lui-même, que sa propre perversion? »
Ce mécanisme de fuite en avant fonctionne toujours, intact, presque trente ans
plus tard.
Ainsi lors de l’émission, déjà évoquée, de Paoli, Patrick Le Hyaric, évoque la
nécessité d’aller vers un « socialisme à inventer tous ensemble au niveau
mondial ». Les expériences passées n’ont pas été des réussites concédera-t-il,
mais il faut une « alternative au capitalisme ». Inventer un socialisme au
niveau mondial ! Ben voyons !
Ainsi Martine Aubry, dans une interview donnée au JDD le 8 novembre, déclare
t-elle « C’est bien un nouveau modèle que la gauche doit construire ». Et
d’ajouter, pour que les choses soient bien claires : « il ne s’agit plus
d’amender le libéralisme ou de corriger ce capitalisme à la marge. Il s’agit de
changer le système, de changer de système. C’est à cela que nous travaillons »…
Ainsi le 9 novembre, le journal « l’Humanité », offre-t-il, sans rire, une
tribune à Egon Krenz, le dernier et éphémère patron d’une RDA alors en coma
dépassé. Que dit Krenz, dans sa dérisoire entreprise d’autojustification ? «
L’idée socialiste, les valeurs socialistes vivent et vivront. Je reste persuadé
que l’avenir sera le socialisme ou la barbarie ».
Les utopies, on le voit, ont la vie dure. Elles résistent à tout, aux leçons
même de l’histoire. Ce n’est pas une simple commémoration qui va suffire à les
extirper du cœur de certains hommes.
Quant à celles-ci, celle de novembre 1989 comme celles de juillet 1789, de
novembre 1918, de mai 1945, peut-être ne sont-elles plus adaptées à l’époque ?
Ce serait bien dommage… Conçues pour nous forger une identité commune autour de
quelques grandes leçons du passé, organisées pour nous unir autour de symboles
forts, elles ont parfois gagné en enflure médiatique ce qu’elles ont perdu, au
fil du temps, de signification profonde. Jusqu’à ne plus devenir, pour un grand
nombre de gens, qu’une journée éventuellement fériée, occasion d’escapade si la
météo est bonne et si le litre de gazole n’est pas trop cher…
Il faut dire que le monde tourne vite, que sa compréhension nécessite du temps
et de solides compétences intellectuelles… Comment attendre d’un citoyen lambda
qu’il se penche sérieusement sur le passé alors qu’il vit un présent incertain
et qu’on lui demande, chaque matin, de préparer le futur en « sauvant », rien
que ça, la planète ! Dans la vie de chacun d’entre nous, s’entremêlent
journellement, en un zapping infernal, actualités internationales et locales
charriées par les médias, préoccupations professionnelles, heurs et malheurs
privés. Il faut faire avec… Nous parlions libération de peuples depuis quarante
années sous la botte soviétique et déjà les rues et les étals des magasins se
parent des illuminations de Noël… Ainsi va la vie… Décidément, le bilan de
l’anniversaire de la chute du Mur est difficile à établir…
© Louis Dedouet pour LibertyVox
Un hymne de Gunnar Schupelius à la capitale allemande
Berlin est une belle ville… Mais non, voyons ! Les destructions de la Deuxième Guerre mondiale sont visibles jusqu’à nos jours. Les vides creusés par les bombes ont été obturés par des façades de styles très différents qui ne s’accordent pas tous les uns avec les autres. L’urbanisme des années 60 a creusé des trouées dans la ville qui font souffrir comme des blessures mal refermées. A Berlin, on reconstruit sans cesse les rues, on échange des maisons, tout simplement. Actuellement, on arrache le béton des années 50 à 70 et on le remplace par des façades modernes d’acier et de verre. S’il me fallait dire ce qui me frappe le plus à Berlin, ce sont les chantiers. On n’arrête pas de construire. Berlin ne semble jamais terminé. La ville n’embellit pas, mais elle se construit.
Nous autres, Berlinois, nous sommes très tolérants. Dans aucune autre capitale d’Europe on ne prend autant à cœur que chez nous le principe « Laissez faire, laissez vivre ». 14% d’étrangers vivent à Berlin et leur nombre augmente. La majorité absolue d’entre nous dit qu’on vit bien avec des étrangers. Bon an mal an, 6,5 millions de touristes rendent visite aux 3,4 millions de Berlinois. Après Paris et Londres, nous sommes la destination touristique la plus prisée en Europe. Pour les Américains nous sommes même les préférés, devant Londres.
Qu’est-ce que les touristes apprécient à Berlin ? En fait, ce sont les chantiers qu’ils aiment, ils adorent voir la ville se développer constamment, sans rime ni raison, mais jamais finie. Et ils aiment l’offre culturelle : avec 150 théâtres, trois opéras, 170 musées et 200 clubs, l’offre dépasse à Berlin celle de toutes les autres villes allemandes.
D’un autre côté, Berlin est la capitale la plus provinciale d’Europe. Il vous y arrive de guider un taxi avec votre plan de la ville parce que les chauffeurs de taxi ne connaissent que leur propre quartier, et ce pour la simple raison que le quartier voisin ne les intéresse pas. Ici, les conducteurs de bus sont impertinents : « Comment puis je aller au Musée de Pergame ? » demandait récemment une touriste. « Si ch’savais, ch’serais pas scotché ici », répondit le conducteur. Mais son insolence recélait un brin d’auto-ironie typiquement berlinoise : il voulait dire par là qu’il n’était pas assez intelligent pour expliquer le chemin et qu’il n’avait pu faire mieux dans la vie qu’être conducteur de bus. L’humour de Berlin est le plus noir qui soit, aucun autre Allemand ne pratique autant le sarcasme que nous, Berlinois.
Il y a un sujet qui ne fait pas rire les Berlinois. C’est quand on parle de leurs jardinets à cabanons. Il y en a chez nous jusque dans le centre ville. Par exemple non loin de l’artère centrale chic de Berlin-Ouest, le Kurfürstendamm. Ils s’étalent là dans un grand espace vide entre des immeubles et l’on va maintenant bâtir sur ce terrain. Les occupants des jardinets n’acceptent absolument pas de quitter leurs terres et reçoivent le soutien de responsables politiques et même les tribunaux leur donnent raison. Centre ville ? Bureaux ? On s’en moque. On veut garder sa terre. Berlin est la capitale des cabanons, comme on les appelle à l’Ouest, et des « datchas », comme on les appelle à l’Est.
A l’Est on continue par exemple de dire „un une pièce“ tandis qu’à l’Ouest on dit „un studio“.
Il n’y a pas que la langue berlinoise à se ressentir encore de la division. Celle-ci touche aussi la mentalité des hôtes de ce lieu. Dix-huit ans après la réunification de la ville, les Berlinois de l’Ouest et de l’Est ne lisent pas les mêmes journaux. Qui emprunte le métro qui passe par les endroits où se trouvait jadis le mur de Berlin, peut observer que les journaux lus par les passagers évoluent peu à peu au fur et à mesure que le train circule. A l’Ouest, les mains des passagers tiennent la « B.Z.“, la „Morgenpost“ et le „Tagesspiegel“, l’Est la « Berliner Zeitung » et le « Kurier ».
D’un côté, Berlin est divisée, de l’autre elle est unie dans son humeur basique parce qu’en fait, c’est une ville rouge : le SPD social-démocrate et La Gauche néo-communiste récoltent ici 53% des suffrages. Si l’on ajoute les Verts qui, à Berlin, ont une teinture socialiste, on peut en déduire que 68% des Berlinois votent à gauche. Où trouve-t-on un tel électorat ? Où rencontre-t-on autant d’activisme politique qu’à Berlin ? Tous les jours, une dizaine de manifestations traînent les pieds dans les rues de la ville. On en dénombre près de 4000 par an. Tous les mois de janvier, 80 000 personnes vont en pèlerinage sur la tombe de Rosa Luxembourg, la fondatrice du parti communiste allemand assassinée en 1919. C’est le plus grand rassemblement postcommuniste de la planète.
Berlin n’est pas seulement la ville la plus rouge, c’est aussi la ville la plus verte d’Europe : 42% de sa surface se compose de forêts, de prairies et de parcs. Dans ses rues, on compte 420 000 arbres. Nous autres, Berlinois, nous arrosons nos arbres en période de sécheresse. Nous ne tolérons pas qu’un arbre soit abîmé ou abattu dans nos rues. Alors, là aussi, fini de rire. Dans mon voisinage, les gens ont collecté récemment plusieurs milliers d’euros pour remplacer à leurs frais deux platanes qui étaient tombés. Pourtant, il y a déjà tellement d’arbres dans cette rue qu’en été, au milieu de la journée, les voitures doivent allumer leurs phares.
Nous aimons autant nos animaux de compagnie que nos arbres. Nous avons 106 000 chiens dûment déclarés au fisc et quelques 30 000 chiens „défiscalisés ». Le foyer des animaux perdus de Berlin est avec ses 16 hectares le plus grand au monde. Dans nos supermarchés, on peut laisser à la caisse des aliments qu’on achète pour en faire don aux animaux sans le sou.
Tout simplement parce que les animaux nous rendent heureux. Pour ce qui est de l’économie de notre ville, nous sommes sans doute la métropole la plus heureuse au monde : 90% d’entre nous disons que nous sommes contents de vivre à Berlin ? Pourtant c'est la ville des infidèles : on marie 12 000 couples par an à Berlin, mais 10 000 demandent le divorce. Il est vrai que Berlin est aussi la ville des solitaires : la moitié des habitants de Berlin est faite de célibataires et plus de la moitié vit dans des ménages d’une seule personne. Et Berlin est une ville de pauvres. Le taux de chômage plafonne encore à 15% et 52% seulement des actifs ont un travail régulier et seulement 9% d’entre eux dans l’industrie et l’artisanat. 267 000 personnes vivent d’aide sociale et un enfant sur trois relève du minimum vital. Pas une seule entreprise cotée en Bourse n’a son siège dans la capitale allemande et pourtant la Deutsche Bank, l’Allianz, Siemens et l’AEG ont été fondées ici jadis.
Le bourgmestre de Berlin, Klaus Wowereit, a explicité le taux de satisfaction des habitants de sa ville, que la pauvreté ambiante rend inexplicable, en disant que « Berlin est pauvre mais sexy ». C’est le slogan le plus impertinent qu’un maire ait jamais inventé pour sa cité.
Peut-être sommes-nous, nous autres Berlinois, trop satisfaits pour nous vêtir de façon sexy. Nos accoutrements sont plus pauvres qu’il le faudrait. Nous allons encore faire nos emplettes en survêtements de sport. De belles jeunes femmes parcourent les rues vêtues comme si elles avaient acheté leurs habits au marché aux puces. Il arrive chez nous que les enseignants aillent faire leurs cours en jeans sales. Les policiers laissent pendre leur ventre par-dessus leur ceinture. On va en vareuse violette au bal et en débardeur à l’opéra.
Nous n’avons pas d’aéroport international proprement dit et les vitres des wagons de nos métros sont tellement rayées qu’on ne peut pas voir à travers. Chez nous, on boit la plus mauvaise bière d’Allemagne et on mange la meilleure saucisse au curry. Chez nous à Berlin, il n’y a rien qu’il n’y ait pas, comme disent les Berlinois avec leur logique qu’ils sont seuls à comprendre. C’est notre Berlin. Nous aimons cette ville. (G.S.)
● La crise économique a-t-elle provoqué une crise du tourisme à Berlin ?
par Burkhard Kieker, gérant de Berlin Tourismus Marketing
Introduction
Ces statistiques actualisées , présentées par le directeur du tourisme berlinois , tiennent compte des six premiers mois de l´année , plus exactement vont de janvier à août 2009 et sont le reflet d´une situation particulièrement favorable , surtout par rapport à la concurrence .
Mais , comme le soulignait Burkhard Kieker , si on lui avait dit en février (un mois en très forte baisse) qu´il pourrait produire ces chiffres de progression , il en aurait douté. De même, on ne peut savoir si le tourisme à Berlin sera encore sur la pente ascendante, en 2010.
Toutefois, en période de crise, les responsables touristiques de la capitale allemande peuvent vraiment être très satisfaits de l’évolution.
Pour rappel : le tourisme berlinois emploie 255.000 personnes ( 7,5 % du PIB )
2- Statistiques
Chiffres globaux
Arrivées des Touristes : 5.332.000 , soit + 4,5 %
Nombre total de nuitées : 12.319.000 , soit +5,3 %
Comparaison de l'évolution actuelle des chiffres de nuitées dans d'autres capitales :
Londres , moins 18% , Vienne moins 7%, Paris moins 6,2 %
Répartition selon les marchés :
Allemagne : 76,6 % ( 7.400.000 )
Marchés étrangers :
Italie : 509.000
Royaume Uni : 440.000 , soit – 9,7% ( baisse la plus forte)
Espagne : 401.000
Etats Unis : 397.000 ( statut quo)
Pays-Bas : 387.000 , soit + 4,2 %
France : 264.000, soit + 17,6 % ( augmentation la plus grande )
Nombre de lits : 108.000 cette année , avec une progression attendue de 11% l´an prochain , soit 120.000 lits ( en 1993 le chiffre était de 42.000)
b- Hotellerie et Congrès
Prix moyen actuel d'une chambre à Berlin :
En 5 étoiles 131 euros , en 4 étoiles 72 euros, et en 3 étoiles 53 euros,
Nombre de Congrès :
Paris et Vienne 139, Barcelone 136, Singapour 118 , Berlin 100 ( 5ème position)
Nombre de Participants :
Berlin 106.000, Barcelone 81.000, Paris 73.000, Vienne 69.000, Bangkok 58.000
Le Sénat de Berlin vient d´accorder un budget supplémentaire conséquent au BTM ce qui va leur permettre d´ouvrir cette année un Bureau des Congrès à New- York ! Une concurrence accrue pour la France…
c- Points importants de la stratégie
Sans délaisser bien évidemment les marchés proches, toute l´attention est portée sur le BRIC ( Brésil/Russie/Inde/Chine) , marchés dans la direction desquels des actions marquantes sont mises en place :
Ligne directe ( 5 fois par semaine) Berlin-Péking avec une compagnie autochtone
Tournage de films indiens à Babelsberg ( le Hollywood allemand d´avant-guerre , revenu à son meilleur niveau.
La campagne de spots télévisés à venir met en avant, sur quasi chaque photo, le côté vert de Berlin:
Comme l´on sait, 30 % de lacs et forêts sur une surface égale à 8 fois Paris.
Enfin , la campagne d´affichage sur les marchés germaniques sera simple , mais percutante ; à titre d´exemple : “ Die einzige Weltstadt , die nicht die Welt kostet “.
Conclusion
En parlant du rôle des grands événementiels dans la promotion d´une destination ( il a été d´ailleurs souligné la très belle prestation française des “ Riesen in Berlin “) le Directeur du BTM a tenu à dire que le facteur numéro 1 pour Berlin était le capital de sympathie dont jouissait maintenant la capitale allemande , un peu partout dans le monde.
Une ville qui fut, il y a 60 ans, le point de départ de tant de destructions, se trouve être, en 2009 , le point d´arrivée d´autant d´esprits créatifs , en particulier en provenance d´Europe.
H.Cames / Berlin , 16 octobre 2009
●
Deux
interviews sur le livre « Berlin-Stasi »
Le mur de Berlin n’était que l‘épiphénomène
Eurbag Magazine. La commémoration de la chute du mur de Berlin, le 9 novembre 2009, a-t-elle été à la hauteur ?
Jean-Paul Picaper. Heureusement, il n’avait pas plu autant le 9 novembre 1989 quand s’ouvrit le mur. Néanmoins, n’était-ce cette année la pluie, le froid humide et le ciel maussade, elle a dépassé nos espérances. Les Berlinois aiment les fêtes et célébrations. Ils sont accourus à plus de cent mille pour voir tomber les dominos qui symbolisaient la chute du mur. Il y avait dans la foule des Polonais et des Français en très grand nombre, ainsi que d’autres nationalités, des Américains notamment. J’ai beaucoup apprécié que le mot « liberté » ait été si présent sur les affiches, dans les discours et les chansons. Ce terme n’est pas galvaudé, il est éternel. Il a été également question de la lutte « contre le totalitarisme ». La conviction que la RDA et l’URSS étaient des dictatures totalitaires fait son chemin. Ce n’était pas évident il y a plus de vingt ans, quand la désinformation communiste influençait encore la pensée occidentale. Cela dit, les livres et articles sont beaucoup trop axés sur le mur de Berlin qui n’était que l’épiphénomène. Il y avait derrière, le parti, la Stasi, l’armée et l’URSS. Il va falloir maintenant oublier un peu le mur et se pencher sur les dictatures et leurs polices secrètes dont il reste encore un certain nombre dans le monde, de Cuba à la Corée du nord, sans oublier la Chine et certains vestiges en Russie.
Beaucoup de livres sont parus à cette occasion, en France aussi…
On est sidéré par le nombre de livres et d’articles publiés autour du 9 novembre 2009. Bien des confrères écrivent des livres sur la chute du mur de Berlin qui étaient encore enfants ou ados à cette époque. Tout le monde voudrait avoir été à Berlin ce jour-là. Si ce n’était pas le cas, on fait comme si. C'est comme si j’écrivais, moi, un témoignage sur la bataille de Bouvines ou relatais mes souvenirs de Verdun. Les gens des médias se gargarisent aujourd’hui d’une victoire qui n’est pas la leur, alors qu’à l’époque la plupart des journalistes trouvaient un charme discret à la RDA et que le mur de Berlin, somme toute, n'était pour eux pas plus mal qu’autre chose. J'ai vu Ségolène Royal le soir du 9 novembre à Berlin dire sur Canal + qu'il faudrait abattre les murs dans le monde. Beau programme, mais il faudrait commencer par distinguer les murs qui sont destinés à mettre en cage la population du pays qui les érige, comme c'était le cas pour la RDA et ce l'est encore pour la Corée du nord, et ceux qui protègent un pays d'invasions ou d'agressions extérieures. S'ajoute que la pléthore d’ouvrages sur la chute du mur reflète le côté évènementiel et médiatisé de la littérature politique actuelle. L’évènement était important, c’est indéniable. Mais il a été hypertrophié par des médias qui relatent la chose de façon phénoménologique. J’entends par là que la plupart de ces textes se contentent de décrire les phénomènes visuels, au mieux des faits référenciés par l’histoire, les plus habiles présentant leurs assertions comme des révélations ou des nouveautés. Alors que ce sont souvent de vieilles lunes.
Pourtant, pourquoi n’avez-vous pas publié un livre sur le mur de Berlin que vous avez bien connu, mais sur la Stasi ?
J’ai connu Berlin avant le mur en 1959-60, pendant le mur de 1963 à 1989, et après le mur depuis 1989. J’ai vécu presqu’un demi-siècle à Berlin. Néanmoins, quand le directeur des éditions des Syrtes me demanda à la fin de l’année 2008 de faire un livre à l’occasion de la commémoration du mur, je lui ai répondu : « Surtout pas ! ». J’avais entendu de nombreux confrères évoquer les livres et films qu’ils préparaient sur le mur et sa chute. Dans l’esprit de ma trajectoire berlinoise et de mes recherches universitaires sur l’essence et les mécanismes du totalitarisme, je lui ai proposé de faire un livre sur la Stasi. L’espionnage qui est le second plus vieux métier du monde, comme on dit, passionne les lecteurs. Mais la Stasi, ce n’était pas seulement de l’espionnage, mais aussi la guerre d’influence, la désinformation et elle était l’âme de la dictature.
Mon livre ne traite donc qu’en filigrane du mur de Berlin, de son érection à son démantèlement. Qui traite de la Stasi ne peut éluder le mur puisque Erich Honecker, le leader de la RDA et constructeur du mur, avait confié à Erich Mielke, le chef de la Stasi, d’être le gardien du mur et de surveiller ceux qui voulaient le franchir. Ce n’était pas le rôle d’un service d’espionnage. Mielke ne l’ignorait pas : « On cherche un imbécile pour lui faire porter le chapeau si cela ne marche pas », avait-il dit à ses proches collaborateurs. Mais sa position ne lui permettait pas de contredire le parti dont la Stasi était « l’épée et le bouclier » et il s’est dit qu’il réussirait mieux que les autres. Depuis le début des années 70, la RDA était sous la coupe des « deux Erichs », Erich Honecker et Erich Mielke.
Ainsi donc tous les hommes et les femmes placés aux points de contrôle du mur et des voies de transit entre Berlin-Ouest et l’Allemagne de l’Ouest étaient des gens de la Stasi en uniformes de douaniers ou de policiers. Ils entraient dans la catégorie de personnels, comme par exemple ceux des ambassades, qui étaient nécessairement et sans exception membres de la « firme ». La lutte contre les candidats à l’émigration ou à la fuite a fortement accaparé la Stasi et l’a détournée partiellement de ses véritables fonctions. Tous les hommes et femmes aux points de contrôle du mur et des frontières de la RDA étaient des gens de la Stasi. Cela explique partiellement le gonflement extraordinaire de ses effectifs : 90 000 fonctionnaires à plein temps et quelques 200 000 agents. S’ajoutaient les policiers populaires requis pour surveiller les prisons. Les prisons politiques au nombre de trente-six formaient un goulag est-allemand.
Les citoyens de RDA se racontaient à ce sujet une bien bonne : Erich Mielke rencontre Erich Honecker et lui dit : « Dis donc, camarade Honecker, que fais-tu pendant tes loisirs ? ». « C’est simple, répond Honecker, je collectionne les blagues qu’on raconte sur moi ». « C’est extraordinaire, s’exclame Mielke. Nous avons le même passe-temps. Moi, je collectionne les gens qui racontent ces blagues ».
Mais la RDA ne pouvait pas mettre tous les candidats à la fuite en prison, faute de place.
On en a laissé partir certains, parmi eux des agents. Ce qui permettait de libérer des logements pour des collaborateurs fidèles des services et du parti qui se voyaient allouer ainsi un logement gratis, compensation pour l’interdiction de voyager à l’Ouest. D’autres étaient emprisonnés, mais libérés avant terme contre une rançon payée par la République fédérale, ce qui a servi à rentabiliser le mur. Le mur avait dressé la population contre le régime. Les gens n’ont jamais pardonné à Ulbricht puis à Honecker de les avoir mis en cage. Néanmoins, le mur a donné au régime un sursis et un répit de 28 ans qui a permis à la Stasi de se concentrer sur la guerre d’influence et du renseignement à l’Ouest. A partir de 1961-62, les mesures actives, parmi elles surtout la désinformation qui était l’apanage de Markus Wolf, ont pris le pas sur le contre-espionnage. Certes, la désinformation existait déjà depuis les années 30 dans les services soviétiques, mais la RDA a fait d’énormes progrès en la matière. En revanche, il était devenu très difficile pour les agents occidentaux de pénétrer en RDA. Pour la Stasi, l'infiltration à l’Ouest était devenue d’autant plus importante que la guerre froide excluait des opérations militaires dans le premier cercle, en Europe. La guerre n’était possible que dans le second cercle, dans le Tiers-Monde. Au-dessous du seuil de la guerre, il y eut donc la guerre des espions et des désinformateurs. C’est cela, essentiellement, que je décris.
Donc une action psychologique ?
Psycho-idéologique… Mon livre décrit donc la partie non visible de l’iceberg de la guerre froide en aboutissant à une critique de l’idéologie et du régime totalitaire et en finissant sur le crépuscule du marxisme. Car une de mes thèses centrales contrebat l’idée que le Stalinisme aurait été une déformation de la vraie doctrine. Au contraire, je démontre que la dictature du bureau politique, soutenue par la Stasi, était en germe dans l’idéologie marxiste et même dans l’attitude de Marx et celle de Lénine. Mon analyse dépasse donc le descriptif phénoménologique. Bien avant le commencement de la fin de la « Soviétie », dans les années 1980, qui intéresse aujourd’hui les auteurs, j’ai vécu dans l’intimité de la dictature est-allemande depuis 1959 et depuis 1963. D’abord comme étudiant à Berlin-Ouest, ville ouverte, puis comme enseignant à Berlin-Ouest, ville emmurée. J’ai été aussi soldat dans les forces françaises à Berlin et ai vu, là, le mur sous un autre angle. Tout en subissant à Berlin-Ouest la soi-disant « rébellion étudiante », très manipulée par la Stasi, j’allais aussi en RDA comme reporter. Je pense, en tant que Français, avoir apporté ma petite pierre à la libération de Berlin.
Et la libération est arrivée…
Le 9 novembre 1989 fut un moment d’euphorie pour la population est-allemande et de joie pour celle de Berlin-Ouest. Ce qu’on a appelé la « folie berlinoise », le « Wahnsinn Berlin ». J’ai certes vécu le cheminement de la liberté tout au long des mois qui ont précédé cette date historique, en participant aux manifestations à Leipzig et dans diverses petites villes de Saxe, en accueillant les réfugiés sur la frontière bavaroise. Mais plus qu’une libération, la chute du mur fut pour moi une victoire politique sur le régime est-allemand et la Stasi. Pour moi et mes amis qui avaient combattu pendant trente ans le marxisme et avaient compris mieux que les compatriotes de l’Ouest la vraie nature de ce régime, c’était un triomphe comme bien peu de gens ont eu la chance d’en vivre un au cours de leur vie. J’ai aidé activement des dissidents est-allemands à s’informer et j’ai informé de diverses manières l’Ouest. J’avais rédigé en 1976 une thèse qui décortiquait la propagande communiste est-allemande. Elle a été utilisée comme manuel par les futurs diplomates et les futurs militaires ouest-allemands. J’espère les avoir un peu immunisés. En étroite coopération avec le Comité central du parti et le Bureau politique, la Stasi était avant tout un organe de transformation des cerveaux et de modification des attitudes dans le but d’obtenir un comportement conforme et une pensée unique. Il fallait donc protéger les gens de cette gigantesque entreprise de création du soi-disant « homme nouveau ». J’y ai un peu contribué, sans me faire pincer, avec beaucoup de chance parfois. Tout cela est relaté dans mon livre.
Considérez-vous votre livre comme un ouvrage d’historien ?
Cette histoire est assez récente. Bien des jeunes ne la connaissent plus, il faut la leur rappeler. D’autant que ce travail est très actuel aussi parce que la Stasi, sacrifiée fin 1989 pour sauver le parti de l’anéantissement, a laissé des métastases. Non seulement ses anciens membres se sont regroupés en associations, mais surtout le parti allemand « Die Linke » a repris le flambeau et célèbre à nouveau « les lendemains qui chantent » comme si le marxisme-léninisme n’avait pas déchanté.
Interview parue dans France-Soir
Il y avait au départ un déficit de démocratie.
Alain Vincenot. Vous publiez un livre intitulé « Berlin-Stasi ». Que signifie le mot Stasi ? Quand la Stasi a-t-elle été créée ?
J.-P. Picaper. « Stasi » est l’abréviation de « Staatssicherheit », Sûreté d’Etat. On l’appelait aussi « la firme ». Le KGB stalinien a tenu la Stasi sur les fonds baptismaux et a commis après la guerre en Zone soviétique devenue RDA, des crimes inouïs que je relate en partie. Née à ce moment, la Stasi devient ministère en 1952.
Erich Mielke, un ancien liquidateur stalinien, a aidé le chef du parti, Walter Ulbricht, à éliminer ses rivaux. En récompense, il est promu en 1957 ministre de la Sûreté d’Etat et général d’armée. En 1972, il aidera Honecker à éliminer Ulbricht et gardera donc son poste jusqu’en 1989. Dès 1952, le célèbre Markus Wolf dirigea la Section espionnage. J’ai interviewé dans mon livre le dernier chef de l’espionnage, Werner Grossmann. Je relate mes entretiens avec Markus Wolf, décédé en 2006.
Comme me l’a dit un ancien lieutenant colonel de la Section de Désinformation de la Stasi, il y avait au départ un déficit de démocratie. C’est ce refus de la critique et des réformes qui a failli tuer la RDA en 1953, puis en 1960-61 quand le régime dut enfermer ses citoyens derrière un mur. Enfin, elle en est morte en 1989 quand le peuple en colère a ouvert le mur.
La Stasi a-t-elle recyclé des anciens nazis?
Officiellement, le KGB et la Stasi luttaient contre les anciens nazis, mais c’était un prétexte pour liquider les anticommunistes et les sociaux-démocrates dans des prisons et dans les anciens camps de concentration hitlérien rebaptisés « camps spéciaux ». La Stasi a récupéré de nombreux anciens nazis en menaçant de révéler leur passé ou de les traduire en justice. Comme la Gestapo et la Stasi se ressemblaient, ils ont pu mettre leur savoir-faire à sa disposition. La Stasi était à la fois police secrète, service d’espionnage et de contre-espionnage, officine de désinformation et armée. Ses officiers portaient une arme.
Elle s’appuyait certainement sur un important réseau d’informateurs. Comment étaient-ils recrutés ?
Dans les années 80, elle comptait près de 100 000 collaborateurs permanents salariés et près de 200 000 indicateurs en mission, les IM, ainsi que quelques 20 000 IM et 1 500 espions en RFA. Elle avait vraiment mis le paquet ! A l’Ouest, les IM étaient souvent rémunérés, mais le pacifisme et le néo-marxisme ont séduit de nombreux bénévoles, surtout parmi les étudiants. En RDA, les IM œuvraient gratis en échange de privilèges ou tenus par le chantage.
Quel a été son rôle dans la surveillance du mur de Berlin?
Mon livre n’est pas un livre sur le mur de Berlin, mais sur la Stasi. Seulement, la répression des tentatives de fuite à l’Ouest a été confiée à la Stasi par Erich Honecker. Ce n’était pas le rôle d’un service d’espionnage. Mielke a compris que c’était une erreur, mais il a obéi. Tous les contrôleurs en uniformes de l’armée ou de la douane placés aux frontières, donc au mur aussi, étaient des gens de la Stasi. Elle a traité ceux qui voulaient émigrer comme des espions et des criminels. Ces persécutions ont acculé les gens à l’opposition.
Quelles étaient ses méthodes ?
La surveillance totale, jusque sous les lits et dans les latrines et je n’exagère pas. Voyez les détails sordides dans mes pages. L’argent et l’idéologie furent des motifs puissants de recrutement. On donnait aussi aux espions le sentiment de participer au salut du monde. On les flattait, on les décorait, mais certains, réfugiés en RDA, s’en sont repentis parce que le paradis socialiste n’était pas ce qu’ils avaient imaginé.
Enfin, le sexe a aveuglé bien des Occidentaux. Le KGB leur envoyait des « hirondelles », des femmes à sa solde qui leur arrachaient des secrets d’alcôve ou les faisaient chanter. La Stasi a élargi la méthode en faisant conter fleurette à l’Ouest par des « Roméos », des agents beaux, stylés, cultivés, à des femmes esseulées et en mal d’amour, généralement des secrétaires de ministres ou de PDG. La principale espionne de la Stasi, Gabriele Gast, avait été séduite à Berlin-Est par un bel officier de la Stasi. Je l’ai interviewée.
Et vous ?
Un soir dans un hôtel de RDA, mon « guide », c'est-à-dire l’homme de la Stasi qui accompagnait tout journaliste, me proposa d’agrémenter ma nuit. J’ai répliqué d’un air indigné par la formule que m’avait apprise un diplomate français : « Monsieur, je suis Français et j’ai l’habitude de chercher mes femmes moi-même ». Je n’ai pas retrouvé ce propos dans mon dossier. En revanche, un débat que j’avais eu avec un officier des troupes frontalières de RDA y était entièrement consigné. Il me vantait les avantages du communisme. Je lui ai exposé les avantages du capitalisme et de la démocratie. Je crois qu’en relatant mes propos, l’homme a pris un malin plaisir à écrire ce qu’il pensait mais ne pouvait pas dire.
Parce que vous avez lu votre dossier ?
Oui, il était assez épais. J’écris que « la Stasi fut mon biographe ». J’y ai retrouvé des éléments oubliés d’une trentaine d’années de ma vie, des conversations, des appels téléphoniques enregistrés sur écoutes, des remarques sur ma psychologie et mon train de vie. Mais j’ai eu la joie de constater que mes contacts en RDA ne m’avaient pas trahi. Sauf un, mais je l’avais deviné.
Pourquoi la Stasi n’a-t-elle pas réagi en 1989 ?
Elle voyait le dérapage, mais le parti décidait. Elle n’a pu qu’observer en rongeant son frein le crépuscule des gérontocrates communistes. Honecker était gravement malade. Mielke n’aurait jamais imaginé l’échec du communisme. Ce n’était pas prévu par Karl Marx. Le pire, c’est qu’on a fait porter le chapeau à la Stasi pour sauver le parti communiste qui a ressuscité de ses cendres.
Quand la Stasi a-t-elle été dissoute ?
Wolf et Grossmann ont quand même réussi un coup de maître en obtenant de liquider eux-mêmes leur service et de détruire les dossiers de leurs agents placés à l’étranger. Ce fut leur dernier méfait. Mais il existait des copies microfilmées que la CIA a récupérées. Les chefs ont été graciés et mis à la retraite. Des jeunes cadres se sont recyclés dans les affaires. Ils étaient capables. La Stasi avait ses universités.
Je ne suis pas partisan du dicton « Vae Victis », « malheur aux vaincus ». Ils ont perdu la guerre froide. Pourquoi les accabler maintenant qu’ils ne sont plus un réel danger ? Ils avaient prévu, eux, de nous arrêter et de nous enfermer dans des camps. Il faut leur montrer que la démocratie n’approuve pas ce genre de méthodes. L’époque où ils nous menaçaient concrètement appartient à l’histoire, une histoire fascinante que j’ai vécue à leur contact de 1959 à 1989 presque sans interruption. Cet élément personnel est l’atout majeur de mon livre.
●
U55 : la ligne de métro la plus
courte et la plus chère du monde
Nombreux à se rendre à cet endroit, les Berlinois et autres visiteurs de la capitale allemande descendent ou montent dans le métro (les deux compagnies réunies : « U-Bahn » et « S-Bahn ») à une station qui s’appelle „Unter den Linden“, comme c’est inscrit sur ses murs. Mais le haut-parleur dans le train proclame que cette station s’appelle « Brandenburger Tor ». Allez donc vous y retrouver ! Cette courte ligne de métro, la U55, relie la Gare centrale de Berlin (la « Hauptbahnhof » qui a elle aussi changé de nom et s’appelait la « Lehrter Bahnhof ») à « Brandenburger Tor » en passant par une seule station intermédiaire, la station « Reichstag » (rebaptisée « Bundestag » plus politiquement correct).
« Unter den Linden », « Sous les tilleuls », nom traditionnel de la station terminale, désigne la grande artère centrale de l’Est de la cité, au bout de laquelle, ouvrant sur l’Ouest, se dresse la « Porte de Brandebourg », en allemand « Brandenburger Tor ». Mais la U55 a un autre nom encore : la « Kanzlerlinie », la « ligne du chancelier ». Pourquoi ? Parce qu’elle passe près de la chancellerie ? Ou en souvenir d’Helmut Kohl qui décida sa construction ? Elle a exigé des travaux gigantesques. Ils ont duré quatorze ans et ont été en grande partie réalisés par les entreprises françaises Spie, Spie-Batigolles, SBTP et Spie-Fondations. Ce tronçon de métro aura été le plus coûteux ouvrage des souterrains berlinois, quelques 320 millions d’euros, soit 178 000 euros le mètre de voie.
La ligne avait été ouverte le 7 août dernier en grande pompe. Les autorités fédérales et berlinoises, ainsi que la Compagnie des Transports de Berlin, la BVG, avaient voulu cette inauguration une semaine avant les Mondiaux d’Athlétisme, mais en s’étripant – et cela n’a pas changé - sur qui devait payer. Le coût s’explique. Etant donné que Berlin est bâti sur un marécage avec une nappe phréatique parfois à fleur de sol, les deux tiers du parcours s’effectuent sur des bétons immergés et entre les parois et les banches de SBTP et Spiefond. La station « Bundestag » est de label SBTP/ TEKFEN.
« Ces trois stations sont chacune respectivement un musée de la guerre froide, du mur de Berlin et des travaux titanesques au Coude de la Spree, le « Spreebogen ».Nous n’avons pas travaillé en vain quand bien même ce fut, de temps en temps, du travail pour le Roi de Prusse réputé, comme le rapportait déjà Voltaire, lequel payait chichement ses ouvriers français et ottomans », nous déclare Henri Berthier qui fut le maître d’œuvres de ce chantier pharaonique.
Programmée dans l’euphorie qui avait suivi la chute du mur, la U55 avait été conçue par Helmut Kohl, comme la chancellerie, le Mémorial de l’Holocauste, comme le Musée de l’Histoire et bien d’autres choses encore. Le 13 octobre 1995, Kohl avait donné le premier coup de pioche symbolique. Six ans plus tard, percluse de dettes et secouée par une crise bancaire, la capitale allemande, avait stoppé le projet. Mais le gouvernement fédéral avait déjà mis pas mal d’argent dans l’affaire. Il imposa à la mairie de Berlin, opposée au projet, de reprendre les travaux.
Les pelleteuses s’étaient remises à l'ouvrage début 2004 pour une mise en service prévue à l'été 2006, à l'occasion de la Coupe du monde de football. Mais, à 20 mètres de profondeur, la nappe phréatique provoqua des écroulements. La ligne fut donc achevée avant un autre grand évènement sportif. Est-elle vraiment utile ? Elle transportera plus de touristes que de chanceliers… D’autant que la BVG veut y faire circuler un train toutes les dix minutes seulement, fréquence deux à trois fois moins élevée que sur les autres lignes. Selon les premières estimations, on attend à peine 6 500 voyageurs par jour... Pourquoi on a changé le nom de la station terminale qui était plus poétique avant ? Mystère… La raison pourrait être que le nom « Sous les tilleuls » est remplacé par « Porte de Brandebourg » parce que les touristes veulent voir la fameuse « porte » et non pas des « tilleuls » à l différence des Berlinois.
Selon les transports berlinois il ne s'agirait que d'"un premier tronçon", voué à grandir. A l’horizon 2017 le "moignon" sera raccordé, trois kilomètres plus loin, à l'Alexanderplatz. Si le budget le permet : 433 millions d'euros de plus qu’il faudra trouver d’ici là. Espérons en tout cas que cette station toute proche des ambassades de France, de Grande-Bretagne et des Etats-Unis, sur le trottoir de l’hôtel historique « Adlon », donnant d’un côté sur la « Place de Paris » (« Pariser Platz ») et de l’autre sur la célèbre Wilhelmstrasse, gardera ses deux désignations, l’une gravée dans la pierre de ses murs, l’autre orale.
A la différence des Parisiens, les Berlinois aiment tout chambouler. Il est vrai que les évènements du XXème siècle les ont amenés à concevoir Berlin « autrement ». Toujours portés à l’auto-ironie, ils ont surnommé la ligne U55 « le moignon » parce que pour sa longueur elle bat tous les records. Elle est la plus courte d’Allemagne et peut-être du monde : 1800 mètres sur ses trois stations : « Hauptbahnhof », « Bundestag » et « Brandenburger Tor » qui permettent aux passagers descendant des trains de rejoindre en trois minutes le cœur de la ville.
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A
Berlin-Hohenschönhausen, Angela Merkel a commémoré la mémoire des
quelques 200 000 prisonniers des 80 prisons de la Stasi
Aux approches du 20ème anniversaire de la chute du mur de Berlin, la chancelière qui est originaire de l’ex-RDA, avait voulu faire un geste symbolique. « Ici je me suis rendu compte une fois de plus par moi-même avec quelle brutalité on a foulé aux pieds la dignité humaine en RDA ». Ce furent ses mots le 6 mai 2009 après qu’elle ait été la première de son rang à rendre visite à la prison de Hohenschönhausen transformée en Mémorial. Là, de 1951 à 1989, quelques 20 000 prisonniers politiques avaient été incarcérés et torturés physiquement et moralement par la Stasi.
La chancelière est intervenue à cette occasion dans le débat sur la dictature en RDA dont le ministre président et ancien ministre de la Justice social-démocrate de Mecklenburg-Poméranie, Erwin Sellering, avait dit dans une interview du "Spiegel" le 22 mars 2009 qu'elle n'avait certes pas été un "Etat de droit", mais qu'il "s'insurgeait contre ceux qui la condamnent en disant que c'était un Etat total de non-droit dans lequel il n'y avait pas la moindre chose de bien". Cette déclaration provoqua une tempête de protestations. Sellering, né en 1949, est un original dans la politique allemande. Ne s'était-il pas déclaré dans une interview du "Spiegel" en date du 23 novembre 2003 en faveur d'une extension à tout le territoire de la constitution de fichiers génétiques de tous les citoyens allemands et au recensement de l'ADN de tous les nouveaux nés? Déjà à l'époque, cette déclaration avait montré que cet homme n'a pas une idée très claire de ce qu'est un Etat de droit. En somme, son dernier propos n'a rencontré que l'approbation du parti néo-communiste "La Gauche" qui se compose pour moitié d'anciens membres du SED, l'ancien p. c. de la RDA. Cornelia Ernst, membre éminent de "La Gauche" a estimé qu'on "ne peut rien faire de la formule Etat de non-droit", que c'est "une formule politique et non pas juridique" qui, en outre, est "humiliante pour les Allemands de l'Est". La mise au point très claire de Mme Merkel n'en a donc été que plus importante: "C'est parfaitement clair, a dit la chancelière, que la RDA était fondée sur le non-droit. Elle ne résultait pas d'élections libres et secrètes. Pour survivre, le système a dû pousser continuellement les gens à mentir. Il reposait sur la peur et le mensonge".
Gilbert Furian, 63 ans, qui avait été détenu à Hohenschönhausen et à Cottbus, l’a conduite à travers la prison de la Stasi. Il avait été arrêté parce qu’il avait interviewé des Punks sur leur vie et qu’il avait fait de tout cela une documentation. Il a montré à la chancelière entre autres le tristement célèbre « Sous-marin » comme les détenus appelaient les cellules souterraines sans lumière et toujours humides. Des cellules sans chauffage, avec un seau pour faire ses besoins, des châlits de bois sans couverture. Il y avait aussi des cellules dans lesquelles on avait en permanence de l’eau jusqu’à la cheville et d’autres où le détenu ligoté était exposé à des gouttes d’eau qui perlaient pendant des heures sur sa tête. Il y avait aussi ce qu’on appelait « le bunker », une cellule de 57 centimètres de large.
Après le dépôt d’une gerbe pour toutes les victimes de la RDA, Mme Merkel a discuté avec des élèves d’une terminale du Lycée de Rhein-Wied (Rhénanie-Palatinat). Christine Wiesen, une étudiante de 19 ans, voulut savoir si la chancelière n’avait jamais pensé à fuir la RDA. Mme Merkel répondit que tous ses parents et amis avaient vécu là, mais que si elle avait été elle aussi persécutée, elle aurait peut-être tenté de fuir à l’Ouest. Un autre étudiant vouait savoir si la Stasi avait tenté de faire d’elle un de ses agents. Mme Merkel confirma cela. Oui, la Stasi le lui avait demandé durant ses études en 1973-78. Mais elle avait répliqué qu’elle était très bavarde et qu’elle n’était donc pas apte au métier d’indicatrice. Par la suite, la Stasi l’avait laissée tranquille.
Commentaire d'Hossein Yazdi, membre de notre rédaction, ancien prisonnier à Hohenschönhausen et à la prison politique de Bautzen II :
"Une visite de la chancelière Angela Merkel dans la prison de détention préventive de Berlin-Hohenschönhausen a fait revivre l’horreur de cet endroit. Dans cet ensemble de bâtiments, on pratiquait la « torture à froid ». Les cellules n’avaient pas de vue sur l’extérieur. Le prisonnier perdait la notion du temps, sans un livre, sans papier, sans journal et sans une nouvelle du monde environnant, on cherchait à le réduire à néant. J’y ai passé un an et je remercie Mme Merkel pour tous mes camarades de souffrance. Elle a rendu courage aux victimes et fait quelque chose contre la nostalgie de la RDA."
Hossein Yazdi