Berlin: 20 Jahre Einheit

Berlin : 20 Ans d'Unité
Dese Rubrik ist dem Integrationswerk der deutschen Einheit und der deutschen Hauptstadt Berlin gewidmet. Wir reden hier von den erreichten Fortschritten bei der der Wiedervereinigung Deutschlands, die gleichzeitig die Wiedervereinigung Europas war. Besser würden die Worte „Waahnsinn Berlin!“ dazu passen, die am Abend des 9. Novembers 1989 tausendmal ausgestoßen wurden. Und dann folgte die offizielle Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990, inzwischen Tag der deutschen Einheit.
Nous avons dédié cette rubrique à l'effort d'intégration de l'Allemagne et de sa capitale Berlin afin de répertorier les progrès accomplis depuis une réunification allemande qui fut aussi celle de l’Europe. Elle pourrait s'appeler „Berlin, c’est une folie !“, traduction approximative du cri « Waahnsinn Berlin! » lancé par de nombreux Berlinois quand leur ville fut réunifiée par la chute du Mur, le soir du 9 novembre 1989. Et puis ce fut la réunification officielle le 3 octobre 1990, désormais fête nationale.
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Wie ein Pulverfass! Berlin-Krise und Mauerbau
Sonderausstellung im AlliiertenMuseum, 12. August 2011 bis 6. Januar 2012*
Nach den Jahrestagen von Mauerfall und Wiedervereinigung steht 2011 erneut im Zeichen eines zeithistorisch markanten Datums: 50 Jahre Mauerbau. Während einige wichtige, wissenschaftliche Studien neu auf den Markt kommen, gibt sich die Museumsszene eher zurückhaltend. Keines der namhaften historischen und zeithistorischen Museen in Deutschland widmet dem Mauerbau eine größere Sonderausstellung. Eine Ausnahme macht das AlliiertenMuseum, ein vom Bund gefördertes Museum im Berlin-Zehlendorf, welches auf Grundlage einer einzigartigen Sammlung die Geschichte der militärischen und politischen Präsenz der Westmächte in Westberlin von 1945 bis 1994 darstellt.
„Wie ein Pulverfass! Berlin-Krise und Mauerbau“ heißt die Sonderausstellung, die Florian Weiss, wissenschaftlicher Mitarbeiter im AlliiertenMuseum, kuratiert hat. Die Ausstellungsgestaltung wurde von neo.studio neumann schneider architekten (Berlin) und die Ausstellungsgrafik von Five dots (Berlin) entwickelt und umgesetzt.
Leitthema der Schau ist die internationale Dimension des Mauerbaus. Die Mauer als ein weltweit bekanntes Symbol des Kalten Krieges – so die These – entstand als sichtbares Ergebnis einer politischen Krise, deren Bedeutung über Berlin und Deutschland weit hinausreichte. Zwischen 1958 und 1963 rangen die Sowjetunion und die USA miteinander und steckten ihre Einflusssphären neu ab. Über diesem Kräftemessen schwebte das Risiko eines Atomkrieges. Die Berliner Mauer von 1961 war nicht nur eine innerstädtische und eine innerdeutsche Grenze. Bis zu ihrem Fall markierte sie vor allem, und darauf will diese Ausstellung hinaus, eine Imperiumsgrenze (Manfred Wilke) zwischen dem kommunistischen Ostblock und dem demokratischen Westen.
Mit ihren historischen Schauplätzen – dem Weißen Haus und dem Kreml, dem Checkpoint Charlie und den alliierten Kasernen von Berlin – steht die Sonderausstellung daher in einem spannungsreichen Kontrast zum Erinnern aus deutsch-deutscher Perspektive.
Obgleich das AlliiertenMuseum der Geschichte der Westmächte verpflichtet ist, überzeugt der internationale Ansatz nur dann, wenn die sowjetische Perspektive zum Tragen kommt. Schließlich war es Nikita Chruschtschow, der sowjetische Staats- und Parteichef, der die sogenannte zweite Berlin-Krise vom Zaun brach und den Westmächten diplomatische Verhandlungen aufdrängte. Mit Unterstützung von Experten wurde daher auch in russischen Archiven und Museen recherchiert. Die dort entdeckten Ausstellungsstücke haben in Deutschland Seltenheitswert.
Die brisante Geschichte der Berlin-Krise bildet den Haupterzählfaden, in den alltagshistorische Aspekte und Biografien von Berlinern, aber auch von alliierten Soldaten, eingewoben werden. Durch sogenannte "Frozen moments" mit persönlichen Erinnerungsstücken wird individuelles Erleben des Kalten Krieges in Berlin greifbar. Zu den Glücksfällen der Zeitzeugenrecherche gehört die Begegnung mit einem Amerikaner, der 1961 als junger GI in Berlin stationiert war. Elektrisiert von der Nachricht der Grenzsperrung fuhr er mit der Straßenbahn zum Bahnhof Zoologischer Garten und lief von dort zum Brandenburger Tor. Auf seinem Streifzug durch die Stadt verknipste der Soldat einen Schwarz-Weiß-Film. Das Erlebnis löste eine Sammelleidenschaft aus, die in eine mehrbändige Mauerchronik mündete. Dieses einmalige Konvolut wurde kürzlich vom Deutschen Historischen Museum angekauft. Zusammen mit dem Fotoapparat von 1961 wird sie im AlliiertenMuseum erstmalig zu sehen sein.
Auftakt der Sonderausstellung ist eine inszenierte Präsentation des berühmten Chruschtschow-Ultimatums und seiner schrillen Begleitmusik. Die sowjetische Propaganda artikulierte sich vor allem in eindrücklichen Plakaten. Chruschtschow wollte die Westmächte aus West-Berlin vertreiben und ganz Berlin zu einer entmilitarisierten, „freien Stadt“ machen. Strategisch zielte er darauf ab, die USA an einem besonders empfindlichen Punkt zu treffen und so das westliche Militärbündnis, die NATO, aus den Angeln zu heben.
Das Ultimatum vom November 1958 war der Beginn mehrjähriger, zäher und größtenteils ergebnisloser Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und den Westmächten über den völkerrechtlichen Status der Vier-Mächte-Stadt Berlin. Der erste Themenraum empfängt den Besucher mit einem starken Bild: ein Konferenztisch steht im Mittelpunkt. Man begegnet den damals mächtigsten Männern der Welt und kann sich mit ihrem politischen und militärischen Kalkül auseinandersetzen. Nicht nur die vier ehemaligen Siegermächte des Zweiten Weltkriegs hatten eine Stimme. Auch die Regierungschefs der Bundesrepublik und der DDR, Konrad Adenauer und Walter Ulbricht, und der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt, versuchten ihre Interessen geltend zu machen.
Chruschtschow stieß allerdings auf den zähen Widerstand der Westmächte, die nicht bereit waren, ihre Rechte in Berlin preiszugeben. Angesichts der schweren Staatskrise der DDR seit Ende 1960 geriet der Kreml mehr und mehr unter Handlungsdruck. Das größte Problem war die massenhafte Flucht von qualifizierten Arbeitskräften in den Westteil der Stadt, die im Sommer 1961 ihren dramatischen Höhepunkt erreichte. Aus Sicht von Chruschtschow und Ulbricht blieb als ultima ratio schließlich nur, den Ostsektor abzuriegeln.
Im zweiten Themenraum geht es um die führende Rolle der Sowjetunion beim Mauerbau und die Reaktion der Westmächte. Die passive Haltung vor allem der Amerikaner enttäuschte die Erwartungen der Berliner zutiefst. Aus der Sicht von Paris, London und Washington allerdings war sie konsequent. 1961 ging es den Westmächten in der Hauptsache um den freien Zugang nach West-Berlin. Dieser sollte von der UdSSR garantiert und von der DDR unangetastet bleiben.
Im Herbst 1961 steuerte der Konflikt um Berlin auf seinen Höhepunkt zu. General Lucius D. Clay, der "Vater der Luftbrücke", ließ am Checkpoint Charlie Kampfpanzer in Stellung bringen, um verbrieftes alliiertes Besatzungsrecht durchzusetzen. Im Disput darüber, ob Clays Vorgehen angemessen war, hallt bis heute der Schrecken darüber nach, dass die "Panzerkonfrontation" eine militärische Kettenreaktion und so den Dritten Weltkrieg hätte auslösen können. Neben einem skulpturalen Architekturelement wird ein bedeutendes Sammlungsstück des AlliiertenMuseum ins Szene gesetzt: die originale Fassade des ersten Wachhäuschens vom Checkpoint Charlie.
Der dritte Themenraum visualisiert das atomare Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion. Zwei eindrucksvolle Exponate – die Köpfe einer US-amerikanischen Kernwaffe und einer sowjetischen Scud-Rakete – bestimmen die Raumatmosphäre. Brisant und bisher kaum bekannt sind die Pläne der Amerikaner, Briten und Franzosen für den militärischen Ernstfall. Bei LIVE OAK ("Lebenseiche"), einem streng geheimen Planungsstab nahe Paris, lag ein Maßnahmenkatalog anwendungsbereit in der Schublade, der alle Eskalationsstufen bis hin zur Atombombe umfasste. Auch die Sowjetunion rüstete sich für den Ernstfall und führte mit Partnerstaaten des Warschauer Paktes große Manöver durch.
Zur Sonderausstellung „Wie ein Pulverfass! Berlin-Krise und Mauerbau“ erscheinen zwei Publikationen im Berlin Story Verlag: eine Ausstellungszeitung, die als Werbeträger kostenlos verteilt wird sowie ein reich illustriertes Begleitbuch, das inhaltliche Beiträge mit Zeitzeugenstimmen verbindet. Ein Höhepunkt des Rahmenprogramms, das museumspädagogische Angebote einschließt, wird eine Veranstaltung zum Jahrestag der Panzerkonfrontation sein.
Dr. Gundula Bavendamm, Direktorin des AlliiertenMuseum.
*AlliiertenMuseum, Clayallee 135, 14195 Berlin
täglich geöffnet außer mittwochs von 10.00 bis 18.00 Uhr
Der Eintritt ist frei.
www.alliiertenmuseum.de
▪ Helmut Kohl.
Vom Mauerfall zur
Wiedervereinigung. Meine Erinnerungen.
414 Seiten. Knaur Taschenbuch Verlag. Nov. 2009. München. 9,95 € (D), 10,30 €
(A).
In diesem handlichen Buch hat Helmut Kohl, inzwischen 80, große Teile aus seinen Memoiren gesammelt und neu durchdacht, und mit einigen Stories geschmückt. Persönliches und manche Emotionen blicken, wenn auch minimal, in diesem politischen Sachbuch durch. Der Altkanzler erinnert an Gewesenes, das er selbst erlebt hat. Manche der damaligen Akteure sind verschollen. Das Buch enthält auch ein Bild von der Frau, die ihn in all diesen historischen Jahren begleitet hat und seinen totalen Einsatz für Staat und Demokratie mittrug. Nicht alle Menschen können begreifen, dass es Pflichten gibt, die einen ganzen Menschen auf Kosten des Eigenlebens beschlagnahmen.
Zum Anfang des Buches steht ein Bekenntnis: „Für Maike, ohne die ich das Jahr 2009 nicht erlebt hätte“. Gut, dass der Historiker Dr. Kohl noch lebt und Lehren aus der geschichtlichen Praxis vermitteln kann. Der Altkanzler, dessen körperliche Bewegungsfähigkeit seit drei Jahren durch einen Unfall eingeschränkt ist, aber dessen klares Denken und Urteilsvermögen nach wie vor vorhanden sind, wie wir im Laufe eines längeren Gespräches mit ihm im letzten Dezember feststellen konnten, will jetzt mit diesem Taschenbuch ein breiteres Publikum erreichen. Mag sein auch, dass er den Eindruck hat, dass sein Werk nicht genügend gewürdigt wird, obwohl er sich darüber nie beklagt. Es stimmt jedenfalls, dass andere sich während der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag von Mauerfall und Wiedervereinigung erlaubt haben, ein Ereignis feierlich zu begehen, woran sie nicht oder wenig beteiligt gewesen waren, als wären sie die Macher dieses Events.
Neu gegenüber den gebundenen Memoirenbänden ist in diesem Taschenbuch (das viel Wissenswertes und viel Kohl im Original wertig und für kleines Geld bietet) – neben kleinen Ergänzungen und einem veränderten Aufbau – vor allem das Vorwort, von dem mancher sagt, es wäre ein eigenes Kapitel wert gewesen. Ein schlagendes Argument für das Buch ist natürlich auch, dass hier einer spricht, der nachweislich immer schon für die deutsche Einheit war, der seine Politik immer auch darauf ausgerichtet hat und der als wesentlicher Gestalter wirklich dabei gewesen ist, was sich keineswegs von allen Einheit – Autoren, die den Markt überschwemmen, sagen lässt. Es wird heute vielfach versucht, sein Wirken dabei zu verkleinern und manche Handlung zu verfälschen (vgl. z.B. den Beitrag von Jürgen Wahl in unserer Rubrik „Europa“), so dass es immer wieder nützlich ist, die Quelle zu lesen.
Dieses Buch deckt genau die elf Wundermonate zwischen dem Fall der Mauer am 9. November 1989 und der vollzogenen Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 ab. In jener Zeit lagen auch die Sternstunden des Politikers Helmut Kohl, die aus ihm den Bismarck des 20. Jahrhunderts für die Nachwelt machen werden, wenn er auch nicht gerne mit Bismarck verglichen wird. Der eiserne Kanzler hatte zwar mit politischem Geschick aber auch mit Blut und Eisen die erste deutsche Einheit vollzogen, während Helmut Kohl Deutschland ohne Blutvergießen, mit der Unterstützung des Volkes der DDR und großer Teile des deutschen Volkes, und vor allem in Frieden und Zusammenarbeit mit den Nachbarn durchgesetzt hat. Es war ihm wichtig, das Einverständnis von Freund und Gegner zu holen. Deswegen hat die deutsche Einheit auch die Einheit Europas und der freien Welt gefestigt. Mit machtvollem Einsatz, mit List und mit Beredsamkeit trieb der zu Beginn seiner 16-jährigen Kanzlerschaft oft belächelte, lange Zeit unterschätzte und von manchen Gegnern verhasste Kohl den Prozess der Vereinigung der geteilten Nation voran. Zwei große Reden waren politisch-rhetorische Marksteine in jener Zeit: Kohls regelrecht improvisierter Zehn-Punkte-Plan vom 28.11.1989, mit dem er kurz nach der Maueröffnung, die historische Chance witternd, einigen Ewigkriegsführenden und Deutschlandhassern im In- und Ausland zum Trotz das Heft in die Hand nahm ; und der famos gemeisterte Balance-Akt am 19.12.1989 vor 50 000 national bewegten Ostdeutschen vor den Trümmern der Dresdner Frauenkirche. Wir hatten seine Begegnung und seine Pressekonferenz mit dem letzten kommunistischen Premierminister der DDR Hans Modrow, einem Anhänger Gorbatschows, verfolgt. Wir waren dabei und, was da geschah, kann keiner vergessen.
Helmut Kohl ging auf die von den Zigtausend ersehnte „Einheit des Vaterlandes, wenn die geschichtliche Stunde es zulässt“ ein, tat es in einem maßvollen Ton. Er nahm die Stimmung auf, heizte sie jedoch nicht an, was die starken Vorbehalte im Ausland gegen die erhitzten „Wir-sind-ein-Volk“-Rufe nicht zusätzlich verstärkte. Dresdens CDU (sie stellt die Oberbürgermeisterin) will jetzt dafür dem Kanzler a. d. jetzt auf dem Neumarkt ein Denkmal setzen. Er selbst, Grüne und Linkspartei wehren sich dagegen. Parteiengezänk überlagert das gemeinsame Erinnern der Dresdner an einen der größten Momente der jüngeren Stadtgeschichte, ja der deutschen Geschichte. Er hat es gewusst, einem spontanen und unorganisierten Zornausbruch der DDR-Bürger gegen die SED-Diktatur einen weiterreichenden Sinn zu geben und dabei niemanden zu kränken, was von politischer hoher Kunst zeugt. Es ist ganz klar, dass kein anderer, z.B. Johannes Rau, wenn er die Wahlen davor gewonnen hätte, geschweige denn Schröder, Lafontaine oder sogar Willy Brandt und Helmut Schmidt es wie er geschafft hätten. Es fehlte ihnen die Kontinuität, das Urbekenntnis zur Einheit des Vaterlandes, seit Adenauers Zeiten, und die Fundamente aus der Anfangszeit ihrer Politik, vor allem der NATO-Doppelbeschluss, den Kohl 1983 gegen alle Widerstände und mit einer Legitimation durch Wahlen durchgesetzt hatte. Dabei war Kohls Politik nicht aggressiv und das wusste man in Moskau. Er hatte über die Parteien- und Landesgrenzen und Weltanschauungen hinweg Freundschaften geknüpft. Mit George Bush Senior, mit Felipe Gonzales, mit Mikhail Gorbatschow, mit François Mitterrand. Er musste Bitteres schlucken. „Auch von dem Präsidenten der Grande Nation, schreibt er, kam manches unfreundliches Wort, bis er sich schließlich zu einer für die Deutschen klaren, freundlichen Position bekannte“. Fünfzehn Jahre später als Mitterrand „sich sterben ließ“, wie Kohl es uns sagte, vergoß der deutsche Kanzler während der Beerdigungsmesse in der Kirche Notre Dame von Paris ein Träne.
Viele haben es Helmut Kohl nicht verziehen, dass er Deutschland in der Demokratie und im Rahmen der Allianz wiederhergestellt hat. Die Hasstiraden, die um die Jahrtausendwende von seinen Nachfolgern über ihn verschüttet wurden, sprachen Bände. Es ist ein Gemeinplatz zu sagen, dass die Völker undankbar sind. Aber vor allem wird oft vergessen, wie beschwerlich der Weg desjenigen gewesen war, der gegen alle Angriffe und Verleumdungen jahrzehntelang für Freiheit und Demokratie gestanden hat. Wir haben es auf unserer bescheidenen Ebene ebenfalls erlebt, als die 68er und ihre Epigonen eine „Demokratur“ in Deutschland und Frankreich einführen wollten. Zu sich selbst in den schwierigen 70er Jahren schreibt Helmut Kohl: „Wer damals für die Einheit eintrat, galt als Ewiggestriger oder Kriegstreiber“. Den ehemaligen „kalten Kriegern“, uns, hat die Geschichte schließlich Recht gegeben. Manche versuchen inzwischen diese historische Tatsache zu verfälschen und zu verleugnen. Deswegen bedarf es eines solchen Buches, um daran zu erinnern, was geschah und wie es geschah.
▪ Zwanzig Jahre danach: Deutsche aus Ost und West kommen sich näher
Berlin entwickelt sich zum Treffpunkt der Europäer
→ Berlin ist in Deutschland untypisch. Oft hört man: „Berlin ist nicht Deutschland". Es stimmt, dass die kosmopolitische Berliner Metropole sich in vielen Hinsichten von dem Rest der Bundesrepublik absondert. Wer Auto fährt merkt es gleich. Hier gibt es kaum oder gar keine Staus, weil die Stadt so ausgedehnt ist, die Straßen so breit sind und alles offen und grün ist. „Von Europas großen Städten ist Berlin die schönste und entspannteste", sagen die Leute vom „Prenzlauer Berg", dem Berliner Bezirk mit der jüngsten Bevölkerung Europas - unter dreißig Jahren im Durchschnitt. Ein Geheimtipp ist noch der Berliner Norden, Reinickendorf und Hennigsdorf, alles gut erreichbar mit der S-Bahn. Berlin bleibt ein Magnet – nicht nur für frisch verliebte Paare. Die Zuwanderung nimmt zu und die Abwanderung nimmt ab. Infolgedessen steigen die Immobilienpreise in den Zentralbezirken schon. Dort ist der Markt schon gesättigt. Vor wenigen Jahren war Berlin die billigste Hauptstadt Europas bez. der Immobilienpreise. Das wird aber nicht mehr lange so bleiben, wenn die Bevölkerung sich so wie jetzt weiter entwickelt.
Die Bevölkerungsbilanz wird in der verjüngten Hauptstadt immer positiver, während die deutsche Bevölkerung generell vergreist. Weil die Berliner Mütter auch mehr Kinder zur Welt brachten und die Zahl der Sterbefälle fast durch die der Neugeborenen ausgeglichen wurde, wuchs in den allerletzten Jahren die Bevölkerung Berlins schneller als in den Jahren zuvor. Hinzu kommen junge Menschen aus Westdeutschland und aus den neuen Bundesländern aber auch aus dem westlichen und östlichen europäischen Ausland nach Berlin. „Es kommen vor allem die Jungen zwischen 18 und Anfang 30 und sie ziehen in die Innenstadt", berichten die Statistiker. Familien ziehen eher in die ruhigeren Randbezirke.
Nach der deutschen Wiedervereinigung war die Bevölkerung Berlins fast an die magische Grenze von 3,5 Millionen hochgeschossen. Sie sank dann trotz Regierungsumzug im Jahre 2000 auf ihren tiefsten Stand von knapp über 3,3 Millionen. Viele Familien haben in der brandenburgischen Umgebung Berlins gebaut oder alten Baubestand renoviert. Aber der Trend ist jetzt wie anderswo auch: Zurück in die Stadt. Jetzt ist die Einwohnerzahl wieder über 3,4 Millionen angewachsen. Allein rund 10 000 Studenten von außerhalb studieren in Berlin. Viele haben ihre „Traumuni" dort gefunden und die vielen interessanten und offenen Menschen, denen sie hier begegnen, werden für sie ein Grund sein, später in Berlin oder in der Region eine Arbeitsstelle zu suchen.
Nach wie vor scheint es möglich, dass der rot-rote Senat von SPD und Kommunisten mit dem OB Wowereit an der Spitze im nächsten Herbst zugunsten einer schwarz-grünen Koalition von CDU und Grünen abgewählt wird.
(JPP)
In jenem Annus mirabilis vor zwanzig Jahren hatte die zunächst allmähliche, dann sich beschleunigende Implosion der kommunistischen Systeme in Mittel- und Osteuropa das Thema der deutschen Einheit keineswegs über Nacht, wohl aber von Monat zu Monat unabweisbarer auf die Tagesordnung der deutschen wie der internationalen Politik gebracht. Dem Sturz des Honecker-Regimes und der Öffnung des Brandenburger Tores waren entscheidende Schritte vorausgegangen. Die wichtigste Voraussetzung war die zunächst wenig bemerkte Verabschiedung der Breschnew-Doktrin durch Gorbatschow. Sie hat den amerikanischen Botschafter in Deutschland, Vernon Walters, bei seinem Amtsantritt im April 1989 zu der erstaunlichen Voraussage veranlasst, es werde noch während seiner Amtsdauer zur Wiedervereinigung Deutschlands kommen.
Nach der gefälschten Kommunalwahl in der DDR nutzten im Sommer Tausende von DDR-Bürgern ihren Urlaub, um in den westdeutschen Botschaften in Prag, Budapest und Warschau ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland zu erzwingen. Die erste Nagelprobe einer vollständig neuen Politik kündigte der ungarische Regierungschef Nemeth bei einem Geheimbesuch im August Bundeskanzler Kohl an. Er sagte zu, Anfang September die Grenzen zu öffnen. Als dies in der Nacht vom 10./11. September 1989 geschah, entstand eine Fluchtbewegung, die bis zum Jahresende 1989 mehr als 340.000 vorwiegend jüngere Leute aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln ließ. Massendemonstrationen in Berlin, in Leipzig, Erfurt, Dresden und anderswo erzwangen den Zusammenbruch des Honecker-Regimes und die Öffnung der innerdeutschen Grenzen am 9. November durch den Nachfolger Krenz.
Das „Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas“, das der Bundeskanzler in seiner Regierungserklärung am 28. November 1989 dem Deutschen Bundestag vortrug, war eine logische Konsequenz der Entwicklung der letzten Wochen. Denn die Bonner Regierung konnte seit dem Sommer davon ausgehen, dass die deutsche Einheit Thema der deutschen und internationalen Politik werden würde. Der Kanzler, der Außenminister und alle führenden Politiker der Regierungskoalition nutzten alle internationalen Begegnungen und Kontakte, um die Perspektive einer allmählichen Überwindung der deutschen Spaltung zu erläutern und hierfür zu werben. In seinem Zehn-Punkte-Plan fasste Kohl alle jene Elemente einschließlich „föderativer Strukturen“ zusammen, die in seinen Gesprächen auf internationaler Ebene immer wieder entwickelt worden waren. Er glaubte damals, dass der Zeithorizont zur Verwirklichung des Zehn-Punkte-Plans bis in das Jahr 1993 reichen würde.
Das waren auch die zeitlichen Vorstellungen, die in der Bonner Koalition und Opposition vorherrschten. Dass dieser Zeithorizont der wahrscheinlichen Entwicklung nicht entsprach, erfuhr als erster auf eindringliche Weise der Bundeskanzler Helmut Kohl, als er zu seiner Begegnung mit dem neuen Ministerpräsidenten der DDR, Modrow, am 19. Dezember 1989 nach Dresden kam. Damals säumten Hunderttausende Menschen die Straßen vom Flughafen zum Verhandlungsort und demonstrierten für die Einheit Deutschlands. Kohl verstand spätestens am Abend seiner Ansprache an die Dresdner, dass der Wille zur raschen Einheit bei der Bevölkerung in der DDR alle Zeitpläne für eine allmähliche Verschmelzung der beiden Teile Deutschlands hinfällig machen würde. Das Ziel der deutschen Politik für die Tagesordnung des Jahres 1990 konnte also nur heißen: Die Einigung herbeizuführen, so schnell wie nötig und so geordnet wie möglich.
Das Jahr 1990 begann mit Massendemonstrationen in der DDR zugunsten der deutschen Einheit. Alle Versuche der SED oder auch der revolutionären Avantgarde aus dem Herbst waren gescheitert, die Zweistaatlichkeit Deutschlands auch künftig mit der Behauptung einer eigenen kulturellen oder sozialen Identität zu legitimieren. Dies hatte auch in meinungsbildenden Kreisen der Bundesrepublik Deutschland zu einer bis dahin einmalig rasanten Veränderung ihrer Einstellung gegenüber der deutschen Frage geführt. Bis auf wenige Ausnahmen änderten alle Journalisten und Publizisten, die noch im November und Dezember für die Zweistaatlichkeit plädiert hatten, ihre Position und setzten sich für die Einheit Deutschlands ein. Das gleiche gilt für die meisten Politiker der Opposition, die, mit Ausnahme von Lafontaine und den Grünen, dem bei den Massendemonstrationen überaus deutlich erkennbaren Willen der Bevölkerung ihre Referenz erwiesen.
Einsichtig machte die Notwendigkeit einer schnelleren Herbeiführung der Einheit die nicht abreißende Übersiedlungswelle. Hier wird deutlich, dass an den politischen Entscheidungsprozessen des Jahres 1990 wie auch schon im Herbst des Vorjahres die Bevölkerung in der DDR der Hauptakteur war und die Politiker in West- und Ostdeutschland mit mehr oder weniger großem Geschick diesen Volkswillen zu steuern versuchten.
Der Zustrom der Ostdeutschen nach Westdeutschland machte aber auch klar, warum die Währungsumstellung von einer Ostmark auf eine D-Mark bei privaten Sparanlagen alternativlos war. Wäre diese Umstellung nach den Realwert von 4:1 oder auch nur 2:1 erfolgt, dann hätte nur eine neue Mauer unsere ostdeutschen Landsleute davon abhalten können, in den Westen zu gehen.
Die DDR-Wirtschaft sollte in den nächsten Monaten zum wichtigsten Thema der Einigungsverhandlungen werden. Die Einzelheiten sind zu bekannt, um sie noch einmal zu rekapitulieren. Noch 1987 wurde Bundeskanzler Helmut Kohl eine Meldung der CIA vorgelegt, die behauptete, dass der Lebensstandard der DDR im Jahre 1991 den der Bundesrepublik Deutschland erreichen würde. Schon heute sei das Bruttoinlandsprodukt der DDR auf einer vergleichbaren Höhe mit dem der Bundesrepublik. Die Amerikaner waren nicht die einzigen, die die Wirtschaftskraft der DDR gewaltig überschätzten. Damals glaubte man allgemein, dass die DDR-Wirtschaft an der zehnten Stelle der Weltrangliste stünde. Wie der Westen zu einer solch groben Fehldiagnose kommen konnte, gehört zu den größten Rätseln der damaligen Zeit. Rückblickend kann man nur den Hut ziehen vor dem Einfallsreichtum und der Wirkungskraft der DDR-Propaganda. Immerhin musste man in der DDR – das wusste man auch im Westen – sechzehn Jahre lang warten, bevor man ein Auto kaufen konnte, und auf ein Telefon hatte man 25 Jahre lang zu warten.
Ein anderes Beispiel: Als der neue DDR-Regierungschef Modrow im Februar 1990 im Bonner Kanzleramt um einen Kredit von 12 Milliarden D-Mark nachsuchte, behauptete er, einen Wert der DDR-Wirtschaft von 800 Milliarden. Bekanntlich bekam er den Kredit nicht, weil er sich weigerte, systemverändernde Reformen wie freie Wahlen, Zulassung von Parteien und so weiter, zuzusagen. Als noch im gleichen Jahr die Treuhand ihre Arbeit begann, hatte sich der Wert der DDR-Wirtschaft auf 30 Milliarden reduziert. Als die Treuhand 1994 ihre Arbeit im Wesentlichen abschloss, tat sie dies mit einem Schuldenberg von 250 Milliarden D-Mark.
Man hat in diesen und auch in anderen Zusammenhängen der damaligen Regierung immer wieder vorgeworfen, keinerlei Pläne für eine Wiedervereinigung entwickelt zu haben. Hätte es eine amtliche Planung gegeben für die Einführung von Demokratie und Sozialer Marktwirtschaft in der DDR, wären sie in jedem Fall bekannt geworden und hätte den tatsächlichen Einigungsprozess enorm erschwert.
Übrigens hat es bis zu ersten Großen Koalition im Jahre 1966 einen Wissenschaftlichen Beirat für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands beim gesamtdeutschen Ministerium unter der Leitung von bedeutenden Ökonomen gegeben, der die immer stärker divergierenden Kennzahlen der Wirtschaft in beiden Teilen Deutschlands sorgfältig analysierte und Vorschläge für den Fall des Falles machte. Sie wurden sogar teilweise veröffentlicht. Aber in den achtziger Jahren war die Situation eine vollständig andere. Der größere Teil der veröffentlichten Meinung und ein guter Teil der Politik hatten ich mit der Spaltung Deutschlands abgefunden und genoss die Nischenexistenz im Schatten der Ost-West-Polarisation.
Trotz der fehlenden Pläne für den Umbau der maroden DDR-Wirtschaft ist der Aufbau Ost ganz gut vorangekommen. Dabei ging und geht es um den Ausbau und die Renovierung der Infrastruktur und die Förderung von Neuansiedlungen. Heute ist die Qualität der Infrastruktur in den Neuen Ländern so hoch, dass sie manchen Bürgermeister aus dem Westen vor Neid erblassen lässt. Insgesamt lässt sich feststellen: Die Förderung wirkte.
Zuerst boomte die Bauwirtschaft, die zügig für die Erneuerung des Baubestandes, aber auch zu hohen Leerständen führte. Deshalb wurde die Förderung in einer zweiten Phase stärker auf das verarbeitende Gewerbe konzentriert. Dem Bauboom folgte ein kräftiges Wachstum der industriellen Wertschöpfung, das bis 2008 die Beschäftigung nach oben gezogen hat. Karl-Heinz Paqué hat in seine gerade erschienenen Buch folgende Bilanz gezogen: „Der Aufbau Ost war zweifellos sehr teuer, weit über eine Billion Euro. Was ist er wirtschaftlich wert? Zweifellos hat er geholfen, das Ausbluten des Ostens durch Abwanderung drastisch einzudämmen, wenngleich auch heute noch rund 50.000 Menschen mehr die Region verlassen als zuwandern. Ansonsten hilft ein Blick auf die mitteleuropäischen Nachbarländer, um die Leistung zu ermessen. Vor allem auf Tschechien, ein Land, das als hochentwickelte Industrieregion sowohl in der Zwischenkriegszeit als auch in den vierzig Jahren der sozialistischen Abschottung die größte strukturelle Ähnlichkeit mit Ostdeutschland hatte. Wo steht die tschechische Industrie heute? Die Antwort lautet für 2007: bei etwa 31 Prozent der Arbeitsproduktivität von West- und 41 Prozent von Ostdeutschland und damit wohl viel niedriger als in der Zwischenkriegszeit. Ostdeutschland hat einen guten Mittelfeldplatz erobert – noch ein Stück weg vom Westen, aber mit großem Abstand vor den postsozialistischen Nachbarländern aus Mitteleuropa. Hier liegt vor allem der Wert des Aufbau Ost.“ (vergleiche hierzu XXXX).
Zurück zum Einigungsprozess: Noch im Februar erhielt Kohl von Gorbatschow in Moskau die Zusicherung, dass sich die Sowjetunion der deutschen Einheit nicht länger in den Weg stellen würde. Nachdem sich NATO und Warschauer Pakt auf eine Truppenreduzierung auf jeweils 195.000 Mann geeinigt hatten, vereinbarten die Außenminister der vier Siegermächte und der beiden deutschen Staaten eine Serie von Konferenzen nach der Formel 2 plus 4, um die alliierten Siegerrechte über Gesamtdeutschland abzulösen.
Kohl hatte mit dem amerikanischen Präsidenten und dem sowjetischen Staatschef sowie seinen europäischen Kollegen nicht nur in London, Paris, Brüssel und Rom in allen Phasen des Einigungsprozesses ständigen Kontakt. Die persönlichen Begegnungen bei Konferenzen und gegenseitigen Besuchen wurden ergänzt durch zahllose briefliche und persönliche Kontakte. Gleichzeitig bereiste Bundesaußenminister Genscher unablässig Europa, überquerte den Atlantik und band so Amerikaner, Sowjets und Europäer zusammen. In diesen entscheidenden Monaten gelang zwischen dem Kanzler und seinem Außenminister eine lückenlose Abstimmung. Die Opposition schaffte es nicht, Streit in der Regierungskoalition über Ziel, Wege und Geschwindigkeit des Einheitsprozesses zu entfachen.
Vor allem in dieser außenpolitischen Phase des Einigungsprozesses bewährte sich die vertrauensvolle und nahtlose Zusammenarbeit zwischen Bonn und Washington. Der damalige US-Präsident George H. W. Bush und seine Regierung haben von Anfang an tatkräftig und ohne jeden Vorbehalt den Einigungsprozess der Deutschen unterstützt und keinen Zweifel daran gelassen, dass die Wiedervereinigungsrhetorik früherer Jahre auch in der neuen Lage Geltung beanspruchen musste. Das persönliche Vertrauensverhältnis zwischen Bush und Kohl hat nicht den geringsten Zweifel an der Aufrichtigkeit der gegenseitigen Versicherungen und Zusicherungen aufkommen lassen. Bundeskanzler Kohl hat nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass der amerikanische Präsident zu seinen Verpflichtungen aufgrund des Deutschlandvertrages stehen würde. Und der amerikanische Präsident konnte sicher sein, dass die deutsche Regierung unter keinen Umständen mit der Idee spielen würde, aus der Gemeinsamkeit des Atlantischen Bündnisses herauszusteuern. Der amerikanische Präsident hat dem deutschen Bundeskanzler in dieser so wichtigen Phase der außenpolitischen Absicherung des Einheitsprozesses den Rücken freigehalten.
Im Juli beschließen Bundestag und Volkskammer die endgültige Bekräftigung der Oder-Neiße-Grenze als unverletzlicher Westgrenze Polens gegenüber dem vereinten Deutschland. Damit gelang die außenpolitische Absicherung des Einigungsprozesses in einem zentralen, für Deutschland schmerzlichen, für die Zukunft Europas jedoch Frieden stiftenden Punkt. Die gemeinsamen Entschließungen der frei gewählten, demokratisch legitimierten Parlamente brachten damit den politischen Willen des deutschen Volkes zum Ausdruck, um den Preis eines endgültigen Verzichtes auf die Gebiete jenseits von Oder und Neiße die Einheit der Nation wiederzuerlangen. Mit dem dann später, am 14. November, unterzeichneten Vertrag über die Bestätigung der zwischen Deutschland und Polen bestehenden Grenze hat sich schließlich die stets eindeutige, völkerrechtlich abgesicherte Haltung des Bundeskanzlers durchgesetzt, allein einem frei gewählten gesamtdeutschen Souverän die Macht einzuräumen, verbindlich die Unverletzlichkeit der Oder-Neiße-Grenze zu garantieren.
Die fugenlose Synchronisation der innen- und außenpolitischen Aktivitäten, die ungeheure und fast unübersehbare Fülle des Regulierungsbedarfes, der von den Menschen in der DDR verursachte Zeitdruck haben den Entscheidungsträgern in Bonn und Ostberlin, den Politikern, Diplomaten und Beamten ihr Äußerstes an Konzentration, Improvisation und Imagination abverlangt. Das Ergebnis war Lohn genug. Der Traum der Deutschen, in Einheit und Freiheit zu leben, wurde am 3. Oktober 1990 erfüllt.
Neben der politischen und diplomatischen Arbeit war die Bundesregierung in den Jahren 1989 und 1990 mit einer breit angelegten Kommunikationskampagne beschäftigt. Denn die gewiss größte Herausforderung an die Überzeugungsarbeit der Bundesregierung im zu Ende gehenden Jahr 1989 war der Abbau der inländischen, vor allem aber der ausländischen Befürchtungen über negative Folgen des deutschen Einigungsprozesses für die Stabilität in Europa. Das wiedervereinigte Deutschland mit rund 80 Millionen Bürgern, seiner Wirtschaftkraft, seinem gewachsenen politischen Gewicht, seiner historischen Hypothek, seiner wiedererlangten vollen Souveränität hat verständlicherweise Ängste über seinen zukünftigen Kurs ausgelöst. Im Zentrum der Kommunikationsarbeit der Bundesregierung stand deshalb das Vertrauen, das sich die Bonner Demokratie in den letzten 40 Jahren als zuverlässiger und berechenbarer Partner erworben hatte. Der Bundeskanzler, der Bundesaußenminister und mit ihnen die gesamte Regierung und die sie tragenden politischen Kräfte durften und konnten nicht müde werden mit dem Argument, dass die Überwindung der deutschen Teilung als Überwindung der Spaltung Europas zu verstehen sei, dass die deutsche Einigung und der europäische Integrationsprozess zwei Seiten der gleichen Medaille darstellten.
Weil die Europäer ein gutes Gedächtnis haben, galt es, in allen formellen und informellen Gesprächen die grundsätzlichen Unterschiede der deutschen Einigung von 1990 und der von 1871 zu verdeutlichen:
1. Damals war die Einigung ein „von oben“ verordneter Vorgang, auch wenn sie von den Deutschen begrüßt und von den europäischen Nachbarn geduldet wurde. Heute ist die Einheit das Ergebnis des bisher ersten erfolgreichen revolutionären Prozesses, der in Deutschland vom Volk selbst in Gang gesetzt und von den europäischen Partnern begrüßt wurde.
2. 1871 kam es zur Reichsgründung nach Kriegen gegen Österreich (1866) und Frankreich (1870/71), heute ist die Einheit Folge der friedlichen Selbstbefreiung unserer Mitbürger in der ehemaligen DDR, deren mutige Massenmanifestationen die kommunistische Herrschaft zum Einsturz brachten.
3. Vor mehr als einem Jahrhundert haben die europäischen Nachbarn Deutschlands die Einigung mit Skepsis bis Ablehnung verfolgt. Insbesondere der französische Verlust von Elsass-Lothringen hat die Rückgewinnung der verlorenen Gebiete zum Leitmotiv der französischen Außenpolitik und damit den deutsch-französischen Gegensatz zu einer festen Größe gemacht, mit der alle europäischen Mächte rechnen konnten und mussten. Heute ist die deutsche Einheit mit Zustimmung und Unterstützung aller Europäer verwirklicht worden.
4. Die Annexion Elsass-Lothringens hat sich für die Außenpolitik des Deutschen Reiches als Fußfessel ausgewirkt. Die Verteidigung dieses Gebietes hat den Handlungsspielraum des Reiches stark eingeschränkt. Die Anerkennung aller seiner Grenzen einschließlich der Oder-Neiße-Grenze durch das vereinte Deutschland verschafft einen zusätzlichen Handlungsspielraum, der der europäischen Integration zugute kommt.
5. Die Reichsgründung von 1871 hat einen klassischen Nationalstaat in der Verfassung einer konstitutionellen Monarchie hervorgebracht, dem trotz aller Bekenntnisse von Selbstgenügsamkeit ein imperialer Anspruch unterstellt wurde. Denn das deutsche Kaiserreich umfasste mehr als die deutsche Nation. Das vereinte Deutschland des Jahres 1990 ist ein gemäßigt nationaler Staat in der Form einer bundesstaatlichen, parlamentarisch verfassten Republik. Sie ist bereit, einen wachsenden Teil ihrer nunmehr wieder vervollständigten Souveränität an die transnationalen Einrichtungen Europas abzugeben.
6. 1871 hing die außenpolitische Zukunft des vereinten Deutschlands von der Fähigkeit und Bereitschaft seiner politischen Führung ab, Deutschland im Gleichgewicht der europäischen Großmächte Frankreich, England, Österreich-Ungarn und Russland zu halten. Die Ausbalancierung dieses Gleichgewichts führte immer wieder zu krisenhaften Entwicklungen und misslang dann bald endgültig, nachdem der Lotse Bismarck von Bord gegangen war. Heute ist das vereinte Deutschland fest verankert in der westlichen Werte-, Wirtschafts- und Verteidigungsgemeinschaft, die einen künftigen Sonderweg des 80-Millionen-Volkes absolut unmöglich macht. Das heutige Deutschland sieht seine Bestimmung in Europa, dessen Integration zur deutschen Staatsraison wird. Henry Kissinger erinnert in einer Würdigung Helmut Kohls aus Anlass von dessen 80. Geburtstag erst kürzlich daran, dass Kohl an die deutsche Einheit in einem weitgefassten Prozess gegenseitigen Einvernehmens heranging. Er stellte sich die Einheit inmitten konzentrischer Kreise vor, innerhalb Deutschlands, innerhalb Europas und innerhalb des atlantischen Bündnisses. Sie waren dazu gedacht, sich gegenseitig zu verstärken und Stabilität wie Frieden zu fördern. Helmut Kohl, so würdigt Kissinger, sei immer klar gewesen, das neue Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit zwischen dem Westen und der Sowjetunion nötig waren, um den Frieden dauerhaft zu sichern. Konsequenterweise wurde nicht einmal ein Jahr nach der Wiedervereinigung der Maastricht-Vertrag geschlossen, der zu Grundlage des Euro wurde.
7. Nach 1871 kam es in ganz Europa angesichts der Machtverschiebung durch die Reichsgründung zu einer das gesamte öffentliche Leben prägenden Militarisierung. Die Überwindung des Ost-West-Konfliktes als Voraussetzung der deutschen Einheit wie der europäischen Einigung erlaubt heute eine Demilitarisierung, wie sie quantitativ und qualitativ in der Geschichte ohne Vorbild ist. Wie nachhaltig dieser Trend ist, zeigte sich im Frühjahr in Prag, als der amerikanische Präsident Barack Obama und sein russischer Kollege die Zahl ihrer Nuklearwaffen zum zweiten Mal dramatisch senken konnten, um der Vision einer atomwaffenfreien Welt näherzukommen.
Mit dem 3. Oktober 1990 musste sich Deutschland aus dem Nischendasein unter dem jeweiligen Schirm ihrer Schutzmächte verabschieden und in die raue Realität der Weltpolitik hineinbegeben. Die Privilegien des Beiseitestehens war entfallen. Deutsches Engagement war bei internationalen Konflikten außerhalb des NATO-Gebietes, so in Jugoslawien, bei den Golfkriegen, im Irak-Krieg und in Afghanistan mal mit direkter militärischer Präsenz, mal mit logistischer Unterstützung wurden dem vereinten Deutschland von der UN und von der NATO abverlangt. Dass darüber keine Stimmung des „Wir sind wieder wer“ aufkommt, dafür wird der neue Fünf-Fraktionen-Bundestag mit einer allem Militärischen kritisch gegenüberstehenden Öffentlichkeit sorgen.
Wolfgang Bergsdorf
▪ Die Ereignisse 1989 waren eine lebendige Würdigung der französischen Revolution
Mit einiger Verspätung übernehmen wir hier absichtlich eine sehr bewegende Ansprache, die in einer Kirche in Berlin m Busstag 2009 von einem ehemaligen hohen Offizier der Stasi/Abteilung Desinformation/HV vorgetragen wurde.
„Erst in den Oktobertagen 1989 dachte ich konsequenter über den Sinn meiner Arbeit nach. Das war im siebenundzwanzigstem Jahr meiner Zugehörigkeit in der Aufklärung im MfS. Ich war von der Notwendigkeit dieser Tätigkeit überzeugt.
Bei vielen Mitarbeiter wuchsen Einsichten: Das gesellschaftliche Modell, das im Osten aufgebaut wurde und das wir schützen sollten, war utopisch und verkam in militanten Machtstrukturen.
Die Frage nach den Tätern verstärkte sich im Verlaufe der Umwälzungen mit der Anhäufung dokumentarischer Beweise und Zeugenschaft. In der Aufklärung wusste man vieles, zur inneren Situation weniger. Später dazu befragt, rechtfertigte ich mich nicht mit: „davon hätte ich nichts gehört und nichts gewusst“. Verantwortung war zu tragen.
Es war eine glückliche Fügung als wir uns in der Erlöserkirche treffen konnten. Ein Kreis von Opfern und Tätern traf sich 1990 bis weit in das Jahr 1999 zu einem „Zwiegespräch“– Tabus gab es nicht. Der Dialog musste immer wieder erlernt werden. Die Wahrheiten waren schmerzlich. Betroffenheit, oft genug befand ich mich im freien Fall. Mehrmalig habe ich die Runde verlassen, um den unbequemen Fragen auszuweichen. Täterschaft, ich wollte sie für mich erst einmal nicht hinnehmen. Doch sie hat viele Gesichter. Ich bin heute froh, dass sich meine Flucht aus Debatten in Grenzen hielt. Dass ich meine Chance genutzt habe.
1989 war auch der 200. Jahrestag der großen Französischen Revolution 1789, die laut ZK- Beschluss in der DDR mit kleinem Aufgebot als ein regionales Ereignis gewürdigt werden sollte. Die Ereignisse 1989 waren eine lebendige Würdigung dieser Revolution. Sie hat vor uns einem ganzem Jahrhundert die Kultur gegeben. Der Bürger wurde frei. Auch daran sei erinnert.
Johann Wolfgang von Goethe, der im September 1792 als Begleiter des Herzogs Karl August von Weimar den Frankreichfeldzug der preußisch- österreichischen Koalition miterlebte, hat nach der Kanonade von Valmy gegenüber den preußischen Offizieren mit den berühmt gewordenen Worten kommentiert: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabei gewesen.“
Wir alle sind 1989 dabei gewesen, auch diejenigen, die den Umsturz verhindern wollten. .
Was mich in jenen Wochen und Monaten noch bewegte:
War meine Tätigkeit nur ein Beruf oder eine Berufung gewesen? Überzeugungen und Glaube schmolzen wie Schnee. Das Dunkle und graue wurden sichtbar.
Der Beruf des Geheimdienstmannes ist der eines Einzelgängers. Es gibt natürlich eine gewisse Kameraderie, aber am Ende ist man mit seinen Geheimnissen allein. Man lebte und arbeitete in einem fieberhaften Zustand der Erregung und ist stets angewiesen auf die Hilfe der Kollegen. Aber man zieht immer weiter, entweder in eine neue Dienststelle oder Abteilung oder beginnt eine neue Operation. Und damit erwirbt man neue Geheimnisse, die einen auf subtile Art von denen trennt, mit denen man bisher zusammengearbeitet hat. Kontakte und Beziehungen, besonders mit der Außenwelt, waren zufällig und unregelmäßig, da der größte Teil dessen, was einen bewegte, nicht geteilt werden kann. Aus diesem Grunde beuten Geheimdienste auch ihre Leute aus. Es liegt einfach in der Natur des Berufes, und jeder, der eintritt, weiß das.
Am 28. Dezember 1989, neun Uhr – ein nasskalter, nebliger Tag, stand ich in einer wartenden Menschenschlange in der Zentrale in Lichtenberg, Normannen Str, Hauptgebäude 15, Kaderabteilung der Staatssicherheit. An diesem Dezembertag hatte ich ein letztes Mal meinen Klapp- Deckel-Ausweis beim Posten hochschnellen lassen, um das „Zentrum“ zu betreten. Entlassung, Endstation. Ich warf meine letzten, persönlichen Utensilien in die dafür bereit gestellten Pappkartons.
Die letzte Weisung: „Alle warten im Flur, sie werden in Gruppen zum Tor geleitet“. Der Laufzettel wurde an der Wache abgegeben. „Abgewickelt“ -. Ein Wortfetzen, der in den kommenden Jahren noch Konjunktur haben sollte. Immerhin hatte ich den blauen Personalausweis, einen Blauen für den ersten „freien“ Gang in den Westen. Vorerst fühlten wir uns vogelfrei. Es war die Stunde der Wahrheit. Die von uns viel beschworene Machtfrage war entschieden.
Dr. Herbert Brehmer
Eine Hymne an Berlin von Gunnar Schupelius
„Die Berliner haben in den vergangenen Tagen Millionen Gästen gezeigt, was sie in den 20 Jahren seit dem Mauerfall aus ihrer Stadt gemacht haben, schreibt uns ein Berliner. Dass die Welt dieses neue Berlin mag, zeigen die bisher ständig steigenden Besucherzahlen – sogar mitten in einer weltweiten Wirtschaftskrise. Zwanzig Jahre nach ihrer Wiedervereinigung ist Berlin als kosmopolitische Metropole wiedererstanden. Das weckt weltweit Neugier und – darüber freuen wir uns besonders – Sympathie“.
Berlin ist keine schöne Stadt, nein. Die Zerstörungen des 2. Weltkriegs sind bis heute erkennbar. Die Baulücken wurden mit Fassaden ganz unterschiedlicher Stilrichtungen geschlossen, die alle nicht zueinander passen. Die Stadtplanung der 60er Jahre hat Schneisen in die Stadt geschlagen, die uns noch heute in unserem ästhetischen Bewusstsein wie unheilbare Wunden schmerzen. In Berlin werden Straßen ständig umgebaut, Häuser werden einfach ausgewechselt. Derzeit reißen wir den Beton der 50er- bis 70er Jahre wieder ab und ersetzen ihn durch moderne Fassaden aus Glas und Stahl. Wenn ich sagen sollte, was mir als Berliner an Berlin am meisten auffällt, dann sind es die Baustellen. Es wird immer gebaut. Berlin scheint nie fertig zu werden. Es wird auch nicht schöner, es baut eben.
Wir Berliner sind sehr tolerant. In keiner Hauptstadt Europas gilt das „Leben und Leben lassen“ so wie bei uns. In Berlin leben 14 Prozent Ausländer und es werden immer mehr. Die absolute Mehrheit von uns sagt, dass sie gut mit den Ausländern zusammen lebt. Pro Jahr besuchen 6,5 Millionen Touristen uns 3,4 Millionen Berliner. Wir sind nach London und Paris das begehrteste Reiseziel Europas. Bei den Amerikanern stehen wir neuerdings an erster Stelle auf der Beliebtheitsskala noch vor London.
Was mögen die Touristen an Berlin? Eigentlich die Baustellen, sie lieben es, dass sich Berlin ständig entwickelt, wohin auch immer, und niemals fertig ist. Und sie lieben das kulturelle Angebot: Berlin bietet mit 150 Theaterbühnen, drei Opernhäusern, 170 Museen und 200 Clubs mehr, als alle anderen deutschen Städte zusammengenommen.
Auf der anderen Seite ist Berlin die vielleicht provinziellste Hauptstadt Europas. Hier müssen Sie mit dem Stadtplan Taxi fahren, weil sich die Fahrer nur in ihrem eigenen Kiez auskennen, und zwar aus dem Grunde, dass sie der nächste Kiez gar nicht mehr interessiert. Hier sind die Busfahrer ganz unverschämt. „Wo geht es bitte zum Pergamon-Museum?“ fragte neulich eine Touristin. „Wenn ick dit wüsste, säße ick nich hier“, sagte der Busfahrer. Diese unverschämte Antwort enthält übrigens eine gute Portion Selbstironie, die zu unserem Humor gehört: Der Mann wollte sagen, dass er nicht intelligent genug ist, um den Weg zu erklären und dass er es deshalb auch nicht weiter als bis zum Busfahrer gebracht hat. Berlin hat den schwärzesten aller deutschen Humore, kein Deutscher verfügt über mehr Sarkasmus als wir.
Nur an einem Punkt verlieren wir Berliner unseren Humor. Dann, wenn es um unsere Kleingärten geht. Die gibt es bei uns sogar mitten in der Stadt. Zum Beispiel nahe dem Kurfürstendamm. Sie liegen dort in einer großen Lücke zwischen Wohnhäusern, die jetzt bebaut werden soll. Die Kleingärtner sehen überhaupt nicht ein, warum sie ihre Parzellen verlassen müssen und bekommen dabei Unterstützung von den Politikern und vor Gericht sogar Recht. Innenstadt? Wirtschaft? Büros? Darauf pfeifen wir! Wir wollen unsere Scholle. Berlin ist Hauptstadt des Schrebergartens, wie er im West-Teil heißt und der „Datsche“, wie wir sie im Ostteil nennen.
Im Ostteil sagen wir zum Beispiel auch immer noch „Einraumwohnung“ und nicht „Einzimmerwohnung“, wie im Westteil.
Berlin fällt übrigens nicht nur umgangssprachlich in zwei Teile, sondern auch mental. 18 Jahre nach der Einheit lesen die Berliner in West- und Ost unterschiedliche Tageszeitungen. Wer mit der S-Bahn über einen der Punkte fährt, an dem die Mauer stand, der kann im Waggon sehen, wie langsam aber stetig die Zeitung in der Hand der Fahrgäste wechselt. Im Westteil fahren "B.Z.", "Morgenpost" und "Tagespiegel" S-Bahn, im Ostteil werden sie von "Berliner Zeitung" und "Kurier" abgelöst.
Berlin ist einerseits gespalten, andererseits aber in seiner politischen Grundstimmung geeint, und zwar als rote Stadt: SPD und Linke haben hier 53 Prozent. Zählt man die Grünen dazu, die in Berlin traditionell sozialistisch angehaucht sind, dann erkennt man, dass 68 Prozent der Berliner links wählen. Wo gibt es das? Wo gibt es so viel politischen Aktionismus, wie in Berlin? Hier quälen sich täglich mehr als zehn Demonstrationen durch die Straßen, das sind pro Jahr fast 4000. Immer im Januar pilgern 80 000 Menschen zum Grab von Rosa Luxemburg. Das ist die größte regelmäßige postkommunistische Versammlung der Welt.
Berlin ist nicht nur die röteste, sondern auch die grünste Hauptstadt Europas: 42 Prozent seiner Fläche besteht aus Wald, Wiesen und Parks, in den Straßen stehen 420 000 Bäume. Wir Berliner gießen unsere Bäume, wenn es trocken ist. Wir dulden nicht, dass ein Straßenbaum beschädigt oder gefällt wird. Dann verlieren wir abermals unsern Humor. In meiner Nachbarschaft sammelten die Anwohner neulich mehrere tausend Euro, um für zwei umgestürzte Platanen auf eigene Faust Ersatz zu pflanzen. Dabei ist die Straße jetzt schon derart zugewachsen, dass die Autos im Sommer tagsüber mit eingeschaltetem Licht fahren müssen.
Genau so heiß wie unsere Straßenbäume lieben wir übrigens unsere Haustiere. Wir halten uns 106 000 angemeldete und schätzungsweise 30 000 “steuerfreie“ Hunde. Wir haben uns das mit 16 Hektar Grundfläche größte Tierheim der Welt gebaut. In unseren Supermärkten wird an den Kassen Dosenfutter als Spende für herrenlose Katzen gesammelt.
Tiere machen uns eben einfach glücklich. Wir sind, gemessen an der wirtschaftlichen Situation unserer Stadt, bestimmt die glücklichste Metropole der Welt: 90 Prozent von uns sagen, sie leben gerne hier. Dabei ist Berlin eine untreue Stadt: Hier werden pro Jahr 12 000 Ehen geschlossen und gleichzeitig 10 000 geschieden. Dabei ist Berlin eine einsame Stadt: Hier bleibt die Hälfte aller Erwachsenen ledig und mehr als die Hälfte lebt in Einpersonen-Haushalten. Dabei ist Berlin eine arme Stadt: Die Arbeitslosenquote liegt immer noch bei 15 Prozent, nur 52 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung geht einer Arbeit nach und davon nur 9 Prozent im produzierenden Gewerbe. 267 000 Menschen beziehen Sozialhilfe und jedes dritte Kind lebt von Hartz IV. Kein einziger Dax-Konzern hat seinen Sitz in der deutschen Hauptstadt, dabei wurden Deutsche Bank, Allianz, Siemens und AEG einstmals hier gegründet.
Unsere ganz unerklärliche Zufriedenheit auf niedrigem materiellem Niveau hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sehr treffend in den berühmt gewordenen Satz gefasst: „Berlin ist arm aber sexy“. Das ist der schnoddrigste Slogan, den jemals ein Stadtoberhaupt für seine Stadt erfunden hat.
In unserer Zufriedenheit kleiden wir Berliner uns leider nicht besonders sexy, sondern ärmlicher, als wir es nötig hätten. Wir gehen immer noch in der Jogging-Hose einkaufen. Schöne junge Frauen laufen bei uns herum, als hätten sie sich auf dem Flohmarkt eingekleidet. Bei uns tragen die Lehrer ungewaschene Jeans. Bei uns lässt der Polizist den Bauch einfach aus der Uniform hängen. Bei uns geht man im violetten Sakko auf den Ball und im Unterhemd zur Oper.
Wir haben keinen internationalen Flughafen und die Scheiben unserer U-Bahnen sind so zerkratzt, dass man nicht hinaussehen kann. Bei uns gibt es das schlechteste Bier Deutschlands und die beste Currywurst. Bei uns gibt es nichts, was es nicht gibt. Das ist unser Berlin. Wir lieben diese Stadt. (G.S.)
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Flughafen BBI
Da große Hoffnungen in den neuen
Flughafen BBI
gesetzt werden und da die vermeintlich notwendige Schließung der Berliner
Flughäfen Tempelhof und Tegel immer mit dem Verweis auf den funktionstüchtigen
Single-Airport BBI gerechtfertigt wurde, lohnt sich ein Blick auf das gesamte
Logistik-System, also auch auf die Schienenanbindung des neuen Flughafens vor
den Toren Berlins. Denn der neue BBI soll ja ein Schritt nach vorne werden - so
jedenfalls trat man 1990 mit dem Projekt an.
Tatsache ist, dass der hoch gelobte Airport-Express in Berlin 2mal in der Stunde
vom Hauptbahnhof zum BBI fahren soll – mit einer Fahrzeit von 30 Minuten.
Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg
(VBB), wurde in der Presse zur Schienenanbindung des BBI aktuell folgendermaßen
zitiert:„Ich kenne in Europa keinen Flughafen mit einer schnelleren Anbindung.“
Wir müssen leider feststellen, dass Herr Franz offenbar Europa nicht kennt –
nicht einmal Deutschland richtig. Andere deutsche Flughäfen bieten ihren
Passagieren mehr Verbindungen: Düsseldorf 9mal/h, Hamburg 6/h, Frankfurt 8/h;
allein München wird mit seiner schlechten Anbindung im Negativen mit der
BBI-Anbindung konkurrieren können. Hierzu gibt es den bekannten, wenn auch
übertriebenen Satz: „Der Flughafen München ist nur aus der Luft zu erreichen.“
Und Europa? Zürich bietet 9 Flughafenzüge pro Stunde, Genf 5/h, Kopenhagen 7/h
und Brüssel 4/h an. Und in allen diesen Städten liegt die Fahrzeit zum
Hauptbahnhof, dort im Zentrum gelegen, unter 20 Minuten. Bekanntlich ist der
Hauptbahnhof in Berlin nicht das Zentrum. Will man dorthin, muss man umsteigen.
Die Aussage des VBB-Geschäftsführers Franz muss daher verwundern oder mehr: Sie
ist einfach falsch.
Zudem wird es keine direkte ICE-Anbindung des BBI geben, so dass weitere
Zeitverluste für die mit dem ICE anreisenden Airline-Passagiere zu
berücksichtigen sind. Wir erinnern uns: Verkehrsminister Wissmann sagte
seinerzeit, er garantiere, dass ICEs in den BBI fahren würden.
Die reine Fahrzeit des Hauptstadt-Express wird sich daher, bedingt durch die
Umsteigezeiten und durch eine unzureichende Frequenz, auf eine reale Anreisezeit
von bis zu einer Stunde aufaddieren.
Wir dürfen feststellen: Aus beiden Zentren Berlins kommt man heute in 20 Minuten
nach Tegel. Dies im Schnitt alle 2,5 Minuten.
Die Anbindung soll zwar zukünftig besser werden, aber die dafür notwendige
Trasse „Dresdner Bahn“ wird wohl erst 2015 fertig werden – wenn überhaupt.
Auch in puncto Schienenanbindung des BBI scheint also die Parole Platz gegriffen
zu haben, dass schon alles gut gehen wird – unabhängig von den widersprechenden
Tatsachen. Da Wunschdenken Berlin und der gesamten Region nicht weiterhilft,
sind die Verantwortlichen aufgefordert, die tatsächlichen Defizite der geplanten
Schienenanbindung seriös zu beschreiben und abzustellen.
Dem früheren Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel wird das Bonmot
zugeschrieben: „Dort, wo keine Schienen liegen, braucht man nicht auf den Zug zu
warten!“ Rommel meinte damit, dass man Fragen erst dann diskutieren sollte, wenn
sie sich ernsthaft stellen. Bezogen auf die Schienenanbindung des BBI scheint
jedoch auch die wortwörtliche Aussage schon vorher zu greifen!
Und was macht die Nachnutzung von Tempelhof? Am 10.04.2010 wird die Band
Jennifer Rostock dort ihren Titel „Es tut wieder weh!“ vorstellen. Ja, das tut
es.
Thema-Tempelhof Team
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Un vrai baril de poudre ! La crise de Berlin et la construction du Mur
Exposition spéciale au Musée des Alliés *, du 12 août 2011 au 6 janvier 2012
Après les commémorations de la chute du Mur et de la Réunification, 2011 est de nouveau sous le signe d’un anniversaire marquant sur le plan historique : le cinquantenaire de la construction du Mur. Tandis que quelques études scientifiques importantes viennent d’être publiées, les Musées sont plutôt réservés. Aucun des prestigieux Musées historiques et spécialisés dans l’ère contemporaine d’Allemagne ne consacre d’exposition spéciale importante à la construction du Mur. Un seul fait exception : le Musée des Alliés, un Musée subventionné par la Fédération situé à Berlin-Zehlendorf, qui présente avec une collection originale l’histoire de la présence militaire et politique des puissances occidentales à Berlin-Ouest de 1945 à 1994.
« Un vrai baril de poudre! La crise de Berlin et la construction du Mur »: tel est le titre de l'exposition spéciale organisée par Florian Weiss, collaborateur scientifique du Musée des Alliés. L’exposition a été aménagée par neo.studio neumann schneider architekten (Berlin) et son graphisme développé et réalisé par Five dots (Berlin).
Le thème principal de l’exposition est la dimension internationale de la construction du Mur. Le Mur de Berlin, célèbre dans le monde entier et symbole de la Guerre froide, serait selon une thèse, le résultat visible d’une crise politique dont l'importance dépassait de loin Berlin et l'Allemagne. Entre 1958 et 1963 l’Union soviétique et les USA étaient rivaux et redéfinirent leurs sphères d’influence. Ce bras de fer impliquait le risque d’une guerre atomique. Le Mur de Berlin de 1961 ne fut pas seulement une frontière à l’intérieur d'une ville et de l’Allemagne. Jusqu’à sa chute, il marqua avant tout, et telle est le motto de cette exposition, une frontière impériale (Manfred Wilke) entre le bloc oriental communiste et l'Occident démocratique.
Avec ses sites historiques, la Maison Blanche et le Kremlin, le Checkpoint Charlie et les casernes alliées de Berlin, cette exposition spéciale forme un contraste captivant avec les commémorations fêtées dans une optique purement interallemande.
Bien que le Musée des Alliés soit dédié à l'histoire des puissances occidentales, l’approche internationale ne peut emporter la conviction que si la perspective soviétique est prise en compte elle aussi. N’est-ce pas en effet Nikita Khrouchtchev, chef de l'État soviétique et Premier secrétaire du PCUS, qui déclencha le deuxième crise de Berlin et contraignit les puissances occidentales à des négociations diplomatiques. Avec le soutien d’experts, des recherches ont donc été effectuées dans les Archives et les Musées russes. Les objets exposés qui y ont été découverts n'avaient encore jamais été montrés en Allemagne.
L’histoire explosive de la crise de Berlin constitue le principal fil conducteur de l’exposition, dans lequel sont tissés des aspects du quotidien et des biographies de Berlinois, mais aussi de soldats alliés. Grâce à des « frozen moments », instantanés auxquels sont joints des objets-souvenirs personnels, on peut se faire une idée du vécu individuel pendant la Guerre froide. Parmi les hasards heureux de la recherche de témoins de l’époque, on compte la rencontre avec un Américain alors jeune GI, qui était stationné à Berlin en 1961. Électrisé par la nouvelle de la fermeture de la frontière, il se rendit en tramway à la gare « Zoologischer Garten » et marcha ensuite jusqu’à la Porte de Brandebourg. Pendant son périple dans la ville, ce soldat épuisa tout un film en noir et blanc. Cette aventure déclencha chez lui une passion de collectionneur, qui déboucha sur une chronique du Mur en plusieurs volumes. Cette liasse de documents a été achetée récemment par le Musée historique allemand. Conjointement avec l’appareil-photo de 1961, on la verra pour la première fois au Musée des Alliés.
Une mise en scène du célèbre ultimatum de Khrouchtchev et de sa stridente musique d’accompagnement ouvre l’exposition temporaire. La propagande soviétique s’articulait surtout sous la forme d’impressionnantes affiches. Khrouchtchev s’était mis en tête de chasser les puissances occidentales de Berlin-Ouest et de démilitariser tout Berlin, d’en faire une « Ville libre ». Sur le plan stratégique, il visait à toucher les USA à un point sensible et à déboussoler l’Alliance militaire occidentale, l'OTAN.
L’ultimatum de novembre 1958 a marqué le début de négociations longues et difficiles, et le plus souvent sans résultats, entre l’Union soviétique et les puissances occidentales sur le statut quadripartite de la ville de Berlin. Le premier espace thématique accueille le visiteur par un tableau puissant : une table de conférence placée au centre. On y rencontre les hommes les plus puissants de cette époque et on peut réfléchir à leurs calculs politiques et militaires. Les quatre anciennes puissances victorieuses de la Seconde Guerre mondiale n’avaient pas seules voix au chapitre. Les chefs de gouvernement de la République fédérale et de la RDA, Konrad Adenauer et Walter Ulbricht, ainsi que le Maire-Gouverneur de Berlin-Ouest, Willy Brandt, tentaient eux aussi de faire valoir leurs intérêts.
Khrouchtchev se heurta toutefois à la résistance opiniâtre des puissances occidentales qui n’étaient pas disposées à renoncer à leurs droits à Berlin. Étant donné la grave crise qui frappait le régime de la RDA depuis la fin de 1960, le Kremlin se trouvait de plus en plus contraint d’agir. Le problème le plus grave était l'exode massif de main-d’œuvre qualifiée vers la partie ouest de la ville, qui atteignit son point culminant dramatique au cours de l’été 1961. Du point de vue de Khrouchtchev et d’Ulbricht, la seule solution possible était de verrouiller le secteur oriental.
Dans le deuxième espace thématique, il s’agit du rôle dirigeant de l'Union soviétique dans la construction du Mur et de la réaction des puissances occidentales. L’attitude passive des Américains surtout a profondément déçu les attentes des Berlinois. Mais elle était logique du point de vue de Paris, de Londres et de Washington. En 1961, le libre accès à Berlin-Ouest était ce qui intéressait le plus les puissances occidentales. Celui-ci devait être garanti par l'URSS et la RDA devait le respecter.
A l’automne 1961, le conflit de Berlin atteignit son point culminant. Le général Lucius D. Clay, « père du pont aérien », mit en position des chars d‘assaut au Checkpoint Charlie pour imposer le droit d’occupation allié garanti par écrit. Dans le débat pour éclaircir si l'action de Clay était raisonnable ou pas résonne jusqu’à nos jours l’angoisse que la confrontation des chars ait pu provoquer une réaction en chaîne qui aurait abouti à la Troisième guerre mondiale. A côté d’un élément architectural, une pièce importante de la collection du Musée des Alliés est mise en scène : la façade originale de la première guérite de Checkpoint Charlie.
Le troisième espace thématique visualise la course à l’armement atomique entre les USA et l’URSS. Deux objets impressionnants, les têtes d'une arme atomique américaine et d’un missile Scud soviétique déterminent l'atmosphère de la salle. Les plans des Américains, des Britanniques et des Français pour le cas d’une grave crise militaire sont explosifs et ne sont guère connus à ce jour. A LIVE OAK (« chêne de vie »), un état-major de planification ultrasecret près de Paris, un catalogue de mesures était prêt à être appliqué ; il englobait toutes les étapes d'escalade jusqu'à la bombe atomique. L’URSS s'armait aussi pour la crise et déployait de grandes manœuvres avec ses alliés du Pacte de Varsovie.
A l’occasion de l'exposition spéciale « Un vrai baril de poudre ! La crise de Berlin et la construction du Mur » paraissent deux publications à la maison d'édition Berlin Story : un journal de l'exposition qui sera distribué gratuitement à titre publicitaire et un catalogue richement illustré, qui allie articles de fond et voix de témoins de l'époque. Un point culminant du programme d’accompagnement, qui comprend les offres muséo-pédagogiques sera une manifestation le jour anniversaire de la confrontation des chars.
Gundula Bavendamm, Directrice du Musée des Alliés, été 2011
*AlliiertenMuseum, Clayallee 135, 14195 Berlin
ouvert tous les jours, sauf le mercredi, de 10h à 18h
Entrée libre
www.alliiertenmuseum.de
▪ Vingt ans après : Allemands de l’Est et de l’Ouest
La vague d’ostalgie est dépassée, l’aliénation Est-Ouest s’estompe
Les Allemands de RDA et de République fédérale s’étaient éloignés les uns des autres au cours des quarante années de division de leur pays. Ils vivaient et travaillaient différemment, ils parlaient déjà différemment. Le « choc des cultures » en Allemagne de l’Est et de l’Ouest fut donc assourdissant dans les années 90. Il a duré jusqu’au début du deuxième millénaire. Mais, depuis deux ans environ, une chose est claire : les termes péjoratifs « Ossi » et « Wessi » par lesquels les Allemands désignaient leur compatriotes vivant sur l’autre rive de l’Elbe, ne sont plus utilisés. On s’est habitué les uns aux autres. Les anciens citoyens de RDA sont considérés comme des compatriotes.
Cela veut dire sans doute que les partis comme „La Gauche“ (Die Linke) d‘extrême-gauche et le NPD national-démocrate d’extrême droite qui bénéficiaient de cette différence, pourraient perdre du terrain dans les Nouveaux Länder de l’Est.
La vie dans la dictature est-allemande dans laquelle il fallait faire attention à chaque mot, à chaque geste en public, ne pouvait se comparer à la société permissive de l’Ouest où l’on pouvait tout dire et tout faire sans que cela tire à conséquence. Angela Merkel a dit que la RDA contraignait ses habitants à mentir. L’Europe de l’Est n’était peut-être pas « l’empire du mal » comme l’avait dit Ronald Reagan. Mais c’était entre autres « l’empire du mensonge » et de l’irrationnel. Cela dit, une solidarité invisible liait les gens de la RDA, également contre l’Etat.
Hormis les mots que ‘l’on n’avait pas le droit d’utiliser comme « le mur », « des élections libres », « la grève », « s’exiler », etc., les gens de RDA s’étaient créé un autre vocabulaire, une sorte de « néo-allemand » parlé. Il y avait le vocabulaire officiel qui désignait des institutions de l’Etat est-allemand et du parti, comme par exemple « HO » (Handels-Organisation, organisation commerciale, pour dire supermarché), « Zentralkomitee », « LPG » (le nom des kolkhozes est-allemands), « Planerfüllung » (accomplissement du plan) et bien d’autres termes, mais il existait aussi un vocabulaire de la vie quotidienne. Ainsi les boutiques dans les rues où l’on pouvait acheter des poulets rôtis s’appelaient « Broiler ».
De plus, parce que la RDA manquait sporadiquement de divers objets de la vie courante, des brosses à dents aux chaussures et aux fruits exotiques, tandis que ces biens étaient en abondance à l’Ouest, les citoyens de RDA avaient mis au point un système D, fait d’entraide et de combines. Enfin, la vie était organisée différemment entre l’Elbe et l’Oder. Elle commençait dans les jardins d’enfants où l’on apprenait la méchanceté de « ‘l’impérialisme » occidental, se poursuivait chez les Jeunes pionniers, puis dans la Jeunesse communiste FDJ. On portait des uniformes, les chemises bleues de la FDJ étaient connues.
Il fallu pas mal d’années pour que les Allemands de l’Est s’habituent aux façons de vivre occidentales. Le film « Good bye Lénine » en est un bon exemple. Il montre une mère malade pour laquelle ses enfants édifient une RDA postiche après la réunification parce que si elle savait que tout a changé, le choc pourrait la tuer. Mais un tel film ne serait plus d’actualité aujourd’hui. L’« Ostalgie » est dépassée. Au début, les Allemands de l’Est étaient avides de connaître l’Ouest, d’obtenir des produits occidentaux. Ils étaient aussi sur la défensive contre cette invasion de superfluités. S’ajoutait que l’économie de la RDA n’avait pas atteint le « niveau mondial » que le parti communiste avait fait miroiter. La Stasi avait falsifié les statistiques économiques. L’économie n’était pas rentable. Beaucoup d’entreprises s’effondrèrent immédiatement. Il y eut des licenciements en masse. Des Occidentaux achetèrent des entreprises est-allemandes presque gratis. Ils voulaient tout faire mieux et leur comportement fut souvent considéré comme arrogant.
C’est ainsi que les Allemands de l’Est appelèrent ces gens les « Wessis mieux-mieux » et que les Occidentaux appelèrent les citoyens de l’ex-RDA les « Ossis grincheux ». On racontait : « Que fait un homme de RDA quand ils ne se lamente pas ? » Réponse : « Il dort ». Ou bien encore : " Qu’est-ce qui distingue les Allemands de RDA des singes ?“. Réponse : « Des singes n’auraient jamais vécu quarante ans sans bananes ». Dans l’intervalle vingt ans ont passé et la République fédérale a transféré 1 400 milliards d’euros dans l’ex-RDA. Une somme impressionnante dont 67 % sous forme de prestations sociales ! Jusqu’en 20&9, les contribuables ouest-allemands devront payer le « soli », l’impôt de solidarité de 5,5 %. Le chômage est encore à 11,5% à l’Est de l’Allemagne, contre 6,5% à l’Ouest. Un million de citoyens de RDA, surtout des jeunes femmes, ont émigré à l’Ouest pour chercher du travail, un certain nombre sont partis à l’étranger. Mais l’espérance de vie en ex-RDA a augmenté de six ans et les salaires sont déjà à 75% des salaires de l’Ouest alors qu’ils n’étaient qu’à 50% en 1990. On a construit des routes, des réseaux téléphoniques, des connections Internet. Des bâtiments et des monuments ont été restaurés et on a construit des maisons familiales.
S'ajoute que les Allemands de l'Est ont mieux tenu dans la crise mondiale des deux dernières années, que les Allemands de l'Ouest. Habitués à des bouleversements radicaux, ils ont moins paniqué que leurs compatriotes de l'Ouest et, de toute manière, cela ne pouvait pas être pire que la RDA qui fut la plus grande catastrophe économique de l'histoire allemande. La crise a changé la donne. Moins de 20 % des Allemands pensent aujourd’hui qu’il faudrait reconstruire le mur de Berlin. Un sondage diffusé par la seconde chaîne de télévision, Z.D.F., a révélé à l'automne 2010 que 84% des Allemands approuvent la réunification du pays, contre 14% qui regrettent qu'elle ait eu lieu. Le parti die "Linke", ancien parti communiste PDS est surtout majoritaire dans les nouveaux Länder de l'Est mais a gagné du terrain à l'Ouest alors que les Verts et le SPD de Willy Brant sont faiblement représentés dans les parlements et conseils régionaux des nouveaux Länder. Mais ces nuances elles aussi s'estompent. La Gauche ("Die Linke") semble plafonner à l'Ouest. Certains anciens citoyens de RDA ont réussi professionnellement à l’Ouest et la chancelière, Angela Merkel, est l’une de ceux-ci. Mais il y a un nouveau problème : les jeunes gens en Allemagne ne savent plus ce qu’était la RDA et comment elle était. Un couple de politologue, Klaus et Monique Schröder, l’a constaté. C’est ainsi que la majorité de 5,219 lycéens de Berlin Ouest et Est, de Bavière et de Rhénanie-Westphalie, ne savait plus qui avait construit le mur de Berlin. Une petite partie d’entre eux pensait que l’Allemagne de l’Ouest l’avait érigé. Une majorité pensait que c’étaient les Américains et, à l’Est, une majorité pensait encore que le mur avait été construit pour protéger la RDA d’attaques américaines. La majorité de ces jeunes ne savait pas ce qui distinguait la démocratie de la dictature. C’est toujours dommage de voir que les jeunes générations ne peuvent tirer les leçons de l’histoire. Chaque génération doit-elle refaire les fautes de ses parents et grands-parents ? Cela ne s’applique pas seulement au communisme. (JPP)
11 Novembre sous la pluie devant le monument aux morts d’un village de France, nous sommes serrés sous les parapluies, petite communauté humaine de tous âges unie dans une mémoire commune qui se transmet ainsi, tout naturellement, aux enfants présents. Dix minutes par an, ils se souviennent que des jeunes, à peine plus âgé qu’eux, ont laissé leur vie pour le pays de France. Ce n’est rien mais c’est considérable, car ils n’oublieront jamais ces minutes devant un drapeau ? C'est aussi simple que ça, l’identité nationale…
Un peu plus loin vers le nord, à Berlin, un mur n’en finit pas de tomber. Il était pourtant bien solide, érigé autour de frontières et, mieux encore, dans les cerveaux « propagandés » à fond à une époque où ni Internet ni Twitter ne pouvaient ouvrir les frontières virtuelles. Il n’y avait pas plus solide que le glacial glacis soviétique, ces pays gelés dans une terreur palpable, comme à Prague ce vieux monsieur s’accrochant à moi en larmes (« Ah, la France, le pays de la liberté ! »), comme ce premier violon de l’orchestre de Brno qui nous emmène dans un sous-sol pour parler tranquillement… Om sont-ils ? Ont-ils réussi à passer à l’Ouest ? Se sont-ils retrouvés dans les locaux crasseux de la police politique ? Ils risquaient gros en nous parlant mais parlaient quand même… On pensait tous que jamais ce mur ne disparaîtrait et pour être tout à fait honnête, le rideau de fer, la guerre froide, ce monde si simplement coupé en deux et l’équilibre international qui en résultait nous arrangeaient tous, même si le dire est politiquement incorrect.
Le monde né de la chute du Mur est incertain, multipolaire et imprévisible, l’ennemi n’est pas identifiable et l’on ne sait, finalement, si c’est la démocratie qui a gagné, l’ultralibéralisme ou les régimes mafieux. Toujours est-il que je retiens de cette chute une belle leçon de vie ; rien n’est jamais totalement certain et définitif, ni le pire (tant mieux), ni le meilleur (dommage !). Un monde, aussi solide qu’il puisse paraître, peut un jour s’écrouler, ce que nous avons tendance à oublier. « Nous (…) civilisations, savons (…) que nous sommes mortelles », écrivait Paul Valéry. Nous sommes mortels certes mais ce n’est pas une raison pour avoir peur d’un monde nouveau sur lequel nous pouvons toujours agir. Plutôt que la peur, choisissons le « N’ayez pas peur ! » de Jean Paul III, le pape polonais qui dès 1979 soutint le syndicat Solidarnosc de Lech Walesa, aboutissant à la chute du pouvoir communiste en Pologne, C’était le premier domino qui tombait…
Marie-Pascale Ollivier
▪ De la Guerre froide à la Chute du mur de Berlin
L'année 1945 avait laissé l'Allemagne en ruines et la population décimée. En moins d'une quinzaine d'années, ce pays sortit de la misère et du deuil pour devenir, miracle économique à la clé, un Etat économiquement florissant et politiquement démocratique qui attirait en masse les Allemands de l'Est. C'est pour enrayer leur fuite que Khrouchtchev et Ulbricht confièrent à Erich Honecker en 1961 la tâche ingrate de gérer la construction du mur de Berlin. Désormais l'existence de la RDA ne tenait plus qu'à un mur, comme on dit : "sa vie ne tenait qu'à un fil". Une fois le mur construit, la Stasi multiplia ses "mesures actives" en direction de Berlin-Ouest et de la République fédérale, en déclenchant comme on le sait aujourd'hui la révolte étudiante, puis en soutenant discrètement le terrorisme de la Fraction Armée Rouge et en infiltrant les centres de décision et d'analyse de la RFA, ses médias et ses usines. A la fin, comme nous allons l'expliquer bientôt dans "Eurbag", elle projetait un coup de main militaire sur Berlin-Ouest. Mais la population est-allemande sortit de sa torpeur et de la peur dans laquelle l'avait enfermée le régime communiste. Elle exigea l'abolition du mur de Berlin et le retour à la démocratie. Une fois le mur abattu, la logique voulait que la RDA disparaisse. L'autre Allemagne était devenue "le mur" et "la Stasi" aux yeux du monde. Pendant ce temps, la République fédérale était parvenue au rang de deuxième puissance économique du monde et son Deutschemark à celui de monnaie pilote de l'Europe. L'article ci-dessous rédigé par un jeune étudiant français de Berlin décrit la situation en 1945 telle qu'elle était en cette "Année Zéro".
La Deuxième Guerre mondiale a fait mourir un nombre incommensurable de personnes, plus de 20 millions de soldats, mais aussi, probablement pour la première fois, dans l’Histoire, nettement plus de civils que de militaires, auxquels se sont ajoutées les victimes juives de l’Holocauste. Le IIIème Reich a décimé en outre les prisonniers de guerre russes, sous prétexte que l’URSS n’avait pas signé la Convention de Genève sur la sauvegarde des prisonniers. Se sont ajoutés les bombardements massifs qui ont causé la mort de quelques 600 000 civils en Allemagne et de 60 000 environ en France. La France a enregistré cinq fois moins de morts qu’au cours de la Première Guerre mondiale. La Pologne en revanche est le pays qui a compté le plus de victimes par rapport au chiffre de sa population. Il faut retenir aussi que la guerre entre le Japon et les Etats-Unis s’est prolongée jusqu’en août 1945, avec pour point final les 6 et 9 août, les attaques nucléaires contre Hiroshima et Nagasaki ayant laissé bien des traumatismes. Les hécatombes sont le fait dominant de la Seconde Guerre mondiale, avec comme fait nouveau la mort des civils (voir sous notre rubrique « Livres » le numéro de septembre 2009 de la revue « Historia » consacré aux « Civils dans la guerre »). Elle cite les propos d’un ancien travailleur forcé français qui se trouvait à Berlin à l’époque et qui parle pour ses camarades français. Ils estimaient que les bombardements n’avaient pas pour but d’abattre le régime nazi mais de décimer la population allemande…



Les bombardements les plus terribles sur l’Allemagne ont été ceux de Hambourg en juillet 1944 et ceux de Berlin et de Dresde en février 1945. On doit parler des morts, mais on oublie souvent les destructions matérielles. Celles-ci se devinent encore à Berlin dans l’alternance des bâtiments anciens et des bâtiments reconstruits dans l’après-guerre, car les bombes ne tombaient pas en chapelets réguliers mais groupées par paquets. Les villes ont été rarement reconstruites à l’identique, d’autant plus qu’un nouveau matériau, le béton, est apparu qui permet de construire vite et solidement, mais pas toujours en beauté. Il faut penser aux meubles, appartements, voitures, bibliothèques, bijoux et tableaux, des pertes incommensurables pour le patrimoine européen. En Allemagne, dès « l’année zéro » qui suit la capitulation sans conditions du 8 mai 1945, ce sont surtout des femmes, les « Trümmerfrauen », qui déblayeront les décombres, les hommes étant morts au front ou prisonniers (11 millions de prisonniers). Dans toute l’Europe, les infrastructures routières, ferroviaires et fluviales ainsi que de nombreuses usines sont détruites, le pays le plus touché étant l’Allemagne. S’ajouteront dans la Zone d’occupation soviétique des démontages nombreux d’usines transportées en URSS, souvent avec leur personnel déporté. Mais le potentiel industriel a été moins touché que les villes et cet élément sera important pour le redémarrage de l’économie. De plus les destructions créeront de la demande de reconstruction, donc du travail. Les réfugiés des provinces allemandes de l’Est perdues, 12 millions, difficiles à intégrer au départ, fournissent une main d’œuvre pas chère qui comble un peu la saignée démographique. Il faudra cependant du temps, jusqu’en 1948-49, pour surmonter la misère et la famine.
Reste le désarroi moral. Déjà très touchés par les pertes de guerre, les Allemands découvrent les camps de concentration et d’extermination. La puissance de destruction massive des Etats-Unis par la bombe atomique choque le monde. On n’aurait pas imaginé de telles horreurs. Au fur et à mesure que se dérouleront les procès de Nuremberg contre les principaux dirigeants nazis survivants, 21 au total, de novembre 1945 à octobre 1946, la vérité sur le national-socialisme apparaîtra peu à peu. Quatre sortes de chefs d’inculpation sont retenus contre eux : les complots destinés à abattre la République ; les crimes contre la paix, Hitler ayant déclenché la guerre ; les crimes de guerre, déportations, assassinats de civils dans les territoires occupés, exécutions de prisonniers de guerre, notamment ; et enfin les crimes contre l’humanité. La constitution des dossiers représentera un immense travail de recherche. Mais la plaie sera loin d’être cautérisée par ce grand procès. Peut-on faire justice quand il y a eu un génocide ?
La paix s’annonce difficile... Pourtant c’est de l’immensité de la catastrophe et de l’horreur que se dégagera un grand désir de paix et d’humanité. On se souvient que des régimes aussi différents que ceux des Etats-Unis et de Grande Bretagne d’un côté, d’URSS de l’autre, se sont unis pour lutter contre le nazisme. Les deux premiers Etats, conduits par Roosevelt et Churchill, avaient signé le 14 août 1941 la Charte de l’Atlantique qui jetait les bases d’un nouvel ordre international reposant sur le droit à l’autodétermination pour tous les peuples, le libre choix de la forme de leur gouvernement, la renonciation à toute acquisition territoriale par la force et la coopération économique internationale. Ces principes ne seront pas toujours respectés après la guerre, en particulier par l’URSS qui asservira toute l’Europe centrale, mais ils seront le fondement définitif de toutes les institutions qui naîtront après 1945. Après l’invasion de l’URSS par la Wehrmacht en juin 1941, Staline se joint à cette alliance, une alliance dans laquelle la méfiance règne.
Les principales conférences alliées sur l’organisation future de l’Europe après la victoire se sont tenues à Téhéran en novembre-décembre 1943, puis à Yalta début février 1945. Yalta reste dans l’histoire comme la conférence où fut décidé le partage de l’Europe en une sphère d’influence soviétique et une Europe occidentale libre, sous l’influence des Etats-Unis. On procède aussi à un échange de territoires en déplaçant la Pologne vers l’Ouest au profit de l’URSS et au désavantage de l’Allemagne. La division, notamment de l’Allemagne, sera entérinée à conférence de Potsdam en juillet-août 1945. Les Etats-Unis sont alors la superpuissance mondiale, mais l’URSS veut de plus en plus accéder au rang des USA. Dès l’été 1944 s’est affirmé à l’Ouest la volonté de Roosevelt d’unifier le monde, de créer des interdépendances pour éviter des guerres. Sa doctrine est le « one world ». A Bretton Woods dans l’été 1944, on a créé la Banque mondiale et le Fonds monétaire international pour garantir la stabilité monétaire et commerciale internationales. Mais la principale fondation sera celle des Nations-Unies (ONU), préparée à Dumbarton Oaks en août-octobre 1944. La Charte de l’ONU est signée le 26 juin 1945. Elle ressemble fort à la Charte de l’Atlantique de 1941. S’ajoute que les Nations-Unis s’accordent le droit de procéder à des sanctions ou d’intervenir militairement pour rétablir la paix et la sécurité dans le monde. Fondé en 1949, le Conseil de l’Europe, à Strasbourg, s’inspirera de principes proches de ceux de la Charte de l’ONU. Il protège les droits de l'homme, veut renforcer la démocratie et le droit et rassemble 800 millions d’Européens vivant dans 47 Etats membres. Il adoptera la Convention européenne des droits de l’homme que la Cour européenne des droits de l'homme pour tâche de faire respecter.
Mais le monde de l’après-guerre n’aura pas la stabilité que ces traités et organismes veulent instaurer. Le rêve américain, le rêve des vainqueurs ne se réalisera pas. Après cette deuxième grande guerre suicidaire, l’Europe est affaiblie, le Japon est à genoux. Sans la protection des Etats-Unis, l’Europe occidentale serait tombée sous la coupe de Staline et le communisme aurait triomphé en Corée et en Asie du Sud-Est, comme en Chine continentale. Tandis que la France se relève en suivant les directives du Conseil national de la Résistance et selon une orientation politique plutôt gauchisante avec un parti communiste fort, ce qui entraînera diverses réformes sociales, des nationalisations d’industries et une planification souple, l’Allemagne reste pays occupé jusqu’en 1949 et divisé jusqu’en 1989. Le 5 mars 1946, Winston Churchill sera le premier à dire qu’un « rideau de fer » coupe l’Europe en deux et un an plus tard, un homme politique américain Bernard Baruch créera la notion de « guerre froide ». La France de son côté a retrouvé son unité en jugeant et condamnant la collaboration avec l’Allemagne nazie, mais elle a sur les bras comme la Grande Bretagne un autre problème : l’émancipation de ses colonies qui lui imposera des guerres locales pendant deux à trois décennies encore et coûtera cher en vies humaines et en patrimoine perdu. Pendant la guerre les nationalismes « indigènes » se sont réveillés et les métropoles ne savaient pas comment régler politiquement le problème.
L’affrontement des Blocs deviendra très dangereux quand l’URSS aura à partir de 1949 elle aussi l’arme nucléaire. Mais après Hiroshima et Nagasaki, l’arme nucléaire n’a plus été utilisée dans aucun conflit armé.
(Nopic)
Pour les « touristes
politiques », le Mur n’était pas un obstacle
Pour ceux d’entre eux qui allaient chercher consignes et documents à Berlin-Est,
il n’y avait aucun problème : « D’Ouest en Est et retour, le Mur était
totalement perméable, confirme Bettina Röhl, la fille d'Ulrike Meinhof. Mon père et ma mère n’avaient aucun
mal à aller à Berlin-Est chercher les articles pour leur magazine "Konkret". Il comportait
une partie nature et culture, pour attirer le lecteur. La partie politique était
souvent entièrement rédigée à Berlin-Est. Il fallait bien aller la chercher.
Mais la Stasi avait aussi des courriers est-allemands qui passaient le Mur sans
problème. Parmi eux l’avocat est-allemand Friedrich Karl Kaul. Horst Mahler,
l’avocat, co-fondateur de la RAF se rendait aussi à Berlin-Est au nom du Club
républicain. Cette organisation qui fut un laboratoire très important de la
révolte étudiante avait des filiales dans de nombreuses villes universitaires.
Il était financé par l’éditeur ouest-allemand de « Die Zeit », Gerd Bucerius,
mais c’était surtout une succursale des communistes de Berlin-Est. »
Bettina Röhl
▪ Berlin, nouvelle capitale de l'information
La Deutsche Presse Agentur (DPA, la plus grande agence de presse allemande) a déménagé au début de l'été 2010 sa rédaction centrale de son siège historique de Hambourg à Berlin. Cet événement, anodin à première vue, l'est beaucoup moins dans un Etat dont le fonctionnement, y compris dans le monde des médias, est profondément décentralisé. Faut-il donc y voir le signe de la bonne santé de la capitale allemande ? Il y a quelques années déjà, le plus grand groupe de presse européen, les éditions Axel Springer, avait déménagé en 2008 sur son grand site de Berlin ce qui lui restait de son entreprise à Hambourg. Mais il est vrai que feu Axel Springer, le fondateur historique du groupe, originaire de Hambourg, avait lié son destin à celui de la capitale allemande. Donc le déménagement de dpa, deux ans plus tard, est plus significatif encore.
Très fier, Justus Demmler, porte-parole de la DPA, présente les nouveaux locaux de la Deutsche Presse Agentur, au 5e étage de l'immeuble jouxtant celui du célèbre groupe de presse Axel Springer, dans le nord du quartier de Kreuzberg, à Berlin. 3400 m² sur un même plateau, « Nous nous sommes dit, précise Demmler, que si nous étions sur deux étages, ce serait quasiment comme être de part et d'autre d'une rue. Faire du chemin, prendre l'escalier, le seuil psychologique est bien plus grand que si vous avez que vous avez juste 20 mètres à faire dans une direction ». Au cours du mois de juillet 2010, dans les ailes fraîchement peintes et équipées de matériel neuf, se sont installés 180 personnes qui travaillaient précédemment à Hambourg, et 20 de la rédaction photographique de Francfort. Elles rejoignent la centaine de journalistes de la rédaction berlinoise, qui quitte donc ses bureaux de la Reinhardtstrasse, à deux pas du Reichstag. L'organisation de la DPA, très décentralisée, reposait principalement sur 3 pôles: Hambourg avec le siège social et la rédaction centrale, Francfort avec la photo de presse et Berlin pour la couverture de la politique fédérale. C'est donc la fusion de ces trois pôles qui s'opèrent dans les nouveaux locaux de Kreuzberg.
Le rapprochement de la grande agence de presse nationale du centre politique de l'Allemagne peut paraître logique à première vue et même assez naturel. C'est sans compter que celui-ci intervient seulement cette année, soit plus d'une décennie après le déplacement des institutions fédérales à Berlin et que bien d'autres domaines, dans l'économie mais aussi dans la culture et la presse, s'accommodent d'un fonctionnement très dispersé sur le territoire allemand, en équilibre entre les grandes villes du pays. En dehors des journaux du groupe Springer, Die Welt et le tabloïde populaire Bild, en Allemagne, aucun journal à rayonnement national, et encore moins international, n'a son siège dans la capitale, mais à Francfort pour la Frankfurter Allgemeine Zeitung ou Munich pour la Süddeutsche Zeitung. De même, les télévisions publiques tournent leurs journaux télévisés à Hambourg et à Mayence. Quant à la presse économique, elle se partage entre les abords des banques du quartier d'affaires de Francfort et des villes comme Düsseldorf.
Ainsi, ce déménagement de la DPA semblerait presque une anomalie. A ceci près qu'on trouve des précédents. Dans le même immeuble, se trouve la rédaction de Bild. De même, certains grands journaux, s'ils n'ont pas bougé leur rédaction centrale, y ont parfois longuement réfléchi. Ils ont beaucoup plus investi en moyens financiers et humains à Berlin que précédemment la petite capitale de Bonn. Par exemple, la Frankfurter Allgemeine Zeitung rédige à Berlin son édition du dimanche et ses pages culturelles, ce que l'on appelle le "Feuilleton" en Allemagne. Certains programmes d'information télévisés comme les "Tagesthemen", l'édition de la fin de soirée sur ARD y sont aussi tournés. Or, pour la DPA, venir à Berlin constitue un investissement important. Pour la première fois depuis sa création en 1949, l'entreprise présente un budget en déficit de 3 millions d'euros. Et ce, l'année même où le regroupement de ses rédactions à Berlin lui coûte près de 8 millions selon une source proche de la direction de la DPA.
Pourquoi donc investir autant ? La réponse tient dans la position que se dessine Berlin aujourd'hui et donc à retardement par rapport à la réunification. Après la Chute du Mur et l'intégration des territoires orientaux dans la République fédérale, le renouveau de la nouvelle capitale a été présenté comme largement en demi-teinte. D'un côté, l'euphorie des premières années, l'arrivée des institutions et les chantiers gigantesques et de l'autre, une ville incapable d'attirer des investisseurs et constatant l'augmentation de ses dettes et les difficultés sociales de sa population.
Or, la présence à Berlin de la DPA comme des autres médias en Allemagne devient de plus en plus incontournable. La comparaison avec l'époque - parfois qualifiée de bénie - où Bonn était capitale ne tient pas aujourd'hui. Non pas qu'il y ait tellement plus d'événements à décrire dans une politique faite à Berlin. C'est l'époque qui a changé. Contrairement à ce qui se passait il y a ne serait-ce que 15 ans, les journalistes doivent travailler non seulement vite mais dans l'instantanéité. Travailler par mail ou par téléphone avec une rédaction située à plusieurs centaines de kilomètres devient de plus en plus difficile tant la concurrence entre médias se porte sur la vitesse. On considère désormais qu'entre le moment où une information est rendue publique en conférence de presse et celui de sa mise en ligne sur le site Internet d'un journal ou d'une télévision, il ne peut se passer plus d'une demi-heure. D'où la nécessité d'une présence étoffée en personnel aux abords des institutions fédérales.
Puis, Berlin arrive à faire aujourd'hui émerger plusieurs atouts de poids qui dépassent les frontières nationales. Tout d'abord, et surtout depuis le début de la crise économique, l'Allemagne, longtemps dans une position secondaire dans la géopolitique internationale, s'affirme de manière forte, et en premier lieu sur la scène européenne. Les résultats économiques notamment en ce qui concerne les exportations, font de cet Etat une sorte de locomotive pour le continent. Par effet mécanique, ce qui se dit à Berlin prend une résonance bien plus forte. Etre présent dans la capitale allemande devient primordial pour nombre de médias internationaux, et en premier lieu pour les Français. Par exemple, la rédaction du Figaro de Paris publie depuis de longues années déjà plus d'articles de son correspondant à Berlin que de celui de Londres. De même, la première chaîne de télévision française, TF1, a de nouveau un correspondant, dix ans après la fermeture de son bureau allemand.
Et cela va même plus loin. Etre présent à Berlin dispense nombre de rédactions étrangères d'envoyer des correspondants dans les pays voisins de l'Allemagne comme l'Autriche, la Pologne ou encore la Suède. Par exemple, le bureau berlinois de l'agence de presse espagnole EFE coordonne le travail des correspondants en Europe Centrale et en Scandinavie. Il y a trois ans, l'association de la presse étrangère en Allemagne (le Verein der Ausländischen Presse VAP), dont l'une des fonctions est de faciliter l'accès entre des journalistes étrangers et des personnalités de la sphère politique, économique ou culturelle, a proposé des excursions à Varsovie pour la couverture d'élections en Pologne.
L'information serait donc dans cette région d'Europe en train de connaître la même évolution que l'économie financière, à savoir la tendance à se concentrer sur quelques points. A ceci près, qu'en termes de finances, c'est incontestablement Vienne, capitale de l'Autriche, qui s'affirme de plus en plus comme le centre économique de l'Europe Centrale faisant rejouer d'anciens réseaux avec Prague et Budapest. La capitale autrichienne est notamment devenue la pierre angulaire de l'intégration des bourses de la région dans les réseaux mondiaux. La municipalité actuelle de Berlin, plombée par sa situation budgétaire assez catastrophique et par la concurrence des autres grands centres allemands, ne peut suivre.
En revanche, la capitale allemande s'avère constituer aujourd'hui dans le domaine de l'information et des médias, ce fameux "pont entre est et ouest" dont on parlait tant au début des années 1990. La ville le doit autant à la présence des institutions fédérales, qu'au poids retrouvé de l'Allemagne en Europe.
Antoine Laporte, UMR 8504 Géographie-Cités, Equipe PARIS
▪ "Mon Berlin"
Un hymne de Gunnar Schupelius à la capitale allemande
Berlin est une belle ville… Mais non, voyons ! Les destructions de la Deuxième Guerre mondiale sont visibles jusqu’à nos jours. Les vides creusés par les bombes ont été obturés par des façades de styles très différents qui ne s’accordent pas tous les uns avec les autres. L’urbanisme des années 60 a creusé des trouées dans la ville qui font souffrir comme des blessures mal refermées. A Berlin, on reconstruit sans cesse les rues, on échange des maisons, tout simplement. Actuellement, on arrache le béton des années 50 à 70 et on le remplace par des façades modernes d’acier et de verre. S’il me fallait dire ce qui me frappe le plus à Berlin, ce sont les chantiers. On n’arrête pas de construire. Berlin ne semble jamais terminé. La ville n’embellit pas, mais elle se construit.
Nous autres, Berlinois, nous sommes très tolérants. Dans aucune autre capitale d’Europe on ne prend autant à cœur que chez nous le principe « Laissez faire, laissez vivre ». 14% d’étrangers vivent à Berlin et leur nombre augmente. La majorité absolue d’entre nous dit qu’on vit bien avec des étrangers. Bon an mal an, 6,5 millions de touristes rendent visite aux 3,4 millions de Berlinois. Après Paris et Londres, nous sommes la destination touristique la plus prisée en Europe. Pour les Américains nous sommes même les préférés, devant Londres.
Qu’est-ce que les touristes apprécient à Berlin ? En fait, ce sont les chantiers qu’ils aiment, ils adorent voir la ville se développer constamment, sans rime ni raison, mais jamais finie. Et ils aiment l’offre culturelle : avec 150 théâtres, trois opéras, 170 musées et 200 clubs, l’offre dépasse à Berlin celle de toutes les autres villes allemandes.
D’un autre côté, Berlin est la capitale la plus provinciale d’Europe. Il vous y arrive de guider un taxi avec votre plan de la ville parce que les chauffeurs de taxi ne connaissent que leur propre quartier, et ce pour la simple raison que le quartier voisin ne les intéresse pas. Ici, les conducteurs de bus sont impertinents : « Comment puis je aller au Musée de Pergame ? » demandait récemment une touriste. « Si ch’savais, ch’serais pas scotché ici », répondit le conducteur. Mais son insolence recélait un brin d’auto-ironie typiquement berlinoise : il voulait dire par là qu’il n’était pas assez intelligent pour expliquer le chemin et qu’il n’avait pu faire mieux dans la vie qu’être conducteur de bus. L’humour de Berlin est le plus noir qui soit, aucun autre Allemand ne pratique autant le sarcasme que nous, Berlinois.
Il y a un sujet qui ne fait pas rire les Berlinois. C’est quand on parle de leurs jardinets à cabanons. Il y en a chez nous jusque dans le centre ville. Par exemple non loin de l’artère centrale chic de Berlin-Ouest, le Kurfürstendamm. Ils s’étalent là dans un grand espace vide entre des immeubles et l’on va maintenant bâtir sur ce terrain. Les occupants des jardinets n’acceptent absolument pas de quitter leurs terres et reçoivent le soutien de responsables politiques et même les tribunaux leur donnent raison. Centre ville ? Bureaux ? On s’en moque. On veut garder sa terre. Berlin est la capitale des cabanons, comme on les appelle à l’Ouest, et des « datchas », comme on les appelle à l’Est.
A l’Est on continue par exemple de dire „un une pièce“ tandis qu’à l’Ouest on dit „un studio“.
Il n’y a pas que la langue berlinoise à se ressentir encore de la division. Celle-ci touche aussi la mentalité des hôtes de ce lieu. Dix-huit ans après la réunification de la ville, les Berlinois de l’Ouest et de l’Est ne lisent pas les mêmes journaux. Qui emprunte le métro qui passe par les endroits où se trouvait jadis le mur de Berlin, peut observer que les journaux lus par les passagers évoluent peu à peu au fur et à mesure que le train circule. A l’Ouest, les mains des passagers tiennent la « B.Z.“, la „Morgenpost“ et le „Tagesspiegel“, l’Est la « Berliner Zeitung » et le « Kurier ».
D’un côté, Berlin est divisée, de l’autre elle est unie dans son humeur basique parce qu’en fait, c’est une ville rouge : le SPD social-démocrate et La Gauche néo-communiste récoltent ici 53% des suffrages. Si l’on ajoute les Verts qui, à Berlin, ont une teinture socialiste, on peut en déduire que 68% des Berlinois votent à gauche. Où trouve-t-on un tel électorat ? Où rencontre-t-on autant d’activisme politique qu’à Berlin ? Tous les jours, une dizaine de manifestations traînent les pieds dans les rues de la ville. On en dénombre près de 4000 par an. Tous les mois de janvier, 80 000 personnes vont en pèlerinage sur la tombe de Rosa Luxembourg, la fondatrice du parti communiste allemand assassinée en 1919. C’est le plus grand rassemblement postcommuniste de la planète.
Berlin n’est pas seulement la ville la plus rouge, c’est aussi la ville la plus verte d’Europe : 42% de sa surface se compose de forêts, de prairies et de parcs. Dans ses rues, on compte 420 000 arbres. Nous autres, Berlinois, nous arrosons nos arbres en période de sécheresse. Nous ne tolérons pas qu’un arbre soit abîmé ou abattu dans nos rues. Alors, là aussi, fini de rire. Dans mon voisinage, les gens ont collecté récemment plusieurs milliers d’euros pour remplacer à leurs frais deux platanes qui étaient tombés. Pourtant, il y a déjà tellement d’arbres dans cette rue qu’en été, au milieu de la journée, les voitures doivent allumer leurs phares.
Nous aimons autant nos animaux de compagnie que nos arbres. Nous avons 106 000 chiens dûment déclarés au fisc et quelques 30 000 chiens „défiscalisés ». Le foyer des animaux perdus de Berlin est avec ses 16 hectares le plus grand au monde. Dans nos supermarchés, on peut laisser à la caisse des aliments qu’on achète pour en faire don aux animaux sans le sou.
Tout simplement parce que les animaux nous rendent heureux. Pour ce qui est de l’économie de notre ville, nous sommes sans doute la métropole la plus heureuse au monde : 90% d’entre nous disons que nous sommes contents de vivre à Berlin ? Pourtant c'est la ville des infidèles : on marie 12 000 couples par an à Berlin, mais 10 000 demandent le divorce. Il est vrai que Berlin est aussi la ville des solitaires : la moitié des habitants de Berlin est faite de célibataires et plus de la moitié vit dans des ménages d’une seule personne. Et Berlin est une ville de pauvres. Le taux de chômage plafonne encore à 15% et 52% seulement des actifs ont un travail régulier et seulement 9% d’entre eux dans l’industrie et l’artisanat. 267 000 personnes vivent d’aide sociale et un enfant sur trois relève du minimum vital. Pas une seule entreprise cotée en Bourse n’a son siège dans la capitale allemande et pourtant la Deutsche Bank, l’Allianz, Siemens et l’AEG ont été fondées ici jadis.
Le bourgmestre de Berlin, Klaus Wowereit, a explicité le taux de satisfaction des habitants de sa ville, que la pauvreté ambiante rend inexplicable, en disant que « Berlin est pauvre mais sexy ». C’est le slogan le plus impertinent qu’un maire ait jamais inventé pour sa cité.
Peut-être sommes-nous, nous autres Berlinois, trop satisfaits pour nous vêtir de façon sexy. Nos accoutrements sont plus pauvres qu’il le faudrait. Nous allons encore faire nos emplettes en survêtements de sport. De belles jeunes femmes parcourent les rues vêtues comme si elles avaient acheté leurs habits au marché aux puces. Il arrive chez nous que les enseignants aillent faire leurs cours en jeans sales. Les policiers laissent pendre leur ventre par-dessus leur ceinture. On va en vareuse violette au bal et en débardeur à l’opéra.
Nous n’avons pas d’aéroport international proprement dit et les vitres des wagons de nos métros sont tellement rayées qu’on ne peut pas voir à travers. Chez nous, on boit la plus mauvaise bière d’Allemagne et on mange la meilleure saucisse au curry. Chez nous à Berlin, il n’y a rien qu’il n’y ait pas, comme disent les Berlinois avec leur logique qu’ils sont seuls à comprendre. C’est notre Berlin. Nous aimons cette ville. (G.S.)
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Deux
interviews sur le livre « Berlin-Stasi »
Le mur de Berlin n’était que l‘épiphénomène
Eurbag Magazine. La commémoration de la chute du mur de Berlin, le 9 novembre 2009, a-t-elle été à la hauteur ?
Jean-Paul Picaper. Heureusement, il n’avait pas plu autant le 9 novembre 1989 quand s’ouvrit le mur. Néanmoins, n’était-ce cette année la pluie, le froid humide et le ciel maussade, elle a dépassé nos espérances. Les Berlinois aiment les fêtes et célébrations. Ils sont accourus à plus de cent mille pour voir tomber les dominos qui symbolisaient la chute du mur. Il y avait dans la foule des Polonais et des Français en très grand nombre, ainsi que d’autres nationalités, des Américains notamment. J’ai beaucoup apprécié que le mot « liberté » ait été si présent sur les affiches, dans les discours et les chansons. Ce terme n’est pas galvaudé, il est éternel. Il a été également question de la lutte « contre le totalitarisme ». La conviction que la RDA et l’URSS étaient des dictatures totalitaires fait son chemin. Ce n’était pas évident il y a plus de vingt ans, quand la désinformation communiste influençait encore la pensée occidentale. Cela dit, les livres et articles sont beaucoup trop axés sur le mur de Berlin qui n’était que l’épiphénomène. Il y avait derrière, le parti, la Stasi, l’armée et l’URSS. Il va falloir maintenant oublier un peu le mur et se pencher sur les dictatures et leurs polices secrètes dont il reste encore un certain nombre dans le monde, de Cuba à la Corée du nord, sans oublier la Chine et certains vestiges en Russie.
Beaucoup de livres sont parus à cette occasion, en France aussi…
On est sidéré par le nombre de livres et d’articles publiés autour du 9 novembre 2009. Bien des confrères écrivent des livres sur la chute du mur de Berlin qui étaient encore enfants ou ados à cette époque. Tout le monde voudrait avoir été à Berlin ce jour-là. Si ce n’était pas le cas, on fait comme si. C'est comme si j’écrivais, moi, un témoignage sur la bataille de Bouvines ou relatais mes souvenirs de Verdun. Les gens des médias se gargarisent aujourd’hui d’une victoire qui n’est pas la leur, alors qu’à l’époque la plupart des journalistes trouvaient un charme discret à la RDA et que le mur de Berlin, somme toute, n'était pour eux pas plus mal qu’autre chose. J'ai vu Ségolène Royal le soir du 9 novembre à Berlin dire sur Canal + qu'il faudrait abattre les murs dans le monde. Beau programme, mais il faudrait commencer par distinguer les murs qui sont destinés à mettre en cage la population du pays qui les érige, comme c'était le cas pour la RDA et ce l'est encore pour la Corée du nord, et ceux qui protègent un pays d'invasions ou d'agressions extérieures. S'ajoute que la pléthore d’ouvrages sur la chute du mur reflète le côté évènementiel et médiatisé de la littérature politique actuelle. L’évènement était important, c’est indéniable. Mais il a été hypertrophié par des médias qui relatent la chose de façon phénoménologique. J’entends par là que la plupart de ces textes se contentent de décrire les phénomènes visuels, au mieux des faits référenciés par l’histoire, les plus habiles présentant leurs assertions comme des révélations ou des nouveautés. Alors que ce sont souvent de vieilles lunes.
Pourtant, pourquoi n’avez-vous pas publié un livre sur le mur de Berlin que vous avez bien connu, mais sur la Stasi ?
J’ai connu Berlin avant le mur en 1959-60, pendant le mur de 1963 à 1989, et après le mur depuis 1989. J’ai vécu presqu’un demi-siècle à Berlin. Néanmoins, quand le directeur des éditions des Syrtes me demanda à la fin de l’année 2008 de faire un livre à l’occasion de la commémoration du mur, je lui ai répondu : « Surtout pas ! ». J’avais entendu de nombreux confrères évoquer les livres et films qu’ils préparaient sur le mur et sa chute. Dans l’esprit de ma trajectoire berlinoise et de mes recherches universitaires sur l’essence et les mécanismes du totalitarisme, je lui ai proposé de faire un livre sur la Stasi. L’espionnage qui est le second plus vieux métier du monde, comme on dit, passionne les lecteurs. Mais la Stasi, ce n’était pas seulement de l’espionnage, mais aussi la guerre d’influence, la désinformation et elle était l’âme de la dictature.
Mon livre ne traite donc qu’en filigrane du mur de Berlin, de son érection à son démantèlement. Qui traite de la Stasi ne peut éluder le mur puisque Erich Honecker, le leader de la RDA et constructeur du mur, avait confié à Erich Mielke, le chef de la Stasi, d’être le gardien du mur et de surveiller ceux qui voulaient le franchir. Ce n’était pas le rôle d’un service d’espionnage. Mielke ne l’ignorait pas : « On cherche un imbécile pour lui faire porter le chapeau si cela ne marche pas », avait-il dit à ses proches collaborateurs. Mais sa position ne lui permettait pas de contredire le parti dont la Stasi était « l’épée et le bouclier » et il s’est dit qu’il réussirait mieux que les autres. Depuis le début des années 70, la RDA était sous la coupe des « deux Erichs », Erich Honecker et Erich Mielke.
Ainsi donc tous les hommes et les femmes placés aux points de contrôle du mur et des voies de transit entre Berlin-Ouest et l’Allemagne de l’Ouest étaient des gens de la Stasi en uniformes de douaniers ou de policiers. Ils entraient dans la catégorie de personnels, comme par exemple ceux des ambassades, qui étaient nécessairement et sans exception membres de la « firme ». La lutte contre les candidats à l’émigration ou à la fuite a fortement accaparé la Stasi et l’a détournée partiellement de ses véritables fonctions. Tous les hommes et femmes aux points de contrôle du mur et des frontières de la RDA étaient des gens de la Stasi. Cela explique partiellement le gonflement extraordinaire de ses effectifs : 90 000 fonctionnaires à plein temps et quelques 200 000 agents. S’ajoutaient les policiers populaires requis pour surveiller les prisons. Les prisons politiques au nombre de trente-six formaient un goulag est-allemand.
Les citoyens de RDA se racontaient à ce sujet une bien bonne : Erich Mielke rencontre Erich Honecker et lui dit : « Dis donc, camarade Honecker, que fais-tu pendant tes loisirs ? ». « C’est simple, répond Honecker, je collectionne les blagues qu’on raconte sur moi ». « C’est extraordinaire, s’exclame Mielke. Nous avons le même passe-temps. Moi, je collectionne les gens qui racontent ces blagues ».
Mais la RDA ne pouvait pas mettre tous les candidats à la fuite en prison, faute de place.
On en a laissé partir certains, parmi eux des agents. Ce qui permettait de libérer des logements pour des collaborateurs fidèles des services et du parti qui se voyaient allouer ainsi un logement gratis, compensation pour l’interdiction de voyager à l’Ouest. D’autres étaient emprisonnés, mais libérés avant terme contre une rançon payée par la République fédérale, ce qui a servi à rentabiliser le mur. Le mur avait dressé la population contre le régime. Les gens n’ont jamais pardonné à Ulbricht puis à Honecker de les avoir mis en cage. Néanmoins, le mur a donné au régime un sursis et un répit de 28 ans qui a permis à la Stasi de se concentrer sur la guerre d’influence et du renseignement à l’Ouest. A partir de 1961-62, les mesures actives, parmi elles surtout la désinformation qui était l’apanage de Markus Wolf, ont pris le pas sur le contre-espionnage. Certes, la désinformation existait déjà depuis les années 30 dans les services soviétiques, mais la RDA a fait d’énormes progrès en la matière. En revanche, il était devenu très difficile pour les agents occidentaux de pénétrer en RDA. Pour la Stasi, l'infiltration à l’Ouest était devenue d’autant plus importante que la guerre froide excluait des opérations militaires dans le premier cercle, en Europe. La guerre n’était possible que dans le second cercle, dans le Tiers-Monde. Au-dessous du seuil de la guerre, il y eut donc la guerre des espions et des désinformateurs. C’est cela, essentiellement, que je décris.
Donc une action psychologique ?
Psycho-idéologique… Mon livre décrit donc la partie non visible de l’iceberg de la guerre froide en aboutissant à une critique de l’idéologie et du régime totalitaire et en finissant sur le crépuscule du marxisme. Car une de mes thèses centrales contrebat l’idée que le Stalinisme aurait été une déformation de la vraie doctrine. Au contraire, je démontre que la dictature du bureau politique, soutenue par la Stasi, était en germe dans l’idéologie marxiste et même dans l’attitude de Marx et celle de Lénine. Mon analyse dépasse donc le descriptif phénoménologique. Bien avant le commencement de la fin de la « Soviétie », dans les années 1980, qui intéresse aujourd’hui les auteurs, j’ai vécu dans l’intimité de la dictature est-allemande depuis 1959 et depuis 1963. D’abord comme étudiant à Berlin-Ouest, ville ouverte, puis comme enseignant à Berlin-Ouest, ville emmurée. J’ai été aussi soldat dans les forces françaises à Berlin et ai vu, là, le mur sous un autre angle. Tout en subissant à Berlin-Ouest la soi-disant « rébellion étudiante », très manipulée par la Stasi, j’allais aussi en RDA comme reporter. Je pense, en tant que Français, avoir apporté ma petite pierre à la libération de Berlin.
Et la libération est arrivée…
Le 9 novembre 1989 fut un moment d’euphorie pour la population est-allemande et de joie pour celle de Berlin-Ouest. Ce qu’on a appelé la « folie berlinoise », le « Wahnsinn Berlin ». J’ai certes vécu le cheminement de la liberté tout au long des mois qui ont précédé cette date historique, en participant aux manifestations à Leipzig et dans diverses petites villes de Saxe, en accueillant les réfugiés sur la frontière bavaroise. Mais plus qu’une libération, la chute du mur fut pour moi une victoire politique sur le régime est-allemand et la Stasi. Pour moi et mes amis qui avaient combattu pendant trente ans le marxisme et avaient compris mieux que les compatriotes de l’Ouest la vraie nature de ce régime, c’était un triomphe comme bien peu de gens ont eu la chance d’en vivre un au cours de leur vie. J’ai aidé activement des dissidents est-allemands à s’informer et j’ai informé de diverses manières l’Ouest. J’avais rédigé en 1976 une thèse qui décortiquait la propagande communiste est-allemande. Elle a été utilisée comme manuel par les futurs diplomates et les futurs militaires ouest-allemands. J’espère les avoir un peu immunisés. En étroite coopération avec le Comité central du parti et le Bureau politique, la Stasi était avant tout un organe de transformation des cerveaux et de modification des attitudes dans le but d’obtenir un comportement conforme et une pensée unique. Il fallait donc protéger les gens de cette gigantesque entreprise de création du soi-disant « homme nouveau ». J’y ai un peu contribué, sans me faire pincer, avec beaucoup de chance parfois. Tout cela est relaté dans mon livre.
Considérez-vous votre livre comme un ouvrage d’historien ?
Cette histoire est assez récente. Bien des jeunes ne la connaissent plus, il faut la leur rappeler. D’autant que ce travail est très actuel aussi parce que la Stasi, sacrifiée fin 1989 pour sauver le parti de l’anéantissement, a laissé des métastases. Non seulement ses anciens membres se sont regroupés en associations, mais surtout le parti allemand « Die Linke » a repris le flambeau et célèbre à nouveau « les lendemains qui chantent » comme si le marxisme-léninisme n’avait pas déchanté.
Interview parue dans France-Soir
Il y avait au départ un déficit de démocratie.
Alain Vincenot. Vous publiez un livre intitulé « Berlin-Stasi ». Que signifie le mot Stasi ? Quand la Stasi a-t-elle été créée ?
J.-P. Picaper. « Stasi » est l’abréviation de « Staatssicherheit », Sûreté d’Etat. On l’appelait aussi « la firme ». Le KGB stalinien a tenu la Stasi sur les fonds baptismaux et a commis après la guerre en Zone soviétique devenue RDA, des crimes inouïs que je relate en partie. Née à ce moment, la Stasi devient ministère en 1952.
Erich Mielke, un ancien liquidateur stalinien, a aidé le chef du parti, Walter Ulbricht, à éliminer ses rivaux. En récompense, il est promu en 1957 ministre de la Sûreté d’Etat et général d’armée. En 1972, il aidera Honecker à éliminer Ulbricht et gardera donc son poste jusqu’en 1989. Dès 1952, le célèbre Markus Wolf dirigea la Section espionnage. J’ai interviewé dans mon livre le dernier chef de l’espionnage, Werner Grossmann. Je relate mes entretiens avec Markus Wolf, décédé en 2006.
Comme me l’a dit un ancien lieutenant colonel de la Section de Désinformation de la Stasi, il y avait au départ un déficit de démocratie. C’est ce refus de la critique et des réformes qui a failli tuer la RDA en 1953, puis en 1960-61 quand le régime dut enfermer ses citoyens derrière un mur. Enfin, elle en est morte en 1989 quand le peuple en colère a ouvert le mur.
La Stasi a-t-elle recyclé des anciens nazis?
Officiellement, le KGB et la Stasi luttaient contre les anciens nazis, mais c’était un prétexte pour liquider les anticommunistes et les sociaux-démocrates dans des prisons et dans les anciens camps de concentration hitlérien rebaptisés « camps spéciaux ». La Stasi a récupéré de nombreux anciens nazis en menaçant de révéler leur passé ou de les traduire en justice. Comme la Gestapo et la Stasi se ressemblaient, ils ont pu mettre leur savoir-faire à sa disposition. La Stasi était à la fois police secrète, service d’espionnage et de contre-espionnage, officine de désinformation et armée. Ses officiers portaient une arme.
Elle s’appuyait certainement sur un important réseau d’informateurs. Comment étaient-ils recrutés ?
Dans les années 80, elle comptait près de 100 000 collaborateurs permanents salariés et près de 200 000 indicateurs en mission, les IM, ainsi que quelques 20 000 IM et 1 500 espions en RFA. Elle avait vraiment mis le paquet ! A l’Ouest, les IM étaient souvent rémunérés, mais le pacifisme et le néo-marxisme ont séduit de nombreux bénévoles, surtout parmi les étudiants. En RDA, les IM œuvraient gratis en échange de privilèges ou tenus par le chantage.
Quel a été son rôle dans la surveillance du mur de Berlin?
Mon livre n’est pas un livre sur le mur de Berlin, mais sur la Stasi. Seulement, la répression des tentatives de fuite à l’Ouest a été confiée à la Stasi par Erich Honecker. Ce n’était pas le rôle d’un service d’espionnage. Mielke a compris que c’était une erreur, mais il a obéi. Tous les contrôleurs en uniformes de l’armée ou de la douane placés aux frontières, donc au mur aussi, étaient des gens de la Stasi. Elle a traité ceux qui voulaient émigrer comme des espions et des criminels. Ces persécutions ont acculé les gens à l’opposition.
Quelles étaient ses méthodes ?
La surveillance totale, jusque sous les lits et dans les latrines et je n’exagère pas. Voyez les détails sordides dans mes pages. L’argent et l’idéologie furent des motifs puissants de recrutement. On donnait aussi aux espions le sentiment de participer au salut du monde. On les flattait, on les décorait, mais certains, réfugiés en RDA, s’en sont repentis parce que le paradis socialiste n’était pas ce qu’ils avaient imaginé.
Enfin, le sexe a aveuglé bien des Occidentaux. Le KGB leur envoyait des « hirondelles », des femmes à sa solde qui leur arrachaient des secrets d’alcôve ou les faisaient chanter. La Stasi a élargi la méthode en faisant conter fleurette à l’Ouest par des « Roméos », des agents beaux, stylés, cultivés, à des femmes esseulées et en mal d’amour, généralement des secrétaires de ministres ou de PDG. La principale espionne de la Stasi, Gabriele Gast, avait été séduite à Berlin-Est par un bel officier de la Stasi. Je l’ai interviewée.
Et vous ?
Un soir dans un hôtel de RDA, mon « guide », c'est-à-dire l’homme de la Stasi qui accompagnait tout journaliste, me proposa d’agrémenter ma nuit. J’ai répliqué d’un air indigné par la formule que m’avait apprise un diplomate français : « Monsieur, je suis Français et j’ai l’habitude de chercher mes femmes moi-même ». Je n’ai pas retrouvé ce propos dans mon dossier. En revanche, un débat que j’avais eu avec un officier des troupes frontalières de RDA y était entièrement consigné. Il me vantait les avantages du communisme. Je lui ai exposé les avantages du capitalisme et de la démocratie. Je crois qu’en relatant mes propos, l’homme a pris un malin plaisir à écrire ce qu’il pensait mais ne pouvait pas dire.
Parce que vous avez lu votre dossier ?
Oui, il était assez épais. J’écris que « la Stasi fut mon biographe ». J’y ai retrouvé des éléments oubliés d’une trentaine d’années de ma vie, des conversations, des appels téléphoniques enregistrés sur écoutes, des remarques sur ma psychologie et mon train de vie. Mais j’ai eu la joie de constater que mes contacts en RDA ne m’avaient pas trahi. Sauf un, mais je l’avais deviné.
Pourquoi la Stasi n’a-t-elle pas réagi en 1989 ?
Elle voyait le dérapage, mais le parti décidait. Elle n’a pu qu’observer en rongeant son frein le crépuscule des gérontocrates communistes. Honecker était gravement malade. Mielke n’aurait jamais imaginé l’échec du communisme. Ce n’était pas prévu par Karl Marx. Le pire, c’est qu’on a fait porter le chapeau à la Stasi pour sauver le parti communiste qui a ressuscité de ses cendres.
Quand la Stasi a-t-elle été dissoute ?
Wolf et Grossmann ont quand même réussi un coup de maître en obtenant de liquider eux-mêmes leur service et de détruire les dossiers de leurs agents placés à l’étranger. Ce fut leur dernier méfait. Mais il existait des copies microfilmées que la CIA a récupérées. Les chefs ont été graciés et mis à la retraite. Des jeunes cadres se sont recyclés dans les affaires. Ils étaient capables. La Stasi avait ses universités.
Je ne suis pas partisan du dicton « Vae Victis », « malheur aux vaincus ». Ils ont perdu la guerre froide. Pourquoi les accabler maintenant qu’ils ne sont plus un réel danger ? Ils avaient prévu, eux, de nous arrêter et de nous enfermer dans des camps. Il faut leur montrer que la démocratie n’approuve pas ce genre de méthodes. L’époque où ils nous menaçaient concrètement appartient à l’histoire, une histoire fascinante que j’ai vécue à leur contact de 1959 à 1989 presque sans interruption. Cet élément personnel est l’atout majeur de mon livre.